Morning in Brief ・ 04.11.2026

Morning in Brief, 4. November 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern, Stephan Frank, Sara Grasel und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Kanzler will Flugabgabe senken, Finanzminister skeptisch. Die AUA erhält vom Mutterkonzern Lufthansa vorerst keine weiteren neuen Langstreckenflugzeuge des Typs Boeing 787 Dreamliner – sie werden in der Gruppe „anderweitig eingesetzt“. Begründet wird der Schritt mit zu hohen Standortkosten. Laut einer Studie im Auftrag des deutschen Verkehrsministeriums von 2025 sind die Standortkosten an den österreichischen Flughäfen zwischen 2019 und 2024 um etwa 40 bis 55 % gestiegen. Bundeskanzler Christian Stocker sagte der Kleinen Zeitung gestern: „Wir werden die Flugabgabe senken“. Finanzminister Markus Marterbauer zeigte sich skeptisch. Er rechnet 2027 mit Einnahmen von 190 Mio. Euro, auf die „wir im Budget schlecht verzichten können“. Laut Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl sei man aber dabei, „konstruktive Gespräche zu führen, um eine Lösung zu finden“. Zuletzt hatten sich auch Landeshauptleute für eine Senkung ausgesprochen – laut Profil setzt sich nun auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner dafür ein. [Quellen: Kleine Zeitung, Studie, Marterbauer und Eibinger-Miedl, Profil | Grafik: Österreich macht Fliegen teurer]

Kommentar: Mehr Finanzbildung allein macht noch keine Aktionäre
von Carmen Treml

Die Österreicher sind Musterschüler beim Sparen, beim Investieren brauchen sie aber dringend Nachhilfe. Am Wissen allein scheitert es nicht. Wer mehr Menschen an den Kapitalmarkt bringen will, muss auch dafür sorgen, dass ihnen am Monatsende etwas zum Anlegen bleibt. Großes Potenzial, mehr Menschen zum Investieren zu bewegen, liegt im Steuersystem. Statt Mehrarbeit zu belohnen, bestraft Österreich jeden Extraschritt.

💡 Inflation verstanden, Anleihen kaum. Mit der neuen Finanzbildungsstrategie will die Regierung das Finanzwissen bis 2035 stärken. Wie es darum steht, hat die EU-Kommission zuletzt 2023 erhoben. Bei der Inflation kennen 73 % der Österreicher die richtige Antwort, deutlich mehr als im EU-Schnitt. Beim Zinseszins sind es nur 44 %, bei der Frage, wie Anleihekurse auf steigende Zinsen reagieren, nur 21 %. Fast 3 von 10 können dort keine Antwort geben. Insgesamt beantworten 28 % mindestens 4 der 5 Fragen richtig, knapp mehr als im EU-Schnitt. [Quelle: Europäische Kommission | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger] 

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Handels-KV: Arbeitgeber bieten +2,1 %. In der 2. Verhandlungsrunde zum Handels-KV haben die Arbeitgeber ein Angebot von einem Gehaltsplus von 2,1 % und einer Einmalzahlung von 350 Euro vorgelegt. Zu einer Einigung kam es nicht – die Arbeitnehmer fordern unverändert +3,8 %. Die rollierende Inflation liegt bei rund 3,3 %. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 17. November statt. [Quellen: WKÖ, GPA]

🇦🇹 Österreichs Exportmarktanteil seit 2010 rückläufig. Der Anteil österreichischer Warenexporte an den weltweiten Exporten ist laut einer Analyse der UniCredit Bank Austria von 0,93 % im Jahr 2010 auf 0,85 % im Jahr 2024 gesunken, ein Rückgang von rund 9 %. 2024 lag er bei 0,85 %. Marktanteile gingen sowohl auf Österreichs Kernabsatzmärkten als auch in weiteren Ländern verloren. Gleichzeitig holen asiatische Volkswirtschaften bei technologie- und wissensintensiven Produktgruppen auf, die für Österreich zentral sind. Alle Bundesländer haben Exportmarktanteile verloren. Die größten relativen Rückgänge verzeichneten Kärnten, Tirol und Niederösterreich. Die Steiermark verzeichnete die geringsten Verluste. Österreichs langfristige Wettbewerbsfähigkeit hänge von technologischer Führerschaft, Innovationsfähigkeit und einer laufenden Diversifizierung von Produkten und Absatzmärkten ab, so die Bank Austria. [Quellen: UniCredit Bank Austria – Übersicht, Bericht]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update – Europas Gasspeicherstände könnten auf unter 10 % sinken. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt für Dezember ist von 94,60 Euro/MWh um rund 3,2 % auf 91,60 Euro/MWh gesunken. Die heimischen Gasspeicher sind derzeit zu 66,0 % gefüllt. Simulationen der Internationalen Energieagentur zeigen, dass die europäischen Gasspeicherstände bis Ende März auf unter 10 % sinken könnten. Europa sei Markt- und Wetterschocks dadurch stärker als sonst ausgesetzt. Das Wiederauffüllen der Speicher würde die angespannte Marktlage dann bis in den Sommer 2027 verlängern. Das globale LNG-Angebot soll laut IEA-Analyse heuer um 3 % bzw. 20 Mrd. Kubikmeter (bcm) zurückgehen, die weltweite Gasnachfrage um 1,5 % bzw. 65 bcm sinken. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Jänner ist von 104,87 Dollar um rund 1,0 % auf 103,78 Dollar gesunken. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,146 Euro für Diesel und 1,739 Euro für Benzin. [Quellen: Gaspreis, Gasspeicherstand, IEA – Aussendung, Global Gas Security Review 2026; Ölpreis, Spritpreise | Interview: „Spiel mit dem Feuer, auf einen milden Winter zu hoffen“]

🇦🇹 Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe leicht gesunken. Die Oesterreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) hat gestern eine 10-jährige Bundesanleihe um 800 Mio. Euro aufgestockt, die Rendite ist dabei von 3,570 % auf 3,553 % gesunken. Die 4-jährige Anleihe wurde um 700 Mio. Euro aufgestockt, die Rendite ist von 3,169 % auf 3,203 % gestiegen. Laut OeBFA-Geschäftsführer Markus Stix verzeichnet Österreich mit einer seit Jahresbeginn durchschnittlich mehr als 3-fachen Überzeichnung die höchste Nachfrage nach Staatsanleihen in der Eurozone. Der Spread zur deutschen Anleihe liegt bei der 10-jährigen Anleihe bei 26 Basispunkten und bei der 4-jährigen bei 11. Das Doppelbudget 2027/2028 trägt laut Stix wesentlich zum Vertrauen der Investoren bei. Im Bundesschatz sind aktuell rund 14 Mrd. Euro investiert, davon rund 4 Mrd. von öffentlichen Einheiten. Laut Stix könnte die Schuldenquote Österreichs rechnerisch von 81 auf 76 % des BIP gedrückt werden, wenn auch die übrigen liquiden Mittel des öffentlichen Sektors i. H. v. 27 Mrd. Euro in den Bundesschatz investiert werden. [Quellen: OeBFA, APA via Medienberichte]

🇦🇹 Prognose: 90 % E-Auto-Anteil bis 2030. Österreichs Leitstelle für Elektromobilität (OLÉ) prognostiziert für das laufende Jahr einen E-Auto-Anteil bei den Pkw-Neuzulassungen von 28 %. Bereits 2028 soll dann jeder zweite Neuwagen ein Elektroauto sein. Für das Jahr 2030 wird ein E-Auto-Anteil von 90 % prognostiziert. Der E-Auto-Bestand soll bis 2030 auf 1,07 Mio. Fahrzeuge anwachsen, rund ein Drittel aller Pkw in Österreich wären dann Elektroautos. Derzeit sind rund 5 % des Pkw-Bestands vollelektrisch, der Anteil unter den Neuzulassungen lag im September bei 33,6 %. [Quelle: OLÉ | Grafik: Jeder dritte Neuwagen ist ein E-Auto]

🇦🇹 IV-Ochsner: Mehr Arbeit oder weniger Feiertage. Der niederösterreichische IV-Präsident Kari Ochsner fordert die Regierung auf, die notwendigen Reformen umzusetzen. „Wir brauchen endlich große Reformen und nicht nur kleine Reförmchen“, so Ochsner zu Heute. Das Pensionsantrittsalter müsse schrittweise um 2 oder 3 Jahre angehoben werden. Als Alternative zur Erhöhung der Wochenarbeitszeit könnten laut Ochsner auch 1 oder 2 Feiertage gestrichen werden. Gewerkschaft und SPÖ lehnen die Vorschläge ab. Mit 13 gesetzlichen Feiertagen und 25 Tagen Mindest-Urlaubsanspruch liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. Nur Malta liegt mit 42 Tagen vor Schweden und Österreich mit jeweils 38 Ruhetagen. Dänemark hat 2024 einen Feiertag zur Finanzierung höherer Verteidigungsausgaben gestrichen und kommt auf 35 Ruhetage. [Quelle: Heute | Reaktionen: SPÖ – Seltenheim, Muchitsch; ÖGB | Grafik: Österreicher haben mindestens 38 Tage frei]

🇦🇹 Digitaler Beleg wird noch wenig genutzt. Seit 1. Oktober 2026 können Registrierkassenbelege digital via E-Mail, Download oder QR-Code ausgegeben werden, Betragsobergrenze gibt es dabei keine. Diese Möglichkeit wird von den heimischen Unternehmen aber „noch nicht so stark in Anspruch genommen“, so Christian Ackerler, der Leiter des Amts für Betrugsbekämpfung. Das Finanzministerium hat daher eine Informationskampagne gestartet, um Kunden dazu zu motivieren, einen (digitalen) Beleg zu verlangen. Neben der Kampagne soll das Amt für Betrugsbekämpfung mit Jahresbeginn zusätzliche personelle Ressourcen erhalten, um die „noch immer bestehenden Registrierkassenverfehlungen entsprechend aufzudecken“, kündigte Finanzminister Markus Marterbauer an. [Quelle: BMF – Aussendung, Pressekonferenz | Service: Infokampagne]

🇪🇺 EU und London planen Abbau von Handelshürden. Laut einem vertraulichen Entwurf für den EU-Großbritannien-Gipfel am 20. November, der dem Handelsblatt vorliegt, sollen beim Handel mit Agrar- und Lebensmitteln die meisten Grenzkontrollen wegfallen, im Gegenzug übernimmt London EU-Standards. Außerdem sollen die Emissionshandelssysteme verknüpft und Waren gegenseitig vom CO₂-Grenzausgleich (CBAM) befreit werden. Ein Mobilitätsprogramm würde jungen Menschen bis zu 3 Jahre Leben und Arbeiten im jeweils anderen Raum erlauben. Bei Stahl, E-Autos und kritischen Technologien soll London Schutzmaßnahmen mit gleicher Wirkung wie die EU einführen. Die 3 Abkommen sollen laut EU-Diplomaten erst in Kraft treten, wenn London bei den Studiengebühren für EU-Studierende nachgibt. Die Verhandlungen dazu sollen binnen 6 Monaten abgeschlossen werden. [Quelle: Handelsblatt]

🇩🇪 Deutschland fördert 11 neue Gaskraftwerke. Die deutsche Bundesnetzagentur hat die ersten Zuschläge für neue Gaskraftwerke vergeben, die bei wenig Wind und Sonne mindestens 10 Stunden am Stück Strom liefern können. Die 11 Projekte mit insgesamt rund 5.160 Megawatt erhalten eine jährliche Vergütung von durchschnittlich 155.296 Euro pro Megawatt dafür, dass sie ihre Leistung bereithalten. Rechnerisch ergibt das rund 800 Mio. Euro pro Jahr bzw. rund 12 Mrd. Euro über die Laufzeit von 15 Jahren. Finanziert werden soll das über eine neue Umlage für Stromkunden. Von den 11 Zuschlägen gingen 7 an die Lausitz Energie Kraftwerke AG bzw. eine Tochter und 3 an RWE. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche spricht von einem „großen Erfolg“. Der Wettbewerb unter den Bietern senke die Kosten für die Absicherung der Stromversorgung. „Spätestens ab 2031“ sollen die Gaskraftwerke einspringen und damit den Ausbau der Erneuerbaren und den Kohleausstieg absichern, so Reiche. [Quellen: Deutscher Bundestag, Bundesnetzagentur, Dt. Wirtschaftsministerin | Service: StromVKG]

🇺🇸Demokraten erobern in Texas erstmals seit 1988 Senatssitz. Der Demokrat James Talarico hat bei den US-Zwischenwahlen in Texas den von Präsident Donald Trump unterstützten Republikaner Ken Paxton geschlagen. Der Sieg war Teil eines landesweiten Erfolgs. Laut Projektionen von NBC News gewannen die Demokraten die Mehrheit in beiden Kongresskammern. Im Senat holten sie außerdem Sitze in Ohio, Kansas, North und South Carolina. Für das Repräsentantenhaus erwartet NBC mindestens 252 demokratische Sitze, nötig sind 218. Trump kündigte gegenüber der New York Times an, das Ergebnis zu akzeptieren: „Wir werden mit den Demokraten zusammenarbeiten.“ [Quellen: Reuters, NBC News, NPR/AP Trump via New York Times]

🌐 Notenbanken kaufen mehr Gold. Die Notenbanken haben im 3. Quartal 2026 laut World Gold Council (WGC) 321 Tonnen Gold gekauft, 42 % mehr als im Vorjahresquartal. Die größten Käufer waren China und Polen. Seit Jahresbeginn summieren sich die Käufe auf 675 Tonnen, ein Plus von 6 %. Für das Gesamtjahr erwartet der WGC nun mindestens das Niveau von 2025. Die Nachfrage für technische Anwendungen stieg im Quartal um 3 %, getrieben durch KI-bezogene Fertigung. Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn dennoch gefallen: in Dollar um rund 9 % auf zuletzt 3.947 Dollar je Feinunze, in Euro um rund 4 % auf etwa 3.530 Euro. [Quellen: WGC – Q2, Q3; Wiener Börse]

Selektive Agenda:

Heute, China: Wirtschaftsdelegation mit Bundeskanzler Stocker und Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer in China (bis 7.11.)

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die VPI-Schnellschätzung für Oktober 2026

9:00 Uhr, Frankfurt: VDMA veröffentlicht den Auftragseingang im 3. Quartal

9:00 Uhr, Wien: KV-Verhandlungen für Güterbeförderer (1. Runde) und Bahn-Beschäftigte (3. Runde)

10:00 Uhr, Wien: Industriellenvereinigung veröffentlicht Konjunkturumfrage für das 3. Quartal [Info]

10:00 Uhr, Wien: Ministerrat im Bundeskanzleramt, u. a. mit Beschluss zum Impfen in Apotheken

10:00 Uhr, London: S&P Global veröffentlicht den Oktober-Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen in der Eurozone und in Deutschland [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die Verbraucherpreise in der Eurozone für Oktober

13:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert ihr Arbeitsprogramm für 2027 [Info]

14:30 Uhr, Washington D. C.: Bureau of Economic Analysis veröffentlicht die US-Handelsbilanz für September [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Julia Fauser wird neue Personalchefin von Almdudler. Ilse Fitzbauer ist neue Präsidentin des Pensionistenverbandes Wien. Christian Steger ist der neue Bezirkshauptmann von St. Pölten. Gregor Matjan übernimmt die Leitung der Tourismusgesellschaft Salzburg (TSG).

Sehen & gesehen werden:

9:30 Uhr, Wien: Jahrestagung des Österreichischer Baustoff-Recycling Verbands (BRV)„Perspektiven für die Bau- und Recyclingwirtschaft“ [Info]

11:30 Uhr, Innsbruck: 35. Tiroler Wirtschaftsforum (invite only) [Info]

16:00 Uhr, Wien: Verleihung des 5. Marie-Jahoda-Preises u. a. mit Barbara Coudenhove-Kalergi und Gerhard Schmid [Info]

17:30 Uhr, Wien: Der Transatlantics Club lädt zum Paneltalk „Briefing the Financial Atlantic“ u. a. mit Mariana Kühnel, Nora Frizberg und Lukas Mandl ins Haus der Europäischen Union. [Info und Anmeldung]

18:00 Uhr, Wien: Verleihung des Staatspreises für Erwachsenenbildung 2026 im Haus der Begegnung, u. a. mit Eva-Maria Holzleitner [invite only]

18:30 Uhr, Wien: Das Austrian Institute lädt zu „Österreich kann mehr! Wie wir mit weniger Staat und mehr Markt wieder zu Wachstum kommen“ mit Franz Schellhorn ins Palais Eschenbach. [Info und Anmeldung]

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