Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Chemie-KV: Streiks am 10.6., Verhandlung am 11.6. Nach der 7. KV-Verhandlungsrunde in der Chemischen Industrie stehen die Zeichen wie berichtet auf Eskalation. In der Nacht auf Donnerstag ist laut Gewerkschaft offenbar der zentrale Leitstand im Chemiepark Linz heruntergefahren worden. Damit sei die Erdgas-Zuleitung unterbrochen. Das Hochfahren der Anlage werde einige Tage dauern. Immerhin steht nun ein neuer Verhandlungstermin fest: am 11. Juni werden die Gespräche fortgesetzt. Wie angedroht werden die Streiks ausgeweitet. Sie sollen bis zu 8 Stunden dauern und am 10. Juni stattfinden. Die Arbeitgebervertreter sehen dafür keine rechtliche Grundlage und drohen rechtliche Schritte an: „Sollten unseren Mitgliedsunternehmen durch diese Aktionen wirtschaftliche Schäden entstehen, werden wir selbstverständlich rechtliche Schritte setzen und die betroffenen Unternehmen umfassend unterstützen“, erklärt Arbeitgeberverhandler Ulrich Wieltsch. Die Arbeitgeberseite bot zuletzt eine sofortige Erhöhung um 0,5 % und eine Einmalzahlung oder einen Zweijahresabschluss mit +2 % ab Oktober. Die Gewerkschaft fordert ein Plus von 3 %. [Quellen: Medienberichte, FCIO, PRO-GE]
Possnig: „Das wäre unser Ticket zum Mond gewesen“
Interview mit Carmen Possnig
Europa ist im Weltraum „vollständig abhängig von anderen Playern“, sagt die ESA-Ersatzastronautin und Weltraummedizinerin Carmen Possnig. „Alles, was die menschliche Erforschung des Weltraums betrifft, und auch der Weg zur Internationalen Raumstation, läuft im Moment über die Nasa“. Europa habe keine Rakete, die stark genug ist, um aus dem niedrigen Erdorbit hinauszukommen. Wenn die Zeit der ISS in den nächsten Jahren abläuft, könnte die Lage für Europa noch schwieriger werden: „Die Frage ist dann: Haben wir als Europäer noch Zugang? Können wir unsere Forschung dort weiterhin betreiben? Können wir irgendwann eigene Astronauten dorthin schicken?“.
💡 Brüssel gibt Österreich im Defizitverfahren grünes Licht, aber der Weg bleibt lang. Die EU-Kommission bescheinigt Österreich im Frühjahrspaket 2026, seine Verpflichtungen im laufenden Defizitverfahren zufriedenstellend zu erfüllen. Das Staatsdefizit ist laut Country Report 2026 von 4,6 % des BIP (2024) auf 4,2 % (2025) gesunken; die Frühjahrsprognose erwartet 4,1 % für 2026 und 2027. Die Staatsschulden steigen dennoch weiter von rund 81,5 % des BIP (2025) auf prognostizierte 84,9 % (2027). Ziel bleibt, das Defizit bis 2028 unter die 3-%-Marke zu drücken. Brüssel mahnt jedoch, dass die bisherigen Konsolidierungsmaßnahmen angesichts des hohen Alterungsdrucks bei Pensionen, Gesundheit und Pflege nicht ausreichen. [Quelle: EU-Kommission – Aussendung der Vertretung in Österreich, Country Report Austria 2026, Ratsempfehlung, F&Q, Dokumente zum Frühjahrspaket | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Weitere Details zum Doppelbudget präsentiert. Nächste Woche Mittwoch wird Finanzminister Markus Marterbauer um 10 Uhr das Doppelbudget vorstellen. Die Staatssekretäre Leichtfried (SPÖ) und Pröll (ÖVP) sowie Klubobmann Shetty (Neos) haben diesen Mittwoch weitere Details bekanntgegeben. In der Verwaltung soll jede zweite Pensionierung nicht nachbesetzt werden, das soll 540 Mio. bis 2030 einsparen. 125 Mio. Euro sollen durch effizientere Abläufe in der Verwaltung gespart werden. Bei den Förderungen will die Regierung jährlich 800 Mio. Euro kürzen, insgesamt soll das „Förderungen-runter-Paket“ durch das Streichen von Doppel- und Dreifachförderungen 3,5 Mrd. Euro bis zum Jahr 2031 einbringen. Die Fragen nach der Kürzung der Parteienförderung und der Valorisierung der Politikergehälter sind weiterhin offen; auch fehlt weiterhin das nötige Budgetbegleitgesetz. „Das Budgetbegleitgesetz kommt ein bisschen später, weil es schwierige Verhandlungen sind“, so Neos-Klubobmann Yannick Shetty. [Quelle: Pressefoyer nach dem Ministerrat, Ministerratsbeschlüsse, BKA | Reaktionen: FPÖ/Schiefer, FPÖ/Steiner, Grüne]
🇦🇹 Industrie kurbelt Wirtschaftswachstum an. Das österreichische BIP ist vom 4. Quartal 2025 auf das 1. Quartal 2026 um 0,2 % gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lag das Wachstum bei 0,9 %. „Das Wachstum lässt sich vor allem auf die Herstellung von Waren und den öffentlichen Konsum zurückführen“, so Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk. Die Herstellung von Waren legte im Quartalsabstand um 1,0 % zu, der Bau schrumpfte um 0,6 %. Die Land- und Forstwirtschaft schrumpfte um 2,2 %, auch Handel, Verkehr und Gastronomie/Beherbergung verzeichneten ein Minus von 0,8 %. Der private Konsum stieg um 0,1 %, der öffentliche Konsum um 1,6 %, die Bruttoanlageinvestitionen stagnierten. Sowohl Exporte (-0,7 %) als auch Importe (-0,5 %) waren im 1. Quartal rückläufig. „Österreich ist bei Konjunktur und Budget auf Kurs. Baustellen bleiben hohe Inflation und Arbeitslosigkeit“, so Finanzminister Markus Marterbauer. [Quelle: Statistik Austria | Reaktionen: Marterbauer auf Bluesky, FPÖ]
🇦🇹 Wachstumsprognose für Österreich gesenkt. Die OECD schätzt Österreichs Wirtschaftswachstum in ihrer Frühjahrsprognose mit 0,7 % nun niedriger ein als noch im Herbst (+0,9 %). Für 2027 erwartet die OECD ein Wachstum von 1,1 statt 1,2 %. Im Schnitt sollen die OECD-Staaten heuer um 1,5 % und nächstes Jahr um 1,7 % wachsen. Die Jahresinflation soll in Österreich bei 2,8 % zu liegen kommen und 2027 auf 2,4 % sinken. Die Prognose ist mit Abwärtsrisiken behaftet, das Wachstum könnte durch eine längere Störung der Energiemärkte „erheblich verlangsamt“ werden. Die OECD empfiehlt Österreich daher den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energieträger sowie des Stromnetzes, um die Energiekosten zu senken und die Energiesicherheit zu erhöhen. [Quelle: OECD Economic Outlook | Reaktionen: ÖGB]
🇦🇹 Trockenheit drückt Wasserkraftproduktion. Im April ist die Stromproduktion aus Wasserkraft im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,4 % gesunken, auch die Windkraftproduktion ist um 1,3 % gesunken. Photovoltaik konnte um 18,1 % zulegen, die Verluste aber nicht ausgleichen. Insgesamt ging die erneuerbare Produktion im Jahresvergleich um 5,1 % zurück. „Damit Sonne und Wind die Trockenheit kompensieren könnten, müssten sie abgestimmt mit Netzen und Speichern massiv ausgebaut werden“, so APG-Vorstand Gerhard Christiner. Der Stromverbrauch ist im April um 1,8 % gestiegen, mit 1,89 TWh musste um 15,1 % mehr Strom importiert werden als im Vorjahresmonat. Auch der Gasverbrauch hat um 5,4 % zugelegt. [Quellen: APG, E-Control]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,817 Euro für Diesel und 1,714 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August liegt heute bei 95,32 Dollar, ein Rückgang um 1,5 % zu Mittwoch. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Freitagfrüh bei 49,25 Euro pro MWh, ein Anstieg um 1,6 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Erwerbstätigkeit über 60-jähriger Frauen gestiegen. Im 1. Quartal 2026 war ein knappes Drittel (32,2 %) aller 60- bis 64-jähriger Frauen erwerbstätig, vor der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters war es nur ein knappes Fünftel (18,2 %). Im Jahresabstand gab es in dieser Altersgruppe einen Zuwachs von 20.200 erwerbstätigen Frauen, „was vor allem mit der schrittweisen Anhebung des Pensionsantrittsalters von Frauen zusammenhängt“, so Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk. [Quelle: Statistik Austria | Grafik: Was die Anhebung des Frauenpensionsalters bringt]
🇦🇹 Österreicher kaufen wieder mehr in Geschäften. Die Einzelhandelsausgaben österreichischer Haushalte knackten 2025 erstmals die 80-Mrd.-Euro-Marke (80,7 Mrd., +2,6 % nominell), blieben aber real mit +0,8 % im Wachstum verhalten. Der stationäre Handel hält sich mit 87 % Anteil stabil. Bei Mode und Sportartikeln sinken die Online-Quoten sogar – auf 29,3 bzw. 14,8 % – während die Gesamtausgaben in diesen Segmenten um 3,3 bzw. 3,6 % zulegen. Medikamente legten um 8,6 % zu, Online-Ausgaben für das Segment sogar um 13,5 %. Online-Lebensmittelkäufe sinken das 4. Jahr in Folge, der Anteil liegt nur noch bei 2,2 %, auch weil sich mehrere Handelsketten aus dem Zustellgeschäft zurückgezogen haben. „Während manche Branchen weiterhin stark digital wachsen, erleben andere Warengruppen eine Renaissance des stationären Einkaufs“, erklärt Handelsverbands-Chef Rainer Will. [Quelle: Handelsverband – Aussendung, Studie „Handel in Zahlen“ 2025]
🇦🇹 Streit um Sanktionsstrafen. Die EU hat seit Mai 2025 einheitliche Standards für Sanktionsverstöße, doch Österreich hat die Richtlinie noch nicht umgesetzt. Gestern wurde ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Die EU-Richtlinie sieht für Unternehmen Geldbußen bis zu 5 % des weltweiten Jahresumsatzes, maximal 40 Mio. Euro, vor. Auch grob fahrlässige Verstöße bei Militär- und Dual-Use-Gütern werden laut Entwurf geahndet. Laut Presse-Informationen hat die ÖVP Bedenken bei den vorgesehenen Strafen. Die Koalition streitet noch über das umsatzbasierte Strafbemessungssystem. Die WKÖ fordert Ausnahmen. [Quellen: EU-Kommission, Die Presse]
🇪🇺 EU lockert Schuldenregeln für Energiewende. Angesichts der durch den Irankrieg ausgelösten Energiekrise weitet die EU-Kommission die bestehende nationale Ausweichklausel für Verteidigungsausgaben aus. Mitgliedstaaten können nun beantragen, dass ein Teil ihrer Fiskalflexibilität auch Investitionen zur Verringerung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen abdeckt, darunter Stromnetze, erneuerbare Infrastruktur, Speicher und industrielle Elektrifizierung. Möglich sind maximal 0,3 % des BIP jährlich und kumulativ 0,6 % über 2026-2028, innerhalb der bereits bestehenden 1,5-%-Obergrenze für Verteidigungsausgaben. Österreich hat die Ausweichklausel seit Februar 2026 aktiviert. [Quelle: EU-Kommission]
🇩🇪 E-Auto-Prämie treibt Neuzulassungen auf 25 % Marktanteil. Im Mai wurden in Deutschland 239.448 Pkw neu zugelassen – ein Plus von 0,1 % im Jahresabstand. Während die gewerblichen Neuzulassungen um 4,0 % zurückgingen, legten die privaten Zulassungen um 8,4 % zu. E-Autos legten im Jahresabstand um 39,3 % zu, ihr Anteil betrug damit 25 %. Für private Zulassungen kann in Deutschland seit 2 Wochen rückwirkend ab Jänner eine staatliche Kaufprämie von bis zu 6.000 Euro beantragt werden. Benzin- und Diesel-Neuzulassungen waren beide im zweistelligen Bereich rückläufig. [Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt]
🇨🇭 Schweizer Wirtschaft „unter Potenzial“. Die Wirtschaft der Schweiz soll heuer um 1,0 % und nächstes Jahr um 1,2 % wachsen. „Die Schweizer Wirtschaft wächst weiterhin unter Potenzial und steht unter dem Einfluss geopolitischer Unsicherheiten“, heißt es in der Prognose von Economiesuisse. Die Exporte sollen dieses Jahr leicht sinken und nächstes Jahr auf diesem Niveau stagnieren. Sowohl die prognostizierten Arbeitslosen- (3,1 bzw. 3,2 %) als auch die Inflationsrate (0,8 bzw. 1,0 %) liegen in der Schweiz deutlich unter den Werten Österreichs bzw. der EU. [Quelle: Economiesuisse]
🇺🇸 US-Wirtschaft wächst leicht, Energiekosten treiben Inflation. Laut den aktuellen Daten der Fed stieg die Wirtschaftsaktivität in den USA in den letzten Wochen leicht bis moderat. Energiekosten infolge des Irankriegs waren der primäre Inflationstreiber, mit Ausstrahlungseffekten auf Versand, Verpackung, Lebensmittel und Düngemittel. Der Konsum war zunehmend nach Einkommensgruppen gespalten: Während Besserverdienende resilient blieben, zeigten mittlere und niedrige Einkommensgruppen deutlich mehr Kaufzurückhaltung. Die Geschäftsaussichten für die kommenden 6 Monate bleiben verhalten, belastet durch hohe Unsicherheit und Anzeichen für sinkende Konsumausgaben. Der Bericht erscheint 2 Wochen vor der 1. Zinssitzung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Der aktuelle Leitzins liegt bei 3,50 bis 3,75 %. [Quelle: Federal Reserve – Beige Book]
Selektive Agenda:
8:00 Uhr, Lefkosia, Zypern: Informeller EU-Ministerrat zur Kohäsionspolitik [Info]
10:00 Uhr, Luxemburg: EU-Ministerrat „Justiz und Inneres“ mit Justizministerin Sporrer [Info]
11:00 Uhr, Tivat, Montenegro: EU-Westbalkangipfel [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Florian Tursky leitet seit dem 1. Juni das Global Government Technology Centre in Berlin. Marco Porak ist der neue Präsident der Amerikanischen Handelskammer AmCham Austria. Roman Biller, Michael Edelsbrunner, Carmen Greider und Wolfgang Litzlbauer wurden als Vizepräsidenten gewählt bzw. bestätigt.
Geburtstage: Wir gratulieren Peter Bosek, Wilfried Seipel und Johannes Voggenhuber zum Geburtstag. Am Samstag hat Norbert Totschnig Geburtstag, am Sonntag Peter Koren, Wolfgang Schüssel, Günther Platter und Armin Assinger.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Transatlantics Club lädt zur Summer Reception u. a. mit Wolfgang Petritsch und Stefan Embacher im Österreichischen Institut für Internationale Politik (oiip) [Info]