Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 5 Mrd. Euro Konsolidierung, wenn alle Wünsche erfüllt werden sollen. Laut Krone und Presse konnten die Budgetverhandlungen auf höchster Ebene gestern nicht abgeschlossen werden, aber heute dürfte es so weit sein. Wenn die Regierung alle Maßnahmen umsetzen will, die im Regierungsprogramm unter Budgetvorbehalt geführt werden, müsste im Budget ein Spielraum von mehr als 5 Mrd. Euro geschaffen werden. Das rechnet Margit Schratzenstaller vom Wifo im Kurier vor. Der größte Brocken wäre die Lohnnebenkostensenkung, die in eingeschränktem Ausmaß kommen dürfte, wie zuletzt aus Verhandlerkreisen zu vernehmen war. Die WKÖ hat dieser Forderung erneut Nachdruck verliehen, und einen offenen Brief an Finanzminister Markus Marterbauer gerichtet. Eine Senkung um einen Prozentpunkt würde laut Ökonomen 2 Mrd. Euro kosten – im Raum steht eine Gegenfinanzierung, die durch eine KöSt-Erhöhung zumindest zur Hälfte von den Unternehmen selbst getragen werden soll. Weitere 705 Mio. Euro müssen für Bildung, Gesundheit und Arbeitsmarkt aufgetrieben werden. Eine mögliche Gegenfinanzierung über Eingriffe bei den Pensionen rief am Wochenende wieder Seniorenvertreter auf den Plan. Laut Fiskalrat würde eine „Berücksichtigung“ außertourlicher Pensionserhöhungen seit 2019 bei der nächsten Erhöhung 1,7 Mrd. Euro freispielen. Budget-Experte Gerhard Steger sprach gestern in der ZIB2 gar von einem Sparbedarf von 15 Mrd. Euro, um das Defizit-Problem nachhaltig in den Griff zu bekommen. Ansetzen würde er vor allem bei demografiebedingten Ausgaben. [Quellen: Presse, Krone am Montag, Kurier, WKÖ, Seniorenbund, Pensionistenverband, Fiskalrat, ZIB2 | Grafik: Höhere Steuern oder mehr sparen?]
Kommentar: Das geringst mögliche bisschen Freiheit
von Georg Renner
Warum muss ein erwachsener Mensch in einem funktionierenden Sozialstaat – der ohnehin schon 22,8 Prozent seines Bruttolohns in die gesetzliche Pension (oder genauer: für die Versorgung der aktuellen Pensionisten) einzahlt, Einkommensteuer, Sozialversicherung und diverse Abgaben abführt – auch noch zwangsweise 1,53 Prozent seines Gehalts in eine Vorsorgekasse stecken, über die er jahrelang nicht verfügen darf?
💡 Wohnungsneubau in Österreich auf Rekord-Tief. Hohe Zinsen, steigende Baukosten und strenge Kreditregeln haben den Wohnungsneubau 2025 weiter einbrechen lassen. Die Zahl der Baubewilligungen für Wohnungen in neuen Gebäuden sank um 7,1 % auf 31.979 und erreichte damit den tiefsten Stand seit Beginn der Statistik 2010, teilte Statistik Austria mit. Insgesamt wurden 47.636 Wohnungen bewilligt (-3,7 %). Die bewilligte Netto-Wohnnutzfläche in neuen Wohngebäuden betrug rund 2,9 Mio. m² (2024: 3,1 Mio. m²). Während natürliche Personen und die öffentliche Hand wieder mehr Wohnraum schufen, nahmen die Baubewilligungen juristischer Personen weiter stark ab – auch gemeinnützige Wohnbauvereinigungen verzeichneten einen Rückgang. Seit 2015 ist die Neubautätigkeit um 40 % gesunken. [Quellen: Statistik Austria, Agenda Austria | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Wirtschaftsminister will Spritpreisbremse nicht verlängern. Wie die Krone berichtet, will Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die Spritpreisbremse offenbar mit Ende April auslaufen lassen. Die entsprechende Verordnung gilt immer nur für einen Monat und muss dann neu evaluiert werden. Johannes Mayer von der E-Control ging am Freitag auf Ö1 grundsätzlich davon aus, dass die Spritpreisbremse technisch betrachtet verlängert werden könnte – die Verordnung räume bei der Preissteigerung um 30 % binnen 2 Monaten als Grundlage einen Spielraum ein. Hattmannsdorfer will die Spritpreisbremse durch eine „Preis-runter-Garantie“ ersetzen. Sinkende Preise im Großhandel sollen dann schneller an den Tankstellen ankommen. Eine Entscheidung zur Spritpreisbremse dürfte aber noch nicht gefallen sein. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim ließ per Aussendung wissen: „Dieses Erfolgsmodell wollen wir fortführen“. [Quellen: Krone am Samstag, Ö1-Morgenjournal 24.4., SPÖ]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,863 Euro für Diesel und 1,669 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni liegt heute Morgen bei 106,58 Dollar, ein Anstieg um 0,66 % zum vergangenen Freitag. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag Montagfrüh bei 44,70 Euro pro MWh und legte damit im Vergleich zum Freitag um 0,2 % zu. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Industrie will Änderungen bei Lohntransparenz. Bis 7. Juni muss Österreich eine EU-Richtlinie zur Lohntransparenz umsetzen. Das Ziel: Durch die Offenlegung der Löhne soll sichergestellt werden, dass gleichwertige Arbeit auch gleich entlohnt wird. In der Praxis gibt es dabei allerdings viele Hürden, klagen Wirtschaftsvertreter – zuletzt die WKÖ, nun auch die Industriellenvereinigung. Das IV-Präsidium hat sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Christian Stocker gewandt. Die vorliegenden Entwürfe des zuständigen Arbeitsministeriums können „nicht mitgetragen werden“. Die IV kritisiert die Übererfüllung der EU-Richtlinie, die zu einem hohen Verwaltungsaufwand führen würde. Außerdem sei das hierzulande breit etablierte Kollektivvertragssystem nicht berücksichtigt. Das angedachte Strafregime bezeichnet die IV als „überschießend“ und eine „Abkehr von ‚Beraten statt Strafen‘“. Die Forderung: Ein Verschieben der Umsetzung auf EU-Ebene, um die Gestaltung überarbeiten zu können. Schweden hat die Umsetzung bereits gestoppt und setzt sich ebenfalls für eine Verschiebung ein. [Quellen: IV-Brief an Stocker liegt der Redaktion vor | Kommentar: Lohntransparenz – Unternehmen sind keine Montessorischulen]
🇦🇹 Landwirtschaft steigerte 2025 Produktion und Wertschöpfung. Der Gesamtproduktionswert der heimischen Landwirtschaft legte 2025 laut Statistik Austria um 9,7 % auf 10,9 Mrd. Euro zu. Die Bruttowertschöpfung stieg um 17,3 % auf 5,0 Mrd. Euro, das Faktoreinkommen je Arbeitskraft real um 18,4 %. Treiber waren überdurchschnittliche Ernten im Obst- und Weinbau sowie höhere Erzeugerpreise in der Rinder- und Milchwirtschaft. Die Produktionskosten zogen allerdings ebenfalls an (für Vorleistungen +3,9 %). [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Datenschutzbehörde kämpft mit Beschwerden, die mit KI erstellt wurden. 2025 sind bei der Datenschutzbehörde (DSB) in Österreich 5.300 Individualbeschwerden eingegangen – um 76 % mehr als 2024. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, nimmt die Zahl jener Beschwerden zu, die „offenkundig“ mit KI-Tools erstellt wurden. Diese Beschwerden seien auch in der Struktur komplexer und umfangreicher, was „erhebliche Ressourcen der DSB“ bindet. Die Zahl der erledigten Beschwerden stieg daher um 42 % auf 3.403. [Quelle: Tätigkeitsbericht 2025, DSB]
🇦🇹 Keine KV-Einigung in Elektroindustrie. In der 2. Kollektivvertragsrunde der Elektro- und Elektronikindustrie konnte am Freitag keine Einigung erzielt werden. Die Arbeitgebervertreter fordern aufgrund hoher Arbeitskosten, stagnierender Aufträge, steigender Inflation und geopolitischer Unsicherheiten einen Abschluss, der Arbeitsplätze sichert und die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Die Gewerkschaft verweist auf die positive wirtschaftliche Entwicklung der Branche und die steigende Arbeitsbelastung der Beschäftigten in den letzten Jahren und fordert ein seriöses Angebot für Lohn- und Gehaltserhöhungen. [Quellen: FEEI, ÖGB]
🇦🇹 AK startet Teilzeit-Petition. Die Arbeiterkammer hat eine Petition für ein Recht auf Stundenaufstockung für Teilzeit-Arbeitende bei regelmäßigen Überstunden gestartet. Ab der ersten Überstunde solle der Zuschlag zudem 50 statt 25 % betragen. Im Fokus der Kampagne stehen Einzelhandel, Reinigungsbranche, Aus- und Weiterbildungsbereich sowie die Pflege. Die Arbeitszeit sei eine Vereinbarung zwischen beiden Seiten und müsse daher für Arbeitnehmer und Arbeitgeber passen, reagierte die WKÖ, die sich dagegen aussprach, einseitig etwas zu erzwingen. [Quellen: AK, WKÖ, WB]
🇪🇺 EU einigt sich auf Binnenmarkt-Fahrplan bis 2027. Am Rande des informellen EU-Gipfels in Zypern haben die Präsidenten des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission sowie der zypriotische Präsident Nikos Christodoulides als amtierender Ratsvorsitz die „One Europe, One Market Roadmap“ unterzeichnet. Der Fahrplan legt konkrete legislative und politische Ziele fest, die spätestens Ende 2027 erreicht werden sollen – darunter vierteljährliche Fortschrittskontrollen und klare institutionelle Verantwortlichkeiten. Die Unterzeichnung markiert den Startschuss für die Umsetzung eines Prozesses, den Kommissionspräsidentin von der Leyen im Februar 2026 beim informellen EU-Gipfel in Alden Biesen angestoßen hatte. Ziel ist es, Handelsbarrieren im Binnenmarkt abzubauen und Europas wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. [Quelle: EU – Parlament, Kommission]
🇩🇪 Deutscher „Tankrabatt“ beschlossen. Der deutsche Bundestag hat am Freitag den „Tankrabatt“ beschlossen, der über eine Senkung der Energiesteuer eine Entlastung um bis zu 17 Cent für Benzin und Diesel bringen soll. Ökonomen kritisieren die Maßnahme als nicht treffsicher. Die Kosten liegen durch geringere Steuereinnahmen bei 1,6 Mrd. Euro. Der Bundestag gab außerdem grünes Licht für eine steuerfreie Prämie über 1.000 Euro, die Unternehmen Mitarbeitern bis Juni 2027 auszahlen können. [Quelle: Deutscher Bundestag]
🇩🇪 Deutsches Geschäftsklima auf tiefstem Stand seit 6 Jahren. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im April 2026 auf 84,4 Punkte, nach 86,3 im März – der niedrigste Wert seit Mai 2020. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate verschlechterten sich. Im Handel und im Bauhauptgewerbe gingen beide Komponenten zurück, im Bau sanken die Erwartungen um knapp 10 Punkte. Im verarbeitenden Gewerbe verschlechterten sich die Erwartungen, v. a. in der chemischen Industrie, während die aktuelle Lage etwas besser bewertet wurde. Zudem nehmen Lieferengpässe bei Vorprodukten zu. Im Dienstleistungssektor verschlechterten sich sowohl die Lage als auch die Erwartungen, besonders stark in der Logistik. Einzelhändler rechnen mit einem Konsumrückgang infolge steigender Preise. [Quelle: Ifo-Institut]
🌐 Globale Militärausgaben erreichen 2025 neuen Rekord. Die weltweiten Militärausgaben sind 2025 auf ein Rekordhoch von 2,89 Bio. US-Dollar gestiegen – ein realer Anstieg von 2,9 % zum Vorjahr. Zum elften Mal in Folge meldet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri einen neuen Höchststand. Haupttreiber sind die Aufrüstung in Europa (+14 %) und Asien. Die USA bleiben mit Abstand auf Platz 1, trotz eines leichten Rückgangs durch ausbleibende Ukraine-Hilfen. Deutschland klettert auf Platz 4 und überschreitet erstmals seit 1990 das Nato-Ziel der Verteidigungsausgaben von 2 % des BIP. Auch Russland und die Ukraine erhöhten ihre Ausgaben deutlich. [Quelle: Sipri – Bericht, Factsheet]
Selektive Agenda:
Heute, Podgorica, Montenegro und Tirana, Albanien: Justizministerin Sporrer in Montenegro und Albanien (bis 30.4.)
Heute, Luxemburg: EU-Agrar- und Fischereirat und Treffen der deutschsprachigen Innenminister (bis 28.4.) mit Innenminister Karner
Heute, Straßburg, Frankreich: Europaparlament tagt (bis 30.4.)
9:00 Uhr, Wien: Digitalisierungsstaatssekretär Pröll und Seniorenrats-Präsidentin Korosec stellen digi-Seniorenpaket vor
Wochenvorschau
Am Montag findet anlässlich des 81. Jahrestags der Wiedererrichtung der Republik Österreich die traditionelle Kranzniederlegung am Wiener Heldenplatz statt. Eine Abgeordneten-Delegation aus Österreich reist am Montag nach Kiew – geplant ist ein Treffen mit dem ukrainischen Parlamentspräsidenten Ruslan Stefantschuk. Justizministerin Anna Sporrer reist nach Montenegro und Albanien und Innenminister Gerhard Karner ist bis Dienstag beim Treffen der deutschsprachigen Innenminister in Luxemburg.
Am Dienstag stellen Integrationsministerin Claudia Bauer und Migrationsforscher Rainer Münz eine Studie zu Erwerbsverläufen von Flüchtlingen vor. In Straßburg stimmt das Europaparlament seine Verhandlungsposition für das nächste EU-Mehrjahresbudget von 2028 bis 2034 ab.
Am Mittwoch ist der türkische Außenminister Hakan Fidan zu Besuch bei Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in Wien. Am Mittwoch tagt außerdem der Ministerrat. Das wiiw veröffentlicht seine Frühjahrs-Konjunkturprognose für Osteuropa, die Industriellenvereinigung ihre aktuelle Konjunkturumfrage, das Wifo den aktuellen Konjunkturtest und der KSV1870 den Austrian Business Check 2026. Die Statistik Austria veröffentlicht u. a. Daten zu Armut und sozialer Eingliederung 2025, die Konjunkturstatistik (Industrie und Bau) für Jänner 2026, Daten zum Straßengüterverkehr im 1. Quartal 2026 sowie zum Schienengüterverkehr 2025.
Am Donnerstag liefert die Statistik Austria die VPI-Schnellschätzung für April und „Bildung in Zahlen 2024/25“.
Am Freitag ist „Tag der Arbeit“ mit dem traditionellen Mai-Aufmarsch der Wiener SPÖ, der am Rathausplatz endet.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Martin Fleischhacker wird Ende Mai Managing Director und CFO der DACH-Holding von CNBC in Wien. Magdalena Krssakova ist die neue Vorsitzende der Kommission der Athleten des Österreichischen Olympischen Comités. Daniel Resch wurde als Bezirksparteiobmann der Volkspartei Döbling wiedergewählt. Carmen Brüggler übernimmt mit 1. Mai 2026 die Leitung der Stabsstelle Unternehmenskommunikation von AgrarMarkt Austria (AMA). Wilhelm Molterer ist der neue Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Norbert Walter wurde als Wiener Landesjägermeister wiedergewählt. Helge Röder ist neuer stellvertretender Landesgeschäftsführer des AMS Salzburg. Srinivasan Ravikumar und Ewald Oberhammer sind neu im Aufsichtsrat der Bajaj Mobility AG.
Geburtstage: Wir gratulieren Helmut Marko zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
9:30 Uhr, Wien: Die TU Wien lädt zu „Kurt Gödel’s Birthday Colloquium“ [Info]
12:00 Uhr, Wien: Die Deutsche Handelskammer in Österreich lädt zum Lunch unter dem Titel „Mut und Zuversicht: Wille zum technischen Fortschritt eröffnet die Zukunft“ u. a. mit Helmut Weinwurm [invite only]
17:45 Uhr, Waldkirchen, Oberösterreich: Galanacht der Tagungsbranche mit Verleihung der Goldenen Flipcharts [invite only]