Carmen Possnig ist österreichische Medizinerin und ESA-Ersatzastronautin © Possnig / ESA / Montage: Selektiv
Carmen Possnig ist österreichische Medizinerin und ESA-Ersatzastronautin © Possnig / ESA / Montage: Selektiv
Interview

Possnig: „Das wäre unser Ticket zum Mond gewesen“

Europa ist im Weltraum „vollständig abhängig von anderen Playern“, sagt die ESA-Ersatzastronautin und Weltraummedizinerin Carmen Possnig. „Alles, was die menschliche Erforschung des Weltraums betrifft, und auch der Weg zur Internationalen Raumstation, läuft im Moment über die Nasa“. Europa habe keine Rakete, die stark genug ist, um aus dem niedrigen Erdorbit hinauszukommen. Wenn die Zeit der ISS in den nächsten Jahren abläuft, könnte die Lage für Europa noch schwieriger werden: „Die Frage ist dann: Haben wir als Europäer noch Zugang? Können wir unsere Forschung dort weiterhin betreiben? Können wir irgendwann eigene Astronauten dorthin schicken?“. Europa habe seine Stärken in der Weltraumforschung, aber es gehe darum, sich langfristig strategische Vorteile zu sichern – auch bei der Erforschung von Mond und Mars. „Es ist schon gefährlich, sich immer nur auf andere zu verlassen. Irgendwann muss man selbst Autonomie entwickeln.“

Im Vergleich zu den USA und China hat Europa nach wie vor sehr wenige Raketenstarts. 2025 waren es acht in Europa, SpaceX hatte 165 Starts und China 88. Mit der Ariane 6 plant die ESA heuer neun bis zehn Starts. Besteht überhaupt eine Chance, das aufzuholen?

Carmen Possnig: Das kommt darauf an, wie und zu welchem Zweck man Raketen startet. Die Ariane 6 ist primär dafür da, Satelliten ins All zu bringen – für Erdbeobachtung, Navigation und so weiter. SpaceX schießt unter anderem auch deshalb deutlich mehr Raketen, weil sie das Starlink-Netzwerk aufbauen und dafür Tausende Satelliten brauchen. Ob man das imitieren will, ist eine eigene Frage.

Was in Europa eher ein Problem ist: Wir sind zwar sehr gut in Bereichen wie Navigation und Erdbeobachtung. Gerade in der Erdbeobachtung ist die ESA wirklich vorne dabei, was beeindruckend ist, aber wir haben keine Rakete, die zertifiziert ist, Astronauten ins All zu bringen. Und wir haben keine Rakete, die stark genug ist, um aus dem niedrigen Erdorbit hinauszukommen. Wir könnten zum Beispiel nicht sagen, wir bauen unabhängig eine eigene Mondbasis, weil die Ariane dafür schlicht nicht ausgelegt ist, dafür braucht man wesentlich höhere Geschwindigkeiten.

Das heißt: Im Erdorbit sind wir durchaus Mitspieler, auch mit Alleinstellungsmerkmalen wie in der Erdbeobachtung. Aber sobald es weiter geht – zum Mond, irgendwann zum Mars –, sind wir vollständig abhängig von anderen Playern. Alles, was die menschliche Erforschung des Weltraums betrifft, und auch der Weg zur Internationalen Raumstation, läuft im Moment über die Nasa.

Arbeiten wir daran, das zu ändern? Woran scheitern wir in Europa beim Bau stärkerer Raketen?

Es gab immer wieder Initiativen. In den 80er- und 90er-Jahren gab es die Hermes-Rakete, eine Art Space Shuttle in Flugzeugform, die autonom wie ein Flugzeug hätte landen können. Das grundlegende Problem der ESA ist, dass sie selbst nichts entscheiden kann: Die einzelnen Mitgliedstaaten entscheiden, und inzwischen muss man 23 davon auf einen Konsens bringen. Das funktioniert nicht immer gut. Bei der Ariane 6 spielt vor allem Frankreich eine zentrale Rolle, das auch den größten Budgetanteil beisteuert.

Das ändert sich aber gerade ein wenig. Die ESA hat kürzlich ein sogenanntes LEO Cargo Return Service ausgeschrieben. Das ist ein Versorgungsraumschiff für den niedrigen Erdorbit, zunächst als Versorgungsschiff für die ISS, perspektivisch auch für die kommenden kommerziellen Raumstationen. Die ISS wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich aus dem Orbit geholt, sie wird einfach alt. Die nächsten Stationen werden voraussichtlich nicht von Raumfahrtbehörden betrieben, sondern kommerziell von Unternehmen, die hauptsächlich in den USA sitzen. Die Frage ist dann: Haben wir als Europäer noch Zugang? Können wir unsere Forschung dort weiterhin betreiben? Können wir irgendwann eigene Astronauten dorthin schicken?

Dieses Versorgungsschiff ist gerade in einer frühen Entwicklungsphase – zwei Firmen konzipieren parallel einen Entwurf. Es soll so konstruiert sein, dass man es irgendwann mit einer Crew-Kapsel aufrüsten kann. Das ist ein erster wichtiger Schritt. Bei der Ariane geht das schlicht nicht.

Seit letztem Jahr hat die ESA eine neue Raumfahrtstrategie und will vor allem Kunde sein und Raketen von privaten Industrieunternehmen entwickeln lassen. Sehen Sie eine Chance, dass sich dadurch etwas an unserer Lage als Passagiere im Rennen um das Weltall ändert?

Das wird sicher nicht in naher Zukunft passieren. Wir werden nicht plötzlich selbstständig Zugang zum All haben. Aber im Weltraum ist es wichtig, heute zu investieren, um in zehn Jahren davon zu profitieren. Wenn man jetzt sagt, wir investieren nichts und verlassen uns weiterhin auf die Nasa, schaut es in zehn Jahren potenziell schlecht aus. Man hat mit Russland und Roskosmos gesehen, wie schnell eine solche Kooperation wegfallen kann.

Mit der Nasa ist es im Moment ohnehin schwierig: Die Administration wechselt alle vier Jahre, und damit können sich auch die Programme ändern. Jared Isaacman, der neue Nasa-Direktor, hat vor einigen Monaten neue Pläne präsentiert und plötzlich ist der Lunar Gateway, also die geplante Station im Mondorbit, auf Pause gestellt. Man weiß nicht, was damit passiert. Europa hat die Module dafür aber bereits gebaut und ausgeliefert. Das wäre unser Ticket zum Mond gewesen. Und das fällt jetzt plötzlich weg. Es ist schon gefährlich, sich immer nur auf andere zu verlassen. Irgendwann muss man selbst Autonomie entwickeln.

Sie haben schon gesagt, die ISS wird es nicht mehr lange geben. Was kommt danach – und wie realistisch ist es, dass wir uns Zugang zu den nächsten Stationen sichern können?

Im Weltraum ist es generell schwierig vorherzusagen, was morgen passiert. Grundsätzlich ist die ISS bis 2030 geplant, wird aber wahrscheinlich um einige Jahre verlängert, weil es nötig ist, eine kontinuierliche Präsenz zu erhalten. Im Moment sind zwei deutlich kleinere kommerzielle Stationen in Planung, die realistisch wirken.

Die eine ist Haven-1, vermutlich nächstes Jahr. Die ISS ist aus vielen einzelnen Modulen zusammengesetzt, die über unzählige Shuttle- und Sojus-Starts nach und nach im Orbit zusammengesetzt wurden. Das Konzept der neuen kleineren Stationen ist: man bringt ein einziges Modul mit einem Launch in den Erdorbit und das ist die Raumstation. Haven-1 wird von der Firma Vast gebaut, soll bereits für wissenschaftliche Experimente ausgerüstet sein, ist aber sehr kompakt, weil alles in eine einzige Trägerrakete passen muss.

Die zweite vielversprechende Station ist Starlab, betrieben von einem Unternehmenskonsortium namens Voyager Technologies, darunter auch Airbus, also mit europäischer Beteiligung. Starlab soll in rund zwei Jahren fliegen, ebenfalls zunächst als einzelnes Modul, das später durch ein zweites ergänzt werden kann. Wie stark die Nasa langfristig am Erdorbit interessiert bleibt, ist aber offen – nach dem Ignition-Event liegt der Fokus klar auf dem Mond.

Sprechen wir über den Mond. Es gab eine aufsehenerregende Mission, bei der nach über 50 Jahren wieder Menschen in unmittelbarer Mondnähe waren. Was können wir grundsätzlich von den Mondmissionen in den nächsten Jahren erwarten?

Das hat sehr gut funktioniert. Der Artemis-II-Flug war ein Testflug um den Mond herum – sehr erfolgreich. Dabei wurde getestet, wie das Raumschiff funktioniert, wo man noch nachbessern muss, ob Orbit, Besatzungsstärke und Lebenserhaltungssystem stimmen. Der nächste Schritt ist ein Mondlander, ähnlich wie bei den Apollo-Missionen. Zwei Firmen sind beauftragt, so einen zu bauen.

Artemis III wird nicht zum Mond fliegen, sondern im Erdorbit bleiben und diese beiden Lander erproben: Docking, Wiederankoppeln, verschiedene Manöver. Artemis IV soll dann die erste echte Mondlandung seit Apollo sein, geplant für 2028. Das soll dann den Weg zu einer permanenten Forschungsstation auf dem Mond ebnen. Daran arbeiten bereits viele Firmen, auch in Europa. Thales Alenia Space baut beispielsweise ein Habitat. Und Europa entwickelt den Argonaut-Lander, der Cargo zum Mond bringen soll.

Die Mondstationen werden keine europäischen sein. Was sind eigentlich die konkreten Pläne Europas für den Mond?

Der ursprüngliche Plan war der Lunar Gateway: eine Station im Mondorbit, zu der Europa drei große Module beigesteuert hat. Der Vorteil wäre gewesen: Man fliegt von der Erde oder dem Erdorbit zu diesem Gateway, dockt an, zwei Astronauten bleiben dort, zwei nehmen den Lander auf die Mondoberfläche, arbeiten dort, kommen zurück, alle treffen sich wieder an der Station. Europa hätte dafür drei fixe Plätze für astronautische Flüge gehabt.

Das Programm ist jetzt von der Nasa pausiert. Offiziell nicht beendet, aber niemand weiß, wie lange die Pause dauert. Es gibt Ideen, was man mit den bereits gebauten Modulen alternativ machen könnte, aber man kann nichts Endgültiges umwidmen, solange die Nasa jederzeit sagen könnte, es geht doch weiter Richtung Mond.

Was Europa konkret plant, ist dieser Argonaut-Lander – ein Versorgungsschiff für den Mond. Allerdings wird er nicht mit einer europäischen Rakete dorthin fliegen, sondern mit einer Nasa-Rakete, weil die derzeit die einzigen sind, die diese Reichweite schaffen. Das ist trotzdem wertvoll. Es gibt nicht viele Länder, die die Kompetenz haben, Cargo tatsächlich auf dem Mond zu landen.

Hier im Europäischen Astronautenzentrum in Köln haben wir außerdem die sogenannte Luna-Halle, eine große Halle, in der ein Bereich Mondoberfläche simuliert ist. Der Mondstaub ist dabei chemisch analysiert und auf der Erde so gut wie möglich nachgebildet worden – das passende Gestein wurde in der Eifel gefunden, ganz in der Nähe von Köln, und auf die Feinheit von echtem Mondstaub gemahlen. Bei den Apollo-Missionen hat man gemerkt, wie gefährlich dieser Staub ist: Die scharfkantigen Partikel greifen Equipment an, setzen sich in den Lungenbläschen ab und können in die Augen gelangen. In der Luna-Halle können Roboter getestet werden, wie sie sich auf dem Mond fortbewegen und Gestein einsammeln. Und Astronauten können mit einem Suspension-System trainieren, das so viel von ihrem Gewicht wegnimmt, dass sie die Mondschwerkraft von 0,16 G erleben. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal der ESA beim Astronautentraining.

Gibt es ein globales Regelwerk dafür, was man am Mond oder auf anderen Planeten darf?

Ja, es gibt die Outer Space Treaty aus den 1960er-Jahren. Das ist ein juristisches Dokument, das von sehr vielen Ländern unterzeichnet wurde. Es regelt unter anderem den Zugang zum Weltall und legt fest, dass man den Weltraum auch für zukünftige Generationen zugänglich halten soll. Es enthält Regelungen zur Vermeidung des Kessler-Syndroms, also der Situation, dass der Erdorbit durch Trümmer und nicht mehr funktionierende Satelliten irgendwann unpassierbar wird. Und es bezeichnet Astronauten als Gesandte der Menschheit, was auch heißt, dass ihnen international geholfen werden muss, sollten sie in Not geraten.

Neueren Datums sind die Artemis-Akkords, ein Dokument der USA, das inzwischen von über 60 Nationen unterschrieben wurde – von China und Russland allerdings nicht. Österreich hat es vor etwa einem Jahr unterzeichnet. Die Akkords stützen sich auf die Outer Space Treaty und regeln die friedliche Nutzung und den wissenschaftlichen Austausch am Mond. Allerdings ist die Formulierung sehr vage – es wird sich zeigen, wie die einzelnen Punkte in Zukunft von den jeweiligen Partnern interpretiert werden.

Warum gewinnt das Rennen um den Mond und das All in den letzten Jahren so stark an Bedeutung? Ist das vor allem technologisch getrieben – oder auch geopolitisch?

Es hat definitiv eine politische Komponente. Bei den Apollo-Missionen im Kalten Krieg ging es darum, wer als Erster dort ankommt. Nachdem die USA die Flagge gepflanzt und noch einige weitere Missionen durchgeführt hatten, war das Interesse im Wesentlichen erledigt. Diesmal ist es anders: Die Artemis-Missionen haben nicht das Ziel, als Erster zu landen, sondern eine permanente Präsenz aufzubauen.

Das wird befeuert durch die Tatsache, dass China dasselbe Ziel hat, dass Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate ebenfalls mitspielen wollen. Aber selbst wenn China als Erstes eine Station aufbauen würde, die USA werden das nicht einfach hinnehmen und das Feld räumen. Es geht darum, sich langfristige strategische Vorteile zu sichern: vielleicht Ressourcenabbau, vielleicht eine strategisch relevante Präsenz. Niemand will riskieren, am Ende ohne Motivation dagestanden zu haben.

Wie steht es um den Mars? Sie haben immer gesagt, eine Mars-Mission ist einer Ihrer Träume. Rückt der näher?

Realistischerweise ist die erste astronautische Mars-Mission noch rund 20 Jahre entfernt. Aber ich finde schon, dass sie näher rückt. Das Wissenschaftsprogramm der ESA hat sich gerade auf zwei Bereiche fokussiert: Exploration-enabling science – also Wissenschaft, die wir machen, um überhaupt entdecken zu können, zum Beispiel um zum Mond und weiter zum Mars fliegen zu können. Und Exploration-enabled science – Wissenschaft, die durch das Entdecken möglich wird, also medizinische, pharmakologische und materialwissenschaftliche Forschung auf der ISS, die der Erde zugutekommt und nur in Schwerelosigkeit durchgeführt werden kann.

Gerade im medizinischen Bereich geht die Forschung an Astronauten mit Langzeitmissionen gerade in großen Schritten weiter. Wir haben einige Probleme identifiziert, die definitiv gelöst werden müssen, bevor man eine dreijährige Mars-Mission ethisch vertretbar unterstützen kann. Das ist gerade eine sehr spannende Zeit dafür.

Welche Potenziale gibt es in Österreich, um bei dieser neuen Welle der Weltraumeroberung eine Rolle zu spielen? Und haben wir dafür die richtigen Grundlagen geschaffen – Stichwort ESA-Budget?

Luft nach oben gibt es natürlich immer, gerade beim ESA-Budget. Aber wir haben das Budget beim letzten Ministerial in Bremen schon deutlich erhöht. Es geht in die richtige Richtung. Ich finde es großartig, dass wir bei Artemis dabei waren, die sicherheitskritische Datenkommunikation wurde von TTTech beigesteuert. Österreich ist auch bei anderen Missionen vertreten, zum Beispiel mit mehreren Instrumenten an Bord der Juice-Sonde, die die Eismonde des Jupiters erforschen soll und um 2031 dort ankommen wird.

Österreich hat eine sehr gute Weltraum-Community, sowohl in der Industrie als auch in der Forschung, das Institut für Weltraumforschung in Graz ist ein gutes Beispiel. Aber ich glaube, man könnte noch mehr Begeisterung erzeugen und noch stärker mitspielen. Mit einem höheren ESA-Budget könnte man auch bessere Rahmenbedingungen schaffen, damit sich mehr Weltraumindustriefirmen in Österreich ansiedeln.

Was können wir in Österreich im Bereich Bildung tun, damit es in Zukunft noch mehr Astronautinnen und Astronauten aus Österreich gibt?

Man muss wirklich ganz früh ansetzen. Bei Kindergartenkindern, Volksschülern und Jugendlichen sehe ich eine unglaubliche Begeisterung für alles, was mit dem Weltraum zu tun hat. Die Augen leuchten, die Aufmerksamkeit ist fokussiert, das ist einfach schön.

Ich war vor einigen Wochen bei der MINT-Gala in Wien, wo das MINT-Gütesiegel an Kindergärten und Schulen aus ganz Österreich vergeben wurde. Das sind externe Reviews, die Bewerbungen sichten und auswählen, wer das Siegel verdient hat – verbunden mit einem Drei-Jahres-Programm, das die Schule vorlegt, wie sie die Schülerinnen und Schüler für MINT begeistern will. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie viele Schulen dabei waren und welche Strategien die Lehrerinnen und Lehrer entwickelt haben.

Eine österreichische astronautische Weltraummission wäre natürlich auch ein sehr guter Weg, Begeisterung zu wecken. Heuer feiern wir das 35-jährige Jubiläum der Austromir-Mission mit Franz Viehböck. Es ist erstaunlich, wie lange das schon her ist und dass wir seitdem nichts mehr hatten, ist irgendwie auch schade.

Darf ich noch eine persönliche Frage stellen? Das ist eine aufwendige Karriere mit einem Ziel, das vielleicht nie in Erfüllung geht. Wie motiviert man sich, so einen Weg zu gehen – und was können Sie jungen Menschen mitgeben?

Das ist eindeutig kein Sprint, sondern ein Marathon. Im Weltraum kann sich alles von einem Tag auf den anderen ändern, es ist ein noch sehr junges Feld. In ein paar Jahrzehnten wird das ganz anders aussehen, eine viel stabilere Karriere sein. Im Moment kann man als Europäer nicht sicher sein, dass man tatsächlich fliegen wird, weil wir kein eigenes Raumschiff haben. Aber ehrlich gesagt ist das bei der Nasa sehr ähnlich, denn auch dort werden viel mehr Astronauten ausgewählt, als je fliegen werden.

Es ist definitiv ein Marathon. Aber ich finde, dass dieser Marathon schon für sich allein es wert ist. Das Auswahlverfahren hat mir bereits unglaublich viel gegeben. Man lernt sich selbst kennen, man trifft außergewöhnliche Menschen aus ganz Europa, die dieselbe Leidenschaft teilen. Und das Training jetzt: Ich bin manchmal abends nach Hause gekommen und habe mir gedacht, das ist kognitiv wirklich anstrengend. Von Geophysik über Kosmologie bis Orbitalmechanik ist alles dabei. Und praktisch: Ich bediene den Roboterarm, ich bin zwei Stunden im Unterwasser-Trainingsbecken für Weltraumspaziergänge. Diese Vielfalt, dieses breite Spektrum an Neuem, das man lernt, das finde ich einfach schön.

Und in meiner täglichen Arbeit beschäftige ich mich mit Weltraummedizin und kann dazu beitragen, dass wir irgendwann zum Mars kommen. Selbst wenn das in 40 Jahren statt in 20 passiert – dann sitze ich irgendwann in meiner Pension, schaue zu, wie Menschen auf dem Mars Fußspuren hinterlassen, und denke: Ich habe damals einen kleinen Teil dazu beigetragen.