Der hohe Preis der Lohnstückkosten-Party

15. Juli 2026Lesezeit: 3 Min.
Sara Grasel Illustration
Kommentar von Sara Grasel

Sara Grasel ist Chefredakteurin von Selektiv. Sie ist seit fast 20 Jahren Wirtschaftsjournalistin mit Stationen bei „Die Presse“, Trending Topics und brutkasten. Zuletzt war sie Chefredakteurin der Magazine der Industriellenvereinigung.

VW will effizienter werden und sich neu ausrichten. Wie der Staat Österreich. Es gibt aber einen gewichtigen Unterschied. Unternehmen wie VW sparen tatsächlich und packen große Brocken an, auch dort, wo es wehtut – denn sie wissen, dass die Schmerzen nur größer werden, wenn sie es nicht tun. Dazu gehören Strukturreformen – ja, in der Autoindustrie in Europa ist nicht alles gut gelaufen in den vergangenen Jahren. Und dazu gehört ein Umgang mit zu hohen Kosten. Die Unternehmen können nicht ganz alleine an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Hohe Kosten und Abgaben schmälern Margen und Gewinne, irgendwann ist Schluss mit Runterschlucken. 

Bei einer Umfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich sind die hohen Personalkosten auf Platz 1 der Liste der Standort-Grauen gelandet, während die Suche nach Arbeitskräften in der Prioritätenliste weit nach unten gerutscht ist. Fast wie ein Hohn wirkt da die Rechnung des ÖGB, dass höhere Löhne schließlich auch mehr Steuereinnahmen und Sozialabgaben bringen. Ja eh, aber diese Party muss auch jemand bezahlen. Die Rechnung ist einfach: Steigen die Lohnstückkosten und die Preissteigerungen lassen sich nicht weitergeben, dann wird halt irgendwann weniger produziert. Dann sind wir ein Boutique-Standort – klingt putzig, kommt aber auch mit weniger Arbeitsplätzen aus. Ist es das, was sich der ÖGB wünscht? 

Sie werden jetzt vielleicht einwenden, dass die Gewerkschafter mit ihrer Rechnung, dass die Steuereinnahmen durch höhere Löhne sprudeln, ja nur nach einer Umsetzung der Lohntransparenz-Richtlinie gerufen haben, durch die Frauen mehr verdienen werden. Leider ist auch das ein Trugschluss. Die Lohntransparenz bringt in erster Linie mehr Berichte. Ob die dann jemand liest (und wer), ist nicht gesagt. Da wir ja wissen, dass es eher Männer sind, die ihr Gehalt aktiv nachverhandeln, kann man sich schon ausmalen, wer von den neuen Auskunftsrechten Gebrauch machen und Vorgesetzte auf den persönlichen Pay Gap aufmerksam machen wird. Zuallererst wird es dann vielleicht weniger Männer geben, die weniger verdienen als ihre Kollegen. Und Neid auf Gruppen, die nach Meinung der Moral-Gesellschaft und einiger Medien zu viel verdienen. Und höhere Kosten für Unternehmen, für Bürokratie und steigende Löhne – ohne, dass dem auch nur irgendein Produktivitätsfortschritt gegenüberstehen würde. 

Der größte Wunsch der Unternehmen an die Regierung ist übrigens kein Geldregen in Form von Förderungen – in der Umfrage der IV Oberösterreich sind eine wirksame Pensionsreform, eine Steuerreform und ein effizientes Gesundheitssystem ganz oben auf der Liste gelandet. 

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