Der Kanzler hat recht

10. August 2026Lesezeit: 2 Min.
Sara Grasel Illustration
Kommentar von Sara Grasel

Sara Grasel ist Chefredakteurin von Selektiv. Sie ist seit fast 20 Jahren Wirtschaftsjournalistin mit Stationen bei „Die Presse“, Trending Topics und brutkasten. Zuletzt war sie Chefredakteurin der Magazine der Industriellenvereinigung.

Es gibt viele Dinge, die darf man als Politiker einfach nicht sagen. Und das muss noch nicht einmal etwas mit Cancel Culture zu tun haben. „Kinderbetreuung ist keine Arbeit“, ist vielleicht die Mutter aller dieser Sätze. Damit stößt man Menschen über alle Lager hinweg vor den Kopf. Keine Arbeit? KEINE ARBEIT? Kanzler Stocker, dem dieser Satz ausgerechnet auf der Bühne seiner Sommertour durch Österreich über die Lippen kam, hat sich eh entschuldigt. Er hat ja selbst Kinder. Stocker hat trotzdem recht. 

Kinder sind fordernd, logisch. Und oft wird das Leben mit ihnen anstrengend, vor allem, wenn man gleichzeitig auch allen anderen schönen und weniger schönen Seiten des modernen Lebens gerecht werden will. Zeit und Energie in Kinder zu investieren gehört dennoch zu den lohnendsten Aufgaben des Lebens. Wertschöpfende Arbeit im volkswirtschaftlichen Sinne ist aber trotzdem etwas anderes. Dass diese Dinge vermischt werden, ist einer der Gründe, warum wir in sozialpolitischen Debatten nicht vom Fleck kommen. Es ist schlicht Privatsache, wie genau sich Familien organisieren. Im Unterschied zur Arbeit im volkswirtschaftlichen Sinne, geht das den Staat nichts an.

Auch wenn das heutzutage viele nicht gerne hören: Die klassische Konstellation, in der sich Eltern die vielen Aufgaben zum Glück einer Familie aufteilen, hat da durchaus die größten Vorteile. Das muss nicht heißen, dass eine arbeiten geht, um Geld zu verdienen und der andere daheim das private Leben organisiert. Kann es aber, wenn das für beide in Ordnung ist. Wie genau man sich die Aufgaben teilt, sollte sich jede Familie selbst ausmachen dürfen. Wenn beide alles machen – oder eine alleine –, ist das entsprechend anstrengender. In Unternehmen würde man vermutlich nicht jedem Mitarbeiter alle Aufgaben übertragen, privat ist das aber natürlich die eigene Entscheidung der Betroffenen, die von der Allgemeinheit nicht zu bewerten ist. 

Egal, welches Modell man wählt, eine Sache bleibt immer gleich: Es gilt Familie, Arbeit und vielleicht auch noch eine höchstpersönliche Verwirklichung unter einen Hut zu bringen. Wenn wir anfangen, alles, was wir im Leben anstrengend finden, als Arbeit zu bezeichnen und den Staat dann auch noch um Entlohnung bitten, wird der Staat sich mit Fug und Recht auch immer mehr einmischen.

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