Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Außenwirtschaft stabil, bisher keine Abwanderung wegen US-Zöllen. Österreichs Außenwirtschaft schloss 2025 mit einem Leistungsbilanzüberschuss von 9,5 Mrd. Euro (1,9 % des BIP) ab, getragen vor allem vom Tourismus: Ausländische Gäste ließen rund 26 Mrd. Euro in Österreich, ein Plus von 6,6 %. Für 2026 erwartet die OeNB eine Dämpfung durch den Irankrieg: Gestiegene Energiepreise werden den Leistungsbilanzüberschuss um rund 0,75 Prozentpunkte des BIP reduzieren. Das ist deutlich weniger als 2022, als der Effekt bei rund 2 Prozentpunkten lag und die Leistungsbilanz erstmals seit 20 Jahren ins Negative drehte. Österreichs geringere Abhängigkeit von Öl und Gas sowie der bisher schwächere Preisanstieg gegenüber 2022 erklären die geringere Anfälligkeit. Bislang zeigen sich keine Anzeichen für eine Abwanderung österreichischer Firmen in die USA zur Umgehung von US-Zöllen. Als Wachstumschancen nennt die OeNB neue Handelsabkommen mit der Schweiz, Australien, Indien und den Mercosur-Staaten – Märkte, die bereits 8 % der österreichischen Exporte ausmachen. [Quelle: OeNB Außenwirtschaftsstatistik]
KELAG-Vorstand: Neue Steuern auf E-Autos „kontraproduktiv“
Interview mit Danny Güthlein
KELAG-Vorstand Danny Güthlein kritisiert das geplante Ende der Sachbezugsbefreiung für privat genutzte Firmen-Elektroautos deutlich: „Diese Maßnahmen sind kontraproduktiv. Nachträglich einzugreifen, kostet viel Vertrauen.“ Er fordert daher ein „klares Bekenntnis zur Elektrifizierung“ ein, denn mehr Abnehmer ins Netz zu bekommen, wäre die effektivste Maßnahme, die Netzentgelte zu senken. Gelingt das, würde es schon bald „keine Diskussionen mehr über steigende Netzkosten geben“.
💡 Österreich ist das Land der freien Tage. Mit 38 Ruhetagen kann jeder Österreicher im Jahr mindestens rechnen: 13 gesetzliche Feiertage und 25 Tage Mindest-Urlaubsanspruch bedeuten einen Spitzenplatz in Europa. Nur Malta (42 Tage) liegt vor Österreich, Schweden (38 Tage) gleichauf. Dass Feiertagskalender auch schrumpfen können, zeigt Dänemark: Das Land strich 2024 einen Feiertag zur Finanzierung höherer Verteidigungsausgaben. Der tatsächliche Urlaubsanspruch hängt in vielen europäischen Ländern von weiteren Faktoren wie geleisteten Arbeitsjahren oder der Branche ab. [Quellen: FedEE; Europäische Kommission | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
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🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,909 Euro für Diesel und 1,805 Euro für Benzin. Aufgrund des hohen Preisniveaus will das Land Kärnten Pendlern ab 1. Juni einen „Sprit-Bonus“ von 75 Euro auszahlen, vorerst stehen dafür 500.000 Euro aus den Mitteln der Arbeitnehmerförderung bereit. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute nahezu unverändert bei 107,1 Dollar. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts liegt bei 47,7 Euro pro MWh, ein Anstieg um 2,9 % im Vergleich zu Mittwoch. [Quellen: Spritpreise, Land Kärnten, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 ÖGK mit geringerem Defizit. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) konnte ihr Defizit im Vorjahr stärker als prognostiziert reduzieren. Ursprünglich wurde ein Minus von 906 Mio. Euro erwartet (Prognose Februar 2025), dann minus 454 Mio. Euro (Februar 2026) – das Endergebnis zeigte dann ein Defizit von minus 156,3 Mio. Euro. Dadurch hat sich auch die Prognose für 2026 (-217,8 Mio. Euro) und 2027 (-398,8 Mio. Euro) verbessert. Das geringere Defizit sei durch gestrichene Dienstposten, verringerte Verwaltungsflächen, unterinflationäre Gehaltsanpassungen sowie Leistungsreduktionen erreicht worden, so ÖGK-Obmann Peter McDonald zur APA. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 EcoAustria zweifelt an gestaffelter Pensionserhöhung. Das Momentum-Institut schlägt für die Einsparung bei der Pensionserhöhung 2027 eine gestaffelte Lösung vor. Dabei sollen Pensionen unter 3.000 Euro brutto pro Monat um 3,3 % erhöht werden und darüber mit einem Pauschalbetrag von 99 Euro monatlich. So könne das geplante Sparvolumen erzielt werden. Die Regierung hat sich für das Doppelbudget darauf geeinigt, über eine geringere Pensionserhöhung in den kommenden beiden Jahren insgesamt 550 Mio. Euro einzusparen. Johannes Berger von EcoAustria ist bei einer gestaffelten Lösung skeptisch. Einerseits würde das Äquivalenzprinzip der Pensionsversicherung weiter ausgehöhlt – das Versprechen der Versicherungsleistung ist ja, dass man für höhere und längere Beiträge auch höhere Auszahlungen erhält. Andererseits hält Berger eine Staffelung auch nicht für sozial treffsicher, da zusätzliche Pensionen im gleichen Haushalt oder Pensionsleistungen aus dem Ausland nicht berücksichtigt würden. Wenn man geringe Pensionseinkommen von der Konsolidierung ausnehmen will, würde sich laut Berger daher die Ausgleichszulage besser eignen. [Quellen: Momentum Institut, EcoAustria zu Selektiv]
🇦🇹 Regierung will Ausbau der E-Ladestellen beschleunigen. Künftig soll Ladeinfrastruktur entlang des hochrangigen Straßennetzes auf Tankstellen, Raststätten und Parkplätzen rascher und einfacher errichtet werden können. Eine entsprechende Novelle des Bundesstraßengesetzes wurde am Mittwoch in Begutachtung geschickt. Bisher gibt es im Bereich der Asfinag 332 Ladestationen, die bis 2030 auf 1.500 verfünffacht werden sollen. Insgesamt gibt es in Österreich 38.000 Ladepunkte, davon 4.500 Ultra-Schnellladepunkte (>150 kW). Weiters wurde der Begutachtungsprozess der im Dezember verkündeten Verlängerung der §57a-Begutachtungsintervalle („Pickerl“) gestartet. Die neuen „4-2-2-2-1“-Intervalle sollen mit 1. Oktober 2026 bzw. spätestens 1. Jänner 2027 in Kraft treten, bisher gilt ein Intervall von „3-2-1“. Werkstätten müssen die §57a-Gutachten derzeit 5 Jahre lang aufbewahren, das soll künftig entfallen. [Quellen: Pressekonferenz, BMIMI, Ministerrat | Reaktion: Asfinag]
🇦🇹 Arbeitgeber wollen bei Recht auf Aufstockung mitreden. Sozialministerin Korinna Schumann will im Rahmen der Budgetverhandlungen einen Rechtsanspruch auf Stundenaufstockung für Teilzeitkräfte durchsetzen. Der Dachverband der Arbeitgeberverbände der Freien Wohlfahrt (IAFW), der auch in den KV-Verhandlungen sitzt, will in den Prozess eingebunden werden und sieht die Kollektivverträge als naheliegende Lösung. In vielen Kollektivverträgen sei das ohnehin bereits verankert. „Eine starre gesetzliche Regelung würde jedoch den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Branchen nicht ausreichend gerecht werden“, so Caritas-Direktor und IAFW-Mitglied Alexander Bodmann [Quellen: IAFW, GPA | Grafik: Ein Viertel will nicht Vollzeit arbeiten]
🇦🇹 Umweltförderungen lösten 2025 Milliardeninvestitionen aus. Umweltförderungen von Wirtschaftsministerium und Umweltministerium mit einem Volumen von 2,6 Mrd. Euro haben 2025 Investitionen von insgesamt 7,24 Mrd. Euro angeschoben. Am erfolgreichsten war dabei die Sanierungsoffensive mit 3,5 Mrd. Euro, die mit einem Fördervolumen von 1,57 Mrd. Euro angeschoben wurden. In der Wasserwirtschaft wurden Investitionen von 1,15 Mrd. Euro ausgelöst. Bei der Umweltförderung im Inland hebelten 172 Mio. Euro Projekte mit einem Volumen von 873 Mio. Euro. Der Energieeffizienz-Fonds hat mit 146 Mio. Euro an Förderungen Projekte mit einem Volumen von fast 500 Mio. Euro angeschoben. Das Programm „Transformation der Industrie“ hat mit 247 Mio. Euro an Förderungen 840 Mio. Euro an Investitionen ausgelöst und war mit einer CO2-Reduktion um 730.000 t besonders effizient. Im Mai wurden daher im Rahmen von „Transformation der Industrie“ zwei weitere Ausschreibungen mit Zuschüssen in der Höhe von insgesamt 270 Mio. Euro gestartet. [Quelle: Umweltinvestitionen-Bericht 2025]
🇦🇹 Rekord bei Strom- und Gaslieferantenwechsel. Im 1. Quartal 2026 haben 137.479 Kunden ihren Strom- oder Gasanbieter gewechselt, ein Anstieg um 3,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ein neuer Höchstwert. „Noch nie zuvor haben sich mehr Konsumenten in einem 1. Quartal einen neuen Lieferanten gesucht,“ so E-Control Vorstand Michael Strebl. Die Stromlieferanten wurden am häufigsten in Niederösterreich gewechselt (2,5 % Wechselrate), die Gaslieferanten am häufigsten in der Steiermark (3,6 %). Im Westen ist die Wechselrate am niedrigsten, in Tirol wechselten nur 0,5 % der Stromkunden ihren Anbieter, in Vorarlberg nur 0,7 % ihren Gasanbieter. [Quelle: E-Control]
🇦🇹 🌐 Exporte stark von kritischen Rohstoffen abhängig. Exporte machen rund die Hälfte der österreichischen Wirtschaftsleistung aus. Waren im Wert von rund 100 Mrd. Euro, also etwa die Hälfte des Gesamtexportwerts von 190 Mrd. Euro, sind vom Einsatz kritischer Rohstoffe abhängig. Bei den 17 von der EU definierten „strategischen Rohstoffen“, die im Rahmen der Ökologisierung, Digitalisierung und Verteidigung zum Einsatz kommen, ist China bei rund der Hälfte das Land mit der höchsten Abhängigkeit. Darunter sind u. a. Kobalt, Wolfram und Gallium. Besonders gefährdet sind dadurch der Automobil-, Eisen- und Stahl- sowie der Maschinenbausektor Österreichs. Das ASCII und das Kontext-Institut schlagen u. a. folgende Maßnahmen vor, um die Rohstoffabhängigkeit Österreichs zu reduzieren: Nachfragereduktion von Endprodukten, Steigerung der Materialeffizienz, Erhöhung der Produktlanglebigkeit, Wiederverwendung und Recycling. [Quellen: ASCII & Kontext –Übersicht, Studie; Statistik Austria, BMEIA | Grafik: China dominiert Seltene Erden Reserven]
🇪🇺 🌐 EU-LNG-Importe aus den USA seit 2021 mehr als verdreifacht. Die EU-Staaten haben ihre LNG-Importe aus den USA seit 2021 mehr als verdreifacht. Im 1. Quartal 2026 lag der US-Anteil bei 63 % der Gesamtimporte. Aufgrund der anhaltenden Energiekrise, ausgelöst und verlängert durch den Ukraine- und Irankrieg, wurden die USA zum größten LNG-Exporteur für die EU. Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) prognostiziert, dass die EU ab 2028 bis zu 80 % ihres LNG aus den USA beziehen wird. „LNG ist zur Achillesferse der europäischen Energiesicherheitsstrategie geworden“, sagt Ana Maria Jaller-Makarewicz von der IEEFA. Die EU reagiere jedoch u. a. mit der neuen Accelerate-EU-Strategie, die laut Berechnungen der IEEFA bis 2030 zu einer Reduktion der LNG-Nachfrage um 23 % führen könne. Russland ist weiterhin der zweitgrößte LNG-Exporteur in die EU, die Importe aus Russland nahmen im 1. Quartal 2026 im Vorjahresvergleich um 16 % zu. Vor allem Frankreich, Spanien und Belgien importierten russisches LNG. [Quelle: IEEFA – Bericht, LNG-Tracker]
🇩🇪 Deutsche Autobranche fürchtet Verlust von 125.000 Jobs. Laut einer neuen Prognose könnten der deutschen Autoindustrie 125.000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2035 verloren gehen – um 35.000 Jobs mehr als zuletzt prognostiziert. Würden neben rein batterieelektrischen Autos auch Plug-in-Hybride oder Verbrenner mit erneuerbaren Kraftstoffen in den neuen EU-Flottenregeln ab 2035 berücksichtigt werden, könnten 50.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben. „Es braucht echte Technologieoffenheit. Sie darf dabei kein bloßes Lippenbekenntnis sein, sondern muss in der Praxis auch tatsächlich realisierbar sein“, fordert VDA-Präsidentin Hildegard Müller. [Quelle: VDA]
🌐 Stärkerer Rückgang der globalen Ölvorräte erwartet. Die US-Energieinformationsbehörde (EIA) rechnet dieses Jahr mit einem Rückgang der globalen Ölvorräte in Höhe von 2,6 Mio. Barrel pro Tag. Im April wurde der Rückgang noch auf 0,3 Mio. Barrel pro Tag geschätzt. Das Vorjahresniveau werde frühestens gegen Ende des Jahres erreicht, auch die Ölproduktion im Nahen Osten bleibe beeinträchtigt. Der Brent-Ölpreis soll sich im Mai und Juni bei rund 106 Dollar pro Barrel bewegen. Im 4. Quartal 2026 soll er auf durchschnittlich 89 Dollar sinken, 2027 auf 79 Dollar. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet für 2026 einen Rückgang des globalen Ölangebots um 3,9 Mio. Barrel pro Tag – unter der Annahme, dass der Verkehr durch die Straße von Hormus ab Juni schrittweise wieder aufgenommen wird. [Quelle: EIA, IEA]
🌐 30 Schiffe passieren Straße von Hormus. Nach iranischen Angaben haben 30 Schiffe die Straße von Hormus durchfahren, der Großteil davon aus China. Die iranische Führung verneint, die Meerenge zu blockieren: „Das Hindernis sind nicht wir, sondern die USA mit ihrer Blockade“, so der iranische Außenminister. Diese Blockade hat die iranischen Öllagerkapazitäten laut US-Finanzminister Scott Bessent mittlerweile ausgereizt. Seit 3 Tagen sei kein iranisches Öl mehr über die Insel Kharg verladen worden. „Wir gehen davon aus, dass ihre Lager voll sind. Keine Schiffe kommen rein und keine kommen raus. Sie können also kein Öl auf See lagern, daher müssen sie bald die Produktion runterfahren“, so Bessent zu CNBC. [Quellen: Tasnim, CNBC, Medienberichte]
Selektive Agenda:
Heute, Peking: US-Präsident Donald Trump in China (letzter Tag)
Heute, Wien: UniCredit Bank Austria veröffentlicht den Konjunkturindikator für Mai
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Baukostenindex für April
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Dieter Bretz ist seit dem 1. April der neue CEO von Segafredo Zanetti Central Europe. Walter Ruck wurde erneut zum Obmann des Wirtschaftsbund Wien gewählt. Ernst Sittinger wird neuer steirischer ORF-Stiftungsrat.
Geburtstage: Am Samstag haben Walter Schiejok, Mercedes Echerer und Robert Kratky Geburtstag, am Sonntag Wladimir Aichelburg, Michaela Sburny und Christoph Grissemann.
Sehen & gesehen werden:
Samstag, 21:00 Uhr, Wien: Finale des Eurovision Song Contest