Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Industriestrom: Bonus startet früher, Fahrplan für Preisdeckelung bleibt gleich. Das Portal für Anträge zum Industriestrombonus ist seit gestern offen. Am ersten Tag sei noch nicht mit einem Ansturm zu rechnen, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium, da es sich um komplexe Anträge handelt. Mit den meisten Anträgen rechnet die aws gegen Ende der Einreichfrist. Insgesamt stehen für die Rückerstattung indirekter CO2-Kosten je 75 Mio. Euro für 2025 und 2026 zur Verfügung. Eine Verlängerung bis 2029 ist in Vorbereitung. 6 Monate lang kann nun beantragt werden, danach wird ausbezahlt. Wenn insgesamt mehr als 75 Mio. Euro beantragt werden, wird der Förderbetrag aliquot aufgeteilt. Weitere Entlastung soll auch ein Industriestrompreis bringen, der die Hälfte der Kosten des energieintensiven Verbrauchs halbieren soll. Das Modell dazu soll weiterhin wie geplant Mitte des Jahres vorliegen und muss von der EU genehmigt werden, bevor es 2027 in Kraft treten kann. [Quellen: Selektiv via BMWET | Reaktion: FPÖ | Grafik: Strompreiskompensation in Europa]
„Viele Lehrer unterrichten Wirtschaftskunde nur beiläufig“
Interview mit Carmen Treml
Carmen Treml, Ökonomin der Agenda Austria, hält die geplante Stärkung von KI- und Medienkompetenz an AHS-Oberstufen für überfällig. Allerdings sieht sie die Vorgangsweise kritisch. „Man hat das Gefühl, dass jetzt im Schnelldurchgang alles auf einmal umgesetzt werden soll“, sagt Treml. Weder geeignete Schulbücher noch ausreichend qualifizierte Lehrkräfte seien derzeit vorhanden. Ein zentrales Problem sieht die Ökonomin auch beim bestehenden Wirtschaftskunde-Unterricht. Viele Lehrer würden das Fach nur beiläufig behandeln. In Schulbüchern werde Globalisierung oft pauschal verteufelt, während ökonomische Zusammenhänge wie Marktdynamik, Preisentstehung oder das Steuersystem zu kurz kämen.
💡 Strompreis-Schock für Österreichs Industrie hält an. Trotz rückläufiger Preise seit dem Krisenjahr 2022 bleibt der Industriestrom in Österreich teuer. Der Durchschnittspreis für energieintensive Betriebe (Band IE) im 2. Halbjahr 2025 lag bei 19,6 Cent pro kWh – nur knapp unter dem Wert von Deutschland (20,1 ct/kWh) und deutlich höher als in Frankreich (9,8 ct/kWh). Während Frankreich dank hohem Kernkraftanteil stabil günstige Preise bietet, zahlen österreichische und deutsche Unternehmen weiterhin einen spürbaren Aufschlag. Der Eurozonen-Durchschnitt lag zuletzt im 1. Halbjahr 2025 bei 16,5 Cent pro kWh. [Quelle: Eurostat | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🌐 🇦🇹 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,012 Euro für Diesel und 1,718 Euro für Benzin. Ab heute können die Preise an den Tankstellen wieder täglich um 12 Uhr angehoben werden, die Dreitagesregel ist nach einem Monat ausgelaufen. „Der Staat muss in Krisen handeln, aber er darf den Markt nicht länger und nicht tiefer regulieren als nötig“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni ist um 4,2 % gefallen und liegt bei 97,9 Dollar. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag zu Handelsschluss am Montag bei 45,21 Euro pro MWh, ein Rückgang um 8,2 %. [Quellen: Spritpreise, BMWET, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Tempo 100 brächte 3 bis 4 % Treibstoffersparnis. Das Tempolimit auf den heimischen Autobahnen von 130 auf 100 km/h abzusenken brächte eine Einsparung der Gesamtspritmenge von 3 bzw. 4 %. Bei einer einzelnen, konstanten Autobahnfahrt mit 100 anstatt 130 km/h verbrauche man zwar um bis zu ein Viertel weniger Kraftstoff, aber laut ÖAMTC wäre es „unseriös“, das auf die gesamtwirtschaftliche Einsparung hochzurechnen. Der ÖAMTC schlägt statt Tempo 100 eine Anpassung der Ampelschaltungen in Städten vor und fordert ein Überholverbot für Lkw auf zweispurigen Autobahnen. „Beides zusammen würde mehr Sprit sparen als ein Tempolimit für Pkw auf Autobahnen und Schnellstraßen“, so Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung. [Quelle: ÖAMTC]
🇦🇹 Industrie betont Dringlichkeit des Stromnetz-Lückenschlusses in Kärnten. 2029 soll in Kärnten mit dem Bau des 380-kV-Leitungs-Lückenschlusses begonnen werden. Die Industrie appellierte gestern an Bevölkerung und Politik, das Projekt zu unterstützen, da es für die Versorgungssicherheit unerlässlich sei. Präzise Industrieprozesse würden auf geringste Spannungsschwankungen sensibel reagieren, wodurch Schäden an Produkten und Maschinen wie Halbleitern oder metallurgischen Produkten entstehen können. Solche Ausfälle könnten durch die steigende Netzbelastung wieder häufiger auftreten, so die Sorge, die insgesamt 7 Industrieunternehmen auf Einladung der Industriellenvereinigung Kärnten gestern äußerten. Dabei können sich die Kosten für einen Ausfall im Bereich hunderttausender Euro bewegen. Der Strombedarf der Industrie in Kärnten verdopple sich bis 2040 durch Digitalisierung und Dekarbonisierung. Eine stabile Stromversorgung sei entscheidend für Standort- und Investitionsentscheidungen. [Quellen: Pressekonferenz, IV Kärnten]
🇦🇹 18 neue Windkraft-Zonen in der Steiermark. Das Land Steiermark hat mit einer Novelle des Sachprogramms Windenergie 18 neue Windkraft-Zonen ausgewiesen – insgesamt wären es dann 30 Vorrang- und Eignungszonen. Die Novelle ist nun 8 Wochen in Begutachtung. Auf 4.800 Hektar sollen bis 2030 Anlagen mit einer Leistung von mindestens 400 Megawatt entstehen – Potenzial gibt es für bis zu 700 MW. Insgesamt wurden in der Steiermark bisher 122 Windkraftanlagen gebaut, 60 sind in Bau und mit der Novelle sollen 100 bis 150 weitere dazukommen. [Quelle: Land Steiermark | Reaktionen: IG Windkraft | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]
🇦🇹 Paketabgabe könnte gesamten Versandhandel treffen. Die zur Gegenfinanzierung der Lebensmittel-MWSt-Senkung geplante Abgabe auf Pakete aus Drittstaaten könnte auf den gesamten kommerziellen Versandhandel erweitert werden, berichtet Der Standard. Rechtlich könne eine Abgabe rein auf Drittstaaten-Sendungen nicht umgesetzt werden. „Eine nationale Paketabgabe ist nicht möglich“, so der Jurist Gottfried Schellmann zum Standard. Das Finanzministerium arbeitet weiter an der „rechtskonformen Umsetzung der Gegenfinanzierung“, so eine Stellungnahme gegenüber der APA. Für Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will wäre eine Ausweitung der Abgabe eine „abstruse Idee“, die „im klaren Widerspruch zu zentralen wirtschaftspolitischen Versprechen der Bundesregierung“ steht. [Quellen: Der Standard, APA via Medienberichte, | Reaktion: Handelsverband]
🇪🇺 EU einigt sich auf deutlich schärfere Regeln für Stahlimporte. Zum Schutz der europäischen Stahlindustrie vor globaler Überkapazität haben EU-Parlament und Mitgliedstaaten in der Nacht auf Dienstag eine Einigung erzielt. Ab Juli 2026 wird die zollfreie Einfuhrmenge auf 18,3 Mio. Tonnen pro Jahr begrenzt – ein Rückgang um rund 47 % gegenüber den bisherigen Quoten. Importe oberhalb dieser Menge sollen künftig mit einem Strafzoll von 50 % belegt werden (bisher 25 %). Besonders betroffen sind Billigimporte aus China, Indien und der Türkei. Die bisherige Schutzverordnung läuft Ende Juni 2026 aus. [Quelle: Europäisches Parlament]
🇩🇪 Deutsche Wirtschaft schwächelt. Aufgrund des Irankriegs hat die deutsche Konjunktur im 1. Quartal „spürbar an Dynamik verloren“, so eine Analyse des deutschen Wirtschaftsministeriums. Vorläufige Industriedaten deuten auf eine „sehr verhaltene“ Entwicklung hin, die Wertschöpfung im Baugewerbe dürfte sogar gesunken sein. Auch die Dienstleistungen haben sich mit Ausnahme der öffentlichen Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Verwaltung schwach entwickelt. Einen „konjunkturellen Lichtblick“ sieht das Ministerium im Außenhandel, wobei die positive Dynamik zu Jahresanfang aufgrund der gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise auch dort nachlassen könnte. [Quelle: Dt. Wirtschaftsministerium]
🇩🇪 Deutsche Bevölkerung schrumpft. Die Bevölkerung Deutschlands wird aufgrund geringerer Nettozuwanderung bis ins Jahr 2045 um 2,9 % auf 81,1 Mio. Personen schrumpfen. Im Vorjahr sind in Deutschland 350.000 mehr Menschen gestorben als zur Welt gekommen, der Bevölkerungsstand ist um 100.000 Personen gesunken. Der demografische Druck auf den Arbeitsmarkt wird bis 2045 „spürbar zunehmen“, da die Anzahl der aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden Personen nicht mehr durch neu eintretende kompensiert werden kann. Die österreichische Bevölkerung soll laut aktueller Bevölkerungsprognose von derzeit 9,2 Mio. Menschen noch bis ins Jahr 2040 auf 9,4 Mio. anwachsen und danach wieder schrumpfen – die Zahl der Erwerbspersonen erreichte bereits 2024 mit 5,57 Mio. ihren Höchststand. [Quellen: IW Köln, Statistik Austria | Grafik: Erstmals mehr Pensionisten als unter 20-Jährige]
🇩🇪 Deutschland senkt Steuern auf Sprit. Die deutsche Regierung will die Mineralölsteuer – vorerst auf 2 Monate befristet – um ca. 17 Cent pro Liter reduzieren. Die steuerlichen Mindereinnahmen will die Regierung durch „Maßnahmen gegenüber den Mineralölwirtschaftsunternehmen“ gegenfinanzieren. Weiters wird die Möglichkeit einer steuer- und abgabenfreien „Entlastungsprämie“ i. H. v. 1.000 Euro ermöglicht. [Quelle: Dt. Bundesregierung]
🌐 OPEC erwartet vorübergehend geringere Ölnachfrage. Die weltweite Ölnachfrage soll im 2. Quartal um 500.000 Barrel pro Tag geringer ausfallen, als bisher von der OPEC erwartet. Die Prognose der Nachfrage im gesamten Jahr bleibt jedoch unverändert – die OPEC geht davon aus, dass die „vorübergehend schwächere“ Nachfrage des 2. Quartals dann im 3. und 4. Quartal nachgeholt wird. [Quelle: OPEC, Reuters]
🌐 USA blockieren Straße von Hormus. Die USA blockieren seit gestern 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Straße von Hormus für alle Schiffe, die in iranischen Häfen angelegt haben. Die Durchfahrt von Schiffen, die von und zu nicht-iranischen Häfen unterwegs sind, soll hingegen nicht beeinträchtigt werden. Am Sonntag haben laut US-Präsident Trump noch 34 Schiffe die Meerenge passiert. Sollten sich iranische Schiffe der US-Blockade nähern, würden diese „sofort eliminiert“ werden, so Trump. [Quellen: Trump auf Truth Social – I, II; U. S. Central Command]
Selektive Agenda:
Heute, Neu-Delhi, Indien: Bundeskanzler Stocker und Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer mit einer Wirtschaftsdelegation in Indien (bis 18.4.)
10:00 Uhr, Sarajevo, Bosnien-Herzegowina: Bundespräsident Van der Bellen in Bosnien-Herzegowina 10:00, u. a. Treffen mit den Vorsitzenden des Staatspräsidiums, Bećirović, Cvijanović und Komšić (bis 16.4.)
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Matthias Wukitsch wurde zum neuen Landesgeschäftsführer der ÖVP Burgenland gewählt. Hedwig Staller wurde als Bundesobfrau des Freiheitlichen Familienverbands wiedergewählt, Ricarda Berger zu ihrer Stellvertreterin. Andrea Maier wird neuer Medical Director bei Roche Austria.
Geburtstage: Wir gratulieren Nicolas Stockhammer und Rupert Reif zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, St. Pölten: Feierliche Abschlussveranstaltung der LUX-Filmtage 2026 inkl. Podiumsdiskussion u. a. mit Johanna Mikl-Leitner im Cinema Paradiso [Info]
18:15 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion des Industriemagazin „KI, Kilowatt und Kapital – Wer finanziert den Energieausbau?“ u. a. mit Michael Baminger, Enver Siručić, Rudolf Loidl, Peter Weinelt und Elisabeth Zehetner im Arthur D. Little Office [Info]