Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Warnung vor Stillstand im gewerblichen Wohnbau. Ab 2027 droht ein Stillstand des gewerblichen Wohnbaus, warnte Raiffeisen Immobilien gestern und kritisierte die Verschärfungen bei gewerblichen Immobilienkrediten. Der Systemrisikopuffer, den Banken bei solchen Krediten hinterlegen müssen, wird mit Juli auf 2 % verdoppelt und steigt 2027 auf 3,5 %. Für Wohnbauträger würde die Finanzierung damit deutlich teurer, da der höhere Puffer „on-top“ zur bereits bestehenden Eigenkapitalhinterlegung der Banken hinzu komme. „Noch weniger Angebot als schon bisher wird zu weiter steigenden Preisen und Mieten führen, und die Inflation neuerlich anheizen“, so Raiffeisen-Immobilien-Sprecher Peter Weinberger. Der Wohnbau blieb auch 2025 in der Rezession, laut Raiffeisen sind die Wohnbauinvestitionen seit 2022 um 20 % zurückgegangen. [Quelle: Raiffeisen Immobilien]
Kommentar: Öl und Gold vom Krieg unterschiedlich betroffen
„Wohin mit dem Geld?“ von Monika Rosen
Der Krieg im Mittleren Osten hat den Ölpreis massiv in die Höhe getrieben. Gleichzeitig konnte Gold seine Rolle als Krisenwährung nicht in gewohnter Manier ausspielen. Was sind die Hintergründe, und warum hat Europa mit dem aufgewerteten Dollar jetzt ein zusätzliches Problem?
💡 Investitionen in militärische Angelegenheiten seit 2015 um rund 820 % gestiegen. Die Investitionen des Bundesheeres (Auszahlungen aus der Investitionstätigkeit, UG 14) stiegen von 188 Mio. Euro im Jahr 2015 (Ist-Wert) auf geplante 1,73 Mrd. Euro im Jahr 2026 – eine Steigerung um rund 820 %. Der starke Anstieg begann ab 2023, ausgelöst u. a. durch den Ukraine-Krieg, das Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz und den Aufbauplan ÖBH 2032+. Vergangenes Jahr wurden u. a. 12 Leonardo M-346 Kampfflugzeuge, 315 unbemannte militärische Luftfahrzeuge und 80 neue Gruppentransportfahrzeuge gekauft. [Quellen: BMF-Teilhefte UG 14, 2017–2026, BMLV | Grafik von David Schima und Maximilian Kern]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 E-Control sieht keine neue Energiekrise. Die Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiemärkte in Europa und Österreich seien bemerkbar, eine Energiekrise wie im Jahr 2022 sei jedoch zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Den Grund dafür sehen die Vorstände der E-Control, Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch, unter anderem in stärker diversifizierten Energieimportquellen. Diese Einschätzung beruht auf der Annahme, dass der Krieg im Iran zeitlich begrenzt bleibt. Ein Risiko bestehe hingegen bei der Einspeicherung von Gas für den kommenden Winter. Erst wenn die Straße von Hormus wieder sicher befahrbar ist, dürften die Preise sinken und die Einspeicherung beginnen. Die deutsche Initiative Energien Speichern (Ines) sieht angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen im Auffüllen der Gasspeicher eine „große Herausforderung“. Durch den zunehmenden Wettbewerb infolge der Krise und die daraus resultierenden Preissteigerungen habe sich der Sommer-Winter-Spread ins Negative gedreht, weshalb ökonomische Anreize für die Gaseinspeicherung fehlen. [Quellen: E-Control, APA via Medienberichte, Ines]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die durchschnittlichen Preise für Benzin lagen gestern in Österreich bei 1,760 Euro pro Liter und für Diesel bei 1,964 Euro – Erhöhungen sind nur noch am Montag, Mittwoch und Freitag möglich. Der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent lag Mittwochfrüh bei 100,98 Dollar, der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF lag bei 51,559 Euro pro MWh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis Brent, Gaspreis TTF]
🇦🇹 Mehr Digitalisierung führt zu höherem Umsatz. Österreichische Unternehmen auf der höchsten Digitalisierungsstufe verzeichnen ein um 6,2 Prozentpunkte höheres Umsatzwachstum als sogenannte digitale Nachzügler. Laut einer Analyse von Accenture, der Industriellenvereinigung und Economica liegt bei diesen Vorreitern auch das Beschäftigungswachstum um 1,2 Prozentpunkte und das Produktivitätswachstum um 6,1 Prozentpunkte über dem Niveau der Vergleichsgruppe. Die Studie definiert diese digitalen Champions als Betriebe, die technologische Innovationen konsequent wertschöpfend einsetzen. Der Anteil dieser Unternehmen am Standort Österreich ist seit 2021 auf 5 % gestiegen, während sich die Anzahl der digitalen Nachzügler verringert hat. Bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen belegt Österreich im EU-Vergleich den 7. Platz. [Quellen: IV/Accenture/Economica – Presseaussendung, Studie]
🇦🇹 Preise und Nachfrage nach Eigentumswohnungen gestiegen. Der Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung in Österreich ist von 2024 auf 2025 um 4 % gestiegen und lag bei 6.041 Euro. Die Nachfrage erhöhte sich im selben Zeitraum um 17 %. Laut ImmoScout24-Geschäftsführer Markus Dejmek stieg die Nachfrage bereits 2024 stark an, „nun bewegen sich auch die Preise“. Am höchsten ist der Quadratmeterpreis in Tirol mit einem Medianpreis von 7.043 Euro, gefolgt von Vorarlberg (6.901 Euro) und Wien (6.636 Euro). Am günstigsten ist Wohneigentum in der Steiermark mit 4.331 Euro. [Quelle: ImmoScout24]
🇦🇹 Verteidigungsministerin will Wehrpflicht-Entscheidung vor dem Sommer. Die Parteien im Nationalrat sollen sich im Idealfall noch vor dem Sommer auf das von der Wehrdienstkommission priorisierte Modell „Österreich PLUS“ einigen. „Die Zeit drängt“, betonte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Sie sehe keinen Grund daran zu zweifeln, dass eine Entscheidung gefällt werde. Dennoch sei es wichtig, auf einen baldigen Beschluss zu drängen, damit die Umsetzung noch vor dem Sommer beginnen und das Modell pünktlich zum Jahresbeginn 2027 starten könne. Es dürfe bei Sicherheitsfragen keine parteipolitischen Spiele geben, so Tanner weiter. Eine Volksbefragung betrachte sie als Option, sobald eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament gefunden wurde. [Quelle: PK BMLV]
🇦🇹 Mehr Unternehmen sollen von ID Austria profitieren. Staatssekretär Alexander Pröll will, dass mehr Unternehmen die ID Austria einsetzen. 20 Anwendungsfälle seien bereits in der heimischen Wirtschaft umgesetzt. Ein Beispiel: A1 setzt beim Kundenlogin auf die ID Austria. Um weitere Anwendungen auszuloten, bittet Pröll gemeinsam mit der WKÖ zu Branchen-Roundtables ins Bundeskanzleramt. Den Anfang machte gestern die Sparte Gewerbe und Handwerk, folgen sollen Banken, Versicherungen sowie Telekommunikationsunternehmen, Handel, Industrie, Information und Consulting, Tourismus und Freizeitwirtschaft und Transport und Verkehr. [Quelle: BKA]
🇦🇹 Hürden für Börsengang werden gesenkt. KMU soll ein leichterer Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht werden. Eine entsprechende Änderung von Börsegesetz, Kapitalmarktgesetz, Referenzwerte-Vollzugsgesetz und Wertpapieraufsichtsgesetz hat gestern den Finanzausschuss passiert. Der „Listing Act“ ist eine nationale Umsetzung von EU-Vorgaben. Für einen Börsengang muss eine AG dann ein Jahr statt bisher drei etabliert sein und einen statt bisher drei Jahresabschlüsse veröffentlicht haben. Ein Wertpapierprospekt muss ab einem Emissionsvolumen von 12 Mio. Euro statt bisher 5 Mio. Euro. Mit 6. Juni soll der „Listing Act“ in Kraft treten. [Quelle: Parlamentskorrespondenz]
🇦🇹 🇪🇺 Österreich feilt noch an Position zu „Verbrenner-Aus“. Österreichs Position zum „Verbrenner-Aus“ ist laut Umweltminister Norbert Totschnig „noch nicht fertig ausgearbeitet“. Man sei für Technologieoffenheit, aber auch „Technologieklarheit“, sagte der Minister im Vorfeld des EU-Umweltministerrats gestern, wo es auch um eine Orientierungsaussprache zum Aufschnüren des Verbrenner-Aus ging. Im Schwerverkehr und der Landwirtschaft werde es in Zukunft „erneuerbare Kraftstoffe“ brauchen. „Wir wollen eine starke Automobilindustrie halten, aber wir wissen natürlich, wir haben ambitionierte Klimaziele“, so Totschnig. Die EU-Kommission hat das ursprüngliche Quasi-Verbot für Verbrenner im Dezember abgeschwächt. Statt einer 100-prozentigen Reduktion der CO2-Flottenemissionen bis 2035, sollen es nun 90 % sein. Einzelne Länder setzen sich für eine weitere Lockerung ein, Deutschland hingegen hält den Vorschlag der EU-Kommission für ausreichend. „Wir begrüßen grundsätzlich den Vorschlag und jetzt müssen wir daran weiterarbeiten“, sagte Totschnig. [Quelle: Doorstep Totschnig]
🇦🇹 Neue Wasserstrategie für Vorarlberg. Das Land Vorarlberg hat seine aktualisierte Wasserwirtschaftsstrategie bis 2030 vorgestellt. Von 2020 bis 2024 wurden in allen Bereichen der Wasserwirtschaft in Vorarlberg rund 396 Mio. Euro investiert. Die Landesförderungen lagen bei 76 Mio. Euro. Die Schwerpunkte der Strategie: Die Trinkwasserversorgung soll durch neue Quellen, Grundwasserbrunnen und Verbundleitungen gesichert werden – im Bregenzerwald steht ein Projekt zur Vernetzung von zehn Gemeinden kurz vor der Einreichung. Es sind Investitionen in Kläranlagen geplant, da steigende Gewässertemperaturen deren Reinigungsleistung mindern und ökologische Kipppunkte riskieren; künftig sollen auch Flüsse beschattet werden, um die Wassertemperatur zu senken. Es wird eine vierte Reinigungsstufe für ausgewählte Kläranlagen eingeführt, um Mikroschadstoffe aus Medikamenten, Kosmetika und Reinigungsmitteln zu entfernen. [Quelle: Land Vorarlberg]
🇪🇺 🇦🇺 Freihandelsabkommen EU-Australien auf der „Zielgeraden“. Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge befindet sich das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien auf der „Zielgeraden“. Demnach könnte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unter Berufung auf Insider bereits am kommenden Wochenende zur Unterzeichnung nach Australien reisen. Am Montag berichtete EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič von wertvollen Gesprächen mit dem australischen Handelsminister Don Farrell und davon, dass man sich auf dem richtigen Weg für ein erfolgreiches Ergebnis befinde. [Quellen: Maroš Šefčovič auf X, Reuters, Bloomberg]
🇪🇺 4 Ideen der EU-Kommission zur Senkung der Strompreise. In einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der EU hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen 4 Hauptfaktoren benannt, um die Stromkosten langfristig zu senken. Der Brief soll auch Grundlage für den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag sein. Zentrales Ziel ist die Reduzierung der Stromerzeugungskosten durch den Ausbau sauberer Energien, wodurch der Einfluss teurer Gaskraftwerke auf den Marktpreis (Merit-Order-Prinzip) verringert werden soll. Zur Stabilisierung setzt die Kommission zudem auf die Förderung langfristiger Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements) und spricht sich gegen die vorzeitige Stilllegung bestehender Kernkraftwerke aus. Darüber hinaus schlägt von der Leyen eine effizientere Nutzung der Stromnetze sowie eine Senkung der Strombesteuerung vor, die derzeit oft über der von Gas liegt. Beim EU-Emissionshandel (ETS) soll trotz grundsätzlichem Festhalten am System die Marktstabilitätsreserve gestärkt werden, um extreme Preisschwankungen abzufedern. Zudem kündigte die Kommission an, die Regeln für staatliche Beihilfen und Netzentgelte zu vereinfachen, um insbesondere energieintensive Industrien gezielter entlasten zu können. [Quelle: Politico – Brief vdL | Reaktion: SPÖ]
🇵🇾 🇪🇺 Paraguay ratifiziert EU-Mercosur-Freihandelsabkommen. Mit Paraguay hat das letzte Mitgliedsland des Mercosur das Freihandelsabkommen mit der EU ratifiziert. Dies gab der Präsident der Abgeordnetenkammer Paraguays, Raul Latorre, bekannt. Die EU-Kommission hat vergangene Woche die erforderlichen Verfahrensschritte eingeleitet, um die vorläufige Anwendung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur zu implementieren. Dies bestätigte der stellvertretende Sprecher der Kommission, Olof Gill, gegenüber Politico. Es wird angenommen, dass das Handelsabkommen Anfang Mai in Kraft treten wird. [Quellen: Raul Latorre auf X, Politico]
🇩🇪 Ökonomen sehen Zweckentfremdung des deutschen Sondervermögens. Die Analyse des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und des Ifo-Instituts zeigen, dass die Mittel des SVIK im Jahr 2025 überwiegend zur Entlastung des Kernhaushalts zweckentfremdet wurden, anstatt, wie ursprünglich vorgesehen, zusätzliche Investitionen in die öffentliche Infrastruktur zu generieren. Das IW kommt in seinen Berechnungen auf eine Zweckentfremdungsquote von 86 %, während das Ifo-Institut den Anteil zweckentfremdeter Mittel sogar auf 95 % beziffert. Das Sondervermögen beträgt 500 Mrd. Euro für die nächsten 12 Jahre und ist kreditfinanziert. [Quellen: IW Köln, Ifo-Institut, Finanzministerium]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: 3. KV-Verhandlungsrunde für die Speditions- und Lagerbranche
Heute, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Verbraucherpreisindex Februar
Heute, Chisinau: Sozialkonferenz des Europarates u. a. mit Petra Bayr (bis 19.3.)
9:00 Uhr, Wien: Ministerrat und anschließend Pressefoyer
10:00 Uhr, Luxemburg: Bekanntgabe Eurostat Verbraucherpreise der Eurozone Februar
12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert EU-Inc.
19:30 Uhr, Washington D.C.: Bekanntgabe des Zinsbeschlusses der US-Notenbank Fed
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Sandra Brunner ist seit Anfang März neue Country Manager Austria & Switzerland bei Ipsen Austria & Switzerland. Christoph Bachlechner ist neuer Partnervertriebschef der Wiener Städtischen. Susanne Haase folgt Christian Oxonitsch als neue SPÖ Bezirksparteivorsitzende in Wien-Ottakring. Katharina Bayer ist neue Vorsitzende des Österreichischen Beirats für Baukultur.
Geburtstage: Wir gratulieren Roland Adrowitzer und Clemens Unterreiner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
10:00 Uhr, Wien: IV-Präsident Georg Knill im Klub der Wirtschaftspublizisten (nur für Klubmitglieder)
13:00 Uhr, Innsbruck: Vortrag von BioNTech-Co-Founder Christoph Huber am MCI [Info]
18:00 Uhr, Wien: Verleihung „Digitaler Humanismus in der Praxis Award 2026“ von msg Plaut, der ADV – Austrian Digital Value und dem Verein zur Förderung des Digitalen Humanismus im ORF Atrium u. a. mit Henrietta Egerth, Sabine Herlitschka, Georg Krause, Harald Kräuter, Roland Ledinger, Patricia Neumann uvm. [invite only]