Morning in Brief ・ 01.09.2026

Morning in Brief, 1. September 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, David Schima, Maximilian Kern und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Stocker will Zukunftsfonds und Zukunftsdepot. Bundeskanzler Christian Stocker hat im ORF-Sommergespräch ein „Zukunftsdepot“ vorgeschlagen. Für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr soll Stockers Vorstellungen zufolge ein spesen- und gebührenfreies Anlagedepot geschaffen werden, bei dem der Staat auf die Kapitalertragssteuer verzichtet. Jährlich soll darauf ein Betrag bis maximal 5.000 Euro eingezahlt werden können. Würden monatlich 50 Euro angespart werden, würde bis zum 18. Geburtstag des Kindes – bis dahin ist das Depot gesperrt – ein Vermögen von 21.000 Euro anwachsen, rechnet Stocker vor. „Am besten“ soll das Zukunftsdepot schon mit 1. Jänner 2027 in Kraft treten. Weiters wiederholte Bundeskanzler Stocker seinen Vorschlag zur Einrichtung eines Staatsfonds bzw. „Zukunftsfonds“. Jährlich soll in diesem die Hälfte der jährlichen ÖBAG-Erträge, also rund 700 Mio. Euro, angelegt werden. Dabei sollen die Gewinne vorerst nicht entnommen werden, sondern 25 bis 30 Jahre lang reinvestiert werden. Damit könnte in 30 Jahren ein Vermögen von ungefähr 100 Mrd. Euro aufgebaut werden, so Stocker. Dieses Vermögen soll dann zur Absicherung der Pensionen unserer „Kinder und Enkelkinder“ verwendet werden. Wäre der von Bundeskanzler Christian Stocker skizzierte Staatsfonds bereits 2015 gestartet und nach norwegischem Vorbild veranlagt worden, läge das Gesamtvermögen 2026 bei rund 7 Mrd. Euro – kaum mehr als die reinen Einzahlungen, da sich der Zinseszinseffekt erst über längere Zeiträume entfaltet. Legt man ab 2027 eine Rendite von 6 % p. a. zugrunde (niedriger als der langjährige Schnitt des norwegischen Staatsfonds von knapp 6,9 %), sieht die Rechnung anders aus: Bis 2032 ergäbe das ein Fondsvolumen von 15,4 Mrd. Euro, bis 2041 rund 35 Mrd. Euro. Der Vergleich mit dem laufenden Pensionszuschuss des Bundes relativiert dieses Bild allerdings. Dieser liegt bereits heute bei rund 33 Mrd. Euro – jährlich. Der Staatsfonds wäre damit eine Ergänzung, keine Lösung des strukturellen Finanzierungsproblems. [Quellen: ORF-Sommergespräch, Rechnungshof, BMF, ÖBAG, NBIM | Reaktionen: Seniorenbund, IV | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

„Der Klimawandel ist die größte Herausforderung“
Interview mit Kari Ochsner

Der Präsident der IV-Niederösterreich begrüßt das geplante Klimagesetz, hält das darin verankerte Ziel der Klimaneutralität bis 2040 jedoch für „wenig sinnvoll“. Die europäischen Klimaziele seien „schon herausfordernd genug“, ein nationaler Vorlauf würde den Standort belasten, ohne dem Klima zu nützen. Sanktionen lehnt er ab, Anreize für Investitionen in klimafreundliche Technologien befürwortet er. Im Selektiv-Interview äußert er sich außerdem zum Green Deal, zur Abhängigkeit Europas von Energieimporten und zu den Folgen des „Wirtschaftskriegs“ mit China für die heimische Industrie.

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,943 Euro für Diesel und 1,741 Euro für Benzin. Nachdem sich die USA und der Iran erstmals seit Wochen wieder gegenseitig beschossen haben, ist der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im November um knapp 3 % auf über 90 US-Dollar gestiegen. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts für Oktober lag am Dienstagmorgen bei 70,94 Euro pro MWh – ein Anstieg um 3 % seit dem Vortag. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

🇦🇹 Spritpreisbremse erneut verlängert. Die Senkung der Mineralölsteuer (MÖSt) wird bis Ende September um 1,9 Cent je Liter Treibstoff fortgeführt. Eine Margenbegrenzung wie im April und Mai bleibt aber weiterhin ausgesetzt. „Dauerhafte Eingriffe in den Markt sind der falsche Weg“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Finanzminister Markus Marterbauer und ÖGB-Chef Wolfgang Katzian hatten sich vergangene Woche für eine Wiedereinführung des Margeneingriffs als Teil der Spritpreisbremse ausgesprochen. In einem Monat berät die Regierung erneut über eine Verlängerung. [Quellen: BMWET, Marterbauer zu Ö1, Katzian im Ö1-„Journal zu Gast“ | Reaktionen: FPÖ, ÖGB, Arbö, Grüne]

🇦🇹 2026 heißester Sommer der Messgeschichte. Die gemittelte Lufttemperatur lag im heurigen Sommer um 2,6 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. An 103 Messstationen der Geosphere Austria wurden neue Jahresrekorde festgestellt, erstmals wurde auch im Juni die 40-Grad-Marke erreicht. An 157 Messstationen gab es einen neuen Rekord an Hitzetagen (30 Grad und darüber), an 93 Stationen einen neuen Rekord an sehr heißen Tagen (35 Grad und darüber). Gleichzeitig war dieser Sommer einer der 5 niederschlagsärmsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1858. In manchen Regionen Österreichs lag das Niederschlagsdefizit bei bis zu 70 %. [Quelle: Geosphere Austria]

🇦🇹 Schumann: Mehr AMS-Fördermittel für Frauen. Arbeitsministerin Korinna Schumann will den Arbeitsmarkt an den demografischen Wandel anpassen. Allein zwischen 2024 und 2029 fehlen laut einer Wifo-Studie mehr als 50.000 Fachkräfte im mittleren Qualifikationssegment. Bei Frauen gebe es ein „besonders großes Beschäftigungspotenzial“, so Schumann bei einem Pressegespräch. Die Fördermittel des AMS für Frauen sollen daher weiterhin um mindestens 4 Prozentpunkte höher ausfallen als der Frauenanteil an der Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig wiederholte Schumann ihre Forderung nach einem Bonus-Malus-System, um mehr Unternehmen zur Beschäftigung älterer Menschen zu bringen. Bisher habe man sich in der Regierung nicht darauf einigen können. [Quelle: Pressegespräch]

🇦🇹 Produzierender Bereich stagnierte im Mai. Arbeitstägig bereinigt stiegen die Umsätze im Produzierenden Bereich im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,1 %. Nominell wurde ein Rückgang von 0,7 % verzeichnet. 80.662 Unternehmen mit 986.763 Beschäftigten erzielten einen Gesamtumsatz von 31,3 Mrd. Euro. In der Industrie stieg der Umsatz nominell um 0,1 % auf 26 Mrd. Euro. Der Produktionswert nahm um 1,2 % auf 25,6 Mrd. Euro zu. In der Baubranche wurde ein nomineller Rückgang von 4,3 % auf 5,3 Mrd. Euro verzeichnet. „Nach einem dynamischen Auftakt ins Frühjahr verlor die Entwicklung im Produzierenden Bereich im Mai 2026 spürbar an Dynamik,“ so die Generaldirektorin von Statistik Austria, Manuela Lenk. Im März und April wurden sowohl nominelle als auch bereinigte Anstiege des Umsatzes im Produzierenden Bereich registriert. [Quellen: Statistik Austria – Mai, April, März]

🇦🇹 Steigende Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe. 2025 betrugen die Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe 1,18 Mrd. Euro. Das sind um 120,8 Mio. Euro bzw. 11,4 % mehr als im Jahr 2024. Den größten Anteil hatte Wien mit 24,4 %. Es folgten Niederösterreich (18,2 %) und die Steiermark (15,1 %). Insgesamt wurden 42.645 Minderjährige innerhalb der Familie betreut. Weitere 13.029 Minderjährige erhielten „Volle Erziehung“ außerhalb der Familie. Davon wurden 61 % in Einrichtungen und 39 % bei Pflegepersonen betreut. Zusätzlich erhielten 2.325 junge Erwachsene (18–21 Jahre) außerfamiliäre Betreuung. 1.924 erhielten ambulante Unterstützung in der Familie. Bei den Betreuungsquoten je 1.000 Minderjährigen gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Bei der Unterstützung der Erziehung reicht die Spanne von 46,3 in Kärnten bis 16,7 in Oberösterreich. Bei der Vollen Erziehung liegt sie zwischen 11,9 in Wien und 5,6 in Oberösterreich. [Quelle: Statistik Austria]

🇩🇪 9,3 % der Gesamtinvestitionen deutscher Unternehmen gehen in den Klimaschutz. 2025 gaben deutsche Unternehmen im Durchschnitt 9,3 % ihrer Gesamtinvestitionen für Klimaschutzmaßnahmen im eigenen Betrieb aus. Das zeigt eine Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts aus dem Mai. Dieses Jahr sind Investitionsanteile in Höhe von 10,6 % geplant, 2027 von 10,5 %. Die Dienstleistungsbranche plant 2026 mit 12,2 % den höchsten Anteil ein, gefolgt vom Bauhauptgewerbe (10,5 %). Im Verarbeitenden Gewerbe werden 8,8 % eingeplant, im Handel 8,5 %. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 Nach Rückgang 2024 steigen FDI in Deutschland 2025 um 50 %. Nach einem Rückgang ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland 2024 um 32 % wurde 2025 ein Anstieg um 50 % auf 86 Mrd. Euro verzeichnet. Gegenüber dem Median zwischen 2015 und 2024 entspricht dies einem Anstieg von rund 11 %. Während die Investitionen amerikanischer Unternehmen gegenüber 2024 um 44 % zurückgingen, legten jene aus Großbritannien um 284 % zu. Der Anteil amerikanischer Direktinvestitionen in Deutschland sank damit von über 36 % auf 14 %, jener der britischen stieg auf 31 %. Mit rund 50 % bzw. 43 Mrd. Euro kam weiterhin der größte Teil der ausländischen Direktinvestitionen aus den übrigen 26 EU-Staaten. [Quelle: IW Köln]

🇩🇪 Deutsche Inflationsrate steigt auf 2,9 %. Im August stieg die Inflationsrate in Deutschland auf 2,9 %, nach 2,8 % im Juli. Die Kerninflation bleibt bei 2,4 %. Die Energiepreise erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,5 %, nach 8,3 % im Juli und 3,4 % im Juni. Heute veröffentlicht Statistik Austria die Schnellschätzung der Inflation für Österreich. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇮🇳 Indiens BIP um 7,8 % gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist die indische Wirtschaft im 2. Quartal 2026 um 7,8 % gewachsen und damit stärker als von Reuters befragten Ökonomen erwartet, die durchschnittlich mit einem Anstieg von 7,1 % rechneten. Treiber waren u. a. ein Anstieg der Investitionen sowie eine gesteigerte Industrieproduktion. Im 1. Quartal betrug das BIP-Wachstum 8,6 %. [Quellen: Indisches Statistikbüro, Reuters | Reaktion: Modi auf X]

🇨🇳 Stimmung in Chinas Industrie hellt sich auf. Der chinesische Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg im August um 0,6 Punkte auf 49,8. Er bleibt damit jedoch unter der Schwelle von 50 Punkten, die auf eine Ausweitung der Betriebsaktivität hindeutet. Nur in einzelnen Branchen überschritt er die Expansionsschwelle, etwa bei Großunternehmen (50,6 Punkte), im Maschinenbau (51,4 Punkte) und in der Hightech-Fertigung (52,9 Punkte). Weiters stiegen die Einkaufspreise für Rohstoffe auf 56,6 Punkte (+3,4 Punkte) und die Ab-Werk-Preise auf 50,4 Punkte (+2,6 Punkte) – getrieben durch steigende Öl- und Nichteisenmetallpreise. [Quelle: Xinhua, National Bureau of Statistics of China

Selektive Agenda:

Heute, Wicklow: Informeller EU-Außenministerrat (Gymnich) (bis 2.9.) [Info]

Heute, Wladiwostok: Beginn des Östlichen Wirtschaftsforums, u. a. mit russischem Präsidenten Putin (bis 4.9.) [Info]

Heute, Wien: AMS veröffentlicht Arbeitsmarktdaten für August

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Verbraucherpreisindex (VPI) Schnellschätzung August 2026“

10:00 Uhr, London: S&P Global gibt Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe sowie Dienstleistungen EU, Eurozone und Deutschland für August bekannt. (2. Veröffentlichung)

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht „EU-Arbeitsmarktdaten Juli“, „Verbraucherpreise Eurozone August (Vorabschätzung)“ sowie „Arbeitslosenquote Eurozone Juli 2026“

11:30 Uhr, Innsbruck: Bundespräsident Van der Bellen lädt zu Treffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder (bis 2.9.)

18:00 Uhr, Wien: Außenministerin Meinl-Reisinger empfängt japanischen Amtskollegen Toshimitsu Motegi

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Oliver Schlager ist seit dem 17. August der neue Leiter der Abteilung für Innere Medizin im Göttlicher Heiland Krankenhaus. Clive Ng und Hasan Dilsiz sind neu im Aufsichtsrat der Constantin Film. Maximilian Mayerhofer ist ab sofort Third Secretary & Deputy Head of Unit (Administration) bei der ständigen Vertretung Österreichs bei der EU.

Geburtstage: Wir gratulieren Desirée Treichl-Stürgkh zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

10:00 Uhr, Wien: Mayer am Pfarrplatz lädt zur Weinlese am Schwarzenbergplatz mit Michael Ludwig

10:30 Uhr, Alpbach: Podiumsdiskussion „Europas Zukunft finanzieren: Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalmärkte und Wirtschaftspolitik“ u. a. mit OeNB-Gouverneur Martin Kocher [Info]

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