Wohin mit dem Geld? von Monika Rosen

Tech Aktien: Der KI-Boom kommt auf den Prüfstand

5. August 2026Lesezeit: 2 Min.
Kommentar von Monika Rosen

Monika Rosen war mehr als 20 Jahre Chefanalystin einer heimischen Großbank. In ihrer aktuellen Funktion als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Themen rund um den Finanzmarkt.

Fast vier Jahre nach Beginn des KI-Booms pumpen die US Tech-Riesen, auch Hyperscaler genannt, immer noch gigantische Summen in den Ausbau der neuen Technologie. Während in der Vergangenheit allein die Aussicht auf „mehr KI“ gereicht hat, um die Anleger zu begeistern, werden heute deutlich mehr Fragen gestellt. Die Wall Street möchte wissen, welche Renditen im Zuge dieser gigantischen Investitionen erzielt werden. Und sie macht sich Sorgen, dass selbst die prall gefüllten Kriegskassen der Tech-Giganten irgendwann nicht mehr reichen, diese Beträge zu stemmen. Immerhin musste jüngst ein Unternehmen wie Alphabet/Google erstmals in seiner Geschichte einen negativen Cashflow vermelden. Laut Schätzungen von Goldman Sachs sollen heuer über 700 Milliarden Dollar in die KI gepumpt werden. Man geht davon aus, dass das Volumen nächstes Jahr die Schwelle von einer Billion überschreitet.

Um den Cash-Bestand nicht zu sehr zu belasten, zapfen immer mehr Tech-Giganten den Rentenmarkt an. Per Ende Juli beläuft sich das Volumen der im Zuge der KI begebenen Unternehmensanleihen auf knapp 490 Milliarden Dollar. Damit wurde der Gesamtwert des Vorjahres von 320 Milliarden Dollar schon jetzt deutlich überschritten (auch diese Zahlen von Goldman Sachs).

Ein Grund für die steigenden Kosten liegt in der Tatsache, dass das Wettrennen um die für die KI nötigen Chips zu einem Engpass geführt hat, der die Preise explodieren lässt. Laut Deloitte könnten sich die DRAM-Preise über das Gesamtjahr 2026 vervierfachen. Wenn dieser Preisauftrieb irgendwann die Inflation insgesamt anheizt, haben die Analysten von Morgan Stanley recht, wenn sie von einer „Chipflation“ sprechen.

Dass die Skepsis der Anleger steigt, lässt sich auch an der Performance der Tech-Aktien ablesen. Seit Jahresbeginn haben die Magnificent Seven (Alphabet/Google, Amazon, Apple, Meta/Facebook, Microsoft, Nvidia, Tesla) als Gruppe nur eine Performance von plus/minus null geschafft. Damit hinken sie dem S&P (+9 %) deutlich hinterher. Für die Wall Street ist diese Underperformance alles andere als trivial. Immerhin entfallen auf die sieben Werte über 30 % der gesamten Marktkapitalisierung im S&P. 2026 könnte also in der Tat als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die KI den Offenbarungseid ablegen musste.

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