Für die Uniqa ist die private Gesundheitsvorsorge nach wie vor einer der größten Wachstumstereiber. „Der private Gesundheitssektor sorgt für zusätzliche Kapazitäten, wirkt kostendämpfend und entlastet den Steuerzahler“, sagt er angesprochen auf die Idee von Vizekanzler Andreas Babler, den Prikraf abzuschaffen. Das angekündigte Zukunftsdepot hält Brandstetter für einen richtigen Schritt, will aber in der genauen Ausgestaltung keine Benachteiligung klassischer Versicherungsprodukte wie Lebensversicherungen: „Wir wollen eine faire Wahlmöglichkeit für unsere Produkte, die bestimmte Vorteile bieten, die andere Anbieter nicht haben.“ Gerade die Lebensversicherung erfreute sich zuletzt wieder eines gestiegenen Zuspruchs. Dass in Österreich die Klimaneutralität bereits 2040 angestrebt wird und damit zehn Jahre vor der EU sieht er als Wettbewerbsnachteil für die heimische Industrie. Im Interview geht es außerdem um Wachstum in Märkten wie Polen oder der Ukraine sowie um den Startup- und Scale-up Dachfonds, an dem sich die Uniqa beteiligen will.
Die Regierung hat das Klimagesetz in Begutachtung geschickt. Braucht es aus Ihrer Sicht den nationalen Alleingang beim Ziel 2040? Das wird ja sehr kontrovers diskutiert.
Andreas Brandstetter: Das frühere Klimaziel halte ich für übertrieben. Wenn ganz Europa auf 2050 setzt, finde ich es nicht angemessen, dass wir hier vorpreschen – ich bin sonst oft auf der progressiven Seite, aber hier sehe ich das für die heimische Industrie als Wettbewerbsnachteil.
Trotzdem müssen wir im Kleinen wie im Großen anfangen umzudenken. Ich stamme aus einer Generation, die Anfang der 80er-Jahre den Eltern – und erst recht unseren Großeltern – noch lernen musste, wie man mit Umweltverschmutzung richtig umgeht: Man kübelt eben nicht alles in den Wald, sondern nutzt die dafür neu entwickelte Abfallsysteme – eine Verhaltensänderung. Das hat damals funktioniert, und ich glaube, vor einer ähnlichen Wende stehen wir jetzt in Sachen Klimaschutz wieder.
Derzeit wird ja in der Regierung um das Zukunftsdepot gerungen – sehen Sie das als Konkurrenzprodukt zu den Altersvorsorgeprodukten der Uniqa?
Nein, wir sehen das als Schritt in die richtige Richtung von Bundeskanzler und Regierung. Alles, was die zweite und dritte Säule der Altersvorsorge in Österreich stärkt, alles, was Menschen verstehen hilft, wie wichtig private Vorsorge ist – nicht als Konkurrenz zur ersten Säule, sondern als Ergänzung – ist überlebensnotwendig und willkommen. Gerade für junge Menschen
Als Versicherungs-CEO sage ich aber auch: Was wir nicht wollen, sind Benachteiligungen bei der konkreten Ausgestaltung, die dazu führen würden, dass unsere Produkte dabei keine Rolle spielen. Dazu sind wir in guten Gesprächen mit der Regierung, um faire Chancengleichheit zu bekommen. Aber grundsätzlich ist das alles „überlebensnotwendig“ – genau wie eine Pensionsreform, die ein zentrales Thema ist.
Welche Rolle können Ihre Produkte bei der Debatte um das Zukunftsdepot spielen?
Das ist letztlich eine generelle Frage der Wahlmöglichkeit für die Konsumentin und den Konsumenten. Wir wollen eine faire Wahlmöglichkeit für unsere Produkte, die bestimmte Vorteile bieten, die andere Anbieter nicht haben: Etwa bei der Risikodimension oder bei der Verrentung, also der Auszahlung bis zum Lebensende – ganz egal, wie alt man wird. Das kann ein klassischer ETF zum Beispiel nicht leisten. Da gibt es einfach grundlegende Unterschiede.
Auch Sie haben risikostärkere und risikoschwächere Produkte im Angebot. Sehen Sie da eine Bewegung – geht es schon Richtung mehr Risiko, oder bleiben die Österreicherinnen und Österreicher eher risikoavers?
Ich bin jetzt 29 Jahre in der Branche, davon 24 Jahre im Vorstand. In dieser Zeit gab es immer wieder Phasen – vor allem in den 2010er-Jahren – in denen die Lebensversicherung tot gesagt wurde. Umso interessanter: Im ersten Halbjahr erfreute sie sich bei uns wieder eines gestiegenen Zuspruchs, sowohl die klassische als auch die fondsgebundene Lebensversicherung und auch die Einmalerläge.
Das Produkt ist für Kundinnen und Kunden attraktiv, auch in Österreich. Das oszilliert natürlich mit der Zinsentwicklung. Aber es zeigt: Es gibt eindeutig Bedarf, und deshalb sehe ich auch die Zukunft der Lebensversicherung insgesamt positiv.
Herbert Kickl hat im Sommergespräch gemeint, dass unser Pensionssystem längerfristig eigentlich sicher sei – weil uns zwar jetzt eine große Pensionierungswelle bevorstehe, sich die Kurve danach aber wieder abflache und sich die Situation entspanne. Wie sehen Sie das?
Das sehe ich ganz anders. 1950 haben sechs Erwerbstätige eine Pensionistin oder einen Pensionisten finanziert, heute sind es knapp drei und 2040 – das sind nur noch rund 14 Jahre – werden es zwei sein. Das soll mir irgendjemand, auch Herbert Kickl, erklären, wie das funktionieren soll.
Unsere Position ist klar: Ja, eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters ist fair – sowohl des gesetzlichen als auch des tatsächlichen. Die Kritik der Sozialdemokratie kann ich allerdings nachvollziehen. Wir als Unternehmen sind auch bereit, unseren Beitrag zu leisten, damit Menschen länger im Erwerbsleben bleiben können. Dafür braucht es jedoch geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen.
Ich sage auch dazu, weil das oft polemisch diskutiert wird: ich hatte das Privileg zu studieren und bin erst mit 24 wirklich ins Erwerbsleben eingestiegen. Ich bin dankbar, gesund zu sein, hoffe, lange aktiv bleiben zu können, und: Leistung macht mir Spaß.
Menschen mit akademischer Ausbildung werden also eher 45 Jahre im Erwerbsleben stehen. Wer mit 16 zu arbeiten beginnt, oft körperlich schwer, für den sieht das natürlich anders aus. Das kann man diskutieren und ausgestalten. Für mich ist es aber eine Selbstverständlichkeit, nicht nur als Manager, sondern auch als Staatsbürger, hier einen Beitrag zu leisten – damit wir dieses Land ordentlich übergeben und nicht unsere Kinder oder Enkelkinder die Rechnung dafür zahlen müssen.
Sie können sich eine Koppelung an die Beitragsjahre also durchaus vorstellen?
Absolut.
SPÖ-Chef Andreas Babler hat im Sommergespräch die Abschaffung des Prikraf gefordert und dafür heftige Kritik eingesteckt. Wie funktioniert aus Ihrer Sicht das Zusammenspiel zwischen öffentlicher und privater Gesundheitsvorsorge?
Ganz grundsätzlich: Wir privaten Krankenversicherer kritisieren das öffentliche System nie – ich sage selbst immer wieder, es ist europaweit eines der besten Systeme, das wir haben – auch wenn es zunehmend unter Druck gerät. Wir verstehen uns als Ergänzung dazu.
Weil bei diesem Thema so viel Emotion mitschwingt, haben wir uns vorgenommen, uns an die Fakten zu halten. Warum entlastet das private System das öffentliche eigentlich so stark?
Am Beispiel Wahlarzt: Die öffentliche Kasse erstattet bis zu 80 Prozent des Kassentarifs für die Leistung – nicht 80 Prozent des tatsächlich bezahlten Betrags, sondern 80 Prozent des Kassentarifs. Das heißt, jeder Wahlarztbesuch bringt dem öffentlichen System eine Einsparung von rund 20 Prozent.
Privatversicherte tragen außerdem über die Sonderklasse-Honorare in den öffentlichen Spitälern dazu bei, dass die Spitzenärzte im öffentlichen System gehalten werden können.
Außerdem: Nimmt ein Privatversicherter statt der Sonderklasse in einem öffentlichen Haus ein Privatspital in Anspruch – was in 41 Prozent der Fall ist – dann profitiert davon ebenso die Allgemeinheit. Denn, wie schon bei den Wahlärzten erläutert, übernimmt die Krankenkassen nur einen kleinen Teil – ziemlich genau ein Drittel der medizinischen Behandlungsleistung.
Das öffentliche System ist gut, aber der private Gesundheitssektor sorgt für zusätzliche Kapazitäten, wirkt kostendämpfend und entlastet den Steuerzahler.
Allein letztes Jahr haben 86.000 Menschen in Österreich neu eine private Zusatzversicherung abgeschlossen – nicht nur bei Uniqa, branchenweit. Es ist unverändert eines der am meisten nachgefragten Produkte im Privatkundengeschäft. Das muss ja einen Grund haben.
Wie hat sich die private Gesundheitsvorsorge bei der Uniqa in den letzten Jahren insgesamt entwickelt?
Der österreichische Markt für private Krankenversicherung ist attraktiver geworden. Es gibt neue Marktteilnehmer und Mitbewerber verstärken ihre Bemühungen, weil das Nachfragepotenzial einfach hoch ist.
Für mich persönlich ist die private Krankenversicherung fast zu einer neuen Form des Ansparens geworden. Früher, als meine Kinder auf die Welt kamen, war die Überlegung: Lebensversicherung oder andere Formen des Ansparens? Heute ist es eher so, dass man sich – auch mit schmalerem Budget und einem wachsamen Blick auf die Familienausgaben – eine private Krankenversicherung leistet.
Für Versicherungen ist es eine gute Zeit: die demografische Entwicklung, Altersvorsorge, Gesundheitssystem oder Naturkatastrophen: der Bedarf an neuen Produkten ist da, ebenso die Nachfrage. Aus den vielen Herausforderungen des öffentlichen Systems ergeben sich für unsere Branche neue Wachstumsmöglichkeiten.
Eine effiziente Reform des Gesundheitssystems würde Ihrem Geschäft eigentlich schaden?
Alles, was hilft, das öffentliche System besser zu machen – solange wir uns als Ergänzung und nicht als Ersatz verstehen – hilft den Bürgerinnen und Bürgern und damit auch uns.
Wir haben einen extremen Hitzesommer hinter uns, und Hitzeperioden haben ganz unterschiedliche Auswirkungen – darunter auch gesundheitliche. Beschäftigt Sie das als Versicherer bereits?
Ja, natürlich. Allein im Juni und Juli dieses Jahres gab es in Österreich 646 Hitzetote – deutlich mehr, als es im gesamten Jahr 2025 Verkehrstote gab. Wir hatten außerdem, seit es Aufzeichnungen gibt, noch nie einen so heißen August wie jenen 2026. Das spüren wir mittlerweile an allen Ecken und Enden.
Wir sehen diese Entwicklung auch im Bereich unseres Krankenversicherungsportfolios und dort sehr stark im Bereich der mentalen Belastung. Das ist gerade im urbanen Bereich ein Thema. Darauf reagieren wir, indem wir sehr stark in unsere Marke Mavie investieren – in den Bereich mentale Gesundheit und Prävention generell.
Das ist also ein Thema, auf das wir uns genauso einstellen wie auf Dürreschäden in der Landwirtschaft, Überschwemmungen oder Starkregen.
Der Herbst naht und Extremwetterereignisse wie Starkregen und Stürme sind nicht unwahrscheinlich. Wie bereiten Sie sich darauf vor, und wie stark schlägt sich das schon in den Zahlen nieder?
Denken Sie nur an Sturm Boris, den großen Starkregen und die Unwetter vom September 2024 – das war genau zu dieser Jahreszeit, Ende September. Wir schauen aktuell tatsächlich mit einer gewissen Sorge auf die Wetterberichte, weil wir gerade eine sehr ähnliche Wettersituation wie damals haben. Bei den wetterbedingten Schäden – und damit auch finanziell – ist dieses Jahr für uns also noch lange nicht in trockenen Tüchern.
Unverändert ist ein sehr hoher Anteil der Schäden aus Naturkatastrophen weltweit, auch in Europa, nicht versichert. Wir hatten weltweit im ersten Halbjahr rund 120 Milliarden Dollar an Schäden aus Naturkatastrophen, davon sind nur 40 Prozent versichert, 60 Prozent nicht. Je mehr die Schäden aus Naturkatastrophen zunehmen, desto größer wird – wenn man nichts tut – dieser ungedeckte Anteil. Und nicht gedeckt heißt ja nicht, dass niemand dafür zahlt: Am Ende zahlt es so oder so der Steuerzahler, egal wo es passiert.
Deshalb versuchen wir, in allen 14 Ländern, in denen wir tätig sind, dafür zu sensibilisieren, den Dialog mit der Politik zu suchen und zu klären, wie wir uns als Gesellschaft auf solche Szenarien vorbereiten. Ein wichtiger Punkt dabei: Es funktioniert nicht, wenn einerseits mit öffentlichen Geldern Schutzbauten errichtet und mit privatem Geld Gebäude versichert werden, gleichzeitig aber in Gebieten neu gewidmet wird, die das schlicht nicht vertragen.
Das ist auch ein Appell an die Verwaltung, nicht den Fehler der letzten Jahrzehnte zu wiederholen – etwa wenn es für einen Bürgermeister bequem ist, die Baugenehmigung 20 Meter neben dem Flussufer zu erteilen und der Fluss dann irgendwann über die Ufer tritt. Man könnte meinen, das gehöre der Vergangenheit an – tut es aber nicht. Es braucht insgesamt ein entsprechendes Umdenken und mehr Vorsicht.
Ein Punkt, an dem die Regierung gerade auch mit Nachdruck arbeitet, ist der Startup- und Scale-up-Dachfonds. Wird sich die Uniqa mit eigenem Kapital an diesem Dachfonds beteiligen?
Das können wir uns gut vorstellen. Wir halten das für eine durchaus sinnvolle Initiative der Regierung – das hängt natürlich von der konkreten Ausgestaltung ab.
Wir haben Erfahrungen mit einer eigenen Gesellschaft gesammelt, der Uniqa Ventures, die wir mittlerweile in unsere Uniqa Capital Markets integriert haben, um dort mehr Synergien zu heben. Insgesamt managen wir im Asset Management 24 Milliarden Euro on-balance und daneben noch 15 Milliarden Euro off-balance. Aufgrund dieser Erfahrung können wir uns eine Beteiligung sehr gut vorstellen.
Der Fonds will 400 Millionen Euro von privaten Investoren einsammeln – welchen Anteil daran könnten Sie sich vorstellen?
Ich habe da eine sehr klare Vorstellung, bitte aber um Verständnis, dass ich die Größenordnung heute noch nicht nennen kann – das müssen wir erst intern diskutieren.
Während sich Österreichs Wirtschaftswachstum um die Nulllinie bewegt, gibt es in CEE noch Wachstumsmärkte. Sie sind als Gruppe dort sehr breit aufgestellt. In welchen Regionen baut die Uniqa ihr Geschäft gerade aus?
Wir verfolgen zwei Stoßrichtungen: Die eine ist die klassische Versicherung, wo wir expandieren, die andere der Gesundheitsmarkt. Wenn Sie mich nach einem besonders interessanten Markt fragen, dann ist es der „Tiger“ Polen mit seinen knapp 38 Millionen Einwohnern.
Wir hoffen natürlich auch auf einen baldigen Frieden in der Ukraine, in erster Linie für die Menschen vor Ort. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass das Land nach Kriegsende große Chancen für Wiederaufbau, Modernisierung und wirtschaftliche Entwicklung bietet. Ansonsten haben wir aber keine klare Präferenz: Wir würden in allen 14 Ländern, in denen wir vertreten sind, beziehungsweise den 12 in Osteuropa, gleichermaßen gerne weiter investieren – sowohl im Versicherungsbereich als auch darüber hinaus, zum Beispiel in unserem Ökosystem Gesundheit.
Der Teil Osteuropas, der bereits in der EU ist, wächst beim BIP laut Prognose um 2,2 Prozent, die restliche EU um 0,7 Prozent. Für 2027 sieht die Prognose ähnlich aus: Der östliche EU-Teil wächst um 2,4 Prozent, die EU insgesamt um 1 Prozent.
Dazu kommt in unserer Branche ein Nachholbedarf: Wie viel Menschen für Versicherungen ausgeben, hängt vom Haushaltseinkommen der jeweiligen Volkswirtschaft ab. Bei uns in Österreich liegt das im Schnitt bei 2.300 Euro pro Jahr, in Osteuropa zwischen 200 und 500 Euro.
Die Direktinvestitionen in Osteuropa sind letztes Jahr zwar etwas zurückgegangen, aber China investiert dort sehr stark, aus strategischen Gründen – etwa im Batteriebereich. Wir sehen unverändert großes Wachstumspotenzial in Osteuropa.
Wie sehen Sie diesen Rückgang der Direktinvestitionen? Ist das ein Signal, dass die Investoren das Vertrauen in Osteuropa verlieren?
Das sehen wir nicht so. Im Gegenteil: Wenn ein Land wie China dort als Wirtschaftsmacht investiert, hat das strategische Hintergründe – das sehen wir vor allem in automotive-nahen Bereichen. Aber ja, es ist auch ein Signal: Ich glaube, in Osteuropa vollzieht sich gerade eine Trendwende. Das Argument, warum viele hingegangen sind – als verlängerte Werkbank Westeuropas – trägt allein nicht mehr.
Wenn ich mir allerdings anschaue, wie viel Aufbruchstimmung, Entrepreneurship und Leistungsbereitschaft man an einem Tag in Warschau erlebt, oder auch in Bukarest, dann ist das ein großes Differenzierungsmerkmal. Es ist eine Region, in der 155 Millionen Menschen leben, verglichen mit derzeit 9, bald 10 Millionen in Österreich – ein Wachstumsmarkt direkt vor der Haustür. Ich glaube also nicht, dass die Entwicklung in Osteuropa langfristig eine Delle hat, im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass es einer der größten Versicherungswachstumsmärkte der Welt bleiben wird, was es auch heute schon ist.
Wie entwickelt sich das Geschäft in der Ukraine für die Uniqa?
Vor allem für unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort wird die Situation zunehmend noch belastender – das merken wir jetzt, bald fünf Jahre nach Kriegsbeginn: die psychische Belastung unserer Teams, aber auch die physische Gefahr durch verstärkte russische Angriffe. Das hat sich noch einmal massiv verschlechtert. Ich habe höchsten Respekt vor unseren rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort, die über eine Million Kunden betreuen – damit zählen wir zu den größten Versicherern des Landes. Interessanterweise – und wohl auch logischerweise – sehen wir vor allem im westlichen Teil des Landes eine hohe Vorsorgebereitschaft, etwa im Bereich Gesundheit: Angebote rund um die psychische Gesundheit boomen dort sehr stark. Wir wachsen und wir machen sogar Gewinne – was derzeit aber nicht das Hauptkriterium ist. Es ist nach wie vor ein Land mit weit über 30 Millionen Einwohnern – es waren einmal weit über 40 Millionen – aber eine der absoluten Wachstumsregionen der Welt. Natürlich hoffen wir bald auf einen Frieden, der derzeit allerdings noch nicht absehbar ist.
Mit welchen Auswirkungen auf Ihr Geschäft rechnen Sie im Falle eines Friedens? Ist Österreich gut genug vorbereitet, um die Chancen eines Wiederaufbaus zu nutzen?
Ja, ich glaube, die Regierung setzt hier einen guten Schwerpunkt – angefangen beim Bundeskanzler über die Außenministerin bis hin zu Wolfgang Anzengruber als Regierungskoordinator für den Wiederaufbau der Ukraine, der uns etwa als ATX-Unternehmen zu Terminen einlädt oder mit uns gemeinsam Aktionen überlegt. Wir selbst tun auch sehr viel. Natürlich sind nicht nur österreichische Unternehmen daran interessiert, dort nach dem Krieg am Aufbau des Landes mitzuwirken – wir merken auch sehr starke US-amerikanische Investments, nicht nur EU-Aktivitäten.