Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 🇪🇺 🇩🇪 Hohe Spritpreise: Steuerrückvergütung könnte angehoben werden. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,205 Euro für Diesel und 1,888 Euro für Benzin. Beim EU-Treffen der Finanzminister in Dublin gab es am Freitag eine Absage für eine „Übergewinnsteuer“, für die sich auch Finanzminister Markus Marterbauer einsetzte. Die Krone erfuhr aus dem Finanzministerium aber, dass die aktuelle Steuerrückvergütung im Zuge der Spritpreisbremse im Oktober von derzeit 1,9 Cent pro Liter erhöht werden könnte. In Deutschland hat sich die Regierung auf die Rückkehr des Tankrabatts – eine Steuersenkung – von 17 Cent pro Liter geeinigt, der vielleicht schon ab Oktober gelten soll und auf einen Spritpreisdeckel als temporäres Kriseninstrument ab 2027. Wirtschaftsweise Veronika Grimm nannte die Maßnahme „zynisch“: Sie subventioniere das Fahren von Verbrennern auf Kosten der jungen Generation und lenke von notwendigen Strukturreformen ab. [Quellen: Spritpreise, Bundesregierung, Grimm auf X, Krone am Samstag]
„Der private Gesundheitssektor entlastet den Steuerzahler“
Interview mit Andreas Brandstetter
Für die Uniqa ist die private Gesundheitsvorsorge nach wie vor einer der größten Wachstumstreiber. „Der private Gesundheitssektor sorgt für zusätzliche Kapazitäten, wirkt kostendämpfend und entlastet den Steuerzahler“, sagt Uniqa-CEO Andreas Brandstetter angesprochen auf die Idee von Vizekanzler Andreas Babler, den Prikraf abzuschaffen. Das angekündigte Zukunftsdepot hält Brandstetter für einen richtigen Schritt, will aber in der genauen Ausgestaltung keine Benachteiligung klassischer Versicherungsprodukte wie Lebensversicherungen: „Wir wollen eine faire Wahlmöglichkeit für unsere Produkte, die bestimmte Vorteile bieten, die andere Anbieter nicht haben.“ Gerade die Lebensversicherung erfreute sich zuletzt wieder eines gestiegenen Zuspruchs. Im Interview geht es außerdem um Wachstum in Märkten wie Polen oder der Ukraine sowie um den Startup- und Scale-up Dachfonds, an dem sich die Uniqa beteiligen will.
💡 Löhne stärker gestiegen als Inflation. Die nominellen Nettoverdienste je Arbeitnehmer legten zwischen 2005 und 2027 (2026/27 sind Prognosewerte) laut Statistik Austria und Wifo um 89 % zu, die Inflation um 78 %. Real bleibt ein Plus von 6 %. Die kräftigen Lohnzuwächse gelten zugleich als Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft, während bei den Beschäftigten selbst wegen der Teuerung unterm Strich deutlich weniger ankam. Die Gewerkschaft hatte zuletzt zum Auftakt der Herbstlohnrunde höhere Anpassungen gefordert. [Quellen: Statistik Austria, Wifo via WKO, APA via Medienberichten | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Schumann will Insolvenzfonds-Beiträge notfalls per Verordnung erhöhen. Arbeitsministerin Korinna Schumann will die Beiträge zum fast leeren Insolvenzentgeltfonds (IEF) per Verordnung erhöhen, wenn sich die Sozialpartner nicht rasch einigen. Schumann sagte der Krone allerdings, dass sie von einer Einigung ausgehe. ÖGB-Chef Wolfgang Katzian sprach sich in der ORF-Pressestunde gestern ebenfalls für eine solche Verordnung aus. Die Reserven des Fonds werden bis Jahresende auf rund 30 Mio. Euro gesunken sein, ab 2027 wird mit einer Lücke von 160 Mio. Euro gerechnet. [Quelle: Krone am Samstag, ORF-Pressestunde 20.9. | Reaktionen: IV, WB]
🇦🇹 Regierung einigt sich auf Carbon-Capture-Storage. Die Regierung hat sich auf das Gesetz zur Speicherung von CO2 geeinigt und will es nun laut Krone am Dienstag im Ministerrat beschließen und in Begutachtung schicken. Die Speicherung soll nur in Bereichen erlaubt sein, in denen anders kaum eine CO2-Neutralität erreichbar ist, etwa in der Zementindustrie oder in der keramischen Industrie. Maximal 5 % der Emissionen, die in Österreich ausgestoßen werden, dürfen gespeichert werden. Seit Freitag ist auch das Klimagesetz in Begutachtung. Die Klimaneutralität 2040, die auch in anderen Gesetzen wie im EABG festgehalten ist, habe im Klimagesetz einen rein „deklaratorischen Charakter“ und sei nicht subjektiv einklagbar, so Umweltminister Norbert Totschnig. In der ZIB2 am Freitag bekräftigte er, dass es sich um ein reines Bekenntnis handle. Der Klimafahrplan, der die tatsächlichen Maßnahmen bis zur Klimaneutralität 2040 und die indikativen Reduktionsziele vorgibt, soll bis Ende 2027 ausgearbeitet werden. Weiters wird ein Korrekturmechanismus etabliert, falls von den jährlichen Zwischenzielen abgewichen wird. [Quellen: Krone, BMLUK – Pressekonferenz, Aussendung, ZIB2 vom 18.9.| Reaktionen: ÖVP, FPÖ/Spalt, FPÖ/Hammerl, Die Grünen, IV, WKÖ/Danninger, WKÖ/Menz, WB]
🇦🇹 Zukunftsdepot: Uniqa-CEO warnt vor Benachteiligung von Lebensversicherungen. Uniqa-CEO Andreas Brandstetter sieht das Zukunftsdepot „als Schritt in die richtige Richtung“, warnt aber vor einer Benachteiligung klassischer Vorsorgeprodukte. „Was wir nicht wollen, sind Benachteiligungen bei der konkreten Ausgestaltung, die dazu führen würden, dass unsere Produkte dabei keine Rolle spielen“, sagt er im Interview mit Selektiv. Man sei dazu aber in „guten Gesprächen“ mit der Regierung. „Wir wollen eine faire Wahlmöglichkeit für unsere Produkte, die bestimmte Vorteile bieten, die andere Anbieter nicht haben: Etwa bei der Risikodimension oder bei der Verrentung, also der Auszahlung bis zum Lebensende – ganz egal, wie alt man wird. Das kann ein klassischer ETF zum Beispiel nicht leisten“, so Brandstetter. [Quelle: Selektiv-Interview]
🇦🇹 Am Mittwoch steht im Nationalrat die Aktivpension auf der Agenda. Mit 1. Jänner 2027 soll eine Steuerbegünstigung gelten: Ein Freibetrag von bis zu 15.000 Euro pro Jahr für Menschen, die das Pensionsalter erreicht haben, aber weiterarbeiten. Voraussetzung sind mindestens 40 Versicherungsjahre, für Frauen gilt eine Einschleifregelung bis 2033, beginnend bei 34 Jahren. [Quelle: Parlamentskorrespondenz]
🇦🇹 Neos wollen Studiengebühren verdoppeln. Die Neos haben sich in einer Klausur auf eine Linie für die Verhandlungen zur Hochschulstrategie 2040 geeinigt. Teil des gewünschten Maßnahmen-Katalogs ist eine Verdopplung der Studiengebühren, die nach der Regelstudienzeit plus ein Toleranzsemester anfallen. Für Studierende aus Österreich wäre das eine Steigerung von 363,36 auf 700 Euro pro Semester, was einer Inflationsanpassung seit der Einführung 2001 entspräche. Für Studierende aus Drittstaaten sollen die Gebühren von derzeit 726,72 Euro auf 2.500 Euro pro Semester steigen. Außerdem wünschen sich die Neos eine straffere Mindeststudienleistung – in den ersten beiden Studienjahren sollen 32 statt bisher 16 ECTS-Punkte absolviert werden. [Quelle: Neos | Reaktion: ÖH]
🇦🇹 Wehrpflichtreform dürfte sich weiter verzögern. Grünen-Wehrsprecher David Stögmüller geht laut APA davon aus, dass die Ende Juli im Ministerrat paktierte Wehrdienstreform nicht wie geplant Ende September dingfest gemacht werden kann. Aufgrund der Zivildienstverlängerung ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig, bisher habe es aber weder mit den Grünen noch mit der FPÖ konkrete Gespräche dazu gegeben. Die Regierungsparteien behandeln noch im Detail, wie sich die drei Monate aus dem 6+3-Modell des Wehrdienstes genau aufteilen sollen. Am Sonntag soll dazu laut Krone ein „Geheimgipfel“ stattgefunden haben. Die Zeit für die Umsetzung eines neuen Gesetzes wird knapp, die Wehrdienstreform sollte ursprünglich mit Jahresbeginn in Kraft treten. [Quelle: APA via Medienberichte, Krone]
🇦🇹 80 Millionen Euro für heimische Halbleiterprojekte. Das Wirtschaftsministerium hat den nationalen Fördercall für die Teilnahme am europäischen Großprojekt IPCEI AST (Advanced Semiconductor Technology) geöffnet, eine zentrale Maßnahme der Industriestrategie Österreich 2035. Ab 2027 stehen rund 80 Mio. Euro an Fördermitteln bereit, die Obergrenze liegt bei 20 Mio. Euro pro Projekt. „Made in Europe“ ist als Muss-Kriterium verankert. [Quelle: BMWET | Reaktionen: IV, FEEI]
🇦🇹 Rechnungshof kritisiert Gießkannenprinzip bei Forschungsprämie. Der Rechnungshof bemängelt die fehlende Treffsicherheit der Forschungsprämie: Ohne thematische Schwerpunktsetzung fehlt ihr die Lenkungswirkung direkter Forschungsförderung. Die Kosten haben sich seit 2013 von 418,58 Mio. Euro auf 1,216 Mrd. Euro (2024) nahezu verdreifacht, für 2026 werden 1,3 Mrd. Euro erwartet. Der Rechnungshof empfiehlt dem Finanzministerium, sich stärker an FTI-Schwerpunkten und Schlüsseltechnologien zu orientieren. [Quelle: Rechnungshof]
🇦🇹 Wien führt Registrierungspflicht für Kurzzeitvermietung ein. Ab 1. Jänner 2027 benötigen alle Anbieter von Kurzzeitvermietungen in Wien eine Registrierungsnummer, ohne die keine Inserate mehr zulässig sind. Bei Verstößen drohen Strafen bis 50.000 Euro. Zusätzlich müssen künftig mindestens 80 % der Nutzfläche bei Umwidmungen in Beherbergungsstätten für Wohnzwecke erhalten bleiben, um die Umgehung der bestehenden 90-Tage-Regel zu unterbinden. [Quelle: Stadt Wien]
🇩🇪 IW verdreifacht Wachstumsprognose für Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine BIP-Prognose für 2026 von gut 0,4 % im Mai auf knapp 1,2 % angehoben – v. a. wegen eines überraschend starken ersten Halbjahrs mit steigenden Exporten und hohen Staatsausgaben. Die Dynamik lässt im zweiten Halbjahr aber wieder nach, für 2027 erwartet das IW nur rund 1 % Wachstum. Die Arbeitslosenquote bleibt bei 6,3 %, das Staatsdefizit steigt auf rund 4 %. [Quelle: IW Köln]
🇵🇱 🇬🇷 Moody’s stuft Polen herab, hebt Ausblick für Griechenland an. Die Ratingagentur Moody’s hat die Bonitätsnote Polens wegen anhaltender Verschlechterung der Haushaltslage von A2 auf A3 gesenkt – die erste Herabstufung seit 2016 –, der Ausblick ist nun stabil. Das Budgetdefizit soll 2026 und 2027 bei rund 7 % des BIP verharren. Für Griechenland hob Moody’s den Ausblick dagegen von „stabil“ auf „positiv“ an und bestätigte die Note „Baa3“, gestützt auf Strukturreformen und die rasch sinkende Schuldenquote. [Quellen: Moody’s – Polen, Griechenland]
Selektive Agenda:
Heute, Österreich: Ende der Begutachtungsfrist für Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige
Heute, Dublin: Informelle Tagung der EU-Verkehrsminister [Info] (bis 22.9.)
Heute, Brüssel: Staatssekretär Schellhorn beim Treffen zum Thema Bürokratieabbau
Wochenvorschau:
Am heutigen Montag endet die Begutachtungsfrist zum Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige und die E-Control führt Gespräche zur neuen Netztarif-Verordnung.
Die Statistik Austria veröffentlicht am Dienstag Halbjahreszahlen zu den Urlaubs- und Geschäftsreisen. Ab Dienstag treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 193 UNO-Mitgliedsländer zur einwöchigen Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York. Aus Österreich nehmen Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger teil. In Brüssel treffen sich die EU-Europaminister zum nächsten mehrjährigen EU-Budget – Europaministerin Claudia Bauer nimmt teil. In Wien kommt der Ministerrat zusammen, bevor am Mittwoch der Nationalrat tagt. Auf der Agenda steht u. a. die Aktivpension und der erleichterte Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge.
Am Donnerstag liefert die Metalltechnische Industrie Details zu jenem Teil des zweijährigen Kollektivvertragsabschlusses, der Anfang November in Kraft tritt und schon vergangenes Jahr beschlossen wurde. Außerdem wird Außenministerin Meinl-Reisinger die österreichische Rede vor der UNO-Generalversammlung halten. Die Unesco veröffentlicht ihren Weltbildungsbericht und die Statistik Austria ihre Untersuchung zu Studierenden in Österreich. Außerdem bringt die Nationalbank (OeNB) Daten zur Entwicklung der Wohn- und Gewerbeimmobilien seit dem Jahr 2000. In Deutschland legen die großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre gemeinsame Konjunkturprognose vor. Der europäische Branchenverband ACEA veröffentlicht Zahlen zu den Pkw-Zulassungen im August.
Am Freitag veröffentlicht die Statistik Austria Daten zu den Tourismuszahlen im August.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Jürgen Margetich, bisheriger Politischer Direktor von UNOS, übernimmt zusätzlich die Funktion des Bundesgeschäftsführers. Sonja Wallner, Finanzvorständin von A1 Österreich, verlässt mit Mai 2027 das Unternehmen. Kristina Hammer hat ihren Vertrag als Präsidentin der Salzburger Festspiele für 5 Jahre verlängert. Thomas Arnoldner wurde zum neuen ÖBAG-Chef bestellt. Armenak Utudjian wurde als Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertages wiedergewählt. Ralf Politos Vertrag als Wolford-Vorstandsvorsitzender wurde bis 2028 verlängert.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Verleihung des Anas-Schakfeh-Preises 2026 im Rathaus