Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Pensionserhöhung für 2027 fixiert. Die Pensionen werden 2027 um 2,95 % erhöht und damit leicht unter der erwarteten Inflationsrate von 3,3 % – nur die Ausgleichszulage wird um die vollen 3,3 % angepasst. Über der Höchstbeitragsgrundlage von 6.930 Euro wird um den Fixbetrag von 204,44 Euro erhöht. „Damit sichern wir eine Erhöhung der Pensionen innerhalb der budgetären Möglichkeiten ab“, so Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl zur APA. Die Pensionistenvertreterinnen Birgit Gerstorfer und Ingrid Korosec zeigten sich mit der Erhöhung um 2,95 % „nicht zufrieden“, sie wollen den Beschluss aber respektieren. Pensionsexperte Wolfgang Mazal nennt den Abschluss in der ZIB2 „klar vertretbar“ und „respektabel“, aber dass höhere Pensionen weniger stark erhöht werden, sei kein gutes Signal für das Versicherungsprinzip. [Quellen: APA, ZIB2 | Reaktionen: FPÖ, SPÖ, ÖGB, Seniorenrat | Grafiken: Pensionsanpassungen begünstigten niedrige Pensionen, Pensionszuckerl in Milliardenhöhe]
Kommentar: Bei Innovation kürzen, Pensionen um Milliarden erhöhen
von Georg Renner
Der Koalition dürfte inzwischen ziemlich egal sein, wie ihre Politik im Land ankommt. Anders kann man es kaum interpretieren, dass sie diese Woche praktisch gleichzeitig bekannt gegeben hat, einerseits das Budget für die öffentlichen Universitäten im Land empfindlich zu kürzen und auf der anderen Seite die Pensionen um fast drei Prozent zu erhöhen, nur ganz knapp unter der erwarteten Inflationsrate.
💡 Wirtschaftswachstum: Österreich erneut unter Schlusslichtern. Die EU-Kommission erwartet in ihrer Frühjahrsprognose für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 0,6 % für Österreich. Das bedeutet den 23. Platz im EU-Vergleich. Österreich liegt gleichauf mit Deutschland – nur Italien (0,5 %), Rumänien (0,1 %) und Irland (-1,2 %) wachsen noch weniger bzw. schrumpfen. Für 2027 wird ein BIP-Wachstum von 0,9 % prognostiziert. Im EU-Schnitt beträgt das BIP-Wachstum heuer 1,1 % und nächstes Jahr 1,4 %. Bei der Inflation liegt Österreich 2026 mit prognostizierten 3,0 % im EU-Mittelfeld, knapp über Deutschland (2,9 %) und nahe am EU-Schnitt von 3,1 %. Bis 2027 soll die Inflationsrate auf 2,5 % zurückgehen. Das Budgetdefizit wird laut der Prognose auch 2026 und 2027 mit je 4,1 % über dem Maastricht-Referenzwert von 3 % liegen. Die Staatsschuldenquote werde bis 2027 auf 84,9 % des BIP ansteigen. [Quellen: EU-Kommission – Übersicht, Österreich, BIP-Vergleich | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,934 Euro für Diesel und 1,849 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute Morgen bei 104,22 Dollar, ein Rückgang um 0,8 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Freitagfrüh bei 47,73 Euro pro MWh, ein Rückgang um 3,4 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Landeshauptleute kritisieren Kürzung des Unibudgets. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner will die geplante Kürzung des Budgets der Universitäten um 1 Mrd. Euro nicht bestätigen. Sie verweist darauf, dass die Budgetverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind: „Es gibt noch keine konkreten Zahlen.“ Die kolportierte Kürzung wird von einigen Länderchefs kritisiert. „Eine Verschlechterung der Studienbedingungen und eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten sind abzulehnen“, so Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) spricht von einem „Rückschritt mit Anlauf“ für den Standort Österreich. Auch der Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) kritisiert die Einsparungen: „Wer bei Bildung und Forschung spart, gefährdet langfristig Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Perspektiven für junge Menschen.“ [Quellen: Ö1, Der Standard]
🇦🇹 Streik in chemischer Industrie. Die 6. KV-Verhandlungsrunde in der chemischen Industrie ist gestern erfolglos zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft hat zu einem zweistündigen Warnstreik im Zeitraum von 26. Mai bis 1. Juni aufgerufen. Das Angebot einer Einmalzahlung von 250 Euro käme einer Nulllohnrunde gleich, kritisiert die Gewerkschaft. Die Arbeitgebervertreter verweisen auf die niedrigen Gehaltsabschlüsse in anderen Ländern, die den Wettbewerbsnachteil Österreichs verschärfen. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 2. Juni statt. Auch beim KV Gastronomie und Hotellerie gab es in der 3. Runde keine Einigung, dort spricht man aber von „sachlichen Gesprächen“. [Quellen: ÖGB, FCIO, WKÖ]
🇦🇹 🇭🇺 Österreich könnte Visegrád-Staaten beitreten. Österreich und Ungarn werden künftig stärker kooperieren, Bundeskanzler Christian Stocker will ein „neues Kapitel aufschlagen“. Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar will Österreich in die Gruppe der Visegrád-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn) aufnehmen – beim nächsten Visegrád-Gipfel in Budapest Ende Juni könnte darüber entschieden werden. „Ich begrüße jeden Vorstoß, gemeinsam mehr in Europa zu bewegen“, antwortete Bundeskanzler Stocker. Des Weiteren wurde eine gemeinsame Regierungssitzung Österreichs und Ungarns vereinbart, diese soll im September im Schloss Gödöllö stattfinden. Bezüglich der Aufhebung der ungarischen Sondersteuer für österreichische Handelsunternehmen, die Kanzler Stocker erneut einforderte, bat Ministerpräsident Magyar noch um „Geduld“, da der ungarische Haushalt in einer schlechten Ausgangslage sei und er insgesamt eine Reform des Steuersystems anstrebe. [Quellen: Pressekonferenz Magyar/Stocker, Bundeskanzleramt]
🇦🇹 MWSt-Senkung im Nationalrat beschlossen. Gegen die Stimmen der Oppositionsparteien wurde die Umsatzsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel gestern im Nationalrat beschlossen. Der neue Steuersatz von 4,9 % gilt ab 1. Juli – dafür müssen nun alle Kassensysteme in Österreich umgestellt werden, aber gerade ältere Systeme wären nie für Steuersätze mit einer Kommastelle konzipiert worden, warnt nun das Softwareunternehmen BMD. Bereits jetzt gebe es „Staus“ in der Umsetzung. [Quelle: Parlamentskorrespondenz, Medienberichte | Reaktionen: SPÖ, FPÖ/Petschnig, FPÖ/Fürtbauer | Grafik: Wer von der Umsatzsteuersenkung profitiert]
🇪🇺 Geschäftsstimmung in Eurozone fällt auf 31-Monatstief. Die Eurozone-Wirtschaft ist im Mai stärker geschrumpft als im April: Der vorläufige S&P Global Composite PMI fiel um 1,3 Punkte auf 47,5 und damit auf ein 31-Monatstief. Werte unter 50 signalisieren eine Schrumpfung. Hauptursache sei laut S&P der Konflikt im Nahen Osten, der über höhere Energiepreise und Lieferkettenstörungen auf die Wirtschaft durchschlage. Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor, der mit 46,4 Punkten auf den tiefsten Stand seit über 5 Jahren fiel. Die Industrieproduktion legte den 5. Monat in Folge zu, allerdings nur mehr leicht. Die Beschäftigung sank den 5. Monat in Folge so stark wie seit November 2020 nicht mehr. Die Einkaufspreise stiegen so kräftig wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr, die Verkaufspreise zogen so stark an wie seit 38 Monaten nicht. Die Preisindizes deuten laut S&P-Chefökonom Chris Williamson auf eine Inflationsrate von fast 4 % hin. Das BIP der Eurozone dürfte im zweiten Quartal 2026 um 0,2 % schrumpfen. [Quelle: S&P Global]
🇩🇪 Deutsche Exporte in die USA gehen zurück. Im 1. Quartal 2026 sanken die deutschen Exporte in die USA im Vorjahresvergleich um 12,1 %, die Importe legten um 1,9 % zu. Der Exportüberschuss ging um 30,5 % auf 12,4 Mrd. Euro zurück. Laut Statistischem Bundesamt steht der Rückgang im Zusammenhang mit den seit 2025 geltenden US-Einfuhrzöllen, insbesondere auf europäische Kraftfahrzeuge. Die Kfz-Exporte gingen um 28,4 % zurück, der Saldo in dieser Warengruppe verringerte sich um 35,5 % auf 5 Mrd. Euro. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇩🇪 Deutsche Bundesbank erwartet Stagnation im 2. Quartal. Die deutsche Wirtschaft werde im 2. Quartal 2026 wegen der Folgen des Irankriegs voraussichtlich stagnieren. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank hervor. Die hohe Inflation drücke die Kaufkraft und damit den Konsum, was vor allem konsumnahe Dienstleister treffe. Industrie und Bau litten unter hohen Energiepreisen und Lieferengpässen. Beim Anstieg der Neuaufträge könnten allerdings Vorzieheffekte in Erwartung von Knappheiten eine Rolle gespielt haben. Diese Effekte dürften jedoch nur kurz anhalten, in den nächsten Monaten dürften die negativen Folgen des Krieges die Industrie zunehmend belasten. [Quelle: Deutsche Bundesbank]
🇯🇵 Japanische Exporte steigen stark. Japan konnte seine Exporte im April 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,8 % steigern, der 8. Anstieg in Folge. Damit wurde die Prognose von 9,3 % übertroffen. Die Importe stiegen im selben Zeitraum um 9,7 %, ebenfalls stärker als die erwarteten 8,3 %. Die Rohölimporte sind um 64 % zurückgegangen, der stärkste Rückgang seit 1980. [Quellen: Japanisches Finanzministerium, Reuters]
🌐 Treibstoffpreise treiben E-Auto-Nachfrage. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten heuer 23 Mio. Elektroautos verkauft werden, das wären fast 30 % aller Neuwagenverkäufe. Im Vorjahr waren es 20 Mio. Autos bzw. ein Viertel der Neuzulassungen. Dabei wurden 6 von 10 Elektroautos in China verkauft, der Anteil an den Neuzulassungen lag bei 55 %, der E-Auto-Bestand bei 13 %. In Österreich erreichte der Anteil von E-Autos an den Pkw-Neuzulassungen im April 2026 mit 25,9 % ein neues Rekordhoch, der Anteil am gesamten Autobestand lag 2025 bei 4,9 %. „Die wachsende Beliebtheit von Elektrofahrzeugen hat einen bedeutenden Wandel für die Automobilmärkte und das Energiesystem insgesamt eingeleitet – und sorgt nun inmitten der größten Ölversorgungskrise der Geschichte für eine gewisse Entlastung“, so IEA-Direktor Fatih Birol, der in Zukunft weiteren Auftrieb für Elektrofahrzeuge erwartet. [Quellen: IEA – Aussendung, Global EV Outlook 2026, Statistik Austria]
🌐 Goldpreis 2025: +64,4 % – neues Allzeithoch 2026. Der Goldpreis hat im Jahr 2025 in Dollar um 64,4 % zugelegt und damit die höchste Jahresperformance seit 1979 verzeichnet. Im Jänner 2026 erreichte der Kurs mit 5.595 Dollar ein neues Allzeithoch. Seit 2000 liege die durchschnittliche jährliche Wertsteigerung bei 11,2 %, was kumuliert eine Performance von über 1.538 % ergebe. Laut dem „In Gold We Trust“-Report 2026 der Incrementum AG sei der anhaltende Vertrauensverlust in Regierungen, Zentralbanken und das Fiat-System zur entscheidenden Triebkraft geworden. Gleichzeitig verzeichnete Gold im März 2026 mit einem Minus von 611 Dollar bzw. 27 % vom Hoch den größten absoluten Monatsverlust der Geschichte. Die Studienautoren rechnen in einem inflationären Szenario mit einem Anstieg des Goldpreises auf 8.900 Dollar bis 2030. [Quelle: In Gold We Trust Report 2026]
Selektive Agenda:
Heute, Mexiko-Stadt, Mexiko: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen unterzeichnet modernisierte Version des Handels- und Kooperationsabkommens EU-Mexiko
Heute, Lefkosia: Informelle Tagung der EU-Wirtschafts- und Finanzminister (bis 23.5.) [Info]
9:00 Uhr, Lefkosia: Finanzminister Marterbauer beim Treffen der Finanzminister der Eurogruppe [Info]
10:15 Uhr, Brüssel: EU-Ministerrat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Handel) [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Mit 1. Juni wurden im Bankenverband Louis Kahane, Vorsitzender des Vorstandes der Bank Gutmann, für die laufende Amtsperiode und Gregor Hofstätter-Pobst, Vorstandsmitglied der Bausparkasse Wüstenrot und designierter Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Wüstenrot, als Nachfolger von Susanne Riess-Hahn in den Vorstand gewählt. Zudem wurde Angelika Sommer-Hemetsberger, Vorstandsmitglied der österreichischen Kontrollbank und Mitglied des Vorstandes des Bankenverbandes, zur Vizepräsidentin des Bankenverbandes gewählt. Margret Karl wird Head of Human Resources und Mitglied des Management-Teams von Nestlé Österreich. Caterina Preti wird mit dem 1. Juni Managing Director bei Sky Österreich. Georg Stockinger ist neuer Vorsitzender der AHS-Lehrergewerkschaft.
Geburtstage: Wir gratulieren Klaus Mair, Herbert Matis und Anna Maria Sigmund zum Geburtstag. Am Samstag haben Ursula Plassnik und Gabi Burgstaller Geburtstag, am Sonntag Sara Grasel, Alma Zadić, Doris Wendler und Stephanie Krisper.
Sehen & gesehen werden:
Heute, Grafenegg: Europa-Forum Wachau (letzter Tag) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Fachforum Strompreise „Strommarkt reformieren – oder Preisrisiken mit PPAs steuern?“ im APA-Pressezentrum u. a. mit Lukas Stühlinger, Franz Angerer, Georg Beretits, Bernhard Kasberger und Florian Stangl [Info]
17:00 Uhr, Wien: Diskussion Austria Institut für Europa und Sicherheitspolitik (AIES) „What if the U.S. got Greenland?“ im Festsaal der Diplomatischen Akademie u. a. mit Zoltan Acs, Lassi Heininen, Caroline Kennedy-Pipe, Kenneth R. Rosen und Lise Wiederholt Christensen [Info]
20:00 Uhr, Wien: Concordia-Ball im Rathaus [Info]
21:20 Uhr, Wien: Eröffnung der Wiener Festwochen am Heldenplatz [Info]