Vielleicht ist das Stockers und Bablers letzter politischer Herbst?

15. September 2026Lesezeit: 3 Min.
Kommentar von Rainer Nowak

Rainer Nowak ist CEO der Tageszeitung „Die Presse“. Zuvor war er Journalist und Ressortleiter für Wirtschaft und Politik bei der „Kronen Zeitung“ und davor Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer der Tageszeitung „Die Presse“.

Die Zeichen stehen auf Sturm. Um eines der üblichen Journalisten-Klischees diesseits von Sturm im Glas, Sturm im Wasserglas und leider nie heißen Herbst zu strapazieren. In SPÖ und ÖVP sorgen verheerende Umfragen für Nervosität. Und es stehen mehrere Landtagswahlen bevor, die vor allem für die ÖVP darüber entscheiden könnten, ob sie noch eine Zukunft als mittelgroße Volkspartei hat oder sich mit einer Mini-Rolle abfinden muss. Kennen wir von der Wiener ÖVP.

In der SPÖ sind Phasen ohne Nachfolgediskussion über Andreas Babler mittlerweile die Ausnahme. Gerhard Zeiler scheint nicht mehr im Gerüchte-Rennen zu sein. Vielleicht auch deshalb, weil die Partei mit ihm so fremdelt. Zuletzt wurde im Wiener Rathaus eine Rochade rund um Peter Hanke ventiliert. Hanke würde demnach in die Vizekanzlerei wechseln, samt Medien- und Kulturagenden – und dorthin, wo die politische Koordination der Koalition sitzen sollte. Sven Hergovich, niederösterreichischer SPÖ-Chef, könnte dafür endlich ins Infrastrukturministerium wechseln. So ähnlich sah es ohnehin schon der uralte Plan des Doris-Bures-Flügels in der SPÖ vor.

Um Babler den Wechsel schmackhaft zu machen, könnte er SPÖ-Chef bleiben.

Es wird ihm nicht schmecken. Babler bleibt.

In der ÖVP bemüht sich Christian Stocker angesichts drohender Niederlagen um Themenführerschaft. Oberösterreich ist sehr gefährlich, Niederösterreich ebenfalls heikel, Salzburg etwas weniger, Tirol nur peinlich. Das Problem des Kanzlers: Für Themenführerschaft hat er offenbar den falschen Koalitionspartner. Oder die fehlende Pranke.

Wenn Stocker einmal eine tatsächlich schlaue Idee formuliert, etwa einen Zukunftsfonds, in den Dividenden aus staatlichen Beteiligungen fließen und aus dem über Jahrzehnte ein kleiner Staatsfonds nach internationalem Vorbild, also mit konservativer Veranlagung am Aktienmarkt entstehen könnte, der eines Tages auch einen Beitrag zur Finanzierung der Pensionen leistet, fliegt ihm der Vorschlag sofort um die Ohren. Die Gewerkschaft schreit auf.

Sie würde vermutlich auch protestieren, wenn Stocker behauptete, die Erde sei eine Kugel und keine Scheibe. Dann wird sie für die Gewerkschaftsgenossen notfalls viereckig gemacht.

Natürlich löst ein solcher Fonds das österreichische Pensionsproblem nicht. Dafür wäre er ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber es ist ein erster richtiger Schritt: Vermögen für kommende Generationen aufzubauen, statt jede verfügbare Dividende im laufenden Budget verschwinden zu lassen.

Interessant ist allerdings: In der ÖVP gibt es derzeit de facto keinen einzigen offensichtlichen Nachfolgekandidaten für Christian Stocker. Das muss man als Partei erst einmal zusammenbringen.

Also fast alles gut für Christian Stocker. Auch er bleibt.

Vielleicht ist es doch nicht der letzte politische Herbst von Babler und Stocker. Nicht weil ihre Parteien so zufrieden mit ihnen wären. Sondern weil niemand weiß, wer es sonst machen soll oder kann. Sie/wir schleppen uns weiter.

Das nächste Mal geht es um ein lustigeres Thema: die Bundespräsidentenwahl und neue mögliche Überraschungskandidaten.

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