Morning in Brief ・ 06.07.2026

Morning in Brief, 6. Juli 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Driss Schmid und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Nationalrat entscheidet heute über Gasreserve-Verlängerung. Der Hauptausschuss des Nationalrats stimmt am heutigen Montag über die Verlängerung der strategischen Gasreserve von 2027 auf 2029 ab, wofür Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer eine Zweidrittelmehrheit benötigt. Die Reserve von 20 TWh entspricht rund einem Viertel des jährlichen Inlandsverbrauchs, die Verlängerung kostet rund 240 Mio. Euro (115 Mio. 2027, 120 Mio. 2028), abgesichert im Doppelbudget 2027/28. Die Gasspeicher sind derzeit zu über 54 % gefüllt, nach rund 36 % Ende März, liegen damit aber rund 10 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Bei gleichbleibender Einspeicherrate wird zum Jahresende ein Füllstand von rund 80 % erwartet. [Quelle: BMWET | Reaktion: FPÖ]

„Der Kapitalmarkt löst nicht jedes Problem des Pensionssystems“
Interview mit Phillip Mayer

Phillip Mayer, Vorstandsmitglied der Pensions- und Vorsorgekasse Valida, bewertet die im April angekündigte Pensionsreform als „Schritt in die richtige Richtung“ – aber als zu zaghaften. Das Opt-in-Modell werde mittelfristig „vielleicht 10 % der Bevölkerung“ erreichen, ein Opt-out-Standard wäre der wirksamere Hebel gewesen. Die von der Regierung geplante Absenkung der Verwaltungskostengrenze für Vorsorgekassen von 0,8 auf 0,6 % hält er für einen unnötigen Eingriff: „Kein einziges Unternehmen am Markt hat diese 0,8 % verlangt – das ist ein Zeichen, dass der Markt funktioniert.“

💡 Gesundheitsausgaben steigen deutlich stärker als die Wirtschaft. Im Rahmen der Reformpartnerschaft einigten sich Bund, Länder und Gemeinden kürzlich auf Eckpunkte einer Gesundheitsreform, viele Details bleiben aber bis Jahresende offen. 2025 gaben Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung und Haushalte zusammen 61,3 Mrd. Euro für Gesundheit aus, um rund 22 Mrd. Euro mehr als 2018. Den Großteil davon trägt mit 46,4 Mrd. Euro die öffentliche Hand, private Ausgaben liegen bei 14,9 Mrd. Euro. Ohne Reformen ist keine Trendwende in Sicht. Laut Fiskalrat sollen die öffentlichen Gesundheitsausgaben von 7,7 % des BIP (2023) auf 8,9 % im Jahr 2040 und 10,3 % im Jahr 2070 steigen, stärker als bei Pensionen oder Pflege. [Quellen: Statistik Austria, Fiskalrat | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Klimagesetz wird Bedingung für Aufhebung des CO2-Speicherverbots. Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig betonte gestern in der ORF-Pressestunde, dass es trotz Kürzungen im Bereich Klima und Umwelt gelungen sei, die Fördermittel für die thermische Sanierung zu sichern. In einigen Bereichen sieht er große Erfolge von Anschubförderungen, die mittlerweile nicht mehr notwendig sind, weil Haushalte und Unternehmen die Dinge selbst fortsetzen. Als Beispiel nannte er die E-Mobilität, wo der Anteil an den Neuzulassungen nach Förderkürzungen dennoch um 36 % gestiegen sei. Ähnliche Effekte würden sich bei PV zeigen. Die Ausarbeitung des Klimagesetzes brauche noch etwas Zeit. Laut einem Bericht in der Krone sieht Finanzminister Markus Marterbauer das Klimagesetz als Voraussetzung für eine Aufhebung des CO2-Speicherverbots in Österreich. Das sei in den Regierungsverhandlungen bereits vereinbart worden.[Quellen: ORF-Pressestunde 5.7., Kronen Zeitung | Reaktionen: Grüne]

🇦🇹 Babler verteidigt teures Gesundheitssystem und MWSt-Senkung. Vizekanzler Andreas Babler verteidigte am Samstag im Ö1-„Journal zu Gast“ die „großartige Leistung“ der Reformpartnerschaft im Gesundheitsbereich. Dass das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren noch teurer wird, findet er gut. Denn die steigenden Kosten würden sich schließlich damit erklären lassen, dass die Menschen älter werden – und mit steigenden Medikamentenpreisen. Auch die MWSt-Senkung verteidigte Babler. Wer findet, dass 100 Euro Ersparnis pro Jahr wenig ist, der sei „abgehoben oder zynisch“. Den Grund für seine schlechten Vertrauenswerte in der Bevölkerung sieht er vor allem in negativen Medienberichten, die vielleicht auch etwas mit gekürzten Inseraten zu tun haben könnten, mutmaßt Babler. [Quelle: Ö1-Mittagsjournal 4.7. | Reaktionen: SPÖ, Grüne, FPÖ]

🇦🇹 Entbürokratisierungspaket zu 58 % umgesetzt oder in Umsetzung. Laut Staatssekretär Sepp Schellhorn sind nunmehr rund 58 % des ersten Entbürokratisierungspakets umgesetzt oder kurz vor der Umsetzung, wie er der Presse am Sonntag sagte. Er sei ja nur der Koordinator. „Es braucht leider alles seine Zeit in dieser Koalition“, so Schellhorn. Für das zweite Paket habe er 150 neue Entbürokratisierungsvorschläge vorgelegt, darunter Entlastungen im Abfallwirtschaftsgesetz oder in der Gewerbeordnung. [Quelle: Die Presse]

🇦🇹 Nationalrat: Grüne wollen Doppelbudget nicht zustimmen. Der Nationalrat wird am Freitag final über das Doppelbudget 2027/2028 sowie den Bundesfinanzrahmen bis 2031 abstimmen. Der Budgetausschuss hat das Doppelbudget vergangenen Freitag unverändert angenommen. Die Grünen haben angekündigt, dem Doppelbudget nicht zuzustimmen. Zuvor befasst sich das Plenum von Mittwoch bis Freitag mit den 70 Gesetzesänderungen des Budgetbegleitgesetzes. Die Sammelnovelle umfasst u. a. die Pensionsanpassung 2027, die Einführung einer Paketsteuer, die Senkung der Lohnnebenkosten, die Erhöhung der KöSt. auf 24 % ab einem Gewinn von mehr als 1 Mio. Euro, die Verlängerung der Bankenabgabe, die Anhebung der Alkoholsteuer sowie das Einfrieren verschiedener Familien- und Sozialleistungen. Zudem kündigten die Grünen an, auch der Gesamtpensionsregelung, für die eine Zweidrittelmehrheit nötig ist, nicht zuzustimmen. Zudem kündigten die Grünen an, auch der Gesamtpensionsregelung, für die eine Zweidrittelmehrheit nötig ist, nicht zuzustimmen. Sie seien grundsätzlich nicht gegen die Regelung, fordern aber im Gegenzug eine Erhöhung der Sicherungsbeiträge für „Luxuspensionen“. [Quellen: Parlament – Vorschau, Budgetbegleitgesetz, Budgetausschuss; Die Grünen – PK, Aussendung, APA via Medienberichte]

🇦🇹 Gas- und Stromverbrauch im Mai gesunken. Der Gasverbrauch lag im Mai bei 3,94 TWh, ein Rückgang von 8,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat, der Stromverbrauch sank um 0,6 % auf 5,16 TWh, wie aus Daten der E-Control hervorgeht. Die Stromproduktion aus Laufkraftwerken sank um 26 %, während Windkraft (+43,3 %) und Photovoltaik (+40,6 %) zulegten, in Summe wurden mit 6,21 TWh gleich viel Strom wie im Mai 2025 produziert. Die Gasspeicher waren zum Monatsende mit 46,7 TWh gefüllt, ein Minus von 13,6 % gegenüber dem Vorjahr. [Quelle: E-Control]

🇦🇹 AK-Beiträge stiegen 2025 auf 683 Mio. Euro. Die Arbeiterkammer verzeichnete 2025 Beitragseinnahmen von rund 683 Mio. Euro (2024: 653 Mio.), ein Plus von 4,6 %, bei knapp über 4 Mio. Mitgliedern und 2,3 Mio. Beratungen (–4 %). Der Jahreserfolg lag bei 49,17 Mio. Euro. [Quelle: AK]

🇦🇹 Wifo warnt vor Kreditbremse durch Immobilien-Kapitalpuffer. Banken müssen für Kredite an gewerbliche Immobilienprojekte künftig mehr Eigenkapital zurücklegen: Der dafür vorgesehene Kapitalpuffer soll bis Juli 2027 von 1 % auf 3,5 % steigen. Eine Wifo-Studie im Auftrag des Österreichischen Raiffeisenverbandes rechnet vor, dass dadurch die Bauinvestitionen um rund 1,1 % und die Wertschöpfung am Bau um rund 1,0 % sinken könnten – deutlich mehr, als die Nationalbank in ihrer eigenen Berechnung annimmt. Laut den Autoren gibt es derzeit auch keine Anzeichen für eine Überhitzung am Immobilienmarkt, die eine solche Verschärfung rechtfertigen würde. Da sich Problemkredite zudem auf wenige Banken konzentrieren, schlägt Wifo-Ökonom Thomas Url vor, gezielt bei diesen einzelnen Instituten anzusetzen, statt alle Banken gleich zu belasten.. [Quelle: Wifo]

🇦🇹 ATX legt bestes Halbjahr seit Jahren hin. Der Wiener Leitindex ATX inklusive Dividenden erreichte am 22. Juni mit 16.547,21 Punkten ein Allzeithoch und stieg seit Jahresbeginn um 24,86 %; ohne Dividenden lag er bei 6.594,82 Punkten. Die Aktienumsätze summierten sich bis 30. Juni auf 53,39 Mrd. Euro, das stärkste Halbjahr seit 2008. Als Treiber nennt die Wiener Börse unter anderem die Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran im Juni. Die Marktkapitalisierung aller inländischen Notierungen betrug zuletzt 209,86 Mrd. Euro, im ersten Halbjahr kamen mit Emerald Horizon, FIT GROUP und K2G Holding drei neue Listings hinzu. Börse-CEO Christoph Boschan mahnte angesichts der Rekordwerte zugleich mehr Anreize für die private Vorsorge ein, wo Österreich im europäischen Vergleich zurückfalle. [Quelle: Wiener Börse]

🇪🇺 Eurozone: Stimmung der Dienstleister steigt, bleibt aber niedrig.Die Stimmung der Dienstleister in der Eurozone hat sich im Juni stärker als erwartet aufgehellt. Der von S&P Global ermittelte Dienstleistungsindex Geschäftstätigkeit stieg mit 49,4 Punkten (Mai: 47,7) auf ein Drei-Monatshoch. Trotz des Anstiegs liegt der Indikator weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, was auf eine Schrumpfung der wirtschaftlichen Aktivität hindeutet. Der Indikator für die Gesamtwirtschaft (Composite PMI) erreichte mit 50 Punkten (Mai: 48,5) die Wachstumsschwelle, was auf das beschleunigte Wachstum in Italien, Spanien und Irland zurückzuführen ist. [Quellen: PMI]

🇪🇺 EU-Leistungsbilanzüberschuss steigt auf 113,4 Mrd. Euro. Die Leistungsbilanz der EU wies im ersten Quartal 2026 einen Überschuss von 113,4 Mrd. Euro auf (+2,4 % des BIP) – mehr als im Vorquartal (99,2 Mrd. Euro) und im Vorjahresvergleich (104,9 Mrd. Euro). Getragen wurde der Anstieg vor allem vom Dienstleistungssektor mit einem Plus von 52,1 Mrd. Euro. Die höchsten Überschüsse erzielten Deutschland, die Niederlande und Irland. Österreich lag mit 7,3 Mrd. Euro ebenfalls im Plus. [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 Sparquote im Euroraum stabil bei 14,3 %. Die Sparquote privater Haushalte im Euroraum blieb im ersten Quartal 2026 mit 14,3 % stabil gegenüber dem Vorquartal. Konsum und verfügbares Einkommen wuchsen etwa gleich stark (+0,8 % bzw. +0.7 %). Die Investitionsquote der Haushalte sank leicht von 8,6 % auf 8,5 %. Bei den Unternehmen ging die Gewinnquote von 39,7 % auf 38,6 % zurück, da die Wertschöpfung sank (-0,9 %), während Löhne und Abgaben zulegten (+0,8 %). Die Investitionsquote der Unternehmen stieg von 21,7 % auf 22,2 %. [Eurostat]

🇩🇪 Deutschland plant 2027 Neuverschuldung von 204 Mrd. Euro. Heute befasst sich das deutsche Kabinett mit dem Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027, der der Nachrichtenagentur dpa bereits zuvor vorlag. Er sieht eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Mrd. Euro im Kernhaushalt vor, zusammen mit den Sondervermögen für Bundeswehr und Infrastruktur ergeben sich 203,7 Mrd. Euro neue Schulden. Haupttreiber sind steigende Verteidigungsausgaben sowie der schuldenfinanzierte Infrastrukturtopf. Die Zinsausgaben sollen 2027 auf 41,9 Mrd. Euro steigen. Das Finanzministerium spricht dennoch von einem strikten Konsolidierungskurs mit Einsparungen von einem Prozent in allen Ressorts. Das Kabinett soll den Entwurf am Montag beschließen, der Bundestag entscheidet erst im November. [Quellen: BMF, Medienberichte]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Plenarsitzung des Nationalrat [Info] (bis 10.7.)

Heute, Dublin: Informeller EU-Ministerrat „Beschäftigung und Soziales“ [Info] (letzter Tag)

Heute, Straßburg: Plenarsitzung des EU-Parlaments [Info] (bis 9.7.)

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den „Einzelhandel Umsatzindex Mai 2026“ sowie den „Umsatz- und Beschäftigtenindex Handel und Dienstleistungen 1. Quartal 2026 (endgültig)“

10:30 Uhr, Limburg: Veröffentlichung des Sentix-Investorenvertrauen in die Eurozone im Juli

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht den EU-Einzelhandelsumsatz im Mai und die Erzeugerpreise

Wochenvorschau

Am heutigen Montag beginnt der erste Sitzungstag im Nationalrat um 13 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die Verlängerung der strategischen Gasreserve und die österreichische Afrikastrategie. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner ist in der Schweiz und trifft u.a. den Schweizer Verteidigungsminister Martin Pfister. Eurostat veröffentlicht am die Erzeugerpreise und Einzelhandelsumsätze in der EU für Mai. 

Am Dienstag veröffentlicht die OECD ihren internationalen Beschäftigungsausblick 2026. Der Nationalrat kommt tagt u. a. zu neuen Unterreichtsgegenständen, der Novelle zum Volksgruppengesetz und dem Verbot von Einweg-E-Zigaretten. Die Statistik Austria veröffentlicht Daten zu Innovation in Unternehmen.

Am Mittwoch veröffentlicht der IWF seinen „World Economic Outlook“ – diesmal ohne Daten zu Österreich. Der Ministerrat tagt. Im Nationalrat startet die Generaldebatte zum Budget. Im Bildungsministerium findet ein Hitzeschutzgipfel statt. Die WKÖ-Bundessparte Gewerbe und Handwerk sowie die KMU Forschung Austria stellen Konjunkturdaten vor. Die Statistik Austria veröffentlicht die Außenhandelsdaten für April.

Am Donnerstag veröffentlicht die Statistik Austria die Kfz-Neuzulassungen für das erste Halbjahr. Der Nationalrat diskutiert das Doppelbudget. In Brüssel treffen sich die Finanzminister der Eurogruppe – für Österreich nimmt Finanzminister Marterbauer teil.

Am Freitag stehen im Nationalrat die Schlussabstimmungen zum Doppelbudget und zum Bundesfinanzrahmen bis 2031 an. In Brüssel trifft sich die erweiterte Runde der EU-Finanzminister beim Rat „Wirtschaft und Finanzen“ (ECOFIN).

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Michael Sturmlechner ist seit dem 1. Juli der neue CEO der Aon Austria. Am 1. Oktober wird Klaus Schörghofer CEO und Daniel Haider CFO der VIVATIS Holding AG. Lukas Burianek übernimmt die Geschäftsführung der Ennshafen OÖ GmbH. Silke Haim ist die neue Präsidentin der Ärztekammer Oberösterreich.

Geburtstage: Wir gratulieren Peter Fichtenbauer zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Heute, Kitzbühel: World Venture Forum [Info] (bis 11.7.)

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