Morning in Brief ・ 10.04.2026

Morning in Brief, 10. April 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Bundeskanzler und Wirtschaftsminister reisen mit Wirtschaftsdelegation nach Indien. Am kommenden Dienstag treffen Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, in Begleitung einer 60-köpfigen Delegation aus Wirtschaft und Wissenschaft, in Neu-Delhi ein. Der Wirtschaftsminister wird bereits ab Samstag mit Wirtschaftsvertretern Termine in Mumbai wahrnehmen. Primäres Ziel der viertägigen Reise ist die Intensivierung der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kooperation zwischen Österreich und Indien. Gerade in Zeiten globaler Umbrüche und wachsender Unsicherheiten sei es für eine exportorientierte Nation wie Österreich essentiell, verlässliche Partnerschaften wie jene mit Indien zu stärken, betonte der Bundeskanzler. Es gehe darum, „unseren Betrieben neue Chancen in einem der dynamischsten Märkte der Welt zu eröffnen“, hielt der Wirtschaftsminister fest. [Quellen: Bundeskanzleramt, Statistik Austria | Grafik: EU-Indien-Abkommen schafft über 5.000 Jobs]

„Der größte Sieger des Iran-Kriegs ist Wladimir Putin“
Interview mit Jake Sullivan

US-Sicherheitsberater Jake Sullivan kritisiert scharf, dass es sich beim Iran-Krieg um „einen Krieg der Wahl, keinen Krieg der Notwendigkeit“ handelt, den Donald Trump begonnen habe – ohne unmittelbare Bedrohung und ohne klare Ziele. „Die Trump-Administration hat die Möglichkeit verpasst, den diplomatischen Weg zu gehen“, so Sullivan. Der fragile Waffenstillstand sei nun kurzfristig positiv, weil er Kämpfe und die Blockade der Straße von Hormus beende. Langfristig warnt Sullivan jedoch vor einem neuen Status Quo, in dem der Iran die Meerenge stärker kontrolliert. Größter Profiteur des Konflikts sei Wladimir Putin durch höhere Ölpreise, gelockerte Sanktionen und aus der Ukraine umgelenkte US-Waffen.

💡 Österreichs Staatsausgaben steigen stärker als die Inflation. Wären die Ausgaben des Gesamtstaates seit 2019 lediglich mit der Inflation gewachsen, betrügen sie im Jahr 2025 statt 283,0 Mrd. Euro nur 252,6 Mrd. Euro, rechnet die Agenda Austria vor. Österreich hätte dadurch im letzten Jahr rund 30 Mrd. Euro weniger ausgegeben und einen Budgetüberschuss erzielt. „Würde die Regierung die Staatsausgaben auf das preisbereinigte Niveau von 2019 zurückführen, könnte sie sich darüber streiten, welche Steuern zuerst gesenkt werden, statt die Steuern immer weiter zu erhöhen“, so der stv. Direktor der Agenda Austria Hanno Lorenz. [Quelle: Agenda Austria | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,079 Euro für Diesel und 1,724 Euro für Benzin. Gestern zu Mittag kostete ein Liter Diesel an der günstigsten Tankstelle in Österreich laut Wirtschaftsministerium 1,929 Euro und ein Liter Benzin Super 95 1,659 Euro – im günstigsten Fall über 2 Euro lag Diesel nur noch in Wien, Salzburg und Vorarlberg. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni lag heute Früh bei 96,48 Dollar, ein Anstieg um 1,9 %. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag gestern zum Handelsschluss bei 44,48 Euro pro MWh, ein Rückgang um 1,812 %. [Quellen: Spritpreise, BMWET – Tankstellenpreise 9.4., Ölpreis, Gaspreis]

🇦🇹 OECD: Reformvorschläge um Österreichs Wirtschaftswachstum zu fördern. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schlägt mehrere Reformen vor, um das Wachstum der österreichischen Wirtschaft anzukurbeln. Dazu gehören vor allem der Abbau regulatorischer Hürden und eine Lockerung der Beschränkungen im Dienstleistungshandel – beides würde das Investitionsniveau steigern. Gleichzeitig könnte eine beschleunigte Digitalisierung der Infrastruktur das Produktivitätswachstum nachhaltig fördern. Um auch die Erwerbsbeteiligung und das Einkommensniveau zu erhöhen, empfiehlt die OECD, die Inklusivität im Bildungs- und Arbeitsmarkt gezielt zu stärken, etwa durch mehr Ressourcen für benachteiligte Gruppen. Als Hauptursachen für das verlangsamte Wachstum nennt die OECD u. a. schwache Investitionen sowie die schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. [Quelle: OECD – Foundations for Growth and Competitiveness 2026 (S.138)]

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🇦🇹 Seniorenrat bringt sich für Budgetverhandlungen in Stellung. Der Seniorenrat fürchtet, dass im Zuge der Erstellung des Doppelbudgets die Pensionen unterinflationär angepasst werden könnten. Vergangenes Jahr wurden nur Pensionen bis zu einer Höhe von 2.500 Euro brutto um die volle Inflation erhöht, darüber gab es einen Pauschalbetrag. Solche Anpassungen seien reale Kürzungen, so Ingrid Korosec. Für den Steuerfreibetrag, der ab 2027 für Arbeiten im Alter gelten soll, fordert der Seniorenrat außerdem eine Senkung der Grenzen für eine Anspruchsberechtigung, für Frauen von 36,5 Versicherungsjahren auf 30 Jahre. [Quelle: Seniorenrat | Grafik: Höhere Steuern oder mehr sparen?]

🇦🇹 Österreichs Außenhandel im Jänner zurückgegangen. Österreichs Außenhandel verzeichnete im Jänner einen Rückgang, wobei der Wert der Warenexporte im Vorjahresvergleich um 2,2 % auf 15,06 Mrd. Euro und jener der Warenimporte um 3 % auf 15,13 Mrd. Euro sank. Daraus resultierte ein Handelsbilanzdefizit von insgesamt rund 70 Mio. Euro, welches sich aus einem Überschuss von rund 650 Mio. Euro im Handel mit EU-Mitgliedstaaten und einem Defizit von rund 710 Mio. Euro im Geschäft mit Drittstaaten zusammensetzt. Sektoral betrachtet gingen die österreichischen Exporte in den wesentlichen Produktgruppen – darunter Maschinen, Fahrzeuge und Fertigwaren – um insgesamt 2,4 % zurück, wobei chemische Erzeugnisse mit einem Minus von 7,1 % den stärksten Rückgang aufwiesen. Eine gegenläufige Entwicklung zeigten die österreichischen Ausfuhren nach Bulgarien, das mit Jänner der Eurozone beitrat – hier stiegen die Exporte um 3,6 % auf rund 90 Mio. Euro. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 PV-Anlagen dürfen auch in schützenswerten Städten sichtbar sein. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat eine Einschränkung bei der Errichtung von PV-Anlagen in der Innenstadt von St. Pölten gekippt. Die Errichtung war dann untersagt, wenn Anlagen von öffentlichem Grund aus sichtbar sind. Damit sollte das Stadtbild geschützt werden. Sichtbarkeit sei kein rechtliches Argument gegen den Bau von Erneuerbaren-Anlagen, sagte die Anwältin der Klägerin, Michaela Krömer, im Ö1-Radio. Der Fall der Klägerin landet nun wieder vor dem Landesverwaltungsgericht Niederösterreich. [Quelle: Ö1-Morgenjournal 9.4., Reaktion: Grüne | Grafik: PV-Boom schwächt sich ab]

🇦🇹 Kollektivvertragsverhandlungen für Chemische Industrie ergebnislos. Die 2. Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die Chemische Industrie verlief ergebnislos. Die 3. Verhandlungsrunde findet am 21. April statt. [Quelle: Pro-Ge]

🇦🇹 E-Card und Studierendenausweis digital. E-Card und Studierendenausweis können über die ID Austria ab sofort digital vorgewiesen werden. Voraussetzung sind die SV-Apps MeineSV, MeineÖGK, und bald MeineBVAEB und svsGO bzw. die App eAusweise für den Studierendenausweis. [Quellen: Dachverband Sozialversicherungen, Bundeskanzleramt]

🇦🇹 OÖ streicht Windkraft-Beschleunigung für Tierschutz. Das Land Oberösterreich wird eine ursprünglich geplante Beschleunigungszone für Windkraft im Mühlviertel beim bestehenden Windpark am Sternwald doch nicht einrichten. Ausschlaggebend waren Bedenken aus Tschechien – die Windräder könnten „zum lokalen Aussterben“ einiger Tierarten führen, heißt es in einem Bericht von MeinBezirk. Das laufende UVP-Verfahren für die Erweiterung des bestehenden Windparks soll davon allerdings unberührt bleiben. In Beschleunigungszonen sollen gemäß der Red-III-Richtlinie der EU Erneuerbaren-Anlagen ohne UVP errichtet werden können. Österreich ist bei der Ausweisung dieser Zonen säumig. [Quelle: MeinBezirk]

🇪🇺 Leistungsbilanzüberschuss der EU stieg im 4. Quartal 2025. Der saisonbereinigte Leistungsbilanzüberschuss der EU stieg im 4. Quartal 2025 zum ersten Mal seit dem 1. Quartal 2025 wieder an. Nachdem der Überschuss im 1. Quartal 2025 noch 2,6 % des BIP ausgemacht hatte, stieg er nun von 1,4 % im 3. Quartal auf 1,8 % im 4. Quartal an und liegt aktuell bei 86,7 Mrd. Euro. Den Höchststand der jüngeren Zeit markierte das 1. Quartal 2024 mit einem Überschuss von 3,1 % des BIP. [Quelle: Eurostat]

🇺🇸 US-Wirtschaft wächst schwächer. Im 4. Quartal 2025 ist die US-Wirtschaftsleistung auf das Gesamtjahr hochgerechnet um 0,5 % gewachsen – die Schnellschätzung wurde damit um 0,2 Prozentpunkte nach unten korrigiert. Im 3. Quartal stieg das US-BIP noch um 4,4 %. Im Februar gab es zudem einen Rückgang des verfügbaren Einkommens um 18,3 Mrd. US-Dollar (0,1 %). Gleichzeitig stiegen die persönlichen Konsumausgaben um 103,2 Mrd. US-Dollar bzw. 0,5 %. [Quellen: Bureau of Economic Analysis – BIP, Privates Einkommen]

🇩🇪 Insolvenzen deutscher Unternehmen im März so hoch wie seit 2005 nicht mehr. Mit 1.716 gemeldeten Insolvenzen deutscher Unternehmen wurde im März der höchste monatliche Stand seit Juni 2005 erreicht. Auch im gesamten 1. Quartal 2026 wurden mit 4.573 Insolvenzen so viele verzeichnet wie seit dem 3. Quartal 2005 nicht mehr. Bei den 1.716 Insolvenzen im März handelt es sich zum Großteil um Insolvenzen kleinerer Unternehmen. Vor allem die Baubranche und der Handel sind betroffen. Die Frühindikatoren „lassen für das zweite Quartal 2026 wenig Raum für Optimismus”, so Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Gleichzeitig planen 47,1 % der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen 2026 im gleichen Umfang zu investieren wie im Vorjahr. 28,4 % wollen ihre Investitionen erhöhen. [Quellen: IWH, Ifo-Institut]

🇨🇳 Erster Anstieg der chinesischen Erzeugerpreise seit über 3 Jahren. Im März sind die chinesischen Erzeugerpreise erstmals seit über 3 Jahren wieder angestiegen. Der Erzeugerpreisindex stieg nach Angaben des chinesischen Statistikamtes im Jahresvergleich um 0,5 %. Grund dafür seien steigende Importkosten durch die Auswirkungen des Irankrieges. Die chinesische Inflationsrate lag im März bei 1 %, nach 1,3 % im Februar. Im Vormonatsvergleich gingen die Verbraucherpreise um 0,7 % zurück. [Quellen: Chinesisches Statistikamt – Erzeugerpreise, Inflation; Reuters]

🇸🇦 Saudi-Arabien produziert täglich 600.000 Barrel Erdöl weniger. Infolge von Angriffen des Irans auf Produktionsstätten, Raffinerien und Pipelines wurde die Ölförderkapazität des Landes um 600.000 Barrel pro Tag verringert. Zudem werden 700.000 Barrel weniger durch die Ost-West-Pipeline transportiert, die derzeit die einzige Route für Saudi-Arabiens Rohölexporte darstellt. Grund hierfür ist, dass eine Pumpstation der Pipeline bei Angriffen getroffen wurde. Dies berichtet die staatliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf eine Quelle im Energieministerium. Darüber hinaus seien durch die Angriffe auch Gas-, petrochemische und Stromerzeugungsanlagen beschädigt worden. [Quelle: Reuters]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Bekanntgabe der Statistik Austria von den Kfz-Neuzulassungen im März sowie dem Produktionsindex Februar

10:00 Uhr, Wien: Wifo und IHS präsentieren gemeinsame Konjunkturprognose für 2026 und 2027

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Marika Lagger-Pöllinger wurde als neue Landesrätin Kärntens für die Zuständigkeitsbereiche Gemeinden, Naturschutz und Umwelt sowie Frauen und Gleichbehandlung angelobt. Landesrat Peter Reichmann übernimmt das Bildungsreferat, Landesrätin Gabriele Schaunig das Kulturreferat. Birgit Binnyei ist seit Jahresbeginn die neue Leiterin des Fachbereichs Ausbildung der Akademie der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer AWS.

Geburtstage: Wir gratulieren Stefan Fürnsinn zum Geburtstag. Am Sonntag haben Franz Gasselsberger und Christoph Wiederkehr Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

9:30 Uhr, Wien: UNIDO International Vienna Energy and Climate Forum 2026 in der Hofburg [Info] (letzter Tag)

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