Morning in Brief ・ 20.04.2026

Morning in Brief, 20. April 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Kanzler will mehr als 2 Mrd. Euro sparen. Die Runde der Regierungsspitze zum Budget wurde laut Presse von Sonntag auf heute verschoben. Davor hatten Finanzminister Markus Marterbauer, Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl und Staatssekretär Sepp Schellhorn Gespräche mit allen Ministerien geführt. Im Vorfeld der Gespräche am Montag bestätigte auch Bundeskanzler Christian Stocker laut Oberösterreichischen Nachrichten, dass die Regierung mehr als 2 Mrd. Euro einsparen sollte. Eibinger-Miedl teilte diese Einschätzung bereits vergangenen Mittwoch im Selektiv-Interview. Einerseits könnte der Sparbedarf durch die konjunkturellen Folgen des Irankriegs steigen, andererseits müssen Spielräume für Offensivmaßnahmen geschaffen werden. Marterbauer sprach im März von einem Sparbedarf von 2 Mrd. Euro im kommenden Doppelbudget – das bekräftigte Staatssekretärin Michaela Schmidt gestern auch in der ORF-Pressestunde: es brauche zusätzliche Maßnahmen im Bereich von 2-2,5 Mrd. Euro. Konkrete Maßnahmen wollte sie nicht kommentieren. Der Fiskalrat schätzte den Bedarf vergangene Woche gesamtstaatlich auf 4,4 Mrd. Euro. [Quellen: Presse, OÖN, Selektiv-Interview, ORF-Pressestunde 19.4., Fiskalrat]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,925 Euro für Diesel und 1,663 Euro für Benzin. Am Freitag hatte der Iran die Straße von Hormus geöffnet, um sie am Wochenende wieder zu blockieren, nachdem die USA iranische Schiffe nicht passieren ließen. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni liegt heute Morgen bei 95,14 Dollar, ein Anstieg um 4,9 %. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag zu Handelsschluss am Freitag bei 39,64 Euro pro MWh und damit im Tagesabstand um 5,6 % niedriger. Montagfrüh stieg er auf 41,52 Euro. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

„Was macht der Finanzminister bei ,Untergewinnen‘?“
Interview mit Eduard Fröschl

Eduard Fröschl ist Geschäftsführer im Tiroler Bau- und Familienunternehmen Fröschl und seit März neuer Bundesvorsitzender der Jungen Industrie (JI) in Österreich. Das Programm des 32-Jährigen zielt auf mehr Lohn für mehr Leistung ab: „Wenn es keine Betreuungspflichten gibt, würde ich mich dafür aussprechen, dass die Steuererleichterungen (für Teilzeit, Anm.) wegfallen.“ Von der Regierung wünscht er sich eine beherztere Pensionsreform und eine Lohnnebenkostensenkung: „Die meisten Leute wissen gar nicht, dass sie etwa ihre Schulbücher selbst mitfinanzieren, weil das über Lohnnebenkosten abgezogen wird“.

💡 Immer mehr Pflegegeld-Bezieher. Im März bezogen 505.999 Personen in Österreich Pflegegeld – ein Plus von 1,6 % gegenüber dem Vorjahr (498.053). Erstmals wurde die Schwelle von 500.000 Anspruchsberechtigten im Mai 2025 überschritten; seitdem liegt die Zahl beständig darüber. 61 % der Bezieher sind Frauen. Die größte Gruppe entfällt auf Stufe 1 (29,7 %), die kleinste auf Stufe 7 mit dem höchsten Pflegebedarf (1,6 %). Laut einer Prognose des Wifo wird die Zahl der Pflegegeld-Bezieher bis 2050 auf 731.550 steigen. [Quellen: APA via Medienberichte, Pflegevorsorgebericht 2024, Wifo-Prognose | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Erste Bilanz zur Abschaffung des Zuverdienstes für Arbeitslose. Nach der Abschaffung des geringfügigen Zuverdienstes zum Arbeitslosengeld, ist die Anzahl der geringfügig Beschäftigten neben dem Arbeitslosen- oder Notstandsgeld auf ein Drittel deutlich gesunken, sagte AMS-Chef Johannes Kopf in Ö1. Die Zahl der Menschen, die geringfügig dazu verdient haben und aus dieser Situation heraus eine Arbeit aufgenommen haben, ist im Jahresabstand um 1.800 Menschen gestiegen – davon nahmen 1.000 im gleichen Betrieb eine Vollzeit- oder Teilzeitstelle auf. [Quelle: Ö1-Mittagsjournal 18.4.]

🇦🇹 Energieabgabenvergütung für Industrie auf der Waagschale. Die FPÖ warf der Regierung am Freitag vor, über eine Abschaffung der Energieabgabenvergütung nachzudenken. Dabei handelt es sich um eine Rückvergütung von Abgaben auf Elektrizität, Erdgas, Heizöl und Kohle vornehmlich für die energieintensive Industrie. Das Volumen dürfte laut Industrieexperten aktuell bei rund 300 Mio. Euro pro Jahr liegen. Zum Vergleich: Der Stromkostenausgleich (von der Regierung Industriestrombonus genannt) wurde für 2025 und 2026 mit 75 Mio. Euro pro Jahr dotiert. Im Regierungsprogramm ist festgelegt, dass die Energieabgabenrückvergütung fortgeführt wird, dementsprechend gab sich das Wirtschaftsministerium auf Nachfrage irritiert: Das sei bisher kein Thema gewesen und man wisse davon nichts. Aus dem Finanzministerium war das Nein nicht so deutlich – dort wollte man auf Nachfrage von Selektiv mit Verweis auf die laufenden Budgetgespräche „keinen Kommentar“ abgeben. [Quellen: Selektiv, FPÖ]

🇦🇹 „Aktiv-Pension“ bis 22. Mai in Begutachtung. Das Gesetzespaket zur „Aktiv-Pension“ ist seit Freitag bis 22. Mai in Begutachtung und kann damit noch vor dem Sommer im Nationalrat beschlossen werden. Ab 2027 gilt dann für Menschen, die im Pensionsalter weiterarbeiten, ein jährlicher Steuerfreibetrag von 15.000 Euro. Der Dienstnehmeranteil des Pensionsversicherungsbeitrags entfällt in diesen Fällen, während der Arbeitgeberanteil voll zu leisten ist. AMS-Chef Kopf hält das Modell für ausreichend attraktiv. „Es wird breiter greifen, aber das wird noch dauern“, so Kopf, der der Ansicht ist, dass die Maßnahme kurzfristig vor allem Geld kosten werde. Ein Bonus-Malus-System für Unternehmen zur Beschäftigung Älterer findet bisher keine parlamentarische Mehrheit. Die Datenlage sei derzeit auch zu schlecht, um ein solches System zu administrieren. „Wer heute keine Älteren anstellt, hat auch keinen Arbeitskräftemangel“, so Kopf. [Quellen: Begutachtungsentwurf, Ö1-Mittagsjournal 18.4.]

🇦🇹 „Verursachergerechte“ Stromtarife ab 2027. Mit 1. Jänner 2027 soll eine neue Netztarifstruktur in Kraft treten. Der Arbeitspreis wird dabei in den Hintergrund treten, während der Leistungspreis eine stärkere Bedeutung bekommt. Wer künftig mehrere Großgeräte wie etwa Wärmepumpe, Wäschetrockner und E-Auto gleichzeitig in Betrieb nimmt, wird mehr für Strom bezahlen müssen. Wer seinen Verbrauch besser über den Tag verteilt, bezahlt weniger. Die steigenden Systemkosten sollen dadurch stärker von jenen getragen werden, die sie verursachen, so Netz-Niederösterreich-Geschäftsführer Werner Hengst. Die neuen Tarife werden laut den Netzbetreibern keine zusätzlichen Einnahmen generieren. Noch sind nicht alle Verordnungen der E-Control fertig, die letztgültige Ausgestaltung der neuen Tarifstruktur somit noch offen. [Quellen: Forum Versorgungssicherheit – Pressegespräch, Aussendung; Zeitplan E-Control | Grafik: Netzentgelte steigen auch 2026 weiter]

🇦🇹 Spritpreise: SPÖ will, dass ÖBAG auf OMV „einwirkt“. Die OMV zieht bei importiertem Diesel 2,8 Cent statt den durch die Spritpreisbremse geforderten 5 Cent ab und argumentiert mit zu geringen Spielräumen bei Import-Diesel. Die SPÖ will nun, dass die ÖBAG über die Staatsbeteiligung bei der OMV auf die Unternehmenspolitik „einwirkt“, wie SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll laut APA meint. Die ÖBAG hält 31,5 % an der OMV AG. „Österreich hat ein öffentliches Interesse an günstiger Energie. Wann, wenn nicht jetzt – in der größten Energiekrise seit Jahrzehnten – muss die ÖBAG dieses Interesse auch konsequent vertreten“, so Schroll. [Quelle: APA]

🇦🇹 Neo-Wirtschaftsbund-Präsidentin Schultz rügt Finanzminister. Mit 99,3 % der Stimmen wurde Martha Schultz am Freitag offiziell zur neuen Präsidentin des ÖVP-Wirtschaftsbundes gewählt. In ihrer Rede rügte sie Finanzminister Markus Marterbauer für einen Auftritt beim Moment-Magazin. „Er lacht über eine provokante These von einem Moderator, dass die Abwanderung von Unternehmen aus Österreich sogar eine Chance für die Wirtschaft sein kann. Es gab keinen Widerspruch vom Herrn Finanzminister“, so Schultz und weiter: „So wird’s nicht gehen“. Hohe Abgaben würden oft als „als gerecht verkauft“, aber sie „bestrafen Leistung und belohnen den Stillstand“. [Quellen: Wirtschaftsbund Generalversammlung, Aussendung | Reaktionen: ÖVP, ÖAAB, WB NÖ, WB Tirol, ÖVP Frauen, ÖVP Senioren]

🇦🇹 Merit Order: Wifo mit konkretem Reformvorschlag. Im europäischen Strommarktdesign setzt das teuerste Kraftwerk den Preis im Großhandel. Wenn Gaskraftwerke zum Einsatz kommen müssen, sind die Preise daher hoch. Rund ein Drittel der Kosten bei der Erzeugung aus Gaskraftwerken entfällt auf die CO2-Bepreisung. Mit einer Reform, die an dieser Stelle ansetzt, hätte man in Österreich die durchschnittlichen Stromausgaben 2025 um 8,5 % senken können, so das Wifo in einer Analyse. Da Erneuerbaren-Anlagen keine CO2-Zertifikate kaufen müssen, sollen sie – so der Vorschlag – ab einer bestimmten Schwelle einen Abschlag auf den Marktpreis bekommen und die frei werdenden Mittel an Stromkunden weitergeben. So würde man die Zusatzgewinne nicht-fossiler Anlagen rückverteilen, so die Ökonomen. [Quelle: Wifo Reserach Brief | Reaktion: BMWET

🌐 Kerosin: Warnungen vor Rationierung, Flugausfällen und teureren Tickets. Deutsche Luftfrachtunternehmen fordern angesichts drohender Treibstoffengpässe eine bevorzugte Versorgung mit Kerosin. „Wir kommen möglicherweise in eine Situation, dass in Deutschland Kerosin zugeteilt werden muss, wie es in Italien bereits der Fall ist“, so VACAD-Chef Claus Wagner zur Welt. IATA-Generaldirektor Willie Walsh warnte am Freitag vor möglichen Flugausfällen in Europa ab Ende Mai und forderte koordinierte Rationierungspläne der Behörden. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr erwartet im Deutschlandfunk deutlich steigende Ticketpreise und den Wegfall einzelner Verbindungen; Tankrabatte hält er in dieser Knappheitssituation für kontraproduktiv, da sie die Nachfrage nach bereits knappen Rohstoffen zusätzlich anheizten. Die Bundesregierung betonte in den vergangenen Tagen und Wochen wiederholt, dass es in Österreich keinen Mangel gebe – bei Kerosin und Benzin kann nahezu der gesamte Bedarf in der heimischen Raffinerie erzeugt werden. [Quellen: IATA, Welt am Sonntag, Deutschlandfunk]

🇮🇹 🇦🇹 Italien könnte zur Atomkraft zurückkehren, Österreich bekräftigt Nein. Der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, empfiehlt Italien, auf Kernenergie zu setzen. Das Land habe nur begrenzte eigene Energiequellen und sei stark von Importen abhängig. Auch kleinere, modulare Reaktoren (Small Modular Reactors) kämen in Frage. Italien ist an ein Atomkraft-Verbot gebunden, Ministerpräsidentin Giorgia Meloni arbeitet jedoch an einem neuen Rechtsrahmen, der Kernenergie ermöglichen könnte. Der Gesetzesentwurf dafür liegt noch nicht vor. In Österreich hat der Umweltausschuss des Nationalrats vergangene Woche einstimmig über alle Parteien hinweg das Nein zur Atomkraft bekräftigt – das schließe auch modulare Reaktoren mit ein. [Quellen: Reuters, Parlamentskorrespondenz | Grafik: Die EU ist Atomkraft-Powerhouse]

🇺🇸 Washington verlängert Ausnahme für russisches Öl. Die USA haben am Freitag die Sanktionsausnahme für den Kauf russischen Rohöls und russischer Mineralölprodukte auf dem Seeweg bis 16. Mai verlängert, obwohl Finanzminister Scott Bessent noch zwei Tage zuvor öffentlich erklärt hatte, es werde keine Verlängerung geben. [Quelle: US Treasury Department

Selektive Agenda:

Heute, Addis Abeba, Äthiopien: Außenministerin Meinl-Reisinger in Äthiopien (letzter Tag) – Treffen mit EU-Kommissar für internationale Partnerschaften, Sikela, und mit Außenminister Timothewos

Heute, Straßburg, Frankreich: Tagung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (bis 24.4.)

18:00 Uhr, Wien: Der Forschungsrat Forwit veröffentlicht seine Analyse des österreichischen Hochschulsystems

Wochenvorschau

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ist von Sonntag bis Montag in Äthiopien. In Wien stellt der Forschungsrat Forwit eine Analyse des österreichischen Hochschulwesens vor. 

Am Dienstag treffen sich die EU-Außenministerinnen und -minister in Luxemburg. In Wien stellt Bildungsminister Christoph Wiederkehr seinen „Plan Zukunft“ vor, im Wirtschaftsministerium wird der Austrian Startup Monitor 2025 präsentiert und Austropapier veröffentlicht Daten zur Wertschöpfung der Papierbranche.

Am Mittwoch tagt der Ministerrat und Kanzler Christian Stocker empfängt seinen mazedonischen Amtskollegen Hristijan Mickoski. Die Nationalbank stellt den „Financial Stability Report“ vor. Außerdem soll die seit 8. April geltende Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA auslaufen.

Am Donnerstag tagt der Nationalrat u. a. zu einer Verlängerung des Wohnschirms und die neue ÖBAG-Strategie soll präsentiert werden. Am Donnerstag und Freitag ist Bundeskanzler Christian Stocker voraussichtlich auf Zypern beim informellen Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs.

Am Freitag findet die 2. Runde der KV-Verhandlungen der Elektro- und Elektronikindustrie statt und die Statistik Austria veröffentlicht die Baubewilligungen des 4. Quartals bzw. des Gesamtjahres 2025. Die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute DIW, RWI, Ifo, IfW und IWH veröffentlichen am Freitag ihre gemeinsame Frühjahrs-Konjunkturprognose.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Martha Schultz wurde zur Präsidentin des Wirtschaftsbunds gewählt. Mit Dorota Snarska-Kuman, Roeland Louwhoff und Jernej Omahen hat der Aufsichtsrat der Erste Group drei neue Mitglieder. Dietmar Pusta und Stefan Rubenz wurden als Vorsitzender bzw. stellvertretender Vorsitzender der GÖD Wirtschaftsverwaltung wiedergewählt. Neue Präsidentin des Österreichischen Impfstoffverbands ist Sigrid Haslinger, Olivier Jankowitsch übernimmt die Funktion des Vizepräsidenten. Renée Gallo-Daniel wurde zur Generalsekretärin gewählt. Rechnungsprüfer sind Christoph Hegedüs sowie Christoph Jandl.

Geburtstage: Wir gratulieren Helene Auer zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

13:00 Uhr, Wien: „Grundsatzrede“ von Minister Hanke zur Zukunft der Mobilität in Österreich auf der Mobilitätskonferenz [live]

19:00 Uhr, Wien: Das Wissenschaftsministerium lädt zur Podiumsdiskussion „Friedens- und Konfliktforschung: Welchen Beitrag kann sie zur aktuellen weltpolitischen Lage leisten?“ an die TU Wien u. a. mit Ralph Janik, Maximilian Lakitsch und Viktorija Ratkovic. [Info, live]

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