Morning in Brief ・ 12.08.2026

Morning in Brief, 12. August 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Yannic Haimeder, Driss Schmid und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇪🇺 🇦🇹 Ab heute gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) greift ab heute mit ihren ersten unmittelbar wirksamen Vorgaben. Bis 2030 sollen alle Verpackungen am EU-Markt recyclingfähig werden, der Einsatz von recyceltem Material soll steigen und der Verbrauch von Neumaterial sinken, mit dem übergeordneten Ziel der Klimaneutralität bis 2050. Einheitliche Regelungen sollen zudem den Binnenmarkt für Verpackungen ausbauen sowie grenzüberschreitende Geschäfte vereinfachen. Der Handelsverband und die WKÖ unterstützen die Ziele, kritisieren aber die Umsetzung: Händler müssten umfangreiche Informations-, Prüf- und Nachweispflichten erfüllen, hätten aber in vielen Fällen keinen Zugang zu den nötigen Unterlagen, die meist bei Verpackungsherstellern oder vorgelagerten Akteuren lägen. Probleme sehen beide v. a. im grenzüberschreitenden Onlinehandel. [Quellen: EU-Kommission, Handelsverband, WKÖ | Reaktion: FPÖ]

„EU Green Deal zu bürokratisch und kleinteilig“
Interview mit Harald Hauke

Ab heute gelten die ersten unmittelbar wirksamen Vorgaben der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Sie soll bis 2030 alle Verpackungen am EU-Markt recyclingfähig machen, den Einsatz von recyceltem Material erhöhen und den Verbrauch von Neumaterial senken, mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050. „Der Rahmen steht, in zentralen Punkten ist die Verordnung weiterhin nicht ausgearbeitet“, sagt Harald Hauke, Vorstandssprecher der ARA. Im Selektiv-Interview ordnet er ein, was das konkret für österreichische Unternehmen bedeutet, welche Unklarheiten bestehen und wie er den übergeordneten Green Deal nach knapp sieben Jahren bewertet.

💡 Dürreschäden vernichten rund ein Fünftel der pflanzlichen Erzeugung. Nach Wochen extremer Hitze und Trockenheit beziffert die Österreichische Hagelversicherung den laufenden Dürreschaden mit rund 1 Mrd. Euro. Das macht knapp 22 % des pflanzlichen Produktionswerts von 2025 aus (aktuelle Prognosewerte für den Produktionswert 2026 liegen nicht vor) und mehr als das Dreifache des bisherigen Höchstwerts von 2018 (rund 7 %). Von den Schäden sind nur rund 400 Mio. Euro versichert, den Rest tragen die Betriebe selbst. Landwirtschaftsminister Totschnig kündigte ein Hilfspaket auch für unversicherte Bauern an, Finanzminister Marterbauer verweist auf die angespannte Budgetlage – die Verhandlungen laufen. [Quellen: Österreichische Hagelversicherung, Statistik Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Totschnig fordert Klimagesetz und Dürrehilfen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig will in den Verhandlungen mit Finanzminister Markus Marterbauer „außerordentliche Mittel massiv einfordern“, da die aktuelle „historische Dürrekatastrophe“ nicht aus dem laufenden Budget bewältigt werden könne. Neben Zinszuschüssen zu Betriebsmittelkrediten fordert Totschnig auch „Entlastungen im Bereich der Sozialversicherung“. Fiskalratspräsident Christoph Badelt warnt davor, die Dürreschäden mit zusätzlichen Budgetmitteln auszugleichen. „Das Defizit zu erhöhen darf man nicht einreißen lassen, dann sehe ich sehr schwarz für die Budgetpolitik“, so Badelt. Wenn, dann müssten die Hilfen durch Einsparungen und Umschichtungen im Landwirtschaftsministerium finanziert werden. SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt kann sich vorstellen, etwa die Mittel für die Agrardiesel-Förderung i. H. v. 50 Mio. Euro für die Finanzierung der Dürrehilfen heranzuziehen. Totschnig sieht aufgrund zunehmender Extremwetterereignisse außerdem „Handlungsbedarf“, das Klimaschutzgesetz zu beschließen. „Es sind alle aufgerufen, die Blockaden zu lösen und ihren Beitrag zu leisten, damit wir hier eine Einigung erzielen und endlich in Begutachtung gehen können“, so der Minister. Eine Einigung beim Klimagesetz hält Schmidt für „kurzfristig möglich“, man müsse „nun den Sack zumachen“. Die Neos forderten Totschnig auf, das entsprechende Klimagesetz „auf den Tisch zu legen“. [Quellen: Totschnig im Ö1-Morgenjournal, Badelt im Ö1-Mittagsjournal, Der Standard, BMLUK | Reaktionen: Neos, Grüne, Global 2000]

🇦🇹 ORF will gegen Einsparungen klagen. Die amtierende ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher will mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die Streichung von jährlich 93 Mio. Euro an Bundesbudgetmitteln vorgehen. Ohne diese Mittel wären die Kosten des öffentlich-rechtlichen Auftrags nicht gedeckt, so Thurnher. 2027 könne der Betrag durch Einmalposten wohl eingespart werden, ab 2028 ist aber „Feuer am Dach“, so der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig. Eine Erhöhung der Haushaltsabgabe, um die Fehlbeträge auszugleichen, ist für Pig „absolut ein Denkmodell“. Auch betriebsbedingte Kündigungen kann Pig „nicht ausschließen“. [Quelle: ORF, ZIB2]

🇦🇹 Trockenheit trifft Donau-Kraftwerke, Geografie stützt Erzeugung. Die derzeitige Trockenheit übertrifft laut Verbund alles seit Beginn der systematischen Wasserkraft-Aufzeichnung vor 100 Jahren. Die Wasserführung der Donau sei auf rund ein Drittel zurückgegangen. Die Stromerzeugung liege jedoch weiterhin bei zwei Dritteln der sonst üblichen Menge. Grund ist laut Verbund die österreichische Geografie: Für die Erzeugung ist v. a. die Fallhöhe des Wassers entscheidend, weniger die Wassermenge. Auf dem österreichischen Abschnitt zwischen Passau und Wien fällt die Donau um rund 170 Meter auf etwa 290 Kilometern, flussabwärts bis zum Schwarzen Meer verteilt sich dieselbe Höhendifferenz dagegen auf fast 2.000 Kilometer. Zudem steigt die Fallhöhe durch den niedrigeren Wasserstand an der Kraftwerkskante, was den Energiegewinn erhöht. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Wohnbau steigt 2026, Rückgang für 2027 erwartet. Nach dem bisherigen Höchststand von 46.500 fertiggestellten Wohnungen 2022 waren die Zahlen bis 2025 rückläufig. 2026 steigt die Zahl neu gebauter Wohnungen wieder. Österreichweit werden 30.900 neue Wohneinheiten erwartet. Nach vorläufigen Daten der WKÖ dürfte sich der Trend 2027 wieder umkehren. Erwartet wird ein Rückgang auf 25.000 Wohneinheiten. Grund dafür seien falsche finanzpolitische Entscheidungen und Rahmenbedingungen, aus denen fehlende Anreize zum Bau oder zur Sanierung resultieren, so die WKÖ. Gefordert werden eine Sanierungsoffensive, ein leichterer Zugang zu Finanzierungsmitteln sowie mehr Rechtssicherheit. [Quelle: WKÖ]

🇦🇹 „Ehemalige Selbständigkeit“ häufigste Ursache für Privatkonkurse. Die finanziellen Folgen einer früheren Selbständigkeit waren im Vorjahr mit 28,3 % der häufigste Grund für einen Privatkonkurs in Österreich. Knapp dahinter folgt „persönliches Verschulden“ mit 27,8 %, worunter v. a. eine dauerhafte Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit fällt. Auf Rang 3 liegt die „Einkommensreduktion“ mit 16 %. Nach Altersgruppe zeigen sich deutliche Unterschiede: Bei den über 60-Jährigen dominiert die „ehemalige Selbständigkeit“ mit 36,9 %, bei den unter 25-Jährigen „persönliches Verschulden“ mit 35,2 %. Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ging gegenüber 2024 um 0,6 % auf 8.766 zurück. [Quelle: KSV1870]

🇦🇹 Pkw-Neuzulassungen seit Jahresbeginn um 13,4 % gestiegen. Von Jänner bis Juli 2026 wurden in Österreich 190.352 Pkw neu zugelassen, um 13,4 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Juli stiegen die Pkw-Neuzulassungen dabei um 3,8 %. Auf Elektroautos entfielen im Juli 27,4 % aller Pkw-Neuzulassungen – ein neuer Rekordwert. Im laufenden Jahr entfielen zwei Drittel der Neuzulassungen auf Pkw mit alternativen Antrieben. Dabei stiegen die Zulassungen von Elektroautos um 29,3 % und von Benzin-Hybriden um 29,8 %, während jene von Diesel um 10,4 % und jene von Benzinern um 2,4 % zurückgingen. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Arbeiterkammer fordert strengere Sanktionen gegen Lohn- und Sozialbetrug. Die AK präsentierte am Dienstag die Halbjahresbilanz ihrer Stabsstelle Betrugsbekämpfung: Von 96 bearbeiteten Fällen führten 57 zu Anzeigen wegen „Unterentlohnung“. Betroffen sind rund 500 Arbeitnehmer mit einem offenen Entgeltanspruch von 3,6 Mio. Euro – ein Plus von 20 % gegenüber dem Vorjahr. Als Gegenmaßnahmen fordert die AK u. a. eine Verdoppelung des vorenthaltenen Entgelts als Strafzahlung und eine dreijährige „Cooling-Off-Phase“ für Wiederholungstäter. Die Gesamtschadenssumme für Österreich nannte man auf Nachfrage von Selektiv nicht. Für die Baubranche geht die Finanzpolizei laut AK aber von rund 250 Mio. Euro jährlich aus. Zudem fordert die Kammer eine Anhebung des arbeitgeberfinanzierten Insolvenz-Entgelt-Fonds-Beitrags von 0,1 auf 0,2 %. Die WKÖ lehnt das ab: Eine Senkung der Lohnnebenkosten dürfe nicht durch höhere Arbeitgeberbeiträge zum Insolvenz-Entgelt-Fonds „konterkariert“ werden. [Quellen: Arbeiterkammer, Selektiv, WKÖ]

🇦🇹 Weniger Sozialhilfebezieher in Oberösterreich. Seit dem Inkrafttreten des verschärften Sozialhilfegesetzes am 1.2.2026 ist die Zahl der Sozialhilfebezieher in Oberösterreich um rund 5 % auf 7.279 Personen gesunken. Bei den arbeitsfähigen Beziehern fiel der Rückgang mit 7,7 % auf 2.693 stärker aus. Antragsteller müssen seither Bemühungen um Arbeit oder Spracherwerb glaubhaft machen, andernfalls werden nur 50 % des Richtsatzes ausbezahlt. [Quelle: Land Oberösterreich]

🇦🇹 Ludwig fordert Direktverrechnung von Gastpatienten. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig spricht sich statt der bisherigen Pauschalverrechnung für eine Direktverrechnung der Gastpatienten-Kosten zwischen den Bundesländern aus. Laut dem Bürgermeister sind Wien aufgrund der Gastpatienten im Vorjahr rund 610 Mio. Euro an Kosten entstanden – abzüglich des Pauschalbetrags sowie der Kosten für Wiener, die in anderen Ländern behandelt wurden. Für das laufende Jahr erwartet Ludwig bis zu 700 Mio. Euro an zusätzlichen Kosten. Niederösterreichs Landesrat Anton Kasser nannte eine Direktverrechnung einen „sinnvollen Weg“, machte sie aber von einer Neuverhandlung des Finanzausgleichs abhängig, da Niederösterreich derzeit auf rund 500 Mio. Euro verzichte. Die Wiener ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec erklärte, die Direktverrechnung senke „die Rechnung nicht“ – nötig sei stattdessen mehr Effizienz im Wiener Spitalssystem selbst. [Quelle: Ö1-Sommerinterview | Reaktionen: SPÖ-W, FPÖ-W, Grüne-W, ÖVP-W, ÖVP-NÖ]

🇩🇪 Niedrigwasser: Regional geringere Produktion und steigende Treibstoffpreise. Der niedrige Wasserpegel an Teilen des Rheins schränkt den Gütertransport ein und wirkt sich regional sowohl auf die Industrie als auch auf die Treibstoffversorgung aus. Am Engpass bei Kaub in Rheinland-Pfalz fiel der Pegel am Dienstag auf ein Rekordtief von 15 Zentimetern. Binnenschiffe werden teils nur zu einem Viertel ihres Ladevermögens beladen oder fahren gar nicht mehr. Über den Rhein werden zudem Öl, Diesel und Benzin transportiert. Da nun weniger über das Wasser läuft und ein Teil des Transports auf die Straße verlagert wird, steigen die Logistikkosten und damit regional die Treibstoffpreise. Zur Entlastung wurden die regulär an Wochenenden und Feiertagen geltenden Lkw-Fahrverbote in 10 Bundesländern bis Ende August bzw. September gelockert. [Quellen: Reuters, Handelsblatt, ADAC]

🇷🇴 Rumänien muss AKW herunterfahren. Das einzige rumänische Atomkraftwerk Cernavodă wird aufgrund des niedrigen Wasserstands und Durchflusses der Donau morgen abgeschaltet. Zuletzt wurden ein Felsen gesprengt und 100.000 Kubikmeter Material ausgebaggert, um dem Kraftwerk mehr Wasser zuzuführen. Das habe aber nicht ausgereicht, die Abschaltung sei nun „unausweichlich“. Das AKW würde dann für mindestens zwei Wochen außer Betrieb sein, da auch die Prognosen keine rasche Besserung der Wasserstände erkennen lassen. Das Kraftwerk Cernavodă produziert rund ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs. Unternehmen und Haushalte wurden aufgefordert, ihren Stromverbrauch in den abendlichen Spitzenzeiten freiwillig zu senken. Die Stromversorgung der Industrie könnte im Bedarfsfall schrittweise gedrosselt werden. [Quellen: Reuters, APA via Medienberichte]

Selektive Agenda:

Heute: Inkrafttreten der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR)

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Einbürgerungen 2. Quartal“

19:20 Uhr, Österreich: Beginn der partiellen Sonnenfinsternis

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Clemens Schmidgruber, Franz Zöchbauer, Lukas Kepplinger und Hannah Wundsam sind neue Mitglieder des österreichischen Startup-Rats. Simon Kravagna wird neuer Geschäftsführer der Mediengruppe Wiener Zeitung. Silvia Lieb wird ORF-Direktorin für Finanzen und Verwaltung. Michael Krön übernimmt die Position des ORF-Direktors für Programm und Brands. Angelika Simma-Wallinger ist neue ORF-Direktorin für Audience und Plattformen. Gerd Schneider wird ORF-Landesdirektor in Salzburg. Sigrid Hroch wird neue ORF-Landesdirektorin in der Steiermark. Martin Weberhofer übernimmt als ORF-Landesdirektor in Kärnten. ORF-Stiftungsrat Gregor Schütze hat seine Funktion zurückgelegt.

Geburtstage: Wir gratulieren Manfred Haimbuchner, Helene Partik-Pablé, Günther Hopfgartner, Hanno Settele und Michael Zettel zum Geburtstag.

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