Spannungen zwischen Populismus und Wissenschaft – es muss diskutiert werden!

21. April 2026Lesezeit: 4 Min.
Kommentar von Markus Hengstschläger

Der Genetiker Markus Hengstschläger ist Leiter des Instituts für Medizinische Genetik und Organisationseinheitsleiter des Zentrums für Pathobiochemie und Genetik an der Medizinischen Universität Wien und u.a. auch stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Bioethikkommission, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich, Kuratoriumsmitglied des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds und Gründer und Leiter des Symposiums „Impact Lech“.

Beim Wintersport ist in Österreich ohnedies jeder Experte. Die Sportlerinnen und Sportler sind medial omnipräsent und irgendwie gehören sie zur Familie. Wir alle sind auf „unsere“ Athletinnen und Athleten stolz und wollen sie unterstützen. Schließlich gewinnen „wir“ ja auch verlässlich Goldmedaillen bei Olympiaden oder Weltmeisterschaften – zumindest in Wintersportarten. 

Außerdem sind „wir“ das Kunst- und Kulturland schlechthin. Weltweit berühmt und aus der ganzen Welt bereist ist Österreich quasi die Instanz für klassische Musik, die Malerei, Literatur oder architektonische Meisterwerke. Wolfgang Amadeus Mozart ist vielleicht der meistgespielte klassische Komponist weltweit, der Kuss von Gustav Klimt ist sicher einer der weitverbeitestenden Kühlschrankmagneten unserer Zeit, das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist das weltweit bekannteste klassische Konzert, Schloss Schönbrunn muss man gesehen haben und mit Elfriede Jelinek und Peter Handke hat das kleine Land Österreich sogar zwei aktuelle Literaturnobelpreisträger.

Aber gerade auch die österreichische Wirtschaft und Industrie kann sich international sehen lassen, ist sie doch geprägt von vielen Hidden Champions als Weltmarktführer. Und gar nicht „hidden“: Red Bull, die wertvollste Marke Österreichs, ist der mit Abstand größte Player bei Energy-Drinks und rangiert im Softdrink-Bereich hinter Coca-Cola als Nummer 2 der Welt. Zusätzlich sind österreichische Managerinnen und Manager international gefragt und bekleiden Top-Führungspositionen auf der ganzen Welt.  

Und wie steht es diesbezüglich um die heimische Wissenschaft? Diese Frage muss unbedingt als obsolet eingestuft werden. Es sollte einfach klar sein: Topforscherinnen und -forscher gibt es in und aus unserem Land in vielen Gebieten. Zuletzt werden zurecht immer öfter die Bereiche Life Science und Physik hervorgehoben. Hier ist die Bandbreite der Erfolgsgeschichten besonders groß und spannt sich von den Forschungserfolgen in den Bereichen Medizin und Genetik bis zu den aktuellen österreichischen und ungarisch-österreichischen Physik-Nobelpreisträgern Anton Zeilinger und Ferenc Krausz.

Als ich im Jahr 2022 das Symposium „Impact Lech“ gründete, befand sich die Welt im letzten Jahr einer auslaufenden Pandemie mit vielen Auswirkungen und Nebenwirkungen. Vielleicht sogar unter besonderen Nebenwirkungen hatte in dieser Zeit die Wissenschaft zu leiden, war sie doch einerseits der beste Begleiter durch diese Ausnahmesituation aber andererseits auch vielen teilweise sehr polarisiert geführten Diskussionen ausgesetzt. Skepsis in der Wissenschaft ist gut, aber das Wort „Wissenschaftsskepsis“ wurde immer mehr zu einem Synonym für eine ablehnende Haltung gegenüber Wissenschaft. Der amtierende US-Präsident verkörpert quasi stellvertretend für viele andere Politikerinnen und Politiker auf dieser Welt die Spannungen zwischen Populismus und Wissenschaft. Einerseits muss Wissenschaft laufend und sorgfältig erläutert werden, damit die Begeisterung dafür über alle Generationen hinweg und vor allem bei jungen Menschen entfacht und gepflegt werden kann. Und andererseits müssen wissenschaftliche Erkenntnisse sorgfältig diskutiert und auch ethisch eingeordnet werden. Nicht alles was gemacht werden kann, soll auch gemacht werden. Um das umsetzen zu können muss es Veranstaltungen, Symposien, Orte geben, wo die verschiedensten Disziplinen mit der Wissenschaft ins Gespräch kommen können.

Vom 25. bis 28. Juni 2026 werden bei „Impact Lech“ neben vielen anderen die Wintersport-Ikonen Marcel Hirscher und Toni Innauer, der Schauspieler Miguel Herz-Kestranek, der Red Bull Manager Volker Viechtbauer, der Finanzmanager Paul Achleitner, CEOs wie Michael Strugl, Patricia Neumann, Georg Kopetz, Vesna Glatz, Andreas Klauser oder Karl-Heinz Strauss, und Start-up Gründerinnen wie Cindy Candrian, Sok-Kheng Taing oder Magdalena Hauser mit der Wissenschaft ins Gespräch kommen. Und die Wissenschaft ist u.a. vertreten durch Sabine Köszegi, Christiane Wendehorst, dem KI-Pionier Sepp Hochreiter, Stefan Thurner, der Medizin-Nobelpreisträgerin Katalin Kariko und dem Physik-Nobelpreisträger Ferenc Krausz. Unter dem Titel „Im Zeitalter der Daten“ geht es dabei um die Chancen und Herausforderungen einer zunehmend datengetriebenen Welt. Die Anwendung von KI wird es ermöglichen die enormen von Mensch und Maschine generierten Datensätze als Ressource und Entscheidungsgrundlage nutzen zu können. Was wird in Zukunft alles möglich sein und welche Rahmenbedingungen braucht es dafür? Alle, die sich die Zeit nehmen am Symposium teilzunehmen, können Teil dieses Gesprächs werden. Alle Informationen, Kontaktdaten, das stets aktualisierte Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf der Impact Lech Homepage unter: www.impact-lech.at

Meistgelesene Artikel