Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Senkung der Lohnnebenkosten „in greifbarer Nähe“. Die Presse hat von Budgetverhandlern erfahren, dass im kommenden Doppelbudget Einsparungen von mindestens 2,5 Mrd. Euro geplant sind, davon ein Drittel durch neue Einnahmen. Die Neos pochen laut Standard auf Einsparungen von 4,5 Mrd. Euro. Laut Presse ist eine Verlängerung der höheren Bankenabgabe und eine Kürzung des Familienbonus angedacht. Eine Lohnnebenkostensenkung soll laut Verhandlern „in greifbarer Nähe“ sein. Laut Standard machen die Neos diese Senkung sogar zur Bedingung. Die Gegenfinanzierung könnten Staat und Unternehmen – die SPÖ wünscht sich eine Erhöhung der KöSt – gemeinsam stemmen. Die WKÖ erhöhte in dieser Sache gestern den Druck mit einem offenen Brief an Finanzminister Markus Marterbauer. Die WKÖ will den budgetären Spielraum dafür „durch mehr Effizienz und einen zielgenaueren Mitteleinsatz in den öffentlichen Systemen“ sowie bei „Förderungen und im Föderalismus“ schaffen. Die Maßnahme würde sich durch höhere Steuereinnahmen teils selbst finanzieren: „Eine Senkung der Lohnnebenkosten sichert Beschäftigung, stärkt Konsum und Investitionen und erhöht damit das Steueraufkommen“, so die Wirtschaftskammer. [Quellen: Die Presse, Der Standard, WKÖ – Offener Brief, Aussendung | Reaktionen: IV, WKÖ/Gleißner, ÖGB | Grafik: Wer von einer Lohnnebenkostensenkung profitiert]
Kommentar: Peking grüßt den Genossen Sanchez
von Bernhard Seyringer
Der Sozialist Pedro Sanchez gilt als ideologischer Anführer der pro-chinesischen Sozialdemokratie in Europa. Er verkörpert das „Haltungstriptychon“ aus Anti-Amerikanismus, Verständnis für die Terrororganisation Hamas und der unbedingten Angst vor der Erderwärmung. Genau deswegen ist er gern gesehener Gast in Brüssel und bei den meisten Medien europaweit. Genau deswegen ist er aus Sicht Pekings viel nützlicher als Viktor Orban jemals war.
💡 Österreich bei Arbeitskosten teurer als 34 OECD-Staaten. Die Arbeitskosten eines alleinstehenden österreichischen Durchschnittsverdieners ohne Kinder lagen 2025 bei 110.216 US-Dollar (kaufkraftbereinigt). Damit erreicht Österreich den vierthöchsten Wert in der gesamten OECD. Nur Deutschland, die Schweiz und Belgien verzeichnen höhere Kosten. In den letzten Jahren sind die heimischen Arbeitskosten überdurchschnittlich stark gestiegen – 2014 bzw. 2015 lag Österreich noch auf Platz 5 bzw. 7. Der OECD-Durchschnitt betrug im Vorjahr 74.072 US-Dollar. [Quelle: OECD – Taxing Wages 2026 | Grafik von Christoph Hofer]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 OMV hält sich doch an Spritpreisbremse. Die OMV hatte vor 10 Tagen angekündigt, ihre Marge bei Diesel nur um 2,8 Cent statt um die verordneten 5 Cent einzuschränken. Die danach angesetzte Sonderprüfung der E-Control hat ergeben, dass diese Ankündigung offenbar nicht in die Tat umgesetzt wurde: die heimischen Autofahrer hätten bisher „durchgehend von der geltenden Margendämpfung profitiert“. Rechtlich wäre das Ausscheren der OMV auf dünnem Eis gestanden: „Die OMV muss sowohl bei den eigenen Tankstellen als auch bei den Großhandelskunden die 5 Cent wie vorgeschrieben weitergeben“, hält die Regulierungsbehörde fest. Die Spritpreisbremse ließ die Treibstoffpreise im Schnitt um 13 Cent pro Liter sinken, so die Analyse der E-Control. Unter Berücksichtigung der gleichzeitig gesunkenen Großhandelspreise beläuft sich der Preisrückgang bei Diesel auf 21,3 Cent und bei Benzin auf 15,7 Cent pro Liter. [Quellen: E-Control | Reaktionen: SPÖ]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,878 Euro für Diesel und 1,676 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni liegt heute Morgen bei 105,72 Dollar, ein Anstieg um 2,5 %. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag zu Handelsschluss am Donnerstag bei 45,36 Euro pro MWh und damit im Tagesabstand um 0,2 % niedriger. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Forschungsquote stagniert auf hohem Niveau. Die Statistik Austria schätzt die Forschungsausgaben in Österreich für heuer auf 17,6 Mrd. Euro. Ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gesetzt, würde die Forschungsquote damit 3,34 % betragen, geringfügig weniger als 2025. „Mit diesem Wert erreicht Österreich bei den Forschungsausgaben EU-weit Platz 3“, sagte Statistik-Austria-Chefin Manuela Lenk. Die öffentliche Forschungsfinanzierung durch den Bund stagniert voraussichtlich bei 4,8 Mrd. Euro. Insgesamt werden vom Staat 5,8 Mrd. Euro aufgewendet. Die Finanzierung durch Unternehmen steigt laut Schätzung zwar leicht auf 8,9 Mrd. Euro, das Wachstum bleibt aber unter dem der Wirtschaftsleistung. Das langfristige Ziel Österreichs bleibe eine Steigerung der Forschungsquote auf 4 %, betonten die zuständigen Ministerien. [Quellen: Statistik Austria, Holzleitner/Hanke/Hattmannsdorfer | Reaktion: WKÖ]
🇦🇹 ÖBAG soll aktiver Standortmotor werden. Die Staatsholding ÖBAG erhielt gestern erstmals eine Eigentümerstrategie. „Unser Auftrag ist zweifach: Wir müssen wirtschaftlich erfolgreich sein und gleichzeitig einen messbaren Beitrag für den Standort leisten“, sagte ÖBAG-Chefin Edith Hlawati bei der Präsentation der neuen Leitlinien. Die Strategie ruht auf drei Säulen: langfristige Wertsteigerung des Staatsvermögens, nachhaltige Performance sowie Stärkung von Innovation, Forschung und wirtschaftlicher Souveränität. Schwerpunkte liegen u. a. auf einer stärkeren Energieversorgungssicherheit sowie dem Ausbau kritischer Infrastruktur. Dies inkludiert die Erschließung bisher unerschlossener Rohstoffpotentiale. „Es ist widersprüchlich, über die Abhängigkeit vom Nahen Osten zu lamentieren und gleichzeitig die Potenziale im Inland zu vernachlässigen“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Die Veräußerung von Beteiligungen als Beitrag zur Budgetsanierung lehnt Hattmannsdorfer ab. Diese können „nicht dazu da sein, Budgetlöcher zu stopfen.“ [Quellen: Pressekonferenz, ÖBAG]
🇦🇹 Versorgungssicherheitspaket für Gas vorgeschlagen. Anfang der Woche hat der nationale Sicherheitsberater Peter Vorhofer die Verlängerung der strategischen Gasreserve, der Gasbevorratungsvorschriften für Gaskraftwerke sowie der Speicheranreize für Unternehmen empfohlen. Das will Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer nun umsetzen, darüber hinaus soll die Vorhaltung der strategischen Gasreserve durch reduzierte Netzentgelte künftig günstiger werden. Die entsprechenden Verordnungen benötigen eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat. „Wir begrüßen die Verlängerung der strategischen Gasreserve grundsätzlich. Das sogenannte Versorgungssicherheitspaket ist aber nichts anderes als eine Verlängerung von ohnehin bestehenden Gesetzen. Es gäbe dabei noch hohe Einsparungspotenziale von 30 Mio. Euro pro Jahr“, so FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl zu Selektiv. Die Grünen stehen einer Verlängerung der Gasreserve offen gegenüber und werden diese nicht blockieren, so ein Sprecher zu Selektiv. [Quellen: BMWET, Vorhofer, Selektiv | Reaktionen: FPÖ]
🇦🇹 Energiepreise im März gestiegen. Von Februar auf März sind die Preise für Haushaltsenergie um 9,1 % gestiegen. Im Jahresabstand legten die Preise um 6,2 % zu. Im Monatsabstand verzeichnete Heizöl mit 42,8 % den stärksten Anstieg, danach folgten Diesel (+23,9 %) und Superbenzin (+14,8 %). Die Energieagentur erwartet nach den Preissprüngen bei Energie, „dass mit Verzögerung auch die Preise anderer Güter und Dienstleistungen unter Aufwärtsdruck geraten“. Die Strompreise sind bisher noch nicht betroffen, diese sanken im Monatsabstand um 0,5 % und im Jahresabstand um 8,3 %. [Quelle: Österreichische Energieagentur]
🇦🇹 Handel kritisiert Paketabgabe als „Österreich-Aufschlag“. Das Vorhaben, eine neue Plastiksteuer einzuführen, wurde am Mittwoch wieder verworfen. Die Pläne zur Paketabgabe sind hingegen konkreter geworden, das Finanzministerium will 2 Euro pro Paket von Händlern mit einem Umsatz von mehr als 100 Mio. Euro im Jahr einheben. Führende Unternehmen bezweifeln, dass eine solche Abgabe rechtlich überhaupt halten würde. Aufgrund des Gleichberechtigungsgebot müssten alle österreichischen Händler gleich behandelt werden und die Abgabe nicht von der Umsatzhöhe abhängig sein, so der Einwand. Der Handelsverband sieht in dem Vorhaben einen neuen „Österreich-Aufschlag“. „Wir warnen vor gut gemeinten Regelwerken, die in der Praxis heimische Händler mit Bürokratie überfluten und gleichzeitig im Vollzug zahnlos bleiben. Von solchen Vollzugsdefiziten profitieren erfahrungsgemäß vor allem Drittstaatenplattformen,“, so Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will. [Quellen: APA via Medienberichte, Handelsverband]
🇦🇹 Gemeindebund: Sparpaket trifft Basisinfrastruktur. Der budgetäre Spardruck geht in den Gemeinden vor allem auf Kosten von Investitionen in Basisinfrastruktur. Das ist das Zwischenergebnis einer Umfrage unter mehr als 300 Gemeinden, die noch bis Montag läuft. Betroffen sind laut Gemeindebund Projekte in den Bereichen Kinderbetreuung, Schule, Trinkwasser und Kanal, Feuerwehr, Energie sowie Straßen. Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl: „Luxusprojekte gibt es in den Gemeinden ohnehin schon lange nicht mehr.“ Als Hauptgründe werden fehlende Budgetmittel, gestiegene Finanzierungskosten und ausbleibende Fördermittel genannt. [Quelle: Gemeindebund]
🇪🇺 Eurozonen-Wirtschaft rutscht in den Rezessionsbereich. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global fiel im April von 50,7 auf 48,6 Punkte und signalisiert damit einen BIP-Rückgang von 0,1 % gegenüber dem Vorquartal – erstmals seit Ende 2024 liegt der Index im Kontraktionsbereich. Haupttreiber ist der Irankrieg: Er verursacht Lieferverzögerungen, Engpässe und einen branchenübergreifenden Kostenanstieg auf dem höchsten Stand seit Ende 2022. Am stärksten betroffen ist der Dienstleistungssektor, dessen Geschäftstätigkeit so stark zurückging wie seit Februar 2021 nicht mehr. Die sinkenden Neuaufträge in der Eurozone wurden maßgeblich durch den Rückgang im Dienstleistungsbereich getrieben. In der Industrie wurde zwar Wachstum verzeichnet, das jedoch hauptsächlich auf den Aufbau von Lagerbeständen zurückgeht. Die Geschäftserwartungen trübten sich so stark ein wie seit Ende 2022 nicht mehr. [Quelle: S&P Global – Eurozone]
🇪🇺 EU-Kommission gegen Einführung einer Übergewinnsteuer. Die EU-Kommission erteilt der Forderung nach einer EU-weiten Übergewinnsteuer für Energiekonzerne eine Absage. Die Behörde habe derzeit keine entsprechenden Pläne, so eine Sprecherin gegenüber der dpa. Anfang April hatten Finanzminister Markus Marterbauer und 4 Amtskollegen aus Deutschland, Italien, Portugal und Spanien die Einführung einer solchen Steuer gefordert. Energiekommissar Dan Jørgensen betonte jedoch, dass die Mitgliedstaaten auf nationaler Ebene eigene Maßnahmen zur Besteuerung von Übergewinnen einführen könnten – die Kommission werde diese respektieren und unterstützen. [Quellen: APA via Medienberichte, Politico – Brief der Finanzminister]
🇮🇷 Iran erhebt erstmals Transitgebühren für die Straße von Hormus. Seit Beginn des Irankriegs und der Einschränkung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus hat der Iran erstmals Transitgebühren erhoben und eingenommen. Dies bestätigte der iranische Vize-Parlamentspräsident Hamidreza Haji Babaei laut der staatsnahen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. Die ersten Einnahmen seien auf ein Konto der iranischen Zentralbank überwiesen worden. [Quellen: Tasnim auf X, Euronews]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: 2. Runde der KV-Verhandlungen für die Elektro- und Elektronikindustrie
Heute, Nikosia, Zypern: Informeller EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs (letzter Tag)
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die Baubewilligungen 4. Quartal bzw. Gesamtjahr 2025 sowie die 2. Vorabschätzung zur Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung für Österreich 2025
11:30 Uhr, Berlin, Deutschland: Gemeinsame Frühjahrs-Konjunkturprognose der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute DIW, RWI, Ifo, IfW und IWH
Sonntag: 40. Jahrestag der Tschernobyl-Atomkatastrophe
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Ingrid Thurnher wurde bis Ende 2026 zur neuen ORF-Generaldirektorin gewählt. Klaus Raming ist neuer Chief Broking Officer bei Aon Austria.
Geburtstage: Wir gratulieren Johannes Rauch, Helmut Brandstätter, Georg Pölzl und Markus Langes-Swarovski zum Geburtstag. Am Samstag haben Beate Meinl-Reisinger, Helmut Draxler und Maurice Androsch Geburtstag, am Sonntag Yannick Shetty und Reinhold Bilgeri.
Sehen & gesehen werden:
8:30 Uhr, Millstatt: Millstätter Wirtschaftsgespräche u. a. mit Walter Oblin, Wolfgang Peschorn, Andreas Matthä, Mariana Kühnel, Gernot Blümel, Karl-Heinz Strauss, Manfred Wilhelmer, Georg Schöppl, Wolfgang Litzlbauer, Michael Gehbauer, Christian Tesch, Wolfgang Sobotka uvm. [Info]
17:00 Uhr, Österreich: Lange Nacht der Forschung [Info]