Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von David Schima, Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Paketsteuer könnte 2.400 Arbeitsplätze kosten. Die parlamentarische Begutachtungsfrist für die geplante Paketabgabe von 2 Euro pro Paket ist gestern zu Ende gegangen, insgesamt wurden 101 Stellungnahmen abgegeben. Ein rechtsanwaltliches Gutachten stuft das Paketsteuergesetz als „mehrfach verfassungs- und unionsrechtswidrig“ ein, Versandhändler kündigten Klagen beim Verfassungsgerichtshof und Europäischen Gerichtshof an. Ein weiteres Gutachten kommt zum Schluss, dass die geplante Steuer knapp 2.400 Arbeitsplätze bzw. 1.900 Vollzeitäquivalente kosten und das Bruttoregionalprodukt um 299 Mio. Euro senken könnte. Die öffentlichen Rückflüsse aus Steuern und Abgaben würden um 140 Mio. Euro sinken. Die negativen Effekte der Paketabgabe würden entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirksam werden und der gesamtfiskalische Nettoeffekt der Paketabgabe würde sich halbieren, so die Schlussfolgerung der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW). [Quellen: Handelsverband, GAW-Gutachten, Medienberichte, Parlament]
Kommentar: Reformitis – wie die Matura sich selbst abschafft
von Carmen Treml
Ab 2027 treten erneut umfassende Änderungen bei der österreichischen Reifeprüfung in Kraft. Wieder einmal, muss man inzwischen sagen. Die Matura verliert dadurch nach und nach ihren Wert als erste große Leistungsprüfung und als ernstzunehmende Vorbereitung auf Studium und Beruf. Gerade die Erfahrung, zu einem bestimmten Zeitpunkt unter Druck Leistung erbringen zu müssen, besitzt einen Wert, der weit über den eigentlichen Prüfungsstoff hinausgeht. Sie vermittelt Disziplin, Eigenverantwortung und häufig auch Konsequenz – Eigenschaften, die sowohl im Studium als auch im späteren Berufsleben entscheidend sind.
💡 Budgetsanierung vor allem über Mehreinnahmen? Laut einem vom Magazin Trend kolportierten Arbeitspapier des Finanzministeriums könnten 2027 rund 60 % des Konsolidierungsvolumens aus Steuer- und Abgabenerhöhungen stammen. Darunter fallen eine höhere Höchstbemessungsgrundlage bei der Sozialversicherung, eine verlängerte Bankensonderabgabe und ein Ökologisierungsbeitrag. Ausgabenkürzungen machen 2027 rund 38 % aus. Für das Jahr 2028 sind in den Berechnungen zudem Maßnahmen zur Gegenfinanzierung von Offensivmaßnahmen inkludiert. Die offizielle Budgetrede folgt am 10. Juni. [Quelle: Trend.at, Arbeitspapier Finanzministerium; eigene Berechnungen | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Unis: Forschungsrat kritisiert ineffiziente Mittelverwendung. Der Forschungsrat Forwit brachte sich gestern im Zuge der Präsentation des neuen „FTI Monitors“ in die Debatte um Uni-Budgets ein. Mit 23 öffentlichen Hochschulen gäbe es im Verhältnis zur Größe des Landes sehr viele Hochschulen und die Mittel würden ineffizient verwendet. So würden beispielsweise viele internationale Studierende ausgebildet, die dann beruflich nicht in Österreich bleiben würden. Der „Monitor“ bestätigt dem gesamten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationssystem Österreichs den Befund der Vorjahre: Der guten Finanzierung stehe ein vergleichsweise schwacher Output gegenüber. Einfach nur mehr Geld helfe nicht automatisch bei der Verbesserung der Verwertung von Forschungsergebnissen, worin die große Schwachstelle im System liege. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner kündigte gestern in der ZIB 2 an, dass das Uni-Budget für 2028 im Doppelbudget 2027/28 eingefroren werde. In den Verhandlungen für die Leistungsvereinbarung 2028-2030 im Herbst werde sie eine Erhöhung des Budgets anstreben. Die Aussage, Wissenschaft und Forschung seien kein Schwerpunkt der Bundesregierung, habe sie „in dieser Diktion“ nicht gesagt. Die Universitäten starten heute Mittag in Wien mit einer Demonstration gegen mögliche Budgetkürzungen – am Donnerstag sollen die Proteste dann in allen Bundesländern stattfinden. [Quellen: Forwit – Pressekonferenz, Aussendung, FTI-Monitor; uniko, ZIB 2]
🇦🇹 Streiks in Chemischer Industrie sorgen für Spannungen. Mitarbeiter des Chemieparks Linz haben gestern für 2 Stunden die Arbeit niedergelegt und damit den Auftakt zu den bis zum 1. Juni angekündigten 2-stündigen Warnstreiks in den österreichischen Betrieben der chemischen Industrie gegeben. Der Fachverband der Chemischen Industrie sieht darin ein „fatales Signal“ und verweist angesichts dieser Maßnahmen auf einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Deutschland und die dortige Nulllohnrunde 2026. Für die nächste Verhandlungsrunde am 2. Juni fordert die Arbeitgeberseite mehr „Realitätssinn“, während die Gewerkschaft das bisherige Angebot der Arbeitgeber als „Frechheit“ und die Streiks als „mehr als berechtigt“ bezeichnet. Einer Nulllohnrunde werde man nie zustimmen, so die Verhandler der Arbeitnehmerseite. [Quelle: FCIO, ÖGB]
🇦🇹 🌐 Energiepreise im Jahresabstand um 10,7 % gestiegen. Der Energiepreisindex der Österreichischen Energieagentur ist im April um 10,7 % im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, im Vergleich zum Vormonat März stiegen die Energiepreise um 2,6 %. Die Preisentwicklung wurde von Heizöl (+62,6 %), Diesel (+37,2 %) und Benzin (+16,7 %) getrieben, auch der Preis für Holzpellets stieg mit 28,3 % zweistellig an. Die Strompreise hingegen sind im Monatsabstand um 3,3 % und im Jahresabstand um 10,2 % gesunken. Der Großhandelspreis für Strom wird im Juni jedoch im Monatsabstand um 14 % und im Jahresabstand um 20 % steigen, jener für Gas um 5,6 % bzw. um 29,3 %. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,895 Euro für Diesel und 1,799 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute Morgen bei 98,04 Dollar, ein Rückgang um 0,26 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Mittwochfrüh bei 46,40 Euro pro MWh, ein Rückgang um 0,12 %. [Quellen: Österreichische Energieagentur – Energiepreisindex, Großhandelspreisindex, Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Kanzler will bei Spritpreisbremse E-Control-Bericht abwarten. Laut Krone will sich Bundeskanzler Christian Stocker bei einer möglichen Verlängerung der Spritpreisbremse noch nicht festlegen und auf den Bericht der E-Control warten, der in den kommenden Tagen erwartet wird. „Die Spritpreisbremse hat in den vergangenen zwei Monaten international für Aufsehen gesorgt. Sie war inflationsdämpfend und damit ein wirksames Instrument“, so Stocker. Die SPÖ forderte die Verlängerung der Eingriffe in die Margen der Mineralölunternehmen. Neos-Energiesprecherin Karin Doppelbauer sieht das Instrument als „ausgereizt“. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bestätigte gegenüber der APA, dass der Margeneingriff beendet werden soll. SPÖ-Klubobmann Philip Kucher plädiert hingegen für eine Verlängerung. Man solle „mitten in der Krise“ nicht auf diese Maßnahme verzichten. Einig ist sich die Koalition bezüglich der Fortführung der MöSt.-Senkung. [Quellen: Kronenzeitung 27.5., Ö1 Morgenjournal, APA via Medienberichte, Neos | Reaktionen: FPÖ, Die Grünen, ÖGB, ÖAMTC]
🇦🇹 Österreichs Exporte in die USA um 20,4 % gesunken. Die österreichischen Warenexporte in die USA sind 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 20,4 % zurückgegangen. Der US-Anteil an allen österreichischen Warenexporten sank von 8,5 auf 6,8 %. Den stärksten Rückgang verzeichneten pharmazeutische Erzeugnisse mit minus 52 %, gefolgt von Maschinen und Geräten mit minus 18 %. Die USA bleiben hinter Deutschland zweitwichtigster Handelspartner Österreichs. Im Dienstleistungssektor stiegen die Exporte um 0,1 Mrd. Euro und die Importe um 0,3 Mrd. Euro. Laut dem Präsidenten der amerikanischen Handelskammer in Österreich, Michael Zettel, gehen die Wirtschaftsbeziehungen über den reinen Warenhandel hinaus: Die Top-50 US-Unternehmen stehen inklusive vor- und nachgelagerter Zulieferer für eine Wertschöpfung von 10,1 Mrd. Euro sowie 142.000 Arbeitsplätze und tragen 2,3 % zum österreichischen BIP bei. [Quelle: PK AmCham/ Economica/Accenture, Präsentation]
🇦🇹 Lohntransparenz: Schumann will Einigung bis nächste Woche. Sozialministerin Korinna Schumann hat den Sozialpartnern eine Frist bis nächste Woche gesetzt, um eine Einigung zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie zu finden. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, will das Ministerium „vor Ablauf der Umsetzungsfrist“ selbst einen Gesetzesentwurf vorlegen. Die Umsetzungsfrist läuft bis 7. Juni, Österreich wird diese – wie viele andere Länder – verpassen. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktionen: Grüne | Grafik: Lohntransparenz – Gut gemeint ist nicht gut gemacht | Interview: Evva-CEO: „Das erinnert mich ein bisschen an Planwirtschaft“]
🇦🇹 Budgetbegleitgesetz „auf den letzten Metern“. Damit sich die Begutachtungsfrist von 2 Wochen ausgeht, muss das Budgetbegleitgesetz diese Woche fertig werden. Die Budgetrede von Finanzminister Marterbauer ist für 10. Juni angesetzt und das Gesetz muss in derselben Woche in den Nationalrat, damit sich der Fristenlauf ausgeht. Man sei „auf den letzten Metern“, hieß es aus dem Finanzministerium gestern zur APA. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Glücksspielgesetz soll Liberalisierung bringen. Der Krone liegt ein Entwurf des Glücksspielgesetzes vor, den Finanzminister Markus Marterbauer mit ÖVP und Neos abstimmen will. Demnach soll eine neu geschaffene Glücksspielaufsichtsbehörde künftig mehrere Lizenzen für Online-Casinos vergeben dürfen. [Quelle: Krone]
🇦🇹 Lehrlingsinitiative warnt vor Kürzungen bei der Lehrbetriebs-Förderung. Die Initiative zukunft.lehre.österreich. weist in der aktuellen Budgetdebatte auf das Risiko von Einsparungen bei der rund 180 Mio. Euro umfassenden Basisförderung für Ausbildungsbetriebe hin. Da die Zuständigkeiten auf das Arbeits-, Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium aufgeteilt seien, würden unkoordinierte Kürzungen in den Einzeletats drohen, weshalb die Einrichtung eines zentralen Lehrlingskoordinators gefordert wird. Zudem wird auf eine AMS-Prognose verwiesen, die für das Jahr 2026 ein Minus von rund 3.700 Lehrstellen gegenüber der Zahl der Suchenden erwartet. Die Industriellenvereinigung unterstützt die eingebrachte Petition der Initiative und beziffert die aktuelle Finanzierungslücke durch die fehlende Valorisierung der Lehrlingsförderung bei steigenden Lehrlingsgehältern auf 74 Mio. Euro. [Quellen: Aussendung, IV]
🇦🇹 Industrieunternehmen bleiben auf Kostensteigerungen sitzen. Laut der „B2B Price Increase Study 2026″ von Simon-Kucher (213 Führungskräfte aus DACH) erwarten Industrieunternehmen durchschnittlich 11 % höhere Kosten, können davon aber nur rund zwei Drittel über Preiserhöhungen weitergeben. 60 % sehen deutliche negative Auswirkungen auf ihr Geschäft. Besonders stark trifft es die Verpackungsindustrie mit erwarteten Kostensteigerungen von knapp 17 %. [Quelle: Simon-Kucher]
🇩🇪 Deutsche BIP-Prognose auf 0,3 % gesenkt. Die deutsche Wirtschaft wird 2026 um 0,3 % statt um 1,0 % wachsen. So lautet die neueste Prognose der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Auch die Vorhersage für die privaten Konsumausgaben wurde von einem Plus von 0,5 % auf 0,0 % gesenkt. Der staatliche Konsum soll weiterhin um 2,0 % zulegen. Die Betriebe hätten kaum noch Reserven, um den Belastungen entgegenzuwirken, so DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov: „Wir leben in Deutschland von der Substanz.“ Auch in der deutschen Exportwirtschaft sind die Erwartungen rückläufig: Die Ifo-Exporterwartungen fielen von minus 1,2 Punkten im April auf minus 5,5 Punkte im Mai. [Quelle: DIHK Prognosen – Jahresbeginn, Sommer; Ifo-Institut]
Selektive Agenda:
Heute, Nikosia: Informelle Tagung der EU-Außenminister u. a. mit Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (bis 28.5.) [Info]
6:00 Uhr, Brüssel: Europäischer Autoherstellerverband ACEA veröffentlicht die Pkw-Neuzulassungen April
10:00 Uhr, Wien: Ministerrat
10:00 Uhr, Wien: UniCredit Bank Austria veröffentlicht den „Einkaufsmanagerindex Mai“
13:00 Uhr, Wien: Demonstration vor der Uni Wien bzgl. Uni-Budget
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Anna-Lisa Bier wird Prokuristin und Head of Content, Konstantin Kaltenegger Head of Production bei Missing Link. Markus Kaser wird ab dem 1.1.2028 der neue Vorstandsvorsitzende der Spar Holding und Spar Österreich. Der Vorstand wird durch Paul Klotz, Johannes Holzleitner, Gerhard Wandl und Tanja Wiesmann komplettiert. Sabine Ortner übernimmt ab dem 1. Juni das Ressort Lebens- und Krankenversicherung der Generali Versicherung. Karl Cernic ist der neue Vorstand der Kabeg.
Geburtstage: Wir gratulieren Rudolf Ardelt und Emilie Brandl zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:30 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Heinz Fischer – Politik braucht ein Gewissen“ im Parlament u. a. mit Heinz Fischer, Walter Rosenkranz, Peter Haubner, Doris Bures [Info]