Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern, Yannic Haimeder und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 🇪🇺 Hattmannsdorfer legt 8 Forderungen zur ETS-Reform vor. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat seinen Amtskollegen im EU-Wettbewerbsrat ein Positionspapier mit 8 Punkten zur Reform des Emissionshandels vorgelegt. In Österreich hängen laut Wirtschaftsministerium 600.000 Arbeitsplätze direkt von der energieintensiven Industrie ab, deren Wettbewerbsfähigkeit über den Emissionshandel entschieden werde. Konkret fordert Hattmannsdorfer u. a., die Gratiszertifikate über 2038 hinaus (bisheriger Stand ist 2034) zu verlängern, einen Rabatt für Exportbetriebe einzuführen und Investitionen in Dekarbonisierung und Energieeffizienz wie Gratiszertifikate anzurechnen. Ziel sei, energieintensive Betriebe in der EU und Österreich zu halten, statt sie in Drittstaaten abwandern zu lassen, was auch dem Klima schade. Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei haben sich der Initiative angeschlossen. [Quellen: Hattmannsdorfer – Doorstep, LinkedIn; Positionspapier | Reaktionen: IV, WKÖ]
„Der Vizekanzler ist eine politische Leiche“
Interview mit Harald Gutschi
Ab 1. Oktober wird die Paketsteuer von 2,40 Euro pro Bestellung fällig, Otto-CEO Harald Gutschi erwartet dadurch Umsatzeinbußen und muss bereits Arbeitsplätze abbauen. Gutschi kritisiert Vizekanzler Andreas Babler und Finanzminister Markus Marterbauer deshalb scharf. „Der Vizekanzler, von dem diese Idee kommt, ist eine politische Leiche“, so Gutschi im Selektiv-Interview. Würde die SPÖ „jemand Neuen mit ein bisschen wirtschaftlichem Hausverstand finden“, könnte die Paketsteuer schon bald wieder Geschichte sein, hofft Gutschi. Denn die Paketsteuer sei „unsinnig und wirtschaftlich nicht zu vertreten – im Gegenteil, sie ist wirtschaftlich dumm“. Auch will er gegen die Steuer klagen und rechnet sich dafür gute Chancen aus.
💡 Ohne Staatskonsum kein Wachstum seit 2019. Die Konsumausgaben des Staates lagen im 2. Quartal 2026 real um 14,7 % über dem Niveau von Anfang 2019. Das BIP ohne Staatskonsum liegt dagegen mit minus 0,2 % praktisch dort, wo es vor der Pandemie war. Nach dem Covid-Einbruch erholte es sich bis Mitte 2022 auf ein Plus von 3,4 %. Seither ist es um 3,5 % geschrumpft, während der Staatskonsum im selben Zeitraum um weitere 8,7 % zulegte. Das gesamte BIP wuchs seit 2019 damit nur um 2,8 %, fast ausschließlich getragen vom Staat. Sein Anteil an der Wirtschaftsleistung stieg real von 20,2 auf 22,6 %. Zum Staatskonsum zählen vor allem Gehälter im öffentlichen Dienst, Sachaufwand und Gesundheitsleistungen, nicht aber Pensionen, Förderungen oder öffentliche Investitionen. [Quelle: Eurostat, eigene Berechnung | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 VfGH prüft Gewinnsteuer für Stromerzeuger. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat ein Prüfungsverfahren zum Energiekrisenbeitrag-Strom (EKB-S) eingeleitet. Anlass ist die Beschwerde eines Windkraftbetreibers betreffend den Beitrag für das 1. Halbjahr 2024. Nach einer vorläufigen Auffassung des VfGH bestand die Krisensituation, die die Abgabe in den Jahren 2022 und 2023 gerechtfertigt hat, 2024 nicht mehr. Zudem sei bedenklich, dass die Abgabe unabhängig von den Produktionskosten anfällt, nur Erzeuger trifft und nicht zweckgebunden ist. Geprüft wird die Fassung für 2024. [Quelle: VfGH]
🇦🇹 Metaller-KV für heuer bestätigt – 2027 wird wieder hart verhandelt. In der Metallindustrie bleibt es bei dem 2025 vereinbarten Zweijahresabschluss zum Kollektivvertrag. Damit steigen die Ist-Löhne mit 1. November um 1,9 % und die Mindestlöhne um 2,1 % heuer wieder deutlich unter der rollierenden Inflation von 3,3 %. Die Branche stehe noch immer unter großem Druck und es gehe darum, den Trend zu sinkender Beschäftigung und sinkender Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu durchbrechen, so der Obmann der Metalltechnischen Industrie (FMTI), Christian Knill, gestern. Um die preislichen Wettbewerbsverluste durch die hohen Lohnsteigerungen in den Jahren davor wieder auszugleichen, bräuchte es laut Knill bis zu 10 Jahre mäßige Lohnabschlüsse. Die Gewerkschaft sieht das anders. „Aus unserer Sicht ist die Krise vorbei“, sagte Mario Ferrari von der GPA. Letztes Jahr sei es um einen Abwehrkampf gegen Nulllohnrunden gegangen und darum, Arbeitsplätze zu halten, so Reinhold Binder (Pro-Ge). In den Rezessionsjahren wurden in der gesamten Metallindustrie rund 20.000 Arbeitsplätze abgebaut. Laut Binder müsse nun aber wieder die Teuerungsbekämpfung im Mittelpunkt stehen. Man sei nicht bereit, solche Abschlüsse fortzuführen. Die Kaufkraft der Menschen zu sichern, sei nicht Aufgabe der Unternehmen, die nur einen Beitrag leisten können, meinte FMTI-Obmann-Stellvertreter Stefan Ehrlich-Adám. [Quelle: Pressekonferenz, FMT, ÖGB]
🇦🇹 „Österreich-Tarif“ wird erhöht. Der teilstaatliche Verbund muss den Preis des Anfang des Jahres präsentierten „Österreich-Tarifs“ aufgrund von „schwierigen Marktbedingungen“ für Neukunden erhöhen. Im 1. Vertragsjahr werden statt 9,50 ct/kWh nun 10,00 ct/kWh netto fällig, im 2. Vertragsjahr erhöht sich der Preis auf 15,00 ct/kWh. Für Bestandskunden bleibt der Tarif unverändert. Die Landesenergieversorger planen laut APA vorerst keine Erhöhungen. Der durchschnittliche Strompreis für Endkunden lag im September 13,88 ct/kWh (exkl. Steuern und Abgaben). Mit durchschnittlich 32,6 ct/kWh (inkl. Steuern und Abgaben) zahlten österreichische Haushaltskunden im 2. Quartal den sechsthöchsten Strompreis in Europa. [Quellen: APA via Medienberichte, Selektiv | Grafik: Haushaltsstrom in Österreich unter den teuersten Europas | Reaktionen: FPÖ/Hammerl]
🇦🇹 Betriebliche Altersvorsorge: Pensionskassen rechnen mit „Sogwirkung“. Zur Öffnung der betrieblichen Altersvorsorge für alle und die Möglichkeit, die Abfertigung Neu ohne Kapitalgarantie risiko- und chancenreicher zu veranlagen, wird bis zum Start 2028 noch viel Aufklärungsarbeit nötig sein. Um davon zu profitieren ist ein Opt-in nötig, man müsse also „umso mehr aufklären“, da es sich um „komplexe Themen“ handle, so Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl gestern. Die Neos hätten ein Opt-out präferiert, erklärte Neos-Abgeordneter Christoph Pramhofer bei einem Medientermin. Der Wechsel zum risikoreicheren Modell könne einen großen Unterschied machen, rechnete Fachverbands-Obmann Andreas Zakostelsky vor – im langjährigen Schnitt seien bis zu 100 % mehr an Erträgen möglich. Wer sich für die erstragsreichere Variante entscheidet, kann sich die Abfertigung nicht mehr vorzeitig auszahlen lassen. Zakostelsky rechnet damit, dass in den ersten Jahren 10-20 % der Menschen für einen Übertrag der Abfertigung Neu in eine Pensionskasse optieren. Danach geht er von einer „Sogwirkung“ aus. Das Ziel sei, in den nächsten 10 Jahren in der 2. und 3. Säule des Pensionssystems auf 100 % des BIP zu kommen. Derzeit liegen in den Pensionskassen 7 % des BIP. Eibinger-Miedl wünscht sich auch eine Weiterentwicklung der 3. Säule, etwa mit einem Zukunftsdepot für Erwachsene. SPÖ-Abgeordneter Josef Muchitsch: „Da sind noch viele Gespräche notwendig“. [Quellen: Pressekonferenz, Aussendung | Reaktionen: ÖGB | Grafik: Was die Reform der „Abfertigung neu“ bringt]
🇦🇹 Weiter Kritik an Margeneingriff bei Spritpreisbremse. Ökonomen äußern Bedenken, dass der geplante Margeneingriff von 3,5 Cent pro Liter negative Effekte mit sich bringen könnte. IHS-Ökonom Sebastian Koch erwartet zwar, dass die kombinierte Entlastung von 12,2 Cent die Inflationsrate um 0,2 Prozentpunkte dämpfen wird, bezeichnet die Margenbegrenzung dabei aber als „problematisch“. Große Tankstellenketten können die Begrenzung in der Wertschöpfungskette leichter weitergeben als kleine, somit könnte der Wettbewerb verzerrt werden und dann „in der langen Sicht höhere Preise“ entstehen. Für OeNB-Gouverneur Martin Kocher könnten die „negativen Nebeneffekte“ des Markteingriffs überwiegen, er empfiehlt daher eine nicht-nachfrageseitige Entlastungsmaßnahme wie etwa die Reduktion der motorbezogenen Versicherungssteuer um einen Fixbetrag. [Quelle: Ö1 – Koch, Kocher | Reaktionen: ÖGB, NÖ LReg, NÖAAB, ARBÖ]
🇦🇹 WKÖ fürchtet 3-Euro-Sprit aufgrund Klimaneutralität 2040. Die Wirtschaftskammer erwartet ab 2027 einen jährlichen Anstieg der Spritpreise um 20 Cent. Das zeige eine Studie, die die WKÖ in den kommenden Wochen präsentieren will. Ausgehend vom aktuellen Niveau könnte der Liter Sprit „bald weit über 3 Euro kosten“, erklärt WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger. Das sei eine Folge „des österreichischen Alleingangs mit der Klimaneutralität 2040“, so Danninger. [Quellen: Wirtschaftskammer, APA via Medienberichte]
🇦🇹 Peer-to-Peer-Stromverträge ab 1. Oktober möglich. Ab Oktober treten die neuen Bestimmungen für die gemeinsame Energienutzung in Kraft. Damit können dann u. a. Peer-to-Peer-Verträge (P2P) abgeschlossen werden, die das direkte Verkaufen oder Verschenken von Strom zwischen zwei oder mehreren Akteuren ermöglichen. Dafür ist anders als bei einer Energiegemeinschaft keine eigene Rechtsform nötig. Vorerst steht das Modell nur Teilnehmenden mit demselben Netzbetreiber zur Verfügung, erst ab Frühjahr 2027 soll es österreichweit möglich sein. Da die Novelle der Netzentgelt-Verordnung erst mit Jahreswechsel in Kraft tritt, profitieren bis Ende 2026 aber weiterhin nur Mitglieder einer lokalen oder regionalen Erneuerbaren Energie Gemeinschaft (EEG) von der Netzentgeltreduktion. In Österreich gibt es mit Stand 31. August rund 8.700 EEGs, 5.400 gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen und 1.200 Bürgerenergiegemeinschaften (BEG). [Quellen: APA via Medienberichte, Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften]
🇦🇹 Reger Zulauf zum Zivildienst. Zwischen Jänner und August 2026 wurden um 8,4 % mehr Zivildiensterklärungen abgegeben als im Vorjahreszeitraum. Nach der Verkündung der Verlängerung der Wehrdienstreform und der Zivildienstverlängerung beim Sommerministerrat hat sich der Zulauf beschleunigt: 874 Zivildiensterklärungen im August 2025 stehen 1.327 im August 2026 gegenüber, ein Plus von 51,8 %. Laut Kronen Zeitung ist das der höchste August-Wert aller Zeiten. [Quelle: Kronen Zeitung]
🇪🇺 Europäischer Automarkt gewachsen. Von August 2025 bis August 2026 sind die Pkw-Neuzulassungen innerhalb der EU um 4,5 % gestiegen. In den ersten 8 Monaten des Jahres 2026 lag der Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 5,3 %. Seit Jahresbeginn erreichten E-Autos einen Marktanteil von 21,7 %, ein Anstieg von knapp 16 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im August 2026 legte der Absatz von E-Autos um 62,7 % zu, rein elektrisch betriebene Fahrzeuge erreichten damit einen Marktanteil von 27,7 %. In Österreich lag der E-Auto-Marktanteil bei 29 %, damit waren Elektroautos erstmals die größte Gruppe unter den Neuzulassungen. [Quelle: ACEA | Grafik: Elektroautos erstmals auf Platz 1 bei Neuzulassungen]
🇩🇪 BIP-Prognose für Deutschland verdoppelt. Die großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für 2026 auf 1,3 % verdoppelt. 2027 wird ein Wachstum von 1,1 % erwartet, 2028 aber nur noch 0,4 %. „Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet. Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten“, so IWH-Konjunkturchef Oliver Holtemöller. Außerdem ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im September zum 5. Mal in Folge gestiegen und lag bei 89,9 Punkten, nach 88,8 Punkten im August. [Quellen: Gemeinschaftsprognose, Ifo]
🇺🇸 🇨🇳 USA und China verlängern Pause im Handelskonflikt. Im Rahmen eines Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping wurde eine Verlängerung der Unterbrechung des Handelskriegs vereinbart. Sie soll nun bis zum 10. Jänner statt bis zum 10. November laufen. Das teilte US-Finanzminister Scott Bessent gegenüber Fox News mit. Am Donnerstag könnten laut Insidern Zollsenkungen für einige Sektoren vereinbart werden. Der Handelskonflikt hatte im vergangenen Jahr zu dreistelligen Zollsätzen zwischen den beiden Ländern geführt. Uneinig sind sich die Staatschefs jedoch bei Exportkontrollen für Mikrochips und Seltene Erden. [Quellen: Fox News, Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, New York: Generaldebatte der Vereinten Nationen [Info] (bis 28.9.)
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Tourismus-Zahlen August“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Roland Mathiesl wird neuer Vizebürgermeister in Spittal an der Drau, Andrea Penker wird Stadträtin. Franz Medwenitsch ist am Donnerstag zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden im ORF-Stiftungsrat gewählt worden. Karin Zeiler leitet seit diesem Monat die Chefredaktion des Österreichischen Apotheker-Verlags. Mit 1. Oktober wird Karin Reisinger die Vorsitzende der Geschäftsleitung in der Landesorganisation von dm Österreich.
Geburtstage: Wir gratulieren Laurenz Pöttinger und Markus Ornig zum Geburtstag. Am Samstag haben Peter Turrini und 21.000 weitere Österreicherinnen und Österreicher Geburtstag. Am Sonntag haben Johann Lafer und Mirjam Weichselbraun Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
9:00 Uhr, Wien: Start der 3. überparteilichen parlamentarischen Radtour, u. a. mit Lukas Hammer, Wolfgang Moitzi und Michael Nendwich [Info]
15:00 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Furious Minds and Financial Crises: What Drives Illiberalism?“ in der IWM Bibliothek u. a. mit Moritz Schularick und Laura K. Field [Info]
19:00 Uhr, Wien: Podiumsgespräch „Zwischen Kiew und Moskau: Berichte aus dem Krieg“ mit Paul Krisai, Vassili Golod und Cathrin Kahlweit im Kreisky Forum [Info]