Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und David Schima – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Österreichs Wirtschaft zeigt leichte Erholung. Die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft hat sich zum Jahresbeginn weiter verbessert. Im Jänner stieg der Konjunkturindikator der Bank Austria um 0,2 Punkte auf minus 0,5 Zähler – das ist der höchste Wert seit Mitte 2022. Grund dafür ist das gestiegene Geschäftsklima im Dienstleistungssektor, insbesondere im Tourismus und Handel vor dem Hintergrund der Wintersaison. In der Industrie und im Baugewerbe herrscht hingegen weiterhin Pessimismus vor. Nach einem Anstieg des BIP um 0,5 % im Gesamtjahr 2025 soll Österreichs Wirtschaft heuer um 1 % und 2027 um 1,5 % wachsen. Diese Entwicklung ist auf eine stärkere Inlandsnachfrage sowie die Stabilisierung des Arbeitsmarktes zurückzuführen: Die Arbeitslosenquote soll auf 7,3 % und 2027 auf 7,2 % zurückgehen. Zudem wird aufgrund geringerer Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln heuer ein Rückgang der Inflation auf 1,9 % erwartet, was die Sparneigung dämpfen und den privaten Konsum zusätzlich ankurbeln könnte. [Quelle: Bank Austria]
Kommentar: Sich beim Wählen ausweisen müssen? Völlig „diskriminierend“
ZeitGeschichten von Gerhard Jelinek
Warum US-Präsident Donald Trump mit aller Kraft eine Ausweispflicht bei Wahlen durchsetzen will. Und haben die USA überhaupt – aus dem europäischen Blickwinkel – ein demokratisches Wahlrecht?
💡 Österreich im Winter von Gaskraftwerken und Strom-Importen abhängig. Während Österreich im Jahr 2024 aufgrund starker erneuerbarer Stromproduktion zum Stromexportland wurde, musste 2025 wieder Strom importiert werden. Vor allem in den Wintermonaten ist das österreichische Stromsystem auf Gaskraftwerke und Importe angewiesen, so konnten im Dezember 2025 nur 51,7 % des Stromverbrauchs mit Erneuerbaren gedeckt werden. Um saisonale Schwankungen in der Stromproduktion langfristig ausgleichen zu können, muss Österreich laut Berechnungen der E-Control seine Stromspeicherkapazität bis zum Jahr 2040 auf rund 18 Gigawatt verdreifachen. Bei den Strompreisen erwartet die E-Control für 2027 einen Großhandelspreis von rund 90 Euro/MWh, was einen Energiepreis für Haushaltskunden von 10-11 Cent/kWh (netto) ergibt. Höhere CO2-Bepreisung, teures LNG und nötige Investitionen in Kraftwerke und Leitungen würden eine Rückkehr zum Preisniveau vor der Krise verunmöglichen. [Quellen: E-Control-Hintergrundgespräch, APA via Medienberichte; APG | Grafik von Stephan Frank]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Heimische Finanzvorstände wollen sparen. Für 60 % der heimischen CFOs stehen Kostenreduktionsprogramme heuer ganz oben auf der Agenda. Das sei auf den „akuten Wettbewerbsdruck, der vor allem durch Inflation und Lohnkostensteigerungen entstanden ist“ zurückzuführen, so Stefan Leber von Horváth zur Presse. Die Erwartungshaltung der Finanzvorstände für 2026 ist dabei zweigeteilt: 12 % erwarten weitere Verschlechterung, 38 % schätzen die Situation negativ ein, 47 % bewerten die Lage gut und 3 % erwarten eine weitere Verbesserung der Lage. Für die Umfrage wurden 240 Finanzverantwortliche aus 22 Ländern befragt,, darunter rund 40 aus Österreich. [Quellen: Horváth via MFPR, Die Presse]
🇦🇹 Lieferprobleme bei 1.300 Medikamenten. Laut dem Verband der Österreichischen Arzeitmittel-Vollgroßhändler Phago gibt es aktuell bei 1.300 Medikamenten „Probleme mit dem Nachschub“. Vor allem bei Antidiabetika gibt es Lieferschwierigkeiten und Ausfälle, 40 % der Produkte werden als „kritisch in der täglichen Abwicklung“ eingestuft. Die Lage bei Psychopharmaka „bleibt unter Beobachtung“. Auch beim Gürtelrose-Impfstoff dürfte es Lieferschwierigkeiten geben, die Wiener Ärztekammer berichtet von reduzierten Nachschubkontingenten. Seit dem 1. November 2025 ist diese Impfung für über 60-Jährige gratis. „Die kostenlose Impfung gegen Herpes Zoster klingt schön und ist sinnvoll, aber in der Praxis hält das Versprechen nicht“, kritisiert AEK-Wien-Vizepräsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied. [Quelle: Phago, Ärztekammer Wien]
🇦🇹 Krankenkassen schreiben über 500 Mio. Euro Verlust. Österreichs Krankenversicherungen verzeichneten 2025 einen Bilanzverlust von 511,2 Mio. Euro. Im November hatte man noch mit einem Minus von 583,3 Mio. Euro gerechnet. Auf die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) sollen 454 Mio. Euro und auf die Versicherungsanstalt für Beamte, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) 127,4 Mio. Euro entfallen. Die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) bilanziert hingegen positiv und erwartet einen Gewinn in Höhe von 70,2 Mio. Euro. Heuer soll der Bilanzverlust der 3 gesetzlichen Krankenversicherungen auf 429,8 Mio. Euro zurückgehen, im kommenden Jahr ist jedoch mit einem Minus von rund 713 Mio. Euro und 2028 mit Verlusten von über 1 Mrd. Euro zu rechnen. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Verbund präsentiert neuen Stromtarif. Ab dem 1. März ändert der Verbund seine Tarifstruktur für Haushaltskunden und verlangt künftig je Kilowattstunde (kWh) 12,50 Cent netto. Durch einen Rabatt von 3 Cent im 1. Vertragsjahr sinkt der Preis auf 9,50 Cent vor Steuern und damit unter die im Jänner angekündigte Marke von 10 Cent. Auch Bestandskunden können auf den neuen Tarif umsteigen und erhalten für das 1. Jahr den Rabatt von 3 Cent. Zuletzt betrug der Strompreis beim Verbund 15,70 Cent pro kWh, im 1. Vertragsjahr sank er aufgrund der Aktion „5 Monate Gratisstrom“ auf 9,16 Cent. [Quelle: Verbund | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 🇪🇺 Industrieproduktion im Dezember 2025 rückläufig. Die österreichische Industrieproduktion verzeichnete im Dezember 2025 einen Rückgang von 0,1 % gegenüber dem Vormonat, nachdem sie bereits von Oktober auf November um 1 % gesunken war. Auch im Euroraum (-1,4 %) und in der EU (-0,8 %) wurde im Vormonatsvergleich ein Rückgang festgestellt. Im Vorjahresvergleich stieg die Industrieproduktion in Österreich um 0,2 %, im Euroraum um 1,2 % und in der EU um 1,4 %, während sie in Deutschland um 0,7 % sank. [Quelle: Eurostat]
🇦🇹 🇪🇺 Digitaler Euro und nationale Ausweichklausel für Verteidigungsausgaben. Im Vorfeld des gestrigen Treffens der Euro-Gruppe in Brüssel sprachen sich Finanzminister Markus Marterbauer und sein deutscher Amtskollege Lars Klingbeil für die Einführung des digitalen Euros aus. Marterbauer betonte dabei die strategische Bedeutung für die Stärkung Europas und positionierte das Projekt als Bargeld-Ergänzung sowie als europäische Alternative zu US-Zahlungssystemen. Klingbeil mahnte eine schnellstmögliche Umsetzung an und warnte, dass eine Verzögerung in der aktuellen Lage den Interessen Europas schade. Zudem steht im heutigen Rat „Wirtschaft und Finanzen“ u. a. die Aktivierung der „nationalen Ausweichklausel“ für Österreich auf der Agenda, um höhere Verschuldung für Verteidigungsausgaben zu ermöglichen. [Quellen: Doorsteps – Marterbauer I, Marterbauer II, Klingbeil; Tagesordnung Ecofin]
🇦🇹 🌐 Österreich mit Bestnote im Länderrisikoatlas. Allianz Trade stuft Österreich weiterhin mit der Bestnote AA1 ein, was ein geringes Zahlungsausfallrisiko für Unternehmen signalisiert. Als strukturelle Stärken werden das hohe Produktionsniveau, die geringe Einkommensungleichheit sowie die niedrige Arbeitslosenquote hervorgehoben. Schwächen bestehen primär in der hohen Exportabhängigkeit, der gestiegenen Staatsverschuldung und einer ungünstigen demografischen Entwicklung. Weltweit sanken die wirtschaftlichen Länderrisiken im Jahr 2025 trotz geopolitischer Spannungen: Bei 36 Ländern wurde das Rating verbessert, während es sich bei 14 Ländern verschlechterte – darunter die USA, Frankreich und Belgien (alle herabgestuft auf A1). Die globale Durchschnittsbewertung liegt bei B2. Österreich gehört damit zu einer Gruppe von insgesamt 16 Ländern mit der Spitzenbewertung AA1. [Quelle: Allianz Trade]
🇩🇪 Über 120.000 Jobs in deutscher Industrie verloren gegangen. Im Vorjahr waren in der deutschen Industrie 124.000 Personen bzw. 2,3 % weniger beschäftigt als im Jahr 2024. Der Stellenabbau ist damit fast doppelt so hoch wie 2024 ausgefallen. Mit einem Minus von 50.000 Jobs war die Automobilindustrie am stärksten betroffen. Seit dem Vorkrisenjahr 2019 ist die Beschäftigung in der Autobranche um 13 % bzw. 111.000 Jobs geschrumpft. „Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise. Es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern“, so Jan Brorhilker von EY. [Quelle: dpa via Handelsblatt]
🇩🇪 Deutscher Wohnungsbau erholt sich langsam. Die Stimmung im deutschen Wohnungsbau hat sich zu Jahresbeginn etwas aufgehellt. Der entsprechende Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts stieg im Jänner um 1,8 Zähler auf minus 20,9 Punkte. Auch die Erwartungen verbesserten sich leicht. Der Anstieg bei den Baugenehmigungen spiegelt sich aber derzeit noch nicht in den Aufträgen wider. So berichten 49,8 % der Unternehmen von einem Auftragsmangel – das sind 2,1 Prozentpunkte mehr als noch im Dezember. Der Anteil der Baufirmen, die Stornierungen meldeten, sank im Jänner um 0,4 Prozentpunkte auf 11,1 %. [Quelle: Ifo-Institut]
🇨🇭 Schweizer Wirtschaft wuchs 2025 nur leicht. Die Wirtschaftsleistung der Schweiz legte im 4. Quartal 2025 um 0,2 % zu. Der Dienstleistungsbereich verzeichnete ein zartes Plus, während die Industrie stagnierte. Damit stieg das Schweizer BIP im Gesamtjahr 2025 um 1,4 % – das ist unter dem langjährigen Schnitt von 1,8 %. Grund dafür sind v. a. geopolitische Unsicherheiten, die der exportorientierten Industrie zusetzten. [Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Treffen der Regierungsparteien zur Wehrpflicht im Parlament
10:00 Uhr, Brüssel: EU-Ministerrat (Wirtschaft und Finanzen) u. a. mit Finanzminister Marterbauer [Info]
11:05 Uhr, Mannheim, Deutschland: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlicht Konjunkturerwartungen in Deutschland und der Eurozone für Februar [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Thomas John und Benjamin Wallner treten als Directors in den Bereich Audit & Assurance bei Deloitte Österreich ein. Karoline Stumptner wird stellvertretende Landespolizeidirektorin in Oberösterreich. Sascha Horvath wurde zum Schirmherr des UnternehmerCircle Verbandes bestellt. Mit Beginn des Sommersemesters 2026 wird Silvia Apprich die neue Leiterin des Departments Applied Life Sciences an der Hochschule Campus Wien. Kathrin Gaal, Wiener Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen, hat ihren Rücktritt eingereicht – Nachfolgerin als Stadträtin wird SPÖ-Nationalratsabgeordnete Elke Hanel-Torsch, Nachfolgerin als Vizebürgermeisterin wird Finanzstadträtin Barbara Novak. Christoph Matznetter folgt Hanel-Torsch nach und wechselt vom Bundesrat in den Nationalrat, ihm wiederum folgt Wolfgang Markytan als Mitglied des Bundesrats. Katharina Spreitzer-Kropiunik ist neue Präsidentin des Landesgerichts St. Pölten.
Geburtstage: Wir gratulieren Ingrid Schubert, Natascha Kampusch und Fritz Amann zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Buchpremiere „Mo & Moritz“ mit Julya Rabinowich im Steinmetz-Bundy Privatsalon [invite only]
18:30 Uhr, Wien: Ausstellungseröffnung „Das Kreuz als Zeichen das bleibt. 77 Kreuze des Künstlers Arnulf Rainer“ u. a. mit Christian Stocker, Toni Faber und Werner Trenker im Stephansdom [Info]
19:00 Uhr, Wien: Diskussion „Das fünfte Jahr: Die Ukraine im Krieg“ u. a. mit Gerhard Mangott und Franziska Davies im Bruno Kreisky Forum [Info]
19:30 Uhr, Wien: Kabarett-Premiere „Ich war mal wer“ mit Lisa Eckhart im Globe Wien [Info]