Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stanislaus Ruhaltinger und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 BIP-Sommerprognose: Raiffeisen Research erwartet 0,7 % Wachstum 2026 – Wifo- und IHS-Prognose heute. Nach einem Wachstum der österreichischen Wirtschaft von 0,8 % im Vorjahr soll das BIP 2026 um 0,7 % steigen. Ohne den Irankrieg wäre laut Raiffeisen Research ein Plus von rund 1 % möglich gewesen, für 2027 wird 1,0 % prognostiziert. Der private Konsum und die Investitionen dürften 2026 langsamer zulegen als im Vorjahr. Die Dienstleistungsbranche stagniert: Der reale Zuwachs im heimischen Dienstleistungssektor lag Anfang 2026 bei 0,2 % gegenüber dem Vorjahr, während die Eurozone im Schnitt 1,8 % zulegte. Studienautor Matthias Reith führt dies auf die vollständigen Lohnausgleiche der vergangenen Jahre zurück: Preissteigerungen wurden in Österreich über Lohnrunden weitgehend abgegolten, was die Kostenbasis erhöhte und das Wachstum dämpfte. Die Industrie wächst seit 2025 wieder, hat sich dies jedoch durch Margenrückgänge erkauft: Lohnerhöhungen wurden durch geringere Gewinne abgefedert, weshalb heimische Industrieunternehmen heute weniger profitabel sind als der Eurozone-Schnitt. Reith empfiehlt daher, exogene Preisschocks nicht direkt in die inländische Kostenbasis zu übertragen und Lohnzurückhaltung länger aufrechtzuerhalten. Heute veröffentlichen das Wifo und das IHS ihre Konjunkturprognosen für 2026 und 2027. [Quelle: Raiffeisen Research]
Kommentar: Das Wachstum ist zurück, der Rückstand bleibt
von Matthias Reith
Die Industrieunternehmen haben sich ihren Aufschwung gewissermaßen „selbst bezahlt“. Die Bauwirtschaft tappt dagegen weiterhin in tiefster Finsternis – und war bis zuletzt (Q1 26) eine Wachstumsbremse. Denn am Bau herrscht nach wie vor gespenstische Ruhe. Die Bauwirtschaft (Wohnbau und sonstiger Bau) befindet sich inmitten einer „Marathon-Rezession“, das Jahr 2026 wird für die Branche wohl zum 8.(!) Rezessionsjahr – ob mit oder ohne Irankrieg. Zumindest seit den 1970er-Jahren (und wohl auch davor), gab es keine Branche, die eine längere Durststrecke durchleben musste.
💡Österreich holt kaum Gründer ins Land. Die Rot-Weiß-Rot-Karte zieht Fachkräfte an, kaum aber Gründer und Investoren. Von 12.623 RWR-Karten, die 2025 ausgestellt wurden, entfielen lediglich 60 auf Selbstständige und Start-ups. Das sind 0,5 % der Gesamtsumme. Das System ist auf Arbeitnehmer ausgerichtet: Allein 8.631 Karten gingen an Fachkräfte in Mangelberufen. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer will die RWR-Karte zu einem Standortinstrument für Unternehmer und Investoren weiterentwickeln. Eine neue Economica-Studie beziffert das Potenzial: Im moderaten Szenario erzeugt ein einzelnes unternehmerisches Zuwanderungsprojekt über fünf Jahre rund 77 Mio. Euro Bruttowertschöpfung und durchschnittlich 157 Arbeitsplätze. [Quellen: BMWET, Economica, APA via Medienberichte | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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🇦🇹 KV-Verhandlungen im Hotel- und Gastgewerbe ohne Abschluss. Arbeitgeber und Gewerkschaft konnten sich nicht auf einen neuen Kollektivvertrag für das Hotel- und Gastgewerbe einigen. Das Letztangebot der Arbeitgeberseite vom 29. Mai sah u. a. eine durchschnittliche Erhöhung der KV-Mindestlöhne um 3 % sowie 3,4 % für die unterste Lohngruppe vor. Die Gewerkschaft lehnte das Angebot ab und fordert weiterhin einen vollen Inflationsausgleich. Eine anschließend durchgeführte Mitgliederbefragung sprach sich ebenfalls gegen das Angebot aus. Die WKÖ zweifelt an deren Aussagekraft, da die Online-Befragung öffentlich zugänglich war und mehrfache Teilnahmen nicht ausgeschlossen werden konnten. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es noch nicht, die Gewerkschaft signalisiert jedoch Bereitschaft zur Weiterverhandlung. [Quellen: WKÖ – Juni, Mai; ÖGB – Juni, Mai]
🇦🇹 WKÖ: Senkung der Kammerumlagen soll nicht „verwässert“ werden. Die geplante Senkung der Kammerumlage 2 (KU2) soll österreichische Unternehmer um 100 Mio. Euro entlasten. Durch den Beschluss im Budgetbegleitgesetz, dass Dienstgeber für über 60-jährige Dienstnehmer künftig ebenfalls in den Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) einzahlen müssen, würde die Nettoentlastung für Unternehmen jedoch geringer ausfallen. Sabine Jungwirth von der Grünen Wirtschaft bezifferte die zusätzlichen Einnahmen für die WKÖ durch den FLAF-Beitrag für Ü60-Dienstnehmer auf 60 Mio. Euro. Die WKÖ erklärte gegenüber der APA, diese Zahl nicht nachvollziehen zu können, und strebt generell an, die Unternehmen in vollem Maße zu entlasten: Man werde den Gesetzesbeschluss abwarten und auf Basis der konkret zu erwartenden Mehreinnahmen eine Lösung finden. [Quellen: APA via Medienberichte, Grüne Wirtschaft]
🇦🇹 Steuersenkung auf Lebensmittel wird „vollständig und unmittelbar“ weitergegeben. Mit 1. Juli wird die MwSt auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 % gesenkt. Der Lebensmittelhandel werde die Senkung ab Tag 1 zu 100 % an die Konsumenten weitergeben, so der Handelsverband. Die Umstellung habe rund 6 Mio. Euro gekostet und umfangreiche Anpassungen in Warenwirtschafts-, Kassen- und Abrechnungssystemen erfordert, die innerhalb von rund 2 Monaten umgesetzt wurden. Welche Produkte begünstigt sind, richtet sich nach der zolltariflichen Einreihung laut UStG-Novelle vom 21. Mai. Daraus ergeben sich Abgrenzungen, z. B. ist Naturjoghurt begünstigt, Fruchtjoghurt je nach Zusammensetzung nicht. [Quellen: BMF, Handelsverband]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,72 Euro für Diesel und 1,66 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August lag heute Früh bei 72,6 Dollar, ein Minus von 5,8 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Donnerstagfrüh bei 40,8 Euro pro MWh und lag damit knapp 3 % unter dem Vortagespreis. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 IT-Sektor wächst – Unternehmen bei KI-Nutzung in oberem Drittel der EU. Die Wertschöpfung des IT-Sektors ist seit 2019 um 54 % gestiegen, die Beschäftigung um 38 %, wie eine Studie von Economica zeigt. Der Sektor macht mittlerweile 8,85 % der gesamten Wirtschaftsleistung aus und beschäftigt 322.513 Menschen. Der Einsatz von KI in österreichischen Unternehmen stieg zwischen 2021 und 2025 um 21 Prozentpunkte. Im Jahr 2025 lag Österreich mit einer KI-Nutzungsquote von 30 % aller Unternehmen auf Platz 7 im EU-Vergleich. Doch es sei noch großes Potenzial vorhanden, so Manuela Lenk von Statistik Austria: Drei Viertel der Unternehmen, die keine KI nutzen, haben dies bislang nicht in Betracht gezogen. [Quellen: WKÖ, Statistik Austria]
🇪🇺 EU-Kommission legt Steuer-Vereinfachungspaket für Unternehmen vor. Die EU-Kommission hat ein Paket zur Vereinfachung des EU-Steuerrechts verabschiedet, das Unternehmen jährlich rund 8 Mrd. Euro einsparen soll, davon 3,3 Mrd. Euro an Verwaltungskosten. Kernstück ist u. a. eine Befreiung von der Quellensteuer auf grenzüberschreitende Dividenden-, Zins- und Lizenzzahlungen zwischen Unternehmen in der EU, was allein 5,3 Mrd. Euro jährlich einsparen soll. Zudem sollen Doppelregelungen zwischen bestehenden Konzernsteuerregeln und der globalen Mindeststeuer (Pillar Two) beseitigt werden sowie Meldepflichten für bestimmte grenzüberschreitende Steuergestaltungen reduziert werden, was das Meldeaufkommen um 35 % senken soll. Bis 2029 will die Kommission den bürokratischen Aufwand für Unternehmen um mindestens 25 % reduzieren, für kleine und mittlere Unternehmen um mindestens 35 % – das entspricht erwarteten Einsparungen von 37,5 Mrd. Euro. Die geplanten Gesetzesänderungen liegen nun dem EU-Parlament zur Beratung vor. [Quellen: EU-Kommission – Übersicht, Steuer-Omnibus | Reaktion: SPÖ]
🇪🇺 🇺🇸 Top-6-US-Unternehmen erzielen gleich hohe Gewinne wie Europas Top 500. Die 6 umsatzstärksten US-Unternehmen erzielten 2025 einen kumulierten Gewinn von 540 Mrd. Euro, die 500 größten europäischen Unternehmen zusammen 547 Mrd. Euro. Der Gewinn der 6 größten US-Unternehmen stieg 2025 um 23 %, jener der europäischen Top 500 um 9 %. Die 500 größten US-Unternehmen insgesamt kamen 2025 auf einen Gewinn von 1.480 Mrd. Euro, ein Plus von 11,8 %. In Europa sank der Gewinn der Top 500 im selben Zeitraum um 11,2 %. US-Konzerne wirtschaften zudem profitabler: Die Nettoumsatzrendite lag 2025 bei 9,4 % gegenüber 5,6 % in Europa. Als Hauptursachen nennt die Analyse des Handelsblatts das Fehlen vergleichbarer Technologiekonzerne in Europa sowie die schwächere Konjunktur: Die US-Wirtschaft wuchs 2025 um 2,1 %, die europäische um 1,4 %. [Quelle: Handelsblatt]
🇩🇪 Deutsches Geschäftsklima im Juni gestiegen. Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich von Mai auf Juni verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 85 auf 85,6 Punkte im Juni. Besser bewertet wurde die aktuelle Lage und die Erwartungen werden als weniger unsicher eingestuft. Im Verarbeitenden Gewerbe, Dienstleistungssektor, Handel und Baugewerbe wurden Verbesserungen verzeichnet. Trotz der Verbesserungen liegt das Geschäftsklima weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. [Quelle: Ifo-Institut]
🇩🇪 Firmeninsolvenzen in Deutschland auf höchstem Stand seit 2013. Die Firmeninsolvenzen stiegen im 1. Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,8 % auf rund 12.900, laut Berechnungen von Creditreform. Zuletzt wurde im 1. Halbjahr 2013 mit 13.310 Insolvenzen ein ähnlich hoher Wert verzeichnet. Die Forderungsausfälle beliefen sich auf 28,5 Mrd. Euro. Als Gründe werden u. a. die Auswirkungen des Irankriegs sowie strukturelle Faktoren angeführt. Zudem ist der Anteil der Unternehmen, die ihre Zinszahlungen nicht aus dem laufenden Ertrag decken können, von 6,5 % im Jahr 2015 auf 7,5 % im Jahr 2026 gestiegen. [Quelle: Creditreform]
🇶🇦 Katars LNG-Produktion soll in wenigen Wochen Vorkriegsniveau erreichen. Die Produktion von Flüssigerdgas in Katar werde „innerhalb weniger Wochen“ wieder auf das Vorkriegsniveau steigen, sagte Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani der Financial Times. [Quelle: Reuters]
🌐 Goldpreis auf niedrigsten Stand seit November 2025. Am Mittwoch fiel der Goldpreis um 3,15 % auf 3.985 US-Dollar. Damit liegt der Preis für eine Feinunze Gold zum ersten Mal seit November des Vorjahres unter 4.000 US-Dollar. Ende Januar 2026 erreichte der Goldpreis seinen bisherigen Rekordwert von 5.594,82 Dollar. Grund für den Rückgang sind eine Aufwertung des US-Dollars und steigende Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. [Quellen: Reuters, Goldpreis]
Selektive Agenda:
Heute, Peking: Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in China (letzter Tag)
Heute, Wien: Der Vorsitz Tirols im Bundesrat endet [Info]
Heute, Wien: Sitzung des WKÖ-Wirtschaftsparlaments
Heute, Luxemburg: EU-Ministerrat „Umwelt“ u. a. mit Umweltminister Norbert Totschnig [Info]
10:00 Uhr, Wien: Wifo und IHS veröffentlichen ihre Sommerprognose zur Konjunktur 2026 und 2027
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Fabian Duschel ist der neue CEO von Gate Space; Mitgründer und bisheriger CEO Moritz Novak wird der neue Chief Strategy Officer und übernimmt den Vorsitz des Board of Directors. Thomas Müller-Hartburg wurde zum neuen Präsidenten der Kammer der Ziviltechniker für Wien, NÖ und das Burgenland gewählt. Heimo Berger wurde zum neuen Vorstand der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie gewählt. Sein Stellvertreter ist Gernot Tritthart. Lisa Noggler übernimmt ab dem 1. September die Leitung des Innsbrucker Zeughauses. Christian Scherer wird Teil der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe HTI.
Geburtstage: Wir gratulieren Madeleine Petrovic und Marc Janko zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Heute, Lech am Arlberg: Symposium „Impact Lech“ in den Lechwelten u. a. mit Markus Hengstschläger, Patricia Neumann und Verena Ehold (bis 28.06.) [Info]
9:30 Uhr, Wien: Eröffnung der künstlerischen Verhüllung des Ringturms von und mit Pavel Brăila sowie u. a. Wolfgang Hattmannsdorfer
17:00 Uhr, Wien: Afterwork „Büroschluss“ im Weitsicht Cobenzl
17:30 Uhr, Salzburg: Business Networking Evening des Österreichisch-Serbischen Wirtschaftsforums im Hotel Königgut [invite only]
18:00 Uhr, Wien: Das Europäische Forum Alpbach lädt gemeinsam mit dem EU-Parlament zu „How Europe Wins: Die neue Energiewende-Maxime europäischer Sicherheit“ ins Haus der Europäischen Union [Info]