Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Felbermayr: Regierungs-Sparziel von 2 Mrd. Euro ist „wenig ambitioniert“. Trotz der unsicheren Weltwirtschaftslage durch den Iran-Krieg hält Wifo-Chef Gabriel Felbermayr ein Doppelbudget für machbar. „Was man jetzt ausmacht, kann die Koalition die nächsten 2 Jahre tragen. Aber man muss unbedingt Flexibilität behalten und gegebenenfalls pragmatisch reagieren“, so Felbermayr in der ORF-Pressestunde. Die geplanten Einsparungen von 2 Mrd. Euro hält er für wenig ambitioniert und fordert unter anderem, bei Pensionen und Parteienförderung „auch ran“ zu gehen. Seit 2019 seien die Pensionen um 1,7 Mrd. Euro stärker erhöht worden als gesetzlich vorgesehen. Die heimische Parteienförderung ist wiederum knapp dreimal so hoch wie in Deutschland. Klassischen Vermögenssteuern erteilte Felbermayr hingegen eine Absage. Bei diesen bestehe die Gefahr von Ausweicheffekten, sodass am Ende der Mittelstand diese zahle. Wichtiger wäre es, Vermögensaufbau zu erleichtern, etwa durch eine breitere Beteiligung am Kapitalmarkt. Vergangenen Freitag starteten die Budgetgespräche mit Einzelgesprächen der Ressortleiter mit Finanzminister Markus Marterbauer sowie den Staatssekretären Barbara Eibinger-Miedl und Josef Schellhorn, danach folgen rund 4 Wochen Verhandlungen. [Quelle: ORF-Pressestunde | Reaktion: Seniorenbund | Grafik: Pensionen waren Kostentreiber 2025; Was bei einer Vermögenssteuer netto übrig bleibt]
Kommentar: Erbschaftssteuer und Gerechtigkeit – das sind gefährliche Argumente
von Martin Rhonheimer
Das Gefährliche an der Erbschaftssteuer-Debatte ist die Argumentation der Befürworter. Sie mündet paradoxerweise nicht nur in der Diktatur einer kleinen Minderheit über die Mehrheit, sondern führt auch zu einer nicht beabsichtigten Art der Gleichheit: Der gleichen Armut (fast) aller, außer einer schmalen Elite. Was wir aus der Geschichte gelernt haben, ist, dass solche Umverteilung nichts bringt, auch keine größere soziale Gerechtigkeit. Vielmehr ist sie wirtschaftlich extrem schädlich und wohlstandsmindernd.
💡 Irankrieg bremst Wirtschaftswachstum ein. Wifo und IHS haben ihre Konjunkturprognosen für 2026 infolge des Irankriegs gesenkt: Statt bisher 1,2 bzw. 1,0 % (Dez. 2025) erwarten sie nun ein reales BIP-Wachstum von 0,9 % (Wifo) bzw. 0,5 % (IHS). Noch pessimistischer kalkuliert Raiffeisen Research mit 0,3 % statt zuvor 1,0 % Wachstum. Für 2027 bewegen sich die Prognosen nun zwischen 0,7 % (IHS/Raiffeisen Research) und 1,3 % (Wifo). Die Inflation (HVPI) wird 2026 zwischen 2,7 % (OeNB) und 3,5 % (Raiffeisen Research) erwartet. Die Wifo-Prognose dient traditionell als wichtigste Grundlage für die Budgetverhandlungen des Bundes. IHS-Direktor Holger Bonin sprach sich aus Vorsichtsgründen für ein größeres Sparpaket als die von Finanzminister Markus Marterbauer anvisierten 2 Mrd. Euro aus, etwa 3 Mrd. Euro wären sinnvoll. [Quellen: Pressekonferenz, Frühjahrsprognosen – IHS, Wifo, OeNB, RBI/Raiffeisen Research | Reaktionen: FPÖ, Neos, Grüne, IV, ÖGB, WKÖ, WKÖ Kärnten, Wirtschaftsbund | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,026 Euro für Diesel und 1,677 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni lag heute Früh bei 102,18 Dollar, ein Anstieg um 7,3 %. Nach den gescheiterten Verhandlungen mit dem Iran hatte US-Präsident Donald Trump eine Blockade der Straße von Hormus durch die USA ab Montag angekündigt – die Ölpreise steigen wieder. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag in der Früh bei 49,25 Euro pro MWh, ein Anstieg um 12,9 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Industriestrombonus startet vorzeitig ohne EU-Genehmigung. Trotz ausstehender beihilferechtlicher Genehmigung der EU öffnet das Wirtschaftsministerium am heutigen Montag das Antragsportal für den Industriestrombonus. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer kritisierte die „endlose EU-Bürokratie“ scharf und forderte verbindliche Fristen aus Brüssel. Für 2025 und 2026 stehen insgesamt 150 Mio. Euro bereit. Rund 60 energieintensive Betriebe können ab 13. April rückwirkend Anträge stellen. Neu ist, dass 80 % der Förderung in Energieeffizienzmaßnahmen investiert werden müssen. Die Regierung plant eine Verlängerung bis 2029. [Quelle: BMWET | Reaktionen: FPÖ, Wirtschaftsbund, Industriellenvereinigung, WKÖ | Grafik: Strompreiskompensation in Europa]
🇦🇹 Industriestrategie: 7 von 117 Maßnahmen umgesetzt. Laut dem neuen Industriestrategiebarometer der Industriellenvereinigung sind 7 von 117 Maßnahmen der im Jänner vorgestellten Industriestrategie umgesetzt – darunter die Senkung der Elektrizitätsabgabe, Verbesserungen bei Mitarbeiterbeteiligungen für Startups und die Ausschreibung der Comet-Zentren. Mit Stand heute ist mit dem Industriestrombonus seit der Eröffnung des Barometers eine weitere Maßnahme in Umsetzung. Es gelte, das Tempo weiter zu erhöhen, so IV-Präsident Georg Knill am Freitag. Die IV will vor allem bei der Senkung der Energiepreise und Lohnnebenkosten mehr Tempo sowie einen konsequenten Bürokratieabbau. [Quelle: IV – Presseaussendung, Industriestrategiebarometer | Reaktion: ÖGB | Service: Industriestrategie 2035 | Kommentar: Wie sich der Finanzminister die Industrie schön rechnet]
🇦🇹 Grüne kritisieren fehlende echte Sparmaßnahmen in Ministerien. Von den angekündigten 1,1 Mrd. Euro Einsparungen in den Ministerien sind rund 600 Mio. Euro keine klassischen Verwaltungseinsparungen. Das kritisierte Grünen-Budgetsprecher Jakob Schwarz unter Verweis auf Beantwortungen einer Sammelanfrage und den Budgetvollzug. Statt geringerer Personalkosten oder Sachaufwand stammten die Beträge vor allem aus Dividenden (z. B. Asfinag, ÖBAG), Kürzungen bei Förderungen und Gebührenerhöhungen. Gleichzeitig seien die tatsächlichen Personalausgaben um rund 500 Mio. Euro und der Sachaufwand um 45 Mio. Euro gestiegen. [Quelle: APA via Medienberichte | Service: Anfragenserie]
🇦🇹 Deutlicher Anstieg bei abgewiesenen Firmeninsolvenzen. Der Gläubigerschutzverband AKV zeigt sich besorgt über die Entwicklung bei Firmeninsolvenzen. Im 1. Quartal 2026 wurden 1.045 Verfahren eröffnet, weitere 891 jedoch mangels Vermögen abgewiesen – ein Anstieg um mehr als 25 %. Der AKV spricht von einer „alarmierenden Entwicklung“. Besonders kritisch: Nur jedes fünfte Verfahren endete mit einem Sanierungsplan – deutlich weniger als in den Vorjahren. In einem Drittel der Fälle erhielten Gläubiger gar nichts (Nullquote). Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der AKV mit über 4.100 eröffneten Insolvenzverfahren. [Quelle: AKV]
🇦🇹 Kärntens neo-LH Fellner lehnt Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz ab. Der neue Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) stellt sich gegen das von der Bundesregierung präsentierte Gesetz zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien (EABG). „Ich kann Ihnen meinen Widerstand artikulieren“, sagte er am Samstag auf Ö1. Fellner betonte, Kärnten habe bereits eine „klare gesetzliche Grundlage“. Er wolle noch Einfluss auf das Gesetz nehmen, werde sich aber daran halten, falls es im Bund beschlossen wird. Das geplante Doppelbudget des Bundes bezeichnet er als „Mammutaufgabe“, signalisierte aber Kooperationsbereitschaft: Bei notwendigen Sparmaßnahmen sei „kein großer Aufschrei von uns zu erwarten“. Im Gesundheitsbereich wolle er keine Einsparungen, sondern „Kostendämpfungen“ durch Optimierungen. [Quellen: Ö1, Die Presse | Reaktionen: Grüne, FPÖ | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]
🇦🇹 Länder fordern Mitbestimmung bei Budgetverhandlungen. Die Finanzreferenten der Bundesländer haben letzten Freitag einen klaren Forderungskatalog an den Bund gerichtet. Sie wollen bei der Erstellung des Bundesbudgets und des Finanzrahmengesetzes „mit am Tisch sitzen“, um sicherzustellen, dass das Sparpaket nicht zu Lasten der Länder und Gemeinden geht. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, können aber nicht auf Ertragsanteile verzichten“, betonte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle. Die Länder bekennen sich zur Budgetkonsolidierung, pochen jedoch auf die Einhaltung des Finanzausgleichs, insbesondere bei der Finanzierung des pädagogischen Personals und der Pflege. Zudem fordern sie die vollständige Weitergabe von EU-Fördermitteln und eine steuerliche Entlastung des Ehrenamts. [Quelle: Land Tirol]
🇦🇹 Österreich reduziert Luftschadstoffe deutlich. Österreichs Emissionen von Luftschadstoffen gehen weiter zurück. Laut der aktuellen Luftschadstoffinventur erfüllt das Land bereits jetzt alle Verpflichtungen der EU-Richtlinie und des Emissionsgesetzes-Luft 2018. Bei Schwefeldioxid (SO₂) und flüchtigen organischen Verbindungen (NMVOC) werden sogar die strengeren Ziele für 2030 bereits erreicht. Seit 2005 sanken die Emissionen von Schwefeldioxid um 59 %, Stickstoffoxiden um 56 %, Feinstaub (PM2,5) um 43 % und NMVOC um 34 %. Umweltminister Norbert Totschnig zeigte sich erfreut: „Unsere Maßnahmen greifen messbar.“ [Quelle: BMLUK | Service: Luftschadstoffinventur 2026]
🇪🇺 Europäischen Flughäfen drohen Engpässe bei Flugbenzin. Sollte die Straße von Hormus innerhalb der nächsten drei Wochen nicht wieder vollständig passierbar sein, droht ein „systemischer“ Mangel an Flugbenzin. Diese wachsenden Bedenken teilte das Airports Council International Europe (ACI Europe), die Vertretung der europäischen Flughäfen, in einem Brief an den EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas mit, welcher der Financial Times vorliegt. Es sei zwar noch genügend Treibstoff für einige Wochen vorhanden, doch die Lieferanten könnten Lieferungen bis in den Mai hinein nicht garantieren. ACI Europe fordert eine EU-weite Überwachung der Lieferlage, um der Branche bei der Koordinierung ihrer Maßnahmen zu helfen. [Quelle: Financial Times]
🇩🇪 Deutsche Inflationsrate beträgt im März 2,7 %. Die deutsche Inflationsrate stieg im März auf 2,7 % und damit auf den höchsten Stand seit Jänner 2024, als diese bei 2,9 % gelegen hatte. Im Februar hatte die Rate noch 1,9 % betragen. Preistreibend wirkten vor allem Energieprodukte (+7,2 %) – insbesondere Kraftstoffe und Heizöl. Strom, Erdgas und Fernwärme waren im Jahresabstand günstiger. Waren verteuerten sich im Vorjahresvergleich um 2,3 %, Dienstleistungen um 3,2 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇺🇸 🇮🇷 Trump kündigt Blockade der Straße von Hormus an. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit dem Iran am Wochenende hat US-Präsident Donald Trump eine Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus angekündigt. Ab heute Montag soll die US-Marine Schiffe daran hindern, iranische Häfen anzulaufen oder zu verlassen. Trump sprach von „Welterpressung“ durch den Iran und ordnete zudem die Zerstörung iranischer Seeminen in der Meerenge an. Das US-Regionalkommando Centcom bestätigte, dass die Blockade am Montag um 16.00 Uhr MESZ beginnt. Schiffe, die keine iranischen Häfen anlaufen, sollen weiterhin passieren dürfen. Der Iran drohte mit „harter und entschlossener“ Reaktion. Die Revolutionsgarden erklärten, jeder Versuch von Militärschiffen, sich der Meerenge zu nähern, werde als Verstoß gegen den Waffenstillstand gewertet. [Quellen: Donald Trump auf Truth Social, Centcom auf X, Pakistan Today, iranischer Außenminister auf X]
Selektive Agenda:
Heute, Mumbai: Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer mit Wirtschaftsdelegation in Indien (bis 14.4.)
Wochenvorschau
Am Dienstag schließt sich Bundeskanzler Christian Stocker Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer an, der sich aktuell mit einer Wirtschaftsdelegation in Indien befindet. Bundespräsident Van der Bellen besucht derweil von Dienstag bis Donnerstag Bosnien-Herzegowina.
Diesen Mittwoch gehen die KV-Verhandlungen in der Finanzbranche in die 5. Runde und der Ministerrat tagt. Die Statistik Austria veröffentlicht den Baukostenindex für März, die Bank Austria den Konjunkturindikator für April. Eurostat gibt die Industrieproduktion der Eurozone für Februar bekannt. Am Abend veröffentlicht die US-Notenbank Fed den „Beige Book“-Konjunkturbericht.
Am Donnerstag gibt die Statistik Austria den Verbraucherpreisindex (VPI) für März bekannt, gefolgt von Eurostat mit den Zahlen (HVPI) für die Eurozone. Bundeskanzler Stocker trifft Premierminister Modi in Neu-Delhi. Der informelle EU-Rat Tourismus tagt in Nikosia.
Freitagfrüh trifft sich die Präsidiale des Nationalrats zu einer Sitzung. Der informelle EU-Rat Tourismus geht in den letzten Tag. Eurostat veröffentlicht die EU-Handelsbilanz für Februar.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Emma Delaney wird ab dem 1. September neue OMV-Chefin. Karin Ramser ist neue Geschäftsführerin der Wien Holding an der Seite des amtierenden Geschäftsführers Oliver Stribl. Walter Hirsch wurde als Vorsitzender der GÖD-Bundesheergewerkschaft sowie Peter Schrottwieser als dessen Stellvertreter für weitere 5 Jahre gewählt. Jennifer Huemer wurde zur neuen Bundesvorsitzenden der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) gewählt. Hermann Krist wurde einstimmig für weitere 4 Jahre als Präsident des ASKÖ bestätigt.
Geburtstage: Wir gratulieren Nikola Donig, Josef Ackerl und Konrad Paul Liessmann zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
16:30 Uhr, Wien: Wiiw und oiip laden zur Podiumsdiskussion „War, Power, and Markets: The Geopolitical and Economic Consequences of the US–Israeli War on Iran“ mit Hannes Swoboda, Michael Landesmann, Mahdi Ghodsi, Cengiz Günay und Gudrun Harrer [Info]
17:30 Uhr, Wien: Eröffnung der Ausstellung „Phantastischer Realismus – Zwei Perspektiven: Arik Brauer und Anton Lehmden“ in der Galerie Kovacek & Zetter [invite only]