Wohin mit dem Geld? Von Monika Rosen

Goldpreis: Verblassender Glanz?

26. Juni 2026Lesezeit: 2 Min.
Kommentar von Monika Rosen

Monika Rosen war mehr als 20 Jahre Chefanalystin einer heimischen Großbank. In ihrer aktuellen Funktion als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Themen rund um den Finanzmarkt.


Man sollte ja annehmen, dass das erste Halbjahr 2026 nahezu perfekte Bedingungen für einen steigenden Goldpreis geboten hätte. An Krisen mangelte es der Welt wahrlich nicht, vom Coup in Venezuela bis zum Krieg im Iran und dem daraus folgenden Anstieg im Ölpreis. Dennoch konnte Gold (bzw. Edelmetalle im Allgemeinen) heuer an die sensationelle Rallye des Vorjahres nicht mehr anschließen. Schwerer als alle geopolitischen Themen wog offenbar die Erwartung, dass die globalen Notenbanken (allen voran die US-Fed) auf die steigenden Inflationsraten früher oder später mit Zinsanhebungen reagieren würden. Dazu sorgte der neue Chef der US-Notenbank, Kevin Warsh, für eine Überraschung.

Dass US Präsident Trump Zinssenkungen sehen will, ist kein Geheimnis. Warsh zeigte sich nach der ersten Fed Sitzung unter seiner Leitung aber als wenig bereit, sich einem derartigen Druck zu beugen. Die Fed, so Warsh, würde ihr Inflationsziel von 2% strikt verteidigen. Ein indirekter Hinweis auf mögliche Zinssenkungen wurde ersatzlos aus dem Statement gestrichen. Der Markt sieht derzeit eine 50:50-Chance für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte im September. Steigende Zinsen wiederum helfen dem Goldpreis nicht, da Gold selbst keine Zinsen abwirft und damit relativ zu anderen Anlageklassen (Anleihen!) an Attraktivität einbüßt.

Die Tatsache, dass mit dem Friedensabkommen jetzt mehr Öl auf den Markt kommt, muss übrigens nicht unbedingt entspannend auf die Inflation wirken. Zwar sinken damit die Energiekosten, das allerdings wirkt stimulierend auf die Wirtschaft. Vor allem in den USA lief der Konjunkturmotor schon bisher durchaus rund, ein weiterer Wachstumsschub würde hier Zinsanhebungen nur noch wahrscheinlicher machen.

Die Notenbanken werden laut dem World Gold Council die gesunkenen Goldpreise übrigens weiter für Zukäufe nutzen. In einer aktuellen Umfrage gab fast die Hälfte der befragten Zentralbanken an, in den kommenden 12 Monaten Gold kaufen zu wollen. Dennoch gehen viele große Investmenthäuser davon aus, dass der Goldpreis mittelfristig zwar leicht steigen, aber nicht mehr in den Himmel schießen wird.

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