Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Yannic Haimeder, Driss Schmid und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Regierung weiterhin uneins bei Dürrehilfen. Die Regierungsparteien konnten sich bisher nicht auf ein Hilfspaket für die von der Dürre geschädigten Bauern einigen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig forderte im Vorfeld unter anderem Zinszuschüsse zu Betriebsmittelkrediten, um den Zukauf von Saatgut und Futtermitteln zu ermöglichen. Die Koalitionspartner und das Finanzministerium unterstützen diese Forderungen nicht. „Eine Koste-es-was-es-wolle-Politik à la Sebastian Kurz wird es mit uns nicht geben“, so SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt. Auch die Neos wollen kein „frisches Geld“ bereitstellen. Totschnig betonte im Interview mit Selektiv, dass das Landwirtschaftsministerium nach 4 Sparpaketen keine Möglichkeit mehr habe, Geldmittel umzuschichten: „Unsere Einsparungsmöglichkeiten wurden genutzt – deswegen brauchen wir hier zusätzliches Geld“. Nachdem bis Sonntag keine Einigung erzielt wurde, möchte FPÖ-Chef Herbert Kickl heute an die Grünen herantreten, um gemeinsam eine Sondersitzung des Nationalrats zu beantragen. Grünen-Chefin Leonore Gewessler weist den Vorschlag als „Heuchelei“ zurück und fordert Kickl auf, die Klimakrise anzuerkennen und Klimaschutz nicht länger zu „bekämpfen“. [Quellen: APA via Medienberichte, Kronen Zeitung, Selektiv, FPÖ, Grüne auf Selektiv-Anfrage]
Kommentar: Österreichs Geld geht vom Staat aus
von Christian Tesch
Österreich ist eine geförderte Republik. Ihr Geld geht vom Staat aus. So müsste die österreichische Bundesverfassung eigentlich beginnen. Zumindest scheint das das Selbstverständnis zu sein – sowohl der Realpolitik als auch vieler nach eigener Meinung Anspruchsberechtigter. Aktuelles Beispiel: Die Förderung für Solaranlagen. Irgendwann erübrigen sich Förderungen und dann bekommt man sie nicht mehr weg.
💡 Über die Hälfte der neuen Staatsbürger kommt aus fünf Staaten. Im 1. Halbjahr 2026 erhielten 13.700 Personen die österreichische Staatsangehörigkeit, um 17 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Unter den 9.750 im Inland lebenden Eingebürgerten stammten 2.319 bzw. 23,8 % aus Syrien, gefolgt von der Türkei (1.058), Afghanistan (968), dem Iran (433) und Bosnien-Herzegowina (407). Häufigster Rechtsgrund war ein mindestens sechsjähriger Wohnsitz mit nachgewiesener Integration (35,2 %), vor der Einbürgerung von NS-Verfolgten und deren Nachkommen (28,7 %), die größtenteils im Ausland wohnen. Mit ihren Angehörigen erhielten weitere 23,7 % die Staatsbürgerschaft verliehen. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Moody’s: Österreich behält zweithöchste Bonitätsstufe, aber Lage herausfordernd. Die Ratingagentur Moody’s bestätigt die zweithöchste Bonitätsstufe (Aa1) für Österreich. Die Zukunft der öffentlichen Finanzen bleibe jedoch herausfordernd. Gut bewertet wird das Doppelbudget 2027/28 in Hinsicht auf die Budgetkonsolidierung. Zur Stabilisierung der Staatsschuldenquote würden die Maßnahmen aber nicht ausreichen. 2027 rechnet Moody’s mit einer Schuldenquote von 83 %, die bis 2030 auf 83,9 % steigen könnte. Im selben Jahr müssten laut Moody’s 2,4 % der Wirtschaftsleistung für Zinszahlungen aufgewendet werden. Eine Anhebung auf die oberste Bonitätsstufe ist derzeit nicht absehbar. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Meinl-Reisinger fordert „Allparteien-Gipfel“ zu Pensionen im Herbst. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger fordert einen „Allparteien-Gipfel im Herbst zum Thema Pensionen“ und möchte alle Nationalratsparteien in die Verantwortung nehmen. Wer nicht bereit sei, eine solch wichtige Reform mitzutragen, müsse sich vor die Menschen stellen und das begründen. Meinl-Reisinger betonte erneut, dass das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung angepasst werden müsse. [Quelle: Oe24-Sommergespräch | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 Konjunkturstimmung erreicht im Juli höchsten Wert seit Beginn des Irankriegs. Der Konjunkturindikator der UniCredit Bank Austria stieg im Juli auf minus 0,8 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Beginn des Irankriegs Ende Februar bzw. Anfang März. Die Stimmung verbesserte sich in allen Wirtschaftsbereichen, lag aber weiterhin im pessimistischen Bereich und unter dem langjährigen Durchschnitt. In der Industrie erreichte sie den höchsten Wert seit April 2023. Im Dienstleistungssektor lag die Stimmung unter dem Niveau vom Jahresbeginn, stieg von Juni auf Juli aber um rund 0,5 Punkte und rückte nahe an den Optimismusbereich. [Quelle: UniCredit Bank Austria – Übersicht, Bericht]
🇦🇹 IV-NÖ-Präsident: Es braucht mehr Jahresarbeitstage, um wettbewerbsfähig zu sein. Kari Ochsner, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, argumentiert, dass sich Österreich in den Bereichen Lohnnebenkosten, Energiekosten, der Bürokratie und den Jahresarbeitstagen verbessern müsse, um international konkurrenzfähig zu sein. Vor allem bei den Jahresarbeitstagen liege Österreich im internationalen Vergleich hinten. Um das zu verbessern, fordert er die Einführung einer 41-Stunden-Woche und nennt auch die Reduktion von Feiertagen als eine Option. [Quelle: Kronen Zeitung | Reaktionen: FPÖ, GPA]
🇦🇹 Mikl-Leitner: Regierungsparteien müssen „Reformwillen und Kompromissbereitschaft“ zeigen. Die aktuellen Umfragewerte der Regierungsparteien seien ein Handlungsauftrag, „Reformwillen und Kompromissbereitschaft zu zeigen“, sagt Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Vor allem der Bürokratieabbau, die Senkung von Steuern und Abgaben sowie die Reduktion von „Gold-Plating“ von EU-Richtlinien müssten angegangen werden. „Leistung und Fleiß“ sollten sich wieder lohnen, so Mikl-Leitner. Dazu sei auch ein „Umdenken bei der SPÖ“ notwendig: Ohne Unternehmen, die in Österreich wachsen und investieren, gäbe es weniger Steuereinnahmen, was in der Folge die Gesundheits- und Sozialsysteme gefährde, so die Landeshauptfrau. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Baukosten im Juli über Vorjahresniveau. Die Kosten für den Wohnhaus- und Siedlungsbau lagen laut Schätzungen im Juli um 5,2 % über dem Vorjahresmonat. Im Straßenbau betrug der Anstieg 7,9 %, im Siedlungswasserbau 6,5 % und im Brückenbau 6 %. Gegenüber dem Vormonat gingen die Kosten im Wohnbau um 0,3 % und im Straßenbau um 0,2 % zurück, in den übrigen Sparten blieben sie unverändert. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 97 % der Kassenarztstellen besetzt. Von den rund 10.300 Planstellen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) sind derzeit mehr als 97 % besetzt oder bereits vergeben. Offen sind 94 Stellen in der Allgemeinmedizin und 92 im Facharztbereich, die größte Lücke besteht in der Zahnmedizin mit einem Besetzungsstand von rund 91 % und 242 freien Plätzen. Regional fehlen die meisten Fachärzte in Tirol mit 18 offenen Stellen, bei den Allgemeinmedizinern liegt das Burgenland mit 6 unbesetzten Plätzen voran. Gesundheitsministerin Korinna Schumann verweist auf ein dichtes Versorgungsnetz, räumt aber Nachbesetzungs- und Verteilungsprobleme durch den Generationenwechsel ein. Die Gesundheitskasse kündigte einen Ausbau um rund 380 Sachleistungsstellen (+3,7 %) an, darunter 126 neue Primärversorgungseinheiten und 37 fachärztliche Zentren. [Quellen: ÖGK, APA via Medienberichte | Reaktionen: Die Grünen]
🇪🇺 Warenhandelsüberschuss der Eurozone um 88 % gesunken. Der Warenhandelsüberschuss der Eurozone ist im 1. Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 88 % geringer ausgefallen. Im 1. Halbjahr 2025 lag dieser bei 82,2 Mrd. Euro, in diesem Jahr beträgt er 9,8 Mrd. Euro. Die Exporte in Drittstaaten sanken um 0,2 %, während die Importe um 4,9 % stiegen. Gleichzeitig stieg der Handel innerhalb der Eurozone um 4,7 %. Die EU verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Defizit von 14,9 Mrd. Euro, nach einem Überschuss von 74,1 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Handel unter den EU-Mitgliedsstaaten stieg um 5,7 %. [Quelle: Eurostat]
🇩🇪 Studie: Höhere Verteidigungsausgaben bringen wenig Wachstum. Jeder zusätzlich für Verteidigung eingesetzte Euro bringt der deutschen Wirtschaft laut einer Analyse des IW Köln nur etwas mehr als einen Euro Wachstum, positive Folgeeffekte wie bei Infrastrukturinvestitionen bleiben gering. Der geplante fiskalische Stimulus von 95 Mrd. Euro bis 2030 würde demnach einen kumulierten BIP-Effekt von gut 96 Mrd. Euro ergeben. „Panzer sind nicht die neuen Autos für die deutsche Wirtschaft“, so IW-Experte Klaus-Heiner Röhl. Die Verteidigungsindustrie wachse zwar stark, sei aber zu klein, um die deutsche Wirtschaft zu tragen. Finanziert werden die Mehrausgaben über eine Ausnahme von der Schuldenbremse. Dadurch soll die Staatsverschuldung bis zum Ende des Jahrzehnts um rund 64 Mrd. Euro höher liegen als ohne die zusätzlichen Verteidigungsausgaben. [Quelle: IW Köln]
🇩🇪 Beschäftigung in der deutschen Autoindustrie auf tiefstem Stand seit 2005. Im Juni 2026 arbeiteten 691.498 Menschen in der deutschen Autoindustrie, so wenige wie seit Beginn der vergleichbaren Zeitreihe 2005 nicht. Der Höchststand wurde mit 841.872 im Juli 2018 verzeichnet. Zum Ende des 1. Halbjahres 2026 ging die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,8 % bzw. 42.300 Stellen zurück. Innerhalb der Branche sanken die Beschäftigtenzahlen bei den Herstellern um 6,1 % und bei den Zulieferern von Teilen und Zubehör um 7,6 %. Währenddessen stieg die Beschäftigung bei Zulieferern von Karosserien, Aufbauten und Anhängern um 10 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt – Übersicht, Daten 2005-2026]
🇩🇪 🇺🇸 Deutsche Unternehmen senken US-Investitionen um zwei Drittel. Im 1. Halbjahr 2026 gingen die Investitionen deutscher Unternehmen in den USA im Vorjahresvergleich um rund zwei Drittel zurück. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2024 beträgt der Rückgang 80 %. Mit Direktinvestitionen von 4,3 Mrd. Euro wurde, laut einer Reuters vorliegenden Studie des Instituts der deutsch Wirtschaft, der tiefste Stand seit 3 Jahren erreicht. „Damit setzt sich der Abwärtstrend fort, der seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit im Januar 2025 zu beobachten ist“, erklärte die IW-Forscherin Samina Sultan gegenüber Reuters. [Quelle: Reuters]
Wochenvorschau
Am Montag empfängt Innenminister Gerhard Karner den dänischen Migrationsminister Morten Bødskov zu einem Arbeitsgespräch in Wien. In Luxemburg veröffentlicht Eurostat Daten zu den Unternehmensgründungen und Insolvenzen im Juni 2026. Abends ist Außenministerin und Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger zu Gast im ORF-Sommergespräch.
Am Dienstag tritt Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ihren dreitägigen Finnland-Besuch an. Außerdem veröffentlicht Eurostat die Bildungsausgaben aus dem Jahr 2023.
Am Mittwoch veröffentlichen die Statistik Austria und Eurostat die endgültigen Juli-Inflationsraten. Zudem publiziert Eurostat die „Offenen Stellen“ sowie den „Arbeitskostenindex“ aus dem 2. Quartal 2026.
Am Donnerstag veröffentlicht Eurostat Daten zur Produktion im Baugewerbe aus dem Juni und dem 2. Quartal 2026.
Am Freitag gibt S&P Global den „Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe sowie Dienstleistungen Eurozone August“ bekannt. Die EU-Kommission veröffentlicht das Verbrauchervertrauen in der Eurozone für den August.
Selektive Agenda:
Heute, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht „Unternehmensgründungen und Insolvenzen Juni 2026“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Marc Oliver Nissen übernimmt mit 1. Oktober die Position des Chief Revenue Officer (CRO) bei kununu. Valentina Sadlo verstärkt das Content-Team von Ben Doro Dad.
Geburtstage: Wir gratulieren Doris Golpashin, Michael Woltran, Boris Nemšić, Michael Krammer, Anton Pfeffer und Igor Sekardi zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
21:00 Uhr, Wien: ORF-Sommergespräch mit Außenministerin und Neos-Bundesvorsitzender Beate Meinl-Reisinger [Info]