Morning in Brief ・ 18.02.2026

Morning in Brief, 18. Februar 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 🇪🇺 Aktivierung der Ausweichklausel für Verteidigungsausgaben bis 2029. Gestern haben die EU-Wirtschafts- und Finanzminister bei einem Treffen in Brüssel wie erwartet die „nationale Ausweichklausel“ für Verteidigungsausgaben für Österreich aktiviert. Damit darf Österreich für Verteidigungsausgaben mehr Schulden machen, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen. Die Klausel gilt bis 2029 und bietet einen Spielraum von bis zu 1,5 % des BIP. Das EU-Defizitverfahren bleibt dadurch laut Kommission unberührt, die vereinbarten Maßnahmen müssen weiterhin umgesetzt werden. Die Kommission rechnet damit, dass die österreichische Defizitquote und die Schuldenquote 2028 um 1,2 Prozentpunkte bzw. um 1,7 Prozentpunkte höher ausfallen. [Quellen: EU-Rat, Statement Dombrovskis]

Kommentar: Baurezession und kein Ende?
von Matthias Reith

Das Schreckgespenst der „De-Industrialisierung“ ängstigt ganz Österreich und soll mit der Industriestrategie vertrieben werden. Verglichen damit ist die Baurezession fast eine „vergessene“ Rezession. Seit Präsentation des Wohn- und Baupakets sind immerhin zwei Jahre verstrichen, die Maßnahmen waren schon damals nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Ziegelstein, dringend notwendige Entrümpelungen bei Bauordnungen und Normen wurden und werden nicht angefasst.

💡 Wohnungsneubau in Österreich weiter rückläufig. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen soll nach Prognosen der Euroconstruct-Gruppe (u. a. Ifo Institut) bis 2028 auf einen langjährigen Tiefstwert von rund 33.400 sinken. Im Jahr 2024 wurden laut Statistik Austria noch 54.500 Wohnungen fertiggestellt (davon 41.800 in neuen Gebäuden). Seit 2019 ist die Zahl der baubewilligten Wohnungen rückläufig; eine leichte Erholung zeichnet sich für das Jahr 2025 ab, bleibt aber deutlich unter den früheren Niveaus. [Quellen: Statistik Austria, Ifo Institut | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Rückgang der Privatkonkurse bei gleichzeitigem Anstieg des Schuldenausmaßes. Im Jahr 2025 sank die Anzahl der Privatkonkurse im Vergleich zum Vorjahr um rund 1 % auf 8.766 Fälle. Demgegenüber stieg das durchschnittliche Schuldenausmaß pro Kopf um 40.000 Euro auf 153.000 Euro. Dieser Wert schließt auch Personen ein, deren Insolvenz auf eine ehemalige Selbstständigkeit zurückzuführen ist. Bei Privatpersonen ohne unternehmerischen Hintergrund liegt das durchschnittliche Schuldenausmaß bei Männern bei 76.000 Euro und bei Frauen bei 55.000 Euro. In der Geschlechterverteilung entfielen 61 % der Verfahren auf Männer und 39 % auf Frauen. Altersmäßig wurde knapp die Hälfte der Privatkonkurse von Personen zwischen 41 und 60 Jahren angemeldet. [Quelle: KSV 1870]

🇦🇹 Neuorganisation der ÖBB eingeleitet. Bundesminister Peter Hanke hat die ÖBB mit einer Neuorganisation beauftragt. Ziel ist es, u. a. gesetzliche Vorgaben zu vereinfachen, um der Unternehmensführung mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen Herausforderungen zu ermöglichen. Laut Hanke strebt die Reform moderne Strukturen, eine höhere Effizienz sowie einen verstärkten Kundenfokus an. Die ÖBB Holding wurde angewiesen, innerhalb von zwei Monaten einen entsprechenden Vorschlag für den Zeitraum bis 2040 auszuarbeiten. Die Neustrukturierung soll mit Anfang 2027 umgesetzt werden, so ÖBB-CEO Andreas Matthä. [Quellen: APA via Medienberichte, BM Hanke auf Instagram, ÖBB]

🇦🇹 Junitermin für zweites Deregulierungspaket bestätigt. Am 3. Juni soll das zweite Deregulierungspaket der Bundesregierung präsentiert werden, wie Selektiv von Seiten des Staatssekretariats Sepp Schellhorn bestätigt wurde. Nach dem ersten Paket mit 113 Maßnahmen (Dezember 2025) sollen nun „größere Brocken“ angegangen werden. Zusätzlich ist für März oder April 2026 der erste jährliche Fortschrittsbericht geplant, der zeigt, welche Blockaden bereits gelöst wurden. Ein Follow-up für die über SEDA eingereichten Bürger- und Unternehmensvorschläge zur Entbürokratisierung soll in den nächsten Wochen folgen. [Quelle: BMEIA]

🇦🇹 Erstes Treffen der Regierungsfraktionen zur Wehrpflicht. Gestern kamen die Klubobleute und Wehrsprecher von ÖVP, SPÖ und Neos zu einem ersten Austausch über die künftige Ausgestaltung der Wehrpflicht zusammen. Das Treffen wurde im Anschluss als konstruktiv bewertet; es markiert den Auftakt zu einer Reihe regelmäßiger Konsultationen. Einigkeit bestehe darin, den Wehr- und Milizdienst attraktiver zu gestalten. Zum Vorschlag einer Volksbefragung wurde keine Stellungnahme abgegeben. Erich Cibulka, Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, zeigte sich in der ZIB2 von einem künftigen Konsens aller fünf Parlamentsfraktionen überzeugt und rechnet nicht mit der Durchführung einer Volksbefragung. Zudem vertrat er die Ansicht, dass die bloße Auswahl zwischen 2 Modellen nicht die für eine Volksbefragung erforderliche Grundsatzentscheidung darstelle. [Quellen: APA via Medienberichte, ZIB2]

🇦🇹 IT-KV: Weitere Proteste drohen. Bereits seit Mitte November wird der KV-Abschluss in der IT-Branche verhandelt. Vor der mittlerweile 6. Verhandlungsrunde, die für heute angesetzt ist, droht die Gewerkschaft erneut mit Protesten. Bereits im Jänner hätten die Beschäftigten bei einer „Kundgebung vor der Wirtschaftskammer gezeigt, dass sie bereit sind, für einen fairen Abschluss zu kämpfen.“ Die Gewerkschaft hatte ursprünglich eine Erhöhung über der rollierenden Inflation von 3,5 % gefordert, die Arbeitgeber wollen die Erhöhung der Ist-Gehälter aussetzen und die Mindestlöhne unter der relevanten Inflationsrate erhöhen. „Der Personalkostenanteil von bis zu 80 % etwa im Bereich der Softwareentwicklung bietet keinen Spielraum für weitere Erhöhungen. Selbst in Deutschland kann inzwischen günstiger entwickelt werden als in Österreich“, sagte Arbeitgeber-Verhandler Martin Zandonella im November. [Quellen: GPA, WKÖ]

🇦🇹 Bund und Land investieren in neues Life Sciences Center Salzburg. Zwischen 2025 und 2027 beteiligen sich der Bund und das Land Salzburg mit insgesamt 15 Mio. Euro (je 7,5 Mio. Euro) am Aufbau des Life Sciences Center Salzburg. Die Einrichtung wird gemeinschaftlich von der Universität Salzburg, der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität und dem Uniklinikum Salzburg getragen. Die Forschungsschwerpunkte liegen u. a. in den Bereichen Krebsforschung und Immunologie, Neurowissenschaften sowie digitale Medizin und Public Health. Ziel der Kooperation ist es u. a., den Wissenstransfer zu beschleunigen und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die medizinische Anwendung zu überführen. [Quelle: Innovation Salzburg]

🇩🇪 Deutsche Inflationsrate zum Jahresauftakt gestiegen. Die Inflationsrate in Deutschland lag im Jänner 2026 bei 2,1 % und damit um 0,3 Prozentpunkte über dem Wert vom Dezember 2025. Nahrungsmittel verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,1 %, nachdem die Preissteigerungen in diesem Segment zwischen September und Dezember 2025 unterdurchschnittlich ausgefallen waren. Dienstleistungen verzeichneten im Vorjahresvergleich einen Preisanstieg von 3,2 %, wobei insbesondere soziale Einrichtungen und die Personenbeförderung betroffen waren. Demgegenüber gingen die Energiepreise im selben Zeitraum um 1,7 % zurück, die Preise für Haushaltsenergie sanken um 3,2 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇩🇪 Deutsche Wirtschaft wächst „zu wenig“. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) verzeichnet in ihrer Konjunkturumfrage zwar eine leichte Verbesserung der Stimmung um 2 Zähler, der Wert bleibe aber deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Für heuer wurde die Wachstumsprognose für Deutschland auf 1 % nach oben korrigiert, das sei aber hauptsächlich auf Statistik- und Kalendereffekte zurückzuführen. Das Wachstum sei zu wenig: „Unsere Wettbewerber sind dynamischer“. Als größte Hemmschuhe werden die schwache Inlandsnachfrage, gestiegene Arbeitskosten, unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und hohe Energie- und Rohstoffpreise genannt. [Quelle: DIHK]

🇩🇪 🇫🇷 Einfachere EU-Finanzmarktregeln gefordert. Deutschland und Frankreich setzen sich für eine Vereinfachung der Regulierung von Finanzdienstleistungen in der EU ein. Ein entsprechendes Schreiben an die EU-Kommission wurde der Nachrichtenagentur Reuters zugespielt. Gefordert werden Vereinfachungen bei Meldepflichten von Finanzmarkttransaktionen und Berichtspflichten zu Cyberattacken. Für kleinere Banken soll es Erleichterungen bei der Offenlegung von Daten geben, da Hinweise darauf fehlen würden, dass diese Daten überhaupt von jemandem genutzt werden. [Quelle: Reuters]

🇬🇧 Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich steigt weiter an. Im 4. Quartal 2025 ist die Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich auf 5,2 % gestiegen. Mit dem 6. Anstieg in Folge markiert der Wert – abgesehen von der Corona-Pandemie – den höchsten Stand seit dem 3. Quartal 2015. [Quelle: Office for National Statistics]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: 6. Verhandlungsrunde über einen neuen Kollektivvertrag für die IT-Branche

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die Einbürgerungen 2025

10:00 Uhr, Wien: Ministerrat mit anschließendem Pressefoyer

10:00 Uhr, Wien: Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) veröffentlicht Daten für 2025

19:00 Uhr, Ried im Innkreis: Politischer Aschermittwoch der FPÖ mit Bundesparteiobmann Kickl und OÖ-LHStv. Haimbuchner [Info]

19:00 Uhr, Klagenfurt: Politischer Aschermittwoch der ÖVP Kärnten mit Bundesparteiobmann Stocker und EVP-Chef Weber [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Gabriele Wild übernimmt die Studiengangsleitung Kinder- und Familienzentrierte Soziale Arbeit an der Hochschule Campus Wien. Daniel Mayr ist neuer Unternehmenssprecher von Santander Österreich. Ziga Lesnik ist neuer Partner bei Simon-Kucher. Susanne Thurner übernimmt die Leitung des Anzeigen- und Medienverkaufs der OÖNachrichten. Jan Süßmeir ist seit Jahresbeginn Head of Supply Chain bei Nestlé Österreich. Anna Unterweger wurde als Senior Consultant bei Curry communications partners ernannt. Neuer COO im Bereich Sales, Marketing und Customer Care der IMMOunited ist Valentin Bauer.

Geburtstage: Wir gratulieren Andreas Gerstenmayer und Manuel Horeth zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

10:00 Uhr, Wien: Karl-Heinz Strauss (Porr AG) im Klub der Wirtschaftspublizisten [invite only]

16:00 Uhr, Wien: GSV, Die Plattform für Mobilität lädt zum „GSV-Forum Die Zukunft großer Infrastrukturprojekte“ u. a. mit Monika Köppl-Turyna, Judith Engel, Michael Amerer, Marko Jandrisits, Josef Decker, Daniel Deutschmann, Arthur Kanonier [invite only]

17:30 Uhr, Wien: PRGala 2026 des Public Relations Verband Austria (PRVA) im Erste Campus [Info]

18:00 Uhr, Wien: Solokonzert von Anna Netrebko in der Staatsoper [Info]

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