Elektrisch fahren – wann, wenn nicht jetzt?
Barbara Schmidt ist seit 2007 Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung von Österreichs E-Wirtschaft. Davor war sie unter anderem in der Rechtsabteilung der E-Control Austria und als Klubreferentin im österreichischen Parlament tätig. Sie hat das Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien absolviert. Sie ist Coach und Mediatorin.
Die geopolitische Lage ist angespannt. Ein unberechenbarer US-Präsident dreht an der Eskalationsschraube, fossile Lieferketten erweisen sich einmal mehr als das, was sie immer waren: Abhängigkeiten, die rasch zur Belastung werden. An den Tankstellen zeigen sich die Auswirkungen gestörter Lieferketten in Form steigender Treibstoffpreise – trotz Spritpreisbremse. Man könnte meinen, spätestens jetzt müsste klar sein, dass die Abhängigkeit von Öl und Gas so schnell wie möglich reduziert werden muss. Und Österreich? Nach dem Auslaufen der Kaufprämie für E-Autos und dem Ende der Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer soll nun auch der Sachbezugsvorteil für elektrische Dienstwagen fallen. Man fragt sich: Wie passt das zusammen?
90 % des Öls für den Verkehr
E-Mobilität ist nicht nur nachhaltiger und effizienter als klassische Verbrenner – sie macht uns auch resilienter. Noch decken wir mehr als die Hälfte unseres Endenergieverbrauchs über fossile Importe, rund 35 Prozent entfallen auf Öl. Dieses wird wiederum zu fast 90 Prozent im Verkehrssektor eingesetzt. Allein 2025 haben wir rund acht Milliarden Euro für Öl und Gas an das Ausland überwiesen.
Wer an der Zapfsäule steht, zahlt den Weltmarktpreis – und finanziert damit jene Akteure, die Energie als Druckmittel einsetzen. Das ist kein Gedankenexperiment. Das ist die eiskalte geopolitische Logik, die seit Beginn des Ukrainekriegs unsere Energieversorgung gezielt als Achillesferse ausnutzt. Wer sein Auto hingegen mit heimischem Strom betreibt, macht sich nicht nur selbst unabhängiger – er reduziert auch die Importabhängigkeit unseres Landes.
Falsche Signale zur falschen Zeit
Wenig nachvollziehbar ist daher, was nun im Rahmen des zweiten Budgetvorschlags vorgesehen ist. Nachdem mittlerweile die meisten Begünstigungen für E-Autos gestrichen wurden, soll mit der Befreiung vom Sachbezug nun ein weiterer Anreiz fallen. Das Signal ist eindeutig: Wer sich für Elektrifizierung und damit für eine nachhaltige und unabhängige Mobilität entscheidet, soll dafür bitte selbst aufkommen. Für diesen Zugang gibt es zweifellos viele gute Argumente, allen voran etwa, dass viele E-Autos über ihre Lebensdauer betrachtet ohnehin schon marktfähig sind.
Außer Acht gelassen wird dabei aber der volkswirtschaftliche Nutzen, den ein Umstieg stiftet. Jedes Elektroauto, das ans Netz geht, stärkt auch das Energiesystem. Denn jeder zusätzliche Stromverbraucher trägt dazu bei, die Fixkosten des Netzausbaus auf mehr Schultern zu verteilen. Mehr Strom im System heißt geringere Systemkosten für jeden einzelnen.
Darüber hinaus kann die E-Mobilität auch einen Beitrag zur Entlastung des Systems leisten. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Stunden, in denen deutlich mehr Strom produziert, als benötigt wird. Wer in diesen Zeiten Strom verbraucht, etwa indem er sein Auto lädt, kann damit nicht nur Geld sparen, sondern auch einen Beitrag zur Stabilisierung des Systems leisten. Die günstigste Kilowattstunde ist also nicht die, die nicht verbraucht wird – sondern die, die zur richtigen Zeit verbraucht wird.
Warum Anreize weiterhin notwendig sind
All diese Effekte haben einen volkswirtschaftlichen Wert, der mit der Verbreitung der E-Mobilität wächst. Private E-Autos brauchen keine politische Unterstützung mehr – abseits von Prestige und Fahrspaß, sind geringere Betriebskosten und Tanken mit der Energie vom eigenen Dach starke Argumente. Für Firmenwägen jedoch weniger. Indirekte Kostenvorteile greifen hier kaum, wohl aber die Angst vor Neuem. Klare Anreize für den auch volkswirtschaftlich sinnvollen Umstieg bleiben daher wichtig – nicht als Subvention, sondern als Investition in ein resilienteres, unabhängigeres Energiesystem.