Morning in Brief ・ 16.09.2026

Morning in Brief, 16. September 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Yannic Haimeder und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Energiekrisenmechanismus würde laut Experten gar nicht schlagend werden. Der Energiekrisenmechanismus, der in Österreich bei zu hohen Strompreisen einen Deckel einziehen soll, ist wie berichtet noch nicht unter Dach und Fach. Beim heutigen Ministerrat könnte er nun dem Vernehmen nach auf der Tagesordnung stehen. Experten zweifeln aber auch daran, dass er überhaupt aktiviert werden könnte. „Beim derzeit kolportierten Modell rechne ich nicht damit, dass der österreichische Krisenmechanismus ausgelöst werden wird. Denn hier sind sowohl die Börsenpreise als auch die Endkundenpreise ausschlaggebend. Ich rechne nicht damit, dass die Endkundenpreise im heurigen Winter großflächig die Krisenschwelle erreichen werden“, sagt Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie und Vorstandssprecher der Salzburg AG im Selektiv-Interview. Bis dato gibt es keinen Gesetzesentwurf – der Plan wäre ein Inkrafttreten mit Jahresbeginn 2027, gemeinsam mit Industriestrompreis und SAG für energieintensive Betriebe, die ebenfalls noch nicht vorliegen. [Quelle: Selektiv]

„Abgesang auf Wasserkraft wäre völlig verfehlt“
Interview mit Michael Baminger

Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, bestätigt im Selektiv-Interview einen „extraordinären“ Einfluss der Trockenheit auf die österreichische Wasserführung. Die Erfahrungen des heurigen Jahres würde den angestrebten Technologiemix aus PV, Windkraft und Wasserkraft aber „jedenfalls“ bestätigen. Trotz Trockenheit ist die Wasserkraft „nach wie vor eine sehr stabile, nachhaltige und langfristige Erzeugungsform.“ Ein Abgesang auf die Wasserkraft wäre daher „völlig verfehlt“, so Baminger. Den Beschluss des ElWG und EABG hält er für eine „große politische Leistung“, die Branche wartet jedoch weiterhin auf das lange angekündigte UVP-Gesetz und die EAG-Novelle. Generell vermisst er bei allen angekündigten Beschleunigungen aber das nötige Tempo: „Selbstverständlich dauert es uns zu lange, wir wünschen uns schnellere Verfahren.“

💡 Mehr als die Hälfte der Stromrechnung sind Netzkosten und Abgaben. Ein Wiener Musterhaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlte 2026 laut E-Control-Tarifkalkulator 1.134,8 Euro im Jahr für Strom, davon entfielen nur 494,9 Euro (44 %) auf die eigentlichen Stromkosten. Den größeren Teil machen Netzentgelte (349,0 Euro), Umsatzsteuer (189,1 Euro) und sonstige Abgaben (101,8 Euro) aus, zusammen also 56 % der Rechnung. Im Vergleich zu 2025 (1.145,9 Euro) ist der Gesamtpreis leicht gesunken, während sich die Anteile der einzelnen Bestandteile leicht verschoben haben. [Quelle: E-Control | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Konjunkturstimmung erreicht neuen Höchstwert seit Beginn des Irankriegs. Der Konjunkturindikator der UniCredit Bank Austria stieg im August gegenüber dem Juli um 0,1 Punkt und notiert mit minus 0,7 Punkten auf dem höchsten Stand seit Beginn des Irankriegs. Während sich die Stimmung im Baugewerbe, der Industrie, bei den Verbrauchern und Exporten verbesserte, ging sie im Dienstleistungsbereich zurück. Trotz der Stimmungsverbesserung blieb sie in allen Wirtschaftssektoren unterdurchschnittlich. Die wirtschaftliche Lage Österreichs wurde zum 6. Mal in Folge schlechter eingeschätzt als im Euroraum. Die UniCredit Bank Austria belässt ihre Prognose des Wirtschaftswachstums 2026 bei 0,8 % und hält für 2027 ein höheres Wachstum als 1,2 % für möglich. Außerdem wird weiterhin eine Jahresinflationsrate von 3,2 % erwartet, für 2027 wird die Prognose auf 2,8 % erhöht. Erwartet wird in der Folge eine weitere Erhöhung des EZB-Leitzinses im Dezember. [Quellen: UniCredit Bank Austria – Übersicht, Bericht | Grafik: Österreichs BIP sinkt, EU wächst]

🇦🇹 Anzahl der Wertpapierdepots steigt. 2025 ist die Anzahl der Wertpapierdepots bei österreichischen Kreditinstituten im Vorjahresvergleich um 14 % auf 2,87 Mio. gestiegen. Grund dafür ist laut der Finanzmarktaufsicht (FMA) die steigende Anzahl von Neobanken und Neobrokern, v. a. Zweigniederlassungen ausländischer Anbieter. Letztere haben ihren Marktanteil von 13 % im Jahr 2024 auf 20 % im Jahr 2025 gesteigert. „Die Digitalisierung ist der wichtigste Türöffner für eine breitere Beteiligung am Kapitalmarkt, vor allem unter jungen Menschen“, so FMA-Vorständin Mariana Kühnel. [Quelle: FMA | Grafik: Kaum Aktienbesitz – Österreich unter Euroraum-Schnitt]

Das Briefing zum Oesterreichs Energie Kongress:
Grafiken, Interviews, Hintergründe
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Selektiv ist Medienpartner des Energiekongresses, der am Mittwoch und Donnerstag in der Hofburg stattfindet. Oesterreichs Energie bringt dort Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um über die Energiezukunft Österreich zu diskutieren. Themen sind u. a. 25 Jahre Strommarkt-Liberalisierung, aktuelle Energiepolitik, Transformation der energieintensiven Industrie, Geopolitik, Sicherheitsrisiken und Künstliche Intelligenz. Unter den Speakern finden sich spannende Persönlichkeiten wie der ehemalige VW-Chef Herbert Diess oder die Wissenschaftlerin Florence Gaub, die die Forschungsabteilung des NATO Defense College in Rom leitet.

Selektiv hat für alle Teilnehmer – und Interessierten – ein Vorab-Briefing zusammengestellt, mit Hintergrundinfos, Grafiken und Interviews, zum Herunterladen und Ausdrucken als Begleiter durch den Kongress. Wir sind auch vor Ort – melden Sie sich gerne für einen Austausch: sara.grasel@selektiv.at und stephan.frank@selektiv.at

🇦🇹 🇪🇺 Überarbeitung der EU-Lohntransparenz „kein leichtes Unterfangen“. Die Sozialpartner verhandeln nach einer Sommerpause wieder die Umsetzung der Lohntransparenz. Die Industriellenvereinigung pochte gestern erneut auf ein Stop-the-Clock und eine Überarbeitung auf EU-Ebene, doch das dürfte schwierig werden, obwohl nur drei Länder die Richtlinie fristgerecht umgesetzt haben. Eine Änderung der Richtlinie auf EU-Ebene wäre laut dem EU-Experten Paul Schmidt „kein leichtes Unterfangen“. Der Druck auf die EU-Kommission müsste von einer größeren Gruppe an EU-Ländern kommen. Neben einer Initiative der EU-Kommission bräuchte es zudem Mehrheiten im Rat sowie im EU-Parlament. Die Kommission zeigt sich bisher ablehnend. Die zuständige EU-Kommissarin Hadja Lahbib hatte ein Stop-the-Clock im Mai ausgeschlossen, wie sie in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des belgischen EU-Abgeordneten Kris Van Dijck festhielt. [Quellen: IV, Schmidt auf Selektiv-Anfrage, EU-Kommission | Grafik: Lohntransparenz – Gut gemeint ist nicht gut gemacht | Interview: Evva-CEO – „Das erinnert mich ein bisschen an Planwirtschaft“]

🇦🇹 Flughafen Wien fordert Halbierung der Flugabgabe. Um den Rückgang des Flugaufkommens zu stoppen fordern die Vorstände der Flughafen Wien AG, Julian Jäger und Günther Ofner, die Halbierung der Flugabgabe. Dadurch würde die Beschäftigung und der Tourismus steigen und dem Staat 80 Mio. Euro Mehreinnahmen bringen, die den Steuerausfall ausgleichen würden. Von Jänner bis August sank das Passagieraufkommen am Wiener Flughafen gegenüber der Vorjahresperiode um 4 % auf rund 20,6 Mio. Passagiere. Neben der Flugabgabe sind auch der Irankrieg sowie der Rückzug von Billig-Airlines Gründe für die rückläufigen Passagierzahlen. [Quellen: APA via Medienberichte, Klub der Wirtschaftspublizisten, Flughafen Wien | Service: Flugabgabe]

🇦🇹 Baukosten in Österreich weiter gestiegen. Im August sind die Baukosten über alle Sparten hinweg gestiegen. Im Wohnhaus- und Siedlungsbau lagen die Kosten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,3 % höher, im Monatsabstand um 0,1 %. Der Straßenbau verteuerte sich im Jahresabstand um 8,2 % und im Monatsabstand um 0,2 %. Im Brückenbau wurde ein Anstieg um 6,6 % bzw. 0,4 % verzeichnet, im Siedlungswasserbau um 7,1 % bzw. 0,5 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 🇪🇺 Stocker bekräftigt Forderung nach Reduktion des EU-Haushalts. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Ratspräsident António Costa wiederholte Bundeskanzler Christian Stocker, dass das Gesamtvolumen des EU-Haushalts für 2028 bis 2034 „um mehrere hundert Milliarden Euro sinken muss“. Das veranschlagte Volumen von rund 2 Billionen Euro sei „schlicht nicht finanzierbar“. Gleichzeitig fordert er, die Budgets für die Landwirtschaft und für die Regionen sicherzustellen. António Costa hielt fest, dass diese „weiterhin zentrale Säulen bleiben“. Für eine Senkung des Gesamtvolumens brauche es aus seiner Sicht neue EU-Eigenmittel, die mehr Flexibilität brächten. Costa betonte zudem, dass der EU-Haushalt bis Ende 2026 beschlossen werden müsse. [Quellen: Bundeskanzleramt – I, II; Rede Costa | Reaktionen: Neos, FPÖ, Die Grünen]

🇦🇹 🇪🇺 Österreich mit vierthöchster Quote offener Stellen in der EU. Im 2. Quartal 2026 beträgt der Anteil offener Stellen in Österreich 2,9 %. Einen höheren Wert verzeichnen nur die Niederlande (4,1 %), Belgien (3,3 %) und Malta (3,1 %). Der Durchschnitt in der Eurozone liegt bei 2,1 %, in der EU bei 2 %. Gegenüber dem Vorjahresquartal verringerte sich der Anteil in Österreich um 0,5 Prozentpunkte, der drittgrößte Rückgang im EU-Vergleich. Gleichzeitig sank die österreichische Beschäftigungsquote im 2. Quartal um 0,4 Prozentpunkte, der stärkste Rückgang der EU. Die Arbeitslosenquote stieg in Österreich nach EU-Definition von 5,5 % auf 5,8 %, einer der drei größten Anstiege in der EU. [Quellen: Eurostat – Offene Stellen, Beschäftigungsquote

🇪🇺 EU-Parlament will größere Zertifikatsreserve im Emissionshandel. Das EU-Parlament hat seine Position zur Reform der Marktstabilitätsreserve (MSR) im EU-Emissionshandel für Industrie, Stromerzeugung, Luft- und Seeverkehr (ETS1) festgelegt. Die Grenze für die Löschung überschüssiger Zertifikate aus der Reserve soll ab 1. Februar 2027 von 400 auf 650 Mio. steigen. Ziel ist es, die Preisstabilität der Zertifikate zu gewährleisten. [Quelle: EU-Parlament | Reaktion: FPÖ]

🇨🇭Schweizer Konjunkturprognose mehr als verdoppelt. BAK Economics hat seine Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft von 0,8 auf 1,8 % mehr als verdoppelt. Solide Konjunkturindikatoren und ein „überraschend starkes 2. Quartal“ waren dafür ausschlaggebend. Für 2027 wurde die Prognose von 1,4 auf 1,3 % gesenkt, da ein Teil des heurigen Wachstums auf Zoll-Vorzieheffekte zurückzuführen sei und dieses nächstes Jahr dann fehlen würde. BAK Economics erwartet für das heurige Jahr eine Inflation von 0,6 %, für 2027 wurde die Prognose von 0,7 auf 0,8 % angehoben. Aufgrund der angespannten Energiemärkte und dem stärkeren Wachstum erwartet BAK, dass die Leitzinsen im Dezember von Null auf 0,25 % angehoben werden. [Quelle: BAK Economics]

🇺🇸 Vor heutiger Fed-Sitzung: Rendite von US-Staatsanleihen auf Niveau der Finanzkrise. Heute Abend um 20 Uhr wird Kevin Warsh, Vorsitzender der US-Notenbank (Fed), die geldpolitischen Entscheidungen der Fed verkünden. Während Experten von einer Zinserhöhung ausgehen, fordert US-Präsident Donald Trump weiterhin, die Leitzinsen zu senken. Gleichzeitig überschritt die Rendite der 10-Jährigen US-Staatsanleihen am Dienstag erstmals seit der Finanzkrise 2007/08 die 5-%-Marke. [Quellen: TradingView, Reuters – Übersicht, Trump]

🌐 Einschränkung des Welthandels könnte 10 % des globalen BIP kosten. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat 3 Szenarien zur Zukunft des Welthandels bis 2050 ausgearbeitet. Würden die multilateralen Rahmenverträge gestärkt, würden die weltweite Wertschöpfung im Vergleich zum Status Quo um 2,9 % und die weltweiten Exporte um 17,9 % höher ausfallen. In einer geografisch fragmentierten Handelsumgebung würde es zu einem Verlust von 5,1 % des globalen BIP und einem Rückgang des globalen Handels um 18,6 % kommen. In einer Welt, die statt durch WTO-Regeln nur noch durch unterschiedliche Freihandelsabkommen geregelt wird, wären die Rückgänge mit 6,9 % bzw. 26,9 % noch stärker. Zwischen dem besten und schlechtesten Szenario liegen somit knapp 10 Prozentpunkte Unterschied, beim Handelsvolumen knapp 45 Punkte. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala appelliert daher an Reformen: „Diese schwierige Phase könnte für das Handelssystem zu einem Wendepunkt der Erneuerung und Wiederbelebung werden. Das System stand früher auch vor Herausforderungen – wir können es wieder schaffen.“ [Quelle: WTO – Aussendung, World Trade Report, Pressekonferenz]

Selektive Agenda:

Heute, Straßburg: Plenarsitzung des Europäischen Parlaments [Info] (bis 17.9)

9:00 Uhr, Straßburg: Ursula von der Leyen hält die Rede zur Lage der Union („SOTEU“) [Info]

10:00 Uhr, Wien: Ministerrat

11:00, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht „Eurozonen-Industrieproduktion Juli“, „Unternehmensgründungen und Insolvenzen Juli“ und den „Arbeitskostenindex 2. Quartal 2026“

20:00, Washington D.C.: Fed Zinsentscheid

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: David Feichter wird Co-CEO von fiskaly. Mark Kaslatter ist der neue CEO von Celum. Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad wechselt zur Erste Group, wo er ab dem 1. Quartal 2027 die gruppenweite Verantwortung für die integrierte Steuerung des Asset Management und Digital Investing übernimmt. Die Leitung der Erste Asset Management wird ab 1. Dezember Robert Kubin übernehmen.Thomas Mühl ist der neue Director Standards bei Austrian Standards. Ab dem 1. Juli 2027 übernimmt Gerhard Hopfgartner die Funktion des Vertriebs- und Marketingvorstands der Wiener Städtischen. Sonja Brandtmayer ist ab diesem Zeitpunkt Vorstandsvorsitzende der Wiener Städtischen. Christa Koenen wird ab dem 1. Jänner 2027 Teil des Vorstandes der Strabag und übernimmt die IT-Agenden sowie die Bereiche Digitalisierung und Innovation. Die Presse berichtet, dass Johannes Peterlik wieder im Außenministerium arbeitet – als Referent in der Sektion für konsularische Angelegenheiten. Die Österreichische Privatuniversitäten Konferenz (ÖPUK) hat Karl Wöber zum Ehrenmitglied ernannt.

Geburtstage: Wir gratulieren Alfred Marchler und Thomas Larcher zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Heute, Wien: Wiedereröffnung des Wiener Stadttempels [Info]

8:00, Wien: Oesterreichs Energie Kongress „Zukunft unter Strom“ in der Hofburg [Info] (bis 17.9.)

9:00, Wien: ÖGV-Business Breakfast „KI & Arbeitrecht: Wenn Algorithmen mitentscheiden“ im Palais Eschenbach [Info]

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