Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Diesel- und Kerosinvorräte wieder gestiegen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht eine deutliche Entspannung bei der Versorgungssicherheit bei Sprit, Öl und Gas. Die kommerziellen Diesellager in Österreich stiegen im April 2026 gegenüber März deutlich an (+36 %) und lagen damit rund 30 % über dem mehrjährigen April-Durchschnitt. Die Kerosinlager stiegen im Mai gegenüber April um rund 56 % auf einen Mai-Höchstwert im Betrachtungszeitraum 2021–2026. Bei Öl verweist das Wirtschaftsministerium auf die strategische Pflichtnotreserve für rund 90 Tage und den störungsfreien Betrieb der Raffinerie Schwechat. Die strategische Gasreserve von 20 TWh wird um 2 Jahre bis April 2029 verlängert (bisher 2027) und im Doppelbudget 2027/28 mit rund 115 Mio. Euro (2027) und 120 Mio. Euro (2028) abgesichert; die tatsächlichen Kosten dürften laut Ministerium deutlich darunter liegen. Der Gasspeicherstand lag am 20. Juni bei 51,64 % (51,78 TWh), nach rund 36 % Ende März; bei gleichbleibender Einspeicherrate hält das Ministerium zum Jahresende rund 80 % für erreichbar, was etwa einem Ganzjahresverbrauch entspricht. Der Füllstand liegt rund 10 Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Gründe sind der kältere Winter, der trockenheitsbedingt höhere Gaseinsatz in der Stromerzeugung und die infolge des Irankriegs gestiegenen Gaspreise, die die Einspeicherung unwirtschaftlicher machten. [Quelle: Aussendung BMWET | Reaktion: WKÖ]
„Wir müssen die europäische Nachfrage nach KI ankurbeln“
Interview mit Roman Afuss
Der „EU Chips Act“ konzentriert sich auf die falsche Kategorie an Mikrochips, kritisiert Digital-Experte Roman Afuss. „Das Projekt birgt die Gefahr in sich, aufgrund fehlender Nachfrage nach diesen KI-Chips in Europa dauerhaft subventioniert werden zu müssen. Und ich gehe davon aus, dass es nicht so klug ist, zu versuchen, China oder die USA mit höheren Subventionen für souveräne KI-Chips zu übertrumpfen“. Daher müsse man zuerst die europäische Nachfrage nach KI ankurbeln.
💡 Österreichs Zinsausgaben verdreifachen sich bis 2030. Laut Fiskalrat steigen die Zinsausgaben von 4,3 Mrd. Euro im Jahr 2022 bis 2030 auf 13,5 Mrd. Euro, die Zinsquote von 1,0 % auf 2,3 % des BIP. Haupttreiber sind die hohen Budgetdefizite der vergangenen Jahre sowie der Umstand, dass auslaufende Anleihen aus der Niedrigzinsphase nun zu deutlich höheren Zinssätzen neu aufgenommen werden müssen. Mit durchschnittlich 10,4 % pro Jahr wachsen die Zinsausgaben im Prognosezeitraum schneller als jede andere Ausgabenkategorie und engen den budgetären Spielraum ein, zumal gleichzeitig Ausgaben für Pensionen, Gesundheit sowie Investitionen in Bundesheer und Schieneninfrastruktur stark ansteigen. [Quellen: Fiskalrat, Statistik Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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🇦🇹 Senkung der Kammerumlage 2 soll trotz Millionenverlust beschlossen werden. Im erweiterten Präsidium der Wirtschaftskammer soll heute die Senkung der Kammerumlage 2 (KU2) beschlossen werden. Im Vorfeld fordert die Grüne Wirtschaft eine Änderung des Wirtschaftskammergesetzes: Die bestehende KU2-Befreiung für Dienstnehmer über 60 Jahre müsse „ausdrücklich abgesichert“ werden, weil das Budgetbegleitgesetz die bisher verknüpfte FLAF-Befreiung für diese Altersgruppe abschafft — und die WKÖ dadurch de facto Mehreinnahmen bei der KU2 erzielen würde. Laut Krone fuhr die WKÖ durch krisenbedingt niedrigere Kammerumlagen 2025 einen höheren Verlust ein als gedacht. 9,4 Mio. Euro beträgt der Bilanzverlust laut Bericht statt der zuvor veranschlagten 7 Mio. Euro. Das negative Ergebnis nach Steuern beträgt 7,7 Mio. Euro. Heuer will die neue WKÖ-Präsidentin Martha Schulz ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. [Quellen: Grüne Wirtschaft, Krone]
🇦🇹 🇩🇪 Deutsches Pensionsreformpaket stößt Debatte in Österreich an. Nachdem die deutsche Pensionskommission der Regierung gestern 33 Reformvorschläge vorgelegt hat und Bundeskanzler Friedrich Merz deren vollständige Umsetzung ankündigte, fordern die Neos eine ähnliche Debatte in Österreich. Neos-Sozialsprecher Johannes Gasser spricht sich für eine „offene, ehrliche und ideologiefreie“ Diskussion über die Zukunft des Pensionssystems aus, bei der auch eine Anpassung des Antrittsalters an die Lebenserwartung kein Tabu sein solle. Die Industriellenvereinigung begrüßt den Vorstoß. Die SPÖ erteilt dem Vorschlag eine Absage: Eine Anhebung des Pensionsalters werde es mit ihr nicht geben. Auch Gewerkschaften und FPÖ stellen sich gegen den Vorschlag. [Quellen: Deutsche Bundesregierung, APA/dpa via Medienberichte, Neos, SPÖ, FPÖ, IV, ÖGB, Gpa, Pro-Ge]
🇦🇹 Erneuerbares-Gas-Gesetz soll „so rasch wie möglich“ vorgelegt werden. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat der APA mitgeteilt, dass das Erneuerbares-Gas-Gesetz (EGG) „so rasch wie möglich“ als Regierungsvorlage in den parlamentarischen Prozess eingebracht werde. Derzeit befinde es sich in koalitionärer Abstimmung. Das Gesetz wurde im Sommer 2025 angekündigt, ein Begutachtungsentwurf liegt bislang nicht vor. Die Grünen kritisieren die Verzögerung, signalisieren für den Beschluss, der eine Zweidrittelmehrheit erfordert, jedoch Verhandlungsbereitschaft. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Pröll will IT-Branche weiter stärken. Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll will Österreich im Digitalisierungsindex bis Ende 2029 von Platz 6 auf Platz 3 bringen. Die Förderungen in dem Bereich sollen steigen, kündigte er gestern an. Der IT-Sektor steuert mit einer Bruttowertschöpfung von insgesamt 40,5 Mrd. Euro 8,9 % zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei, wie aus einer Economica-Studie hervorgeht. Die Zahl der Beschäftigten ist seit 2019 mehr als 30 % gestiegen – die Löhne und Hegälter stiegen in dem Zeitraum um 50 %. Die Branche beschäftigt direkt und indirekt 322.500 Personen. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,726 Euro für Diesel und 1,667 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August lag heute Früh bei 76,30 Dollar, ein Minus von 2,0 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Mittwochfrüh bei 41,87 Euro pro MWh und blieb damit fast unverändert. Strom und Gas sind im Großhandel im Jahresvergleich teurer als vor einem Jahr. Der österreichische Strompreisindex liegt im Juli 2026 je nach Laufzeit zwischen 25,0 % (Monat) und 5,8 % (Jahr) über dem Vorjahreswert. Beim Gas zeigt sich ein ähnliches Bild auf Monats- und Quartalsbasis (+16,3 % bzw. +22,9 %), während der Jahresindex geringfügig unter dem Vorjahr liegt (−1,4 %). [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, Österreichische Energieagentur]
🇦🇹 Immo-Verbände fordern schnellere Verfahren im Wohnbau. VÖPE und der gemeinnützige Verband GBV haben 4 Vorschläge zur Verkürzung von Wohnbauverfahren vorgelegt. Laut VÖPE-Befragung dauert ein Projekt im Schnitt rund 5,5 Jahre (knapp 35 Monate Widmung, rund 21 Monate Bewilligung, rund 11 Monate Einspruch). „Je länger Bewilligungen dauern, desto teurer wird Wohnraum“, so VÖPE-Präsident Andreas Köttl. Gefordert werden eine Brandschutz-Vorprüfung durch unabhängige Sachverständige vor Einreichung (laut GBV 6-9 Monate kürzer), eine Genehmigungsfiktion (automatische Bewilligung bei Fristüberschreitung), eine Nachweispflicht eines berechtigten Interesses bei nicht nachbarschaftsrechtlichen Einsprüchen sowie ein digitaler „gläserner Akt“. [Quelle: VÖPE/GBV]
🇦🇹 Alternative Investmentfonds dürfen künftig Kredite vergeben. Alternative Investmentfonds, also Fonds jenseits klassischer Wertpapierfonds, sollen unionsweit das Recht erhalten, selbst Kredite zu vergeben und so zur alternativen Finanzierungsquelle für die Realwirtschaft zu werden. An Verbraucher bleibt die Kreditvergabe in Österreich aber untersagt. Der Finanzausschuss im Parlament beschloss dazu ohne die Grünen die Anpassung des Alternative Investmentfonds Manager-Gesetzes und des Immobilien-Investmentfondsgesetzes an die entsprechende EU-Richtlinie. Kreditvergebende Fonds müssen grundsätzlich geschlossen sein, offene Fonds künftig mindestens zwei Liquiditätsmanagement-Instrumente vorhalten. Im Immobilienfondsbereich gilt bis Ende 2030 eine Ausnahme von der 12-monatigen Rückgabefrist mit jährlichen Freibeträgen. An dieser Übergangsregelung stießen sich die Grünen. Staatssekretärin Eibinger-Miedl sprach von einem tragfähigen Kompromiss gegen einen „Liquiditäts-Mismatch“. [Quellen: Parlamentskorrespondenz, Regierungsvorlage]
🇪🇺 Jeder 5. EU-Neuwagen fährt rein elektrisch. Im Mai wurden in der EU gut 200.000 Batterie-Elektroautos neu zugelassen, ein Plus von 42,9 % gegenüber dem Vorjahr und damit ein BEV-Marktanteil von rund 20 %. Den Anstieg führte der Herstellerverband ACEA auf staatliche Kaufprämien zurück; hohe Spritpreise infolge des Iran-Kriegs dürften zusätzlich wirken. Beliebteste Antriebsart bleiben Hybride mit 37,8 %, der Gesamtmarkt wuchs um 3,2 % (seit Jahresbeginn +4 %). Bei den Marken legten vor allem chinesische Anbieter wie BYD, SAIC und Leapmotor kräftig zu; BYD liegt mit 2,1 % Marktanteil inzwischen vor Tesla. Volkswagen verlor trotz eines Absatzplus von 1,5 % Anteile, Stellantis gewann 5,7 %. [Quelle: ACEA]
🇪🇺 EU-Parlament stimmt im Juli über modernisiertes EU-Mexiko Abkommen ab. Nachdem die EU-Parlamentsausschüsse das überarbeitete EU-Mexiko-Partnerschaftsabkommen angenommen haben, soll das Plenum im Juli darüber abstimmen. Unter anderem baut das Abkommen nahezu alle verbleibenden Zölle ab, EU-Unternehmen erhalten Zugang zu öffentlichen Aufträgen in 14 mexikanischen Bundesstaaten und kleine Unternehmen sollen von vereinfachten Standards und Verfahren profitieren. Die EU-Exporte von Waren und Dienstleistungen nach Mexiko könnten um bis zu 75 % steigen, EU-Unternehmen würden jährlich bis zu 100 Mio. Euro an Zöllen sparen. Zudem soll das Abkommen die Versorgung mit Rohstoffen für die grüne und digitale Transformation absichern. [Quelle: EU-Parlament]
🇪🇺 EU-Abgeordnete beschließen Verhandlungsposition zu digitalem Euro. Der Wirtschafts- und Währungsausschuss (ECON) hat sich für die Einführung des digitalen Euros ausgesprochen und damit die Parlamentsposition für die Verhandlungen mit dem EU-Rat festgelegt. S&D-Abgeordnete Evelyn Regner sieht darin mehr Autonomie für die EU und weniger Abhängigkeit von Zahlungsanbietern aus Drittstaaten. EVP-Abgeordnete Angelika Winzig spricht von „mehr Wertschöpfung und Souveränität im europäischen Zahlungsverkehr“. Die WKÖ sieht hingegen noch offene Fragen und hätte eine spätere Entscheidung bevorzugt. [Quellen: EU-Parlament, ÖVP, SPÖ, WKÖ]
🇪🇺 🇬🇧 Geschäftsklima in der Eurozone steigt, im Vereinigten Königreich sinkt es. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global stieg in der Eurozone von 48,5 Punkten im Mai auf 49,5 Punkte im Juni. Damit verlangsamte sich der Wachstumsrückgang. Unter anderem ließ der Inflationsdruck nach. Die Einkaufspreise stiegen mit der niedrigsten Rate seit dem Ausbruch des Irankriegs, während die Verkaufspreise weniger stark zulegten als in den beiden Vormonaten. Das verarbeitende Gewerbe profitierte vom Lageraufbau, da weiterhin Sorgen über Lieferengpässe und künftige Preisanstiege bestehen. Chris Williamson von S&P Global rechnet nun mit einem unveränderten BIP im zweiten Quartal 2026. Im Vereinigten Königreich sank das Geschäftsklima hingegen auf 49,4 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 14 Monaten. [Quellen: S&P Global – Eurozone, UK]
🇩🇪 30 % der Erwerbspersonen 2025 in 15 Jahren in Pension. Bis 2040 werden rund 13,3 Mio. Menschen in Deutschland das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren erreicht haben, das entspricht 30 % aller Erwerbspersonen des Jahres 2025. Nachfolgende Jahrgänge werden diese Lücke zahlenmäßig nicht schließen können, so das Statistische Bundesamt: Die 55- bis 64-Jährigen stellten 2025 zusammen rund 10 Mio. Erwerbspersonen, während die mittleren Altersgruppen der 35- bis 44-Jährigen mit 9,9 Mio. und der 45- bis 54-Jährigen mit 9,1 Mio. trotz höherer Erwerbsquoten geringer besetzt sind. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
Selektive Agenda:
Heute, Peking: Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in China (bis 25.6.)
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Digitalisierung in Unternehmen 2025“
10:00 Uhr, Wien: Ministerrat
11:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission stellt Pläne für einfachere Besteuerung und für Vorschriften für Energieprodukte vor [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Thomas Lendl (TEDi) übernimmt die Leitung des Handelsverbands-Fachforums „Human Resources & Arbeitsrecht“. Vivienne Hödl ist neu im Vorstand des Dialog Marketing Verband Österreich (DMVÖ). Andreas Köhazy ist neuer Sprecher der Zukunftsallianz. Gerhard Bremm übernimmt ab dem 1.5.2027 die Position des stellvertretenden Direktors der AK Oberösterreich von Ernst Summer. Chris Neff ist der neue Geschäftsführer von Merck Österreich. Elisabeth Kromus wurde als Gleichbehandlungsbeauftragte der Stadt Wien wiederbestellt. Manuel Schalk zieht mit dem 1. Juli in den Vorstand der Wiener Städtischen ein. Christoph Taussig wird der neue Leiter des ÖHV-Campus. Katja Seitner wurde als neue Bundesrätin nominiert und soll Margit Göll ab Ende September nachfolgen. Rainer Wührer wurde zum Präsidenten und Helmut Wackenreuther zum Vizepräsidenten der Kammer der Ziviltechniker gewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren David Alaba und Klemens Kofler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Die Albertina lädt zum Afterwork „Albert & Tina“ auf die Albertina-Terrasse