Morning in Brief ・ 19.06.2026

Morning in Brief, 19. Juni 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Sozialhilfereform: Leistungshöhe soll an Arbeitsfähigkeit gekoppelt werden. Laut einem Bericht des Standard haben sich die Verhandler darauf verständigt, die Höhe der Sozialhilfe künftig an der Arbeitsfähigkeit der Bezieher zu orientieren. Wer aufgrund von Alter, Krankheit oder Betreuungspflichten dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe, solle weiterhin den vollen Sozialhilfe-Richtsatz von maximal 1.230 Euro im Monat für Alleinstehende erhalten. Wer keine solchen Verhinderungsgründe vorweise, soll künftig nur einen geringeren Grundbetrag bekommen. Im Gespräch sei eine Orientierung an der Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts (DLU), die unter bestimmten Voraussetzungen Teilnehmern an Arbeitsmarktkursen zusteht und bis zu 1.050 Euro im Monat beträgt. Das im Regierungsprogramm ursprünglich vorgesehene Modell, Asylsuchenden in der Integrationsphase nur eine reduzierte Leistung auszuzahlen, sei EU-rechtlich umstritten gewesen. [Quelle: Der Standard | Service: Regierungsprogramm 2025-2029]

Bankenabgabe „strahlt weit über den Sektor hinaus“
Interview mit Eva Landrichtinger

Die Verlängerung der Bankenabgabe sei ein völlig falsches Signal, sagt die Geschäftsführerin der WKÖ-Sparte Banken und Versicherung, Eva Landrichtinger. Nicht nur, weil sie Spielräume für die Kreditvergabe einschränke und einen Wettbewerbsnachteil darstelle. Es gehe auch um Rechtssicherheit: „Als die erhöhte Bankenabgabe letztes Jahr eingeführt wurde, hieß es öffentlich und medial deutlich: Das gilt für zwei Jahre, dann läuft es aus. Jetzt ist das nicht passiert. Solche Fälle gibt es öfter und ich glaube, das ist der eigentliche Grund, warum Investoren sagen, auf Österreich kann man sich nicht hundertprozentig verlassen“. 

💡 IMD-Ranking: Österreich fällt ab, die Schweiz verliert Platz 1. Österreich rutscht im aktuellen IMD-Ranking von Rang 26 auf Rang 29 ab. Die Schweiz, 2025 noch das wettbewerbsfähigste Land, wird von Singapur (Platz 1) und Hongkong (Platz 2) überholt. Das Ranking bewertet anhand statistischer Daten und Befragungen von Führungskräften die Wettbewerbsfähigkeit von 70 Volkswirtschaften. In 2 der 4 übergeordneten Kategorien verbessert sich Österreich: in der Infrastruktur von Platz 14 auf 13 und in der Wirtschaftsleistung von Platz 40 auf 39. In den Kategorien Betriebliche Effizienz (Platz 33) und Effizienz der Verwaltung (Platz 43) rutscht Österreich zurück. Die niedrigsten Platzierungen erreicht Österreich u. a. bei den öffentlichen Finanzen (Platz 55) und in der Steuerpolitik (Platz 65). Seit 2020 ist Österreich im Gesamtranking um 13 Plätze zurückgefallen. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sieht darin einen „beunruhigenden Trend“ und einen „neuen lauten Weckruf“. Österreich habe eine starke Basis, um diese zu halten und auszubauen, brauche es eine schnelle Umsetzung von Reformen in den Bereichen Deregulierung, steuerliche Entlastung und Standortattraktivierung für in- und ausländische Investitionen. [Quellen: IMD – Österreich, Ranking; IV – Pressegespräch, Aussendung | Reaktionen: FPÖ, WKÖ, Handelsverband | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Finanzierung der Lohnnebenkostensenkung: Details der Einigung. Im Anschluss an die gestrige Einigung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zur ab 2028 geplanten Senkung der Lohnnebenkosten um 2 Mrd. Euro wurden die Details bekannt gegeben. Die Senkung führt zu einem Minus im Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von rund 600 Mio. Euro. Dieses Minus wird durch eine Erhöhung des Abgeltungsbetrags an den FLAF ausgeglichen, wobei der Bund zwei Drittel und Länder sowie Gemeinden mit 200 Mio. Euro ein Drittel tragen. Die Regelung gilt für 2028, eine Weiterführung wird Teil der Verhandlungen zum nächsten Finanzausgleich ab 2029. Zusätzlich stellt der Bund den Ländern aus dem EU-Wiederaufbau- und Resilienzplan einen Investitionszweckzuschuss von 166,86 Mio. Euro zur Verfügung, davon 50 Mio. Euro noch 2026. Die Gemeinden erhalten im Rahmen eines Infrastruktur-Investitionspakets 30 Mio. Euro. [Quelle: BMF]

🇦🇹 BMF erwartet 1,4 Mrd. Euro durch Betrugsbekämpfung bis 2029. Im Zuge der Budgetsanierung setzt das Finanzministerium laut APA auf neue Maßnahmen. 45 zusätzliche Mitarbeiter bei Finanzämtern sollen 2027 Mehreinnahmen von 25 Mio. Euro bringen, danach 50 Mio. Euro pro Jahr. 35 neue Mitarbeiter kommen gegen Registrierkassenbetrug. Grundbuchsdaten werden stärker mit Steuerdaten verknüpft, um nicht deklarierte Mieteinkünfte und Immobilien-Scheingeschäfte aufzudecken (bis 15 Mio. Euro/Jahr bis 2029). Die Auftraggeberhaftung wird auf Umsatzsteuer und lohnabhängige Abgaben bei Scheinunternehmen ausgeweitet (12 Mio. Euro/Jahr ab 2028). Nicht ausgeglichene Gesellschafterverrechnungskonten gelten künftig als Gewinnausschüttung mit KESt-Pflicht. Finanzämter können bei Verdacht auf Karussellbetrug das unbare Einfuhrumsatzsteuer-Verfahren befristet aussetzen. Neue Bewertungsregeln gelten bei unentgeltlichen Zuwendungen, etwa an Stiftungen. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Kürzungen bei Umweltförderungen. Im Landwirtschafts- und Umweltministerium wird das Umwelt- und Klimabudget in den kommenden zwei Jahren um rund 405 Mio. Euro geringer ausfallen. Die Neuauflage des Reparaturbonus wird gestrichen (38 Mio. Euro) und die Förderungen für Sanierung und Heizungsaustausch gekürzt. Die Sanierungsoffensive bleibt mit 360 Mio. Euro dotiert. Der Agrardiesel kostet 100 Mio. Euro. Finanziert wird das u. a. mit Einsparungen bei Personal (-6 % bis 2029) sowie Sachaufwand und Projekten im Ausmaß von 60 Mio. Euro und eine Sonderdividende der Bundesforste. Auf die Kürzungen im Umwelt- und Klimabudget angesprochen verweist Umweltminister Norbert Totschnig in der ZIB 2 auf Vorbelastungen aus der Vorgängerregierung. Die Erreichung der Klimaziele hänge nicht allein vom Umweltministerium ab, er werde aber alles tun, damit diese erreicht werden. [Quellen: BMLUK, ZIB 2 | Reaktion: Die Grünen]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,769 Euro für Diesel und 1,683 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August lag heute Früh bei 79,19 Dollar, ein Minus von 0,5 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Freitagfrüh bei 41,40 Euro pro MWh – ein Rückgang um 1,2 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

🇦🇹 Österreich legt im Uni-Ranking zu. Gestern wurde das „QS University Ranking“ veröffentlicht und Österreich hat so stark zugelegt wie kein anderes europäisches Land. Fast alle heimischen Unis haben sich verbessert. Besonders auffällig ist Salzburg (Platz 572) mit einem Sprung um 78 Plätze – mit Abstand die stärkste Verbesserung. Auch die TU Graz (409, +18), Innsbruck (333, +17) und die JKU Linz (458, +15) legen jeweils zweistellig zu, ebenso Klagenfurt (683, +14) und die Uni Wien (140, +12). Die TU Wien (191, +6) verbesserte sich moderat. Einzige Ausnahme ist die Karl-Franzens-Universität Graz (696), die um 28 Plätze zurückfällt. Neu im Ranking sind die Central European University (239) und die Montanuniversität Leoben (851-900). An der Spitze stehen weiter US- und britische Institutionen. [Quelle: Ranking | Reaktionen: Uni Wien, CEU]

🇦🇹 Neos fordern Ausweitung der Öffnungszeiten für Selbstbedienungsläden. Die Neos fordern, dass sowohl vollständig automatisierte Selbstbedienungs-Boxen als auch Hybridmärkte rund um die Uhr geöffnet sein dürfen. Im Regierungsprogramm wurde bereits festgeschrieben, dass Nahversorger, die gänzlich digital oder in Randzeiten digital und ohne angestelltes Personal betrieben werden, vom Öffnungszeitengesetz ausgenommen werden. Diese Regelung solle nun „so rasch wie möglich“ umgesetzt werden, so ein Neos-Sprecher gegenüber der APA. [Quelle: APA via Medienberichte, Regierungsprogramm 2025-2029]

🇦🇹 Mieten im 1. Quartal 2026 erneut gestiegen. Die Durchschnittsmiete inklusive Betriebskosten lag laut Statistik Austria bei 695,1 Euro pro Wohnung bzw. 10,5 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 4,8 % gegenüber dem Vorjahresquartal und 1,1 % gegenüber dem Vorquartal. Der Anstieg geht laut Statistik Austria hauptsächlich auf die Nettomiete zurück, die Betriebskosten legten nur geringfügig zu. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 🇪🇺 Europäischer Rat: Stocker fordert deutliche Reduktion des EU-Budgets 2028-2034. Heute beginnen die ersten Gespräche zum Entwurf des Mehrjährigen Finanzrahmens 2028-2034 auf Ebene der Staats- und Regierungschefs. Österreich und die weiteren Nettozahler der EU zeigen sich mit dem Budgetentwurf der EU-Kommission sowie mit den Kürzungsvorschlägen der zyprischen Ratspräsidentschaft nicht zufrieden. Bundeskanzler Christian Stocker fordert eine deutliche Reduktion des Budgetvolumens. Er verweist darauf, dass die Beiträge der Mitgliedstaaten als Anteil ihrer Wirtschaftsleistung berechnet werden und somit bei steigendem BIP auch das EU-Budget automatisch wächst. Für Österreich seien 2 Punkte zentral: das Volumen zu reduzieren und sicherzustellen, dass die Mittel für Regionalförderung und Landwirtschaft ausreichend und zweckgewidmet im neuen Budget abgebildet werden. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz geht von schwierigen Verhandlungen im 2. Halbjahr aus. Auf der Tagesordnung stehen zudem die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie sowie insbesondere Bürokratieabbau, Währungspolitik und Handelsbeziehungen zu China. [Quellen: Doorsteps – Stocker, Merz | Reaktion: AK]

🇪🇺 EU-Parlament beschließt Recycling-Regeln für Fahrzeuge. Neue Fahrzeuge müssen in Zukunft so gebaut werden, dass möglichst viele Teile und Komponenten leicht ausgebaut werden können. Unter anderem müssen die im Fahrzeugbau verwendeten Kunststoffe innerhalb der nächsten 6 Jahre zu mindestens 15 % und innerhalb von 10 Jahren zu 25 % aus recyceltem Kunststoff bestehen. Beim Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen werden Unternehmen verpflichtet zu prüfen, ob es sich um ein Altfahrzeug handelt oder eine gültige Verkehrstauglichkeitsbescheinigung vorliegt. Zudem wird die Ausfuhr von Fahrzeugen, die für nicht verkehrstauglich erklärt wurden, verboten. Vor Inkrafttreten muss die Verordnung noch vom Rat der EU förmlich angenommen werden. [Quelle: EU-Parlament]

🇩🇪 Ifo-Institut erwartet 2026 Wirtschaftswachstum von 0,8 %. In seiner Sommerprognose geht das Ifo-Institut von einem BIP-Wachstum in der Höhe von 0,8 % für 2026 und 2027 aus. Damit bestätigt das Institut den Wert aus jenem Szenario der Frühjahrsprognose, das von einer Deeskalation im Irankrieg ausging. Sowohl das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) als auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) haben in ihren Sommerprognosen die Wachstumserwartungen für Deutschland gesenkt. Das DIW reduziert seine Prognose für 2026 von 1,0 auf 0,5 % und für 2027 von 1,4 auf 0,8 %. Das IfW Kiel belässt seine 2026-Prognose bei 0,8 %, senkt aber 2027 von 1,4 auf 1,0 %. [Quellen: Ifo-Institut – Sommer, Frühjahr; DIW, IfW Kiel]

🇩🇪 8,4 % mehr Aufträge für die deutsche Industrie als im Vorjahresmonat. Im April stieg der Auftragsbestand in der deutschen Industrie um 8,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gegenüber März 2026 wurde ein Anstieg von 0,4 % verzeichnet. Vor allem die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen und von Flugzeugen, Schiffen, Zügen und Militärfahrzeugen stieg. Die Chemieindustrie verzeichnete Rückgänge. Die offenen Aufträge stiegen sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Die Reichweite des Auftragsbestands bleibt bei 8,8 Monaten. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

Selektive Agenda:

Heute, Brüssel: Treffen des Europäischen Rates (letzter Tag) [Info]

15:30 Uhr, Brüssel: Feierliche Eröffnung des neuen Botschaftsgebäudes der Österreichischen Vertretung bei der EU; u. a. mit Bundeskanzler Christian Stocker, Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Europaministerin Claudia Bauer

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Aron Literski übernahm am 1. Juni die Leitung des Geschäftsbereichs Defense & Security der Magirus Gruppe. Rainer Nowak ist der neue Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen. Maximilian Dasch ist der künftige Vizepräsident. Zudem wird Dasch die Präsidentschaft des Vereins MISCHA – Medien in Schule und Ausbildung – übernehmen. Christian Nusser ist ab dem 1. Juli Mitglied der Chefredaktion der Kronen Zeitung.

Geburtstage: Wir gratulieren Monika Medek und Armen Avanessian zum Geburtstag. Am Samstag hat Alexander Schallenberg Geburtstag, am Samstag haben Hans Peter Doskozil und Ruperta Lichtenecker.

Sehen & gesehen werden:

9:30 Uhr, Wien: SUERF – The European Money and Finance Forum in der Österreichischen Nationalbank u. a. mit IWF-Chefin Kristalina Iwanowa Georgiewa und Martin Kocher (letzter Tag) [Info]

10:00 Uhr, Wien: 16. Österreichischer Gesundheitswirtschaftskongress ±„WIR.K.S.A.M. – Wir könnten sicher auch mehr“ u. a. mit Korinna Schumann und Katharina Reich (letzter Tag) [Info]

20:45 Uhr, Wien: Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker vor dem Schloss Schönbrunn. [Info]

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