Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern, Stephan Frank, Christoph Hofer und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Längerer Irankrieg könnte Wirtschaftswachstum halbieren. Sollte sich der Irankrieg über einen längeren Zeitraum ziehen, würde das österreichische Wirtschaftswachstum heuer statt 1,0 % nur bei 0,5 % liegen, so eine Analyse von Raiffeisen Research. Bleibt der Ölpreis beim derzeitigen Niveau von rund 80 US-Dollar pro Fass, würde die heimische Jahresinflation um bis zu 0,2 Prozentpunkte höher ausfallen. Steigt der Preis auf 150 Dollar und verharrt dort für längere Zeit, dann würde die Inflation um mindestens 0,5 Prozentpunkte steigen. In diesem Extremszenario wird auch eine Zinserhöhung der EZB erwartet, was der heimischen Bauwirtschaft ein weiteres Rezessionsjahr bescheren könnte. „Aus konjunktureller Sicht kommt der Irankrieg für Österreich zur Unzeit“, so Matthias Reith von Raiffeisen Research. Eine Neuauflage des Jahres 2022 mit rekordhoher Inflation droht laut Reith nicht, eine „Stagflation light“ hingegen schon. [Quelle: Raiffeisen Research]
Erneuerbaren-Sanktionen für säumige Bundesländer
Interview mit Elisabeth Zehetner
Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Preise und Inflation seien derzeit noch schwer abzuschätzen, sagt Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Eingriffe in die Energiepreise hält sie aber nicht für notwendig: „Nach den Schätzungen der E-Control werden die Heizkosten keinen großen Sprung machen.“ Der Ausbau der Produktion von erneuerbarer Energie in Österreich solle demnächst „beschleunigt“ werden – das entsprechende Gesetz EABG ist in Koordinierung. Für Bundesländer, die die vorgegebenen Ziele nicht einhalten, werden Sanktionen ausgearbeitet. „Aber wir mischen uns als Bund nicht ein, wo sie das Windrad hinstellen.“
💡 ‚Gender Pay Gap‘ sinkt, mehr Frauen in Führungspositionen. Der Lohnunterschied zwischen unselbständig beschäftigten Männern und Frauen im Alter von 20 bis 39 Jahren fiel seit 2011 deutlich, wie eine aktuelle Wifo-Studie ergab. Betrug der unbereinigte Pay Gap 2011 noch 18,0 %, sank er bis 2024 auf 10,0 % – der um Arbeitszeit, Branche, Bildung und weitere Faktoren bereinigte Gehaltsunterschied fiel von 7,6 % (2011) auf 4,7 % (2024). Anlässlich des Weltfrauentags diesen Sonntag veröffentlichte der Informationsdienstleister CRIF Österreich eine Auswertung zum Frauenanteil in Führungspositionen. 2026 liegt dieser österreichweit bei 31,4 % – das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren (2025: 30,8 %; 2024: 30,3 %). Hoch ist der Anteil unter Inhabern von Einzelunternehmen (44,7 %), niedrig in den Vorständen großer Unternehmen (12,3 %). [Quellen: Wifo, CRIF | Reaktionen: BMLUK, Unos, ÖGB]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 2025 ist die Wirtschaft um 0,6 % gewachsen. Die österreichische Wirtschaft verzeichnete im Jahr 2025 ein reales BIP-Wachstum von 0,6 %. Laut den nun vorliegenden finalen Daten von Statistik Austria stieg das Bruttoinlandsprodukt nach 2 Jahren mit rückläufiger Wirtschaftsleistung von -1 % im Jahr 2023 sowie -0,7 % im Jahr 2024 wieder geringfügig an. Der Dienstleistungssektor wuchs real um 1 %. In den Bereichen Handel, Verkehr und Beherbergungswesen betrug der Zuwachs 0,1 %. Innerhalb des produzierenden Bereichs stieg die Herstellung von Waren um 1,2 %. Dennoch verzeichnete der gesamte produzierende Bereich einen Rückgang von 1,2 %, was primär auf die negative Entwicklung im Bauwesen mit einem Minus von 2,9 % zurückzuführen ist. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 2025 wurden etwas mehr Erfindungen angemeldet. Im Jahr 2025 wurden beim Österreichischen Patentamt insgesamt 2.272 Erfindungen angemeldet. Dies entspricht einer Steigerung von 4,4 % im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Anmeldezahlen rückläufig waren. Parallel dazu stiegen die Markenanmeldungen um 13 % auf insgesamt 5.022. Im Bundesländervergleich verzeichnete Oberösterreich mit 496 Anmeldungen den höchsten absoluten Wert. Bezogen auf die Einwohnerzahl wurden die meisten Erfindungen in Vorarlberg gemeldet. [Quellen: Patentamt – Übersicht, Jahresbericht]
Kommentar: Lohntransparenz – besser gleich arm als unterschiedlich reich
von Heike Lehner
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Dieses Mantra, den Gender Pay Gap zu schließen, ist nicht neu. Als neuestes Allheilmittel dafür gilt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die bis Juni 2026 in jedem EU-Land umgesetzt sein muss. Gleich arm als unterschiedlich reich, ist die Realität, die uns hier als Fortschritt verkauft wird.
🇦🇹 Warnung vor „Wildem Westen“ bei Strompreiseingriffen. Vertreter der SPÖ fordern seit längerem eine Umsetzung des Energie-Krisenmechanismus und wollen damit Preise im Energiebereich deckeln. E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch nennt die Begriffe im Preisgesetz dafür „relativ unbestimmt“. Oesterreichs Energie sieht die Verantwortung für das Ausrufen einer Energiekrise vorrangig bei der EU-Kommission. Es brauche dafür eine Harmonisierung der Maßnahmen sowie klare Guidelines und keinen „Wilden Westen“ wie in der Krise 2022, so Präsident Michael Strugl. Die derzeitigen Preissteigerungen auf den Großhandelsmärkten würden nicht bei den Endkunden ankommen. Eine Preisregulierung sei daher im laufenden und auch im nächsten Jahr „sicher nicht notwendig“, so Generalsekretärin Schmidt. [Quellen: Pressegespräch Oesterreichs Energie, Ö1 | Kommentar: Wie viele Eingriffe verträgt der Strommarkt?]
🇦🇹 Erste Frühjahrslohnrunde ohne Ergebnis. Gestern ist die erste Runde der KV-Verhandlungen der Elektro- und Elektronikindustrie ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die nächste Runde findet am 9. April statt. Keine der beiden Seiten hat zu Lohn- und Gehaltssteigerungen konkrete Zahlen vorgelegt. Die Gewerkschaft will u. a. Erhöhungen von Zulagen und einen leichteren Zugang zur 6. Urlaubswoche. Die Arbeitgeber verwiesen auf die „seit Jahren herausfordernde wirtschaftliche Lage“ – von Juli 2023 bis Oktober 2025 mussten über 2.700 Mitarbeiter abgebaut werden. [Quellen: WKÖ, GPA]
🇦🇹 Reformpartnerschaft einigt sich auf „One-Stop-Shop“ für Energieprojekte. Vertreter von Bund, Ländern, Gemeinden und Städten haben sich auf die gesetzliche Verankerung des „überragenden öffentlichen Interesses“ für Energieprojekte sowie die Verfahrenskonzentration bei einer einzelnen Behörde („One-Stop-Shop“) geeinigt. Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG), das die Regierung bis Ende Februar finalisieren wollte, befindet sich weiterhin in Koordinierung. Das Wirtschaftsministerium hat weiters eine Studie in Auftrag gegeben, um die Reduktion der Netzkosten u. a. durch eine Konsolidierung der Netzgesellschaften zu evaluieren – Ergebnisse sollen bis Juni vorliegen. [Quelle: BMWET | Interview: „Müssen aufpassen, dass wir nicht in eine Bananenrepublik abdriften“]
🇦🇹 Ruf nach Eingriffen bei Treibstoffpreisen hält an. Nachdem der ÖAMTC den aktuellen Anstieg der Treibstoffpreise als „unverhältnismäßig“ bezeichnet hatte, häufen sich die Forderungen nach staatlichen Maßnahmen. FPÖ-Chef Kickl fordert eine Senkung der Mehrwert- sowie Mineralölsteuer und eine ersatzlose Streichung der CO2-Steuer. Auch die WKÖ fordert „Notmaßnahmen“ wie eine Absenkung des CO2-Preises oder der Mineralölsteuer. Der ÖGB pocht auf die Anwendung der Margenregelung. Der ARBÖ schlägt einen Spritpreisdeckel von 1,50 Euro/Liter vor und bezeichnet die aktuelle Entwicklung als „Preiswucher“. Der Dieselpreis ist diese Woche um rund 16 % auf durchschnittlich 1,79 Euro/Liter, jener für Benzin um rund 13 % auf 1,638 Euro/Liter gestiegen. [Quellen: ÖAMTC, FPÖ/Kickl, FPÖ/Landbauer, ÖGB, WKÖ, ARBÖ, Medienberichte | Interview: „Anstieg an der Zapfsäule kommt wie das Amen im Gebet“]
🇦🇹 „Dringender Appell“ für rascheren Windkraftausbau. Michael Strugl, Verbund-CEO und Präsident von Oesterreichs Energie, sieht im Ausbau der Erneuerbaren ein „Gebot der Stunde“. Die Abhängigkeit von fossilen Importen mit eigener Produktion zu reduzieren, sei kein grünes Argument, sondern ein „rot-weiß-rotes Argument“, so Strugl. Er richtet einen „dringenden Appell“ an die Politik, die Verfahren bei Windkraft zu beschleunigen und entsprechende Projekte zu unterstützen. Auch Generalsekretärin Barbara Schmidt hofft aufgrund der aktuellen Krise auf ein Umdenken, vor allem in den Bundesländern wo bisher keine Windräder stehen. „Ich hoffe, dass all jene, die jetzt nach einem Krisenmechanismus schreien, auch Ja zur Windkraft sagen und dafür Flächen zur Verfügung stellen“, so Schmidt. In der überarbeiteten „Stromstrategie 2040“ schlägt Oesterreichs Energie deutlich weniger PV-Ausbau vor als im Österreichischen Netzinfrastrukturplan (22,9 statt 41 TWh) vorgesehen, gleichzeitig aber mehr Windkraftausbau (35,7 statt 29 TWh). [Quelle: Oesterreichs Energie – Pressegespräch, Aussendung | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen, Erneuerbaren-Ausbau stockt in Westösterreich]
🇪🇺 Klimaziel 2040 final gebilligt. Der Rat der EU hat die Änderung des Europäischen Klimagesetzes gestern final verabschiedet. Nach der Zustimmung des EU-Parlaments Anfang Februar ist das Gesetzgebungsverfahren damit abgeschlossen. Die Verordnung legt fest, dass die Netto-Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2040 um 90 % gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden müssen. Dieses Zwischenziel ist Bestandteil des übergeordneten Vorhabens der EU, bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Von dem angestrebten Reduktionsziel müssen 85 % innerhalb der EU erzielt werden. Die verbleibenden 5 % können ab dem Jahr 2036 über internationale Gutschriften durch Emissionsminderungen in Drittstaaten erbracht werden. Zudem wurde im Rahmen der Verhandlungen beschlossen, den Start des neuen EU-Emissionshandelssystems (EHS2) von 2027 auf das Jahr 2028 zu verschieben. [Quellen: Rat der EU, EU-Parlament | Service: Geändertes EU-Klimagesetz]
🇺🇸 US-Technologiekonzerne wollen Energiebedarf selbst finanzieren. Führende US-Technologieunternehmen, darunter Google, Microsoft, Meta, Amazon, Oracle, OpenAI und xAI, haben im Weißen Haus den sogenannten „Ratepayer Protection Pledge“ unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Konzerne die Kosten für die Energieversorgung und den Infrastrukturausbau ihrer KI-Rechenzentren künftig weitgehend selbst tragen. [Quellen: The White House – Bericht, Fact Sheet, Roundtable; Reuters | Reaktionen: Google, Amazon]
🇨🇳 China senkt Wachstumsziel für 2026. Die chinesische Führung hat im Rahmen des Nationalen Volkskongresses für heuer ein Wirtschaftswachstum von 4,5 bis 5,0 % als Ziel ausgegeben, der geringste Wert seit 1991. Das Militärbudget soll um 7 % auf umgerechnet 236 Mrd. Euro steigen. Der Zielwert für die Inflation liegt bei 2,0 %, jener der urbanen Arbeitslosigkeit bei 5,5 %; die CO2-Emissionen pro Einheit des BIP sollen um 3,8 % sinken. [Quellen: Xinhua, Caixin, Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Außenministerin Meinl-Reisinger trifft Amtskollegen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Al Nahyan
9:00 Uhr, Wien: Europaministerin Bauer trifft litauischen Vize-Außenminister Mitkus
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt Großhandelspreise für Februar bekannt.
9:30 Uhr, Brüssel: Sitzung des EU-Rat Justiz und Inneres mit Justizministerin Sporrer [Info]
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Eurozone-BIP für 4. Quartal 2025
14:30 Uhr, Washington D. C.: Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten Februar
Samstag, 9:00 Uhr, Wien: Bundesparteitag der SPÖ mit anstehender Wiederwahl des SPÖ-Parteivorsitzenden Babler sowie des SPÖ-Bundesparteipräsidiums in der Messe Wien [Info & Livestream]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Victor Breguncci löst Helmut Kaufmann per 1. Mai als CEO der Austria Metall AG AMAG ab. Wolfgang Sablatnig ist neuer Präsident des Presserats und Gerald Grünberger ist neuer Vizepräsident; Matthias Kettemann ist neuer Vorsitzender des Senats 1. Sabine Brandl bleibt bis Ende 2027 Verkaufs- und Marketingvorständin bei Manner, Scipio Oudkerk ist bis Ende 2029 Finanzvorstand. Marsa Kindl-Omuse übernimmt mit dem 1. Juni die Funktion als Head of Market USA der Österreich Werbung.
Geburtstage: Wir wünschen Norbert Steger und Michael Konsel alles Gute zum Geburtstag. Am Sonntag hat Alexander Neuhuber Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
9:00 Uhr, Bregenz: CEO I CFO Forum Bodensee u. a. mit Monika Rosen, Martin Ohneberg und Magnus Brunner im Festspielhaus Bregenz (letzter Tag) [Info]
20:00 Uhr, Wien: Verleihung 26. Amadeus Awards in der Marx Halle [Info]
Sonntag, 11:00 Uhr, Wien: Diskussion der Erste Stiftung zum Thema „Freedom of the Media under Pressure – Disinformation as a Threat to Europe’s Democracies“ u. a. mit Gerold Riedmann im Burgtheater [Info]