Morning in Brief ・ 12.05.2026

Morning in Brief, 12. Mai 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Paketabgabe: 2 Euro pro Sendung ab Ende September geplant. Finanzminister Markus Marterbauer hat den Gesetzesentwurf für die Paketabgabe vorgelegt – die Begutachtung läuft bis 26. Mai. Ab Ende September sollen 2 Euro pro Paket fällig werden, allerdings nur für Versandhändler mit mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz. Der ursprüngliche Plan, nur Pakete aus Drittstaaten zu besteuern, ließ sich rechtlich nicht umsetzen. Die Abgabe gilt nun für alle inländischen Zustellungen an Endverbraucher. Betroffen sind auch heimische Händler. Mit der Abgabe soll die MwSt.-Senkung auf Grundnahrungsmittel ab 1. Juli teilfinanziert werden, erwartet werden Einnahmen von rund 280 Mio. Euro jährlich. [Quellen: Ministerialentwurf, Anfragebeantwortung zur Paketabgabe]

„Investoren fragen sich, warum sie in Österreich investieren sollen“
Interview mit Drei-CEO Rudolf Schrefl

Drei-CEO Rudolf Schrefl sieht die eigentliche Herausforderung der österreichischen Telekom-Branche in stagnierenden Umsätzen bei kontinuierlich steigenden Kosten – Letztere getrieben u. a. von Arbeits-, Energie- und Mietkosten. Hinzu komme der intensive Wettbewerb, insbesondere durch die Discount-Marken, die laut Schrefl mittlerweile rund ein Viertel des Marktes ausmachen. Zwar investiere die Branche jährlich rund 900 Mio. Euro und sei „die einzige Industrie im Warenkorb, die tatsächlich inflationshemmend wirkt“ – Investoren fragten sich aber zunehmend, warum sie in Österreich investieren sollen, wenn die Erträge immer unsicherer würden. Im Interview spricht Schrefl außerdem u. a. über die Novellierung des Telekommunikationsgesetzes als möglichen Hebel für Investitionsanreize, föderal unterschiedliche Genehmigungsverfahren beim Netzausbau, die Lücke zwischen Glasfaser-Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung, den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Drei sowie das Verhältnis europäischer Telekom-Unternehmen zu Big-Tech-Konzernen.

💡 IEA fordert schnelleren Windkraft-Ausbau. Die Internationale Energieagentur (IEA) attestiert Österreich eine starke Ausgangslage für die erneuerbare Transformation des Energiesektors. Um das Klimaziel von bilanziell 100 % erneuerbarer Stromproduktion bis 2030 zu erreichen, sieht die IEA jedoch eine „erhebliche Steigerung“ der Windkrafterzeugung als „unerlässlich“ an – der rasche PV-Ausbau der letzten Jahre reiche dafür nicht aus. Der Windkraftausbau wird laut IEA vor allem durch mangelnde Zonierung und langwierige Genehmigungsverfahren gebremst. Beim derzeitigen Fortschritt würden die Klimaziele 2030 und 2040 verfehlt werden. Österreich baute seine erneuerbare Kapazität im Vorjahr fast ausschließlich mit Photovoltaik aus: Knapp 94 % des Zubaus entfielen auf PV, nur 6 % auf Wind. Damit liegt Österreich am unteren Ende des europäischen Vergleichs. Schweden, Finnland und Litauen brachten mehr als 40 % ihres erneuerbaren Zubaus als Windkraft ans Netz, Deutschland rund ein Viertel. [Quellen: IEA – Aussendung, Report als .pdf; Montel Clean Power Progress Index 2026 | Reaktionen: BMWET, Oesterreichs Energie, Oecolution, IG Windkraft, EEÖ, FPÖ | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute Morgen bei 104,920 Dollar, ein Rückgang um 0,78 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag Dienstagfrüh bei 46,760 Euro pro MWh, ein Anstieg um 3,6 %. [Quellen: Ölpreis, Gaspreis]

🇦🇹 Pensionistenverband will niedrigere Anpassung abwenden. Der Pensionistenverband will mit der Regierung nur verhandeln, um eine niedrigere Anpassung der Pensionen noch abzuwenden. „Wir verhandeln nicht, wer weniger bekommt“, sagte die Vorsitzende des Pensionistenverbands Birgit Gerstorfer gestern im Ö1-Mittagsjournal. Das sei Entscheidung der Regierung, da wolle man sich nicht einmischen: „Die Seniorenorganisationen werden sich nicht den Schwarzen Peter umhängen lassen“. Finanzminister Markus Marterbauer sprach davon, dass die Pensionen durchschnittlich um 0,25 Prozentpunkte unter der Inflation erhöht werden müssen, um das geplante Einsparungsvolumen von 550 Mio. Euro für die kommenden beiden Jahre zu erzielen. Noch diese Woche soll dazu erneut ein Termin mit den Pensionistenvertretern stattfinden. [Quelle: Ö1-Mittagsjournal 11.5., Aussendung PVÖ]

🇦🇹 Cybersicherheitsgesetz NIS-2: Ein Drittel nicht rechtzeitig bereit. Ab 1. Oktober 2026 müssen rund 17 % aller österreichischen Unternehmen die Vorgaben des neuen NIS-2-Gesetzes für mehr Cybersicherheit erfüllen. Laut einer KSV1870-Umfrage unter 1.100 Betrieben wird ein Drittel (31 %) die Frist verpassen. Wer keinen Nachweis über entsprechende Cybersicherheitsmaßnahmen vorlegen kann, riskiert den Verlust von Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen kritischer Sektoren. Dabei hätten drei Viertel der Betroffenen bereits einen konkreten Maßnahmenplan – die Umsetzung scheitert trotzdem. Im Vorjahr wurden in Österreich über 63.000 Fälle von Internetkriminalität registriert. [Quelle: KSV1870]

🇦🇹 Hilde Umdasch gestorben. Die Unternehmerin Hilde Umdasch ist am Wochenende nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren gestorben. Sie war bis zuletzt Gesellschafterin der Umdasch Group und von Bellaflora. [Reaktionen: Mikl-Leitner, WKÖ NÖ, IV]

🇦🇹 Kärnten: Defizit 2025 bei 301 Mio. Euro, Schulden auf 4,31 Mrd. Das Land Kärnten schloss das Jahr 2025 mit einem Nettofinanzierungsdefizit von 301 Mio. Euro ab – nach 252 Mio. Euro im Jahr davor. Das Defizit ist um 95 Mio. Euro niedriger als im Nachtragsvoranschlag vorgesehen. Die Landesschulden (ESVG) stiegen von 4,04 auf 4,31 Mrd. Euro. Finanzsprecher Michael Maier sprach von einem „schwierigen, aber verantwortungsvoll bewältigten Haushaltsjahr“ und forderte weitere Strukturreformen und eine Entflechtung der Zuständigkeiten im Finanzausgleich. Für 2026 ist ein Defizit von 429 Mio. Euro budgetiert. [Quelle: Land Kärnten]

🇦🇹 Akzeptanz von Budgetsanierung in Aufschwung-Phasen höher. Ein Sparpaket im Ausmaß von einem Prozentpunkt des BIP senkt die Regierungszustimmung innerhalb eines Jahres im Schnitt um 1,6 Prozentpunkte, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Regierungskrise um 17,5 Prozentpunkte und jene von Generalstreiks bzw. Demonstrationen um rund acht Prozentpunkte. In einer Rezession fallen die Popularitätsverluste mit 2,1 Prozentpunkten deutlich stärker aus als im Aufschwung (Nahezu Null). Die Regierung konsolidiert aktuell jährlich um rund 0,5 Prozentpunkte des BIP. Rein ausgabenseitige Konsolidierungen sind dabei politisch riskanter als gemischte Pakete. Das geht aus einer Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hervor. Die Effekte sind laut den Studienautoren jedoch temporär. [Quelle: wiiw]

🇪🇺 EU-Emissionshandel soll gelockert werden. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die Referenzwerte des EU-Emissionshandelssystems zu aktualisieren. Damit würde die energieintensive Industrie weiterhin kostenlose Emissionszertifikate im Ausmaß von 75 % ihrer Emissionen erhalten. Das soll den Unternehmen im Zeitraum von 2026 bis 2030 Kosten von 4 Mrd. Euro ersparen. Die neuen Referenzwerte sollen im Juni verabschiedet werden, im Juli soll dann eine „umfassende Überprüfung“ des Emissionshandelssystems folgen. [Quelle: EU-Kommission – Aussendung, Q&A]

🇪🇺 Zeichen stehen auf Zinserhöhung. Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten für Juni und September je einen Zinsschritt um einen Viertelprozentpunkt. OeNB-Gouverneur Martin Kocher sieht bei anhaltender Inflationsentwicklung „keinen Weg vorbei“ an einem Zinsschritt, ähnlich argumentierte zuvor der deutsche Bundesbankpräsident Joachim Nagel: „Umso mehr ist eine Reaktion des EZB-Rats im Juni angemessen, wenn sich die Aussichten nicht merklich verbessern“. Die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank findet am 11. Juni statt. [Quellen: Bloomberg, NZZ, Handelsblatt]

🇺🇸 Trump will Spritsteuer aussetzen. US-Präsident Donald Trump will die bundesweiten Steuern auf Treibstoffe „solange es angebracht ist“ aussetzen. Die Steuern betragen 18,4 Cent pro Gallone (3,79 Liter) Benzin und 24,4 Cent für Diesel. Im Schnitt kostet eine Gallone Benzin in den USA derzeit 4,52 Dollar – vor Ausbruch des Irankriegs lag der Preis knapp unter 3 Dollar. „Es ist zwar nur ein kleiner Prozentsatz, aber Geld ist Geld“, so Trump. Für die Aussetzung der Steuer muss der US-Kongress ein entsprechendes Gesetz verabschieden. [Quellen: PBS, AP]

🇷🇺 Russland senkt Wachstumsprognose. Die russische Regierung hat ihre Wirtschaftsprognose nach unten korrigiert. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 0,4 % wachsen – 0,9 Prozentpunkte weniger als bisher angenommen. Für 2027 wurde die Erwartung von 2,8 % auf 1,4 % gesenkt. Das teilte der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak mit. Als Grund nannte er eine Abkühlung nach den „sehr hohen Wachstumsraten“ der Jahre 2023 und 2024, die v. a. durch erhöhte Militärausgaben für den Ukrainekrieg getragen wurden. [Quellen: Reuters, Wedomosti]

Selektive Agenda:

Heute, Brüssel: Verteidigungsministerin Tanner beim EU-Verteidigungsministerrat [Info]

Heute, Nikosia: Informelle Tagung der Energieminister (bis 13.5.) [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die „Kfz-Neuzulassungen April“

9:30 Uhr, Wien: Finanzausschuss des Nationalrats diskutiert u. a. Senkung der Umsatzsteuer für Grundnahrungsmittel sowie Erbschaftssteuer

10:10 Uhr, Bratislava, Slowakei: Slowakischer Präsident Pellegrini empfängt Bundespräsident Van der Bellen und tschechischen Präsidenten Pavel zum Treffen im Slavkov-Format

11:00 Uhr, Mannheim, Deutschland: Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung veröffentlicht seine Konjunkturerwartungen für den Mai.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Evrim Bakir übernahm mit 1. Mai die Rolle der Geschäftsführerin bei der EUROGROUP CONSULTING GmbH Österreich. Deloitte Österreich verstärkt das Führungsteam: Isabella Schleifer übernimmt eine zentrale Rolle im Bereich Transformation, Organisation & Workforce sowie Digital Adoption im Zuge der EMEA-Erweiterung. Johannes Dobretsberger ist neuer Geschäftsführer der JLP Health GmbH. Benedikt Feuchtmüller hat mit 1. April die Leitung des Marketings der Austrotherm Gruppe sowie von Austrotherm Österreich übernommen. Sebastian Golser wird mit 1. Juli neuer operativer Geschäftsführer der Landestheater Niederösterreich Betriebs GmbH.

Geburtstage: Wir gratulieren Sepp Schellhorn, Margarete Schramböck und Sonja Ablinger zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

16:00 Uhr, Hochstraß: Verleihung BECOM „Innovation Award 2026“ [invite only]

18:00 Uhr, St. Pölten: Militärkommando NÖ und Stadt St. Pölten laden zum Festakt und Großem Österreichischem Zapfenstreich zum Jahrestag der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags am Rathausplatz – im Anschluss Empfang im Rathaus [invite only]

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