Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Warnung vor „Bürokratiekeule“ bei Lohntransparenz. Gemäß der EU-Lohntransparenz-Richtlinie müssen Unternehmen Informationen über die von ihnen gezahlten Löhne veröffentlichen und Maßnahmen ergreifen, wenn die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern 5 % übersteigt. Österreich muss diese Richtlinie bis 7. Juni 2026 umsetzen. WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger warnt dabei vor einer „Übererfüllung“, was die Richtlinie zur „nächsten Bürokratiekeule“ machen würde. Österreich habe mit dem System der Kollektivverträge bereits ein funktionierendes System, so Danninger. Auch die IV warnt vor einer „massiven Bürokratiebelastung“. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian ortet eine „Verzögerungstaktik“ und eine „Blockade“ der Richtlinie. Das zuständige Sozialministerium verweist auf Selektiv-Anfrage darauf, dass sich die Sozialpartner derzeit in „intensiven Verhandlungen“ befinden. Das Ministerium erwartet sich ein „tragfähiges Ergebnis“, das dann für die Betriebe auch „gut umsetzbar“ sein soll. [Quellen: Europäischer Rat, Danninger auf Linkedin, WKÖ, ÖGB, BMASK | Reaktionen: BMFWF, Wirtschaftsbund, AK, IV]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,879 Euro für Diesel und 1,678 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni liegt heute Morgen bei 94,85 Dollar, ein Rückgang um 0,30 %. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag zu Handelsschluss am Montag bei 39,73 Euro pro MWh und damit um 4,3 % niedriger als Montagfrüh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
Kommentar: Spannungen zwischen Populismus und Wissenschaft – es muss diskutiert werden!
von Markus Hengstschläger
Der amtierende US-Präsident verkörpert quasi stellvertretend für viele andere Politikerinnen und Politiker auf dieser Welt die Spannungen zwischen Populismus und Wissenschaft. Einerseits muss Wissenschaft laufend und sorgfältig erläutert werden, damit die Begeisterung dafür über alle Generationen hinweg und vor allem bei jungen Menschen entfacht und gepflegt werden kann. Und andererseits müssen wissenschaftliche Erkenntnisse sorgfältig diskutiert und auch ethisch eingeordnet werden.
💡 Arbeitslosigkeit steigt – Beschäftigung älterer Frauen wächst stärker. Seit der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters ist die Arbeitslosigkeit bei 60- bis 64-jährigen Frauen deutlich gestiegen. Im März 2026 waren 7.045 Frauen dieser Altersgruppe arbeitslos – rund dreieinhalbmal so viele wie Anfang 2024. Gleichzeitig ist die Zahl der unselbstständig beschäftigten Frauen von 60 bis 64 Jahren auf 85.138 geklettert – eine Verdoppelung zum Ausgangswert (Dez. 2023: 42.385). Christine Mayrhuber, Vorsitzende der Alterssicherungskommission bilanziert bei einer Pressekonferenz: „Frauen, die eine Beschäftigung haben, bleiben dabei und verlängern ihre aktive Erwerbstätigkeit.“ Ingrid Korosec (Seniorenbund) und Birgit Gerstorfer (Pensionistenverband) fordern einen „Schulterschluss“ von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Staat. Es brauche ein Umdenken bei Unternehmen in Bezug auf ältere Arbeitskräfte sowie eine Bonus-Malus-Regelung in der Arbeitslosenversicherung für Betriebe, die ältere Mitarbeiterinnen halten oder einstellen. [Quellen: AMS, APA via Medienberichte, Pensionistenverband auf Facebook | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 OMV greift auf Rohölreserve zurück. Die OMV erwirbt 56.000 Tonnen der 325.000 Tonnen Rohöl, die im März koordiniert über die Internationale Energieagentur freigegeben wurden. Das Rohöl wird zu „marktüblichen Preisen“ angekauft. Die Mengen müssen in einer heimischen Raffinerie verarbeitet werden und dürfen ausschließlich im Inland abgegeben werden. Die österreichische Pflichtnotstandsreserve umfasst insgesamt 2,47 Mio. Tonnen Rohöl, Benzin, Diesel und Kerosin – die aktuelle Tranche entspricht somit 2 % der gesamten Reserve. Derzeit besteht laut OMV kein akutes Versorgungsproblem in Österreich. IHS-Ökonom Klaus Weyerstrass erwartet durch die Umsetzung der bereits am 11. März verkündeten Freigabe „keine dämpfende Wirkung“ auf die Treibstoffpreise. Ob die drohende Versorgungsknappheit bei Kerosin und Diesel verbessert werden kann, hänge davon ab, ob die „ohnehin schon stark ausgelasteten Raffinerien“ diese zusätzlichen Mengen verarbeiten können. [Quellen: OMV, Ö1 | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 Erste Details zur Reform der betrieblichen Vorsorge. Die Krone hat erste Details zur Reform der betrieblichen Vorsorge in Erfahrung gebracht. Jeder Arbeitnehmer soll gemäß des Generalpensionskassenvertrags Geld aus der Abfertigungskasse in die Pensionskasse übertragen können. Wahlweise werde statt einer 100-%-Kapitalgarantie auch eine renditestärkere Veranlagung möglich sein. Eine komplette Herausnahmemöglichkeit der Ansprüche zum Pensionsantritt soll laut Krone-Informationen nicht möglich sein. [Quelle: Krone | Grafik: Inflation überholt betriebliche Vorsorgekassen]
🇦🇹 Pensionskassen im 1. Quartal 2026 im Minus. Die Anlagen der österreichischen Pensionskassen haben zum Ende des 1. Quartals 2026 ein Minus von 0,99 % verzeichnet. Zum 15. April 2026 lagen sie bereits wieder mit +1,32 % im positiven Bereich. Die durch den Irankrieg ausgelösten Unsicherheiten haben im 1. Quartal und darüber hinaus für erhöhte Volatilität gesorgt. Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen in der WKÖ, zeigt sich dennoch zuversichtlich: Er rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einer „durchwegs positiven Jahresperformance“. Entscheidend sei die langfristige Entwicklung – diese liege derzeit bei einer Durchschnittsrendite von rund 5 %. [Quelle: Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen]
🇦🇹 Spritkosten für einen LKW „um rund 18.500 Euro pro Jahr“ gestiegen. Die Transportbranche bekräftigte gestern beim „Tag der NÖ Transporteure“ erneut den Ruf nach einem Aussetzen des CO₂-Preises auf Diesel. Seit Jahresbeginn ist der Dieselpreis um 40 % gestiegen. Dadurch ergeben sich laut Wirtschaftskammer NÖ für einen durchschnittlichen schweren LKW mit einer Jahresfahrleistung von 100.000 km Mehrkosten von rund 18.500 Euro pro Jahr. Zusätzlich fallen durch gestiegene Mauttarife Mehrkosten von 4.092 Euro pro Lkw und Jahr an. „Ein Gewerbediesel ist keine Subvention, sondern eine punktuelle und sachlich begründete Rückführung von Mehreinnahmen“, sagte Transport-Spartenobfrau Beate Färber-Venz. Auch die WKÖ-Spitze stellte sich hinter die Forderung – mittlerweile seien nahezu alle Branchen von den höheren Treibstoffpreisen betroffen. [Quellen: WKNÖ, Wirtschaftsbund, WKÖ]
🇦🇹 Dieselverbrauch in Österreich seit 2019 deutlich gesunken. 2019 wurden in Österreich 8,39 Mrd. Liter Diesel getankt. Bis 2025 ging der Verbrauch auf 6,16 Mrd. Liter zurück, was einem Rückgang von 27 % entspricht. Derzeit ist der Dieselverbrauch laut VCÖ knapp dreimal so hoch wie der Benzinverbrauch, während 1990 das Verhältnis umgekehrt war. Vor dem Hintergrund des Irankriegs und erwarteter Lieferengpässe ab Mai fordert der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ein Maßnahmenpaket zur Reduktion des Spritverbrauchs. [Quelle: VCÖ – 2026, 2018]
🇦🇹 Österreichisches Hochschulsystem benötigt Strukturreformen. Der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (Forwit) hat gestern Abend seine Analyse des österreichischen Hochschulsystems vorgestellt – als Grundlage für die von der Bundesregierung geplante Hochschulstrategie 2040. Das Fazit ist durchwachsen: Österreich gibt annähernd so viel für sein Hochschulsystem aus wie die führenden Innovationsländer Dänemark, Finnland, Niederlande und Schweden, erzielt aber deutlich schlechtere Ergebnisse. Nur 29 % der 25- bis 34-Jährigen haben hierzulande einen Hochschulabschluss – in den Niederlanden sind es 54 %, in Dänemark 46 %. Als klare Stärke hebt der Forwit die ausgeprägte Kooperationskultur zwischen Hochschulen und Wirtschaft hervor. Als zentrale Schwachstellen identifiziert die Analyse u. a. ein wenig leistungsorientiertes Finanzierungssystem sowie hohe Studienabbruchquoten. Die Empfehlung: eine Harmonisierung des Studienrechts, neue wissenschaftliche Karrierepfade nach internationalem Vorbild (Tenure Track, PI-Modell) sowie eine leistungsbasierte Finanzierung. [Quelle: Forwit – Aussendung, Analyse]
🇦🇹 Budget-Treffen auf höchster Ebene. Das Treffen der Parteispitzen mit Finanzminister Markus Marterbauer, Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl und Neos-Vertreter Armin Hübner zum Doppelbudget soll dem Vernehmen nach heute über die Bühne gehen, nachdem es am Sonntag verschoben wurde. Eine Kommunikation zu diesem Treffen ist jedoch nicht geplant. Wenn die groben Pflöcke eingeschlagen sind, geht es in die Detailverhandlungen mit den Ressorts. Als Knackpunkte gelten Einsparungen durch geringere Anpassungen bei den Pensionen und Beamten, Mehreinnahmen durch zusätzliche Steuern und Abgaben sowie Offensivmaßnahmen wie eine Senkung der Lohnnebenkosten. Zuletzt mehrten sich die Stimmen, dass im Bund zusätzlich mehr eingespart werden sollte, als die 2 Mrd. Euro, die der Finanzminister anpeilt. [Quellen: APA via Medienberichte, Selektiv]
🇩🇪 Deutsche Industrie rechnet heuer mit Stagnation. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) prognostiziert für 2026 eine Stagnation der Produktion im verarbeitenden Gewerbe. Bei einer erneuten Eskalation des Irankriegs und einer anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus drohe sogar das 5. Jahr in Folge mit einem Produktionsrückgang. Bereits im Jänner und Februar 2026 sei die Produktion im Vorjahresvergleich um 1,2 % gesunken. Für den Euroraum erwarte der BDI hingegen ein Produktionswachstum von 0,5 %. BDI-Präsident Peter Leibinger betonte, die deutsche Wachstumsschwäche sei nicht primär auf geopolitische Entwicklungen zurückzuführen, sondern auf strukturelle Faktoren: hohe Lohnstück- und Lohnnebenkosten, eine hohe Steuer- und Bürokratielast sowie hohe Energiekosten. Der Standort Deutschland sei derzeit nicht mehr wettbewerbsfähig. Da der Staat Unternehmen nicht gegen externe Krisen versichern könne, sei eine wachstumsorientierte Politik notwendig, die Investitionen ermögliche. Der BDI fordert die Bundesregierung deshalb bis zum Sommer zu einem Reformpaket zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf. [Quellen: BDI – Industrieberichte Jänner und April, Leibinger]
🇩🇪 Deutsche Erzeugerpreise mit stärkstem monatlichen Anstieg seit 2022. Die deutschen Erzeugerpreise sind im März infolge des Irankriegs gegenüber dem Vormonat um 2,5 % gestiegen – der stärkste Zuwachs seit August 2022 (+5,4 %). Im Vorjahresvergleich ist hingegen ein Rückgang von 0,2 % zu verzeichnen. Ursächlich für diese gegensätzliche Entwicklung ist der Energiesektor: Während stark gestiegene Preise für Mineralölerzeugnisse den monatlichen Anstieg trieben, führten Preisrückgänge bei Erdgas und Strom zum Rückgang der Erzeugerpreise gegenüber dem März 2025. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
Selektive Agenda:
Heute, Luxemburg: Außenministerin Meinl-Reisinger beim EU-Außenministerrat
9:00 Uhr, Wien: Veröffentlichung des „Austrian Startup Monitor 2025“ im Wirtschaftsministerium
9:30 Uhr, Brüssel: Informelle Online-Konferenz der EU-Verkehrsminister
14:00 Uhr, Wien: Bildungsminister Wiederkehr präsentiert seinen „Plan Zukunft“
14:30 Uhr, Wien: Klima- und Energiefonds veröffentlicht „Erneuerbare Energiepotenziale in Österreich für 2030 und 2040“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Steve Kovacic wird mit Mai neuer Sales Director Immobilien bei willhaben. Sascha Zabransky ist neuer Geschäftsführer von Wien Energie. Rudolf Krickl bleibt für weitere 4 Jahre PwC-Österreich-Chef. Daniel Huber wird Sponsoring-Marketingmanager, Markenbotschafter und Testimonial bei Hargassner. Stefan Kotynek ist neuer Senior Vice President B2B bei Neoh. John Ternus wird mit dem 1. September neuer Apple CEO; Tim Cook wird Vorsitzender des Aufsichtsrats.
Geburtstage: Wir gratulieren Markus Achatz, Karl Baron, Eduard Strauss III., Xaver Schwarzenberger und Markus Kiesenebner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
11:00 Uhr, Klagenfurt: Die Alpen-Adria-Universität lädt zur Podiumsdiskussion „Das Bild Kärntens im Wandel. Was soll man sich in Zukunft über Kärnten erzählen? Die Macht von Bildern, Medien und Vordenker in einem Bundesland im Aufbruch“ mit Karin Bernhard, Sabine Herlitschka, Ada Pellert, Nadja Kayali, Wolfgang Fercher [invite only]
18:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Österreichisches Jahrbuch für Politik 2025“ im Parlament u. a. mit Christian Stocker, Wolfgang Hattmannsdorfer, Christian Helmenstein, Andreas Khol, Wolfgang Sobotka, Franz Schellhorn anschl. Diskussion „Von der Unzufriedenheit zum Aufbruch. Was jetzt not tut“ [Info]
18:30 Uhr, Wien: Salon Z „Zukunft der Finanzindustrie zwischen technologischer Disruption und geopolitischen Verwerfungen“ u. a. mit Martin Kocher, Eva Landrichtinger und Lukas Enzersdorfer-Konrad in der Galerie Layr [invite only]
18:30 Uhr, Wien: Neos-Podiumsdiskussion zu Reformen des österreichischen Steuersystems mit Margit Schratzenstaller, Jana Schultheiß, Alfred Heiter, Matthias Petutschnig, Stefan Schuster und Markus Hofer [Info]