Morning in Brief ・ 27.08.2026

Morning in Brief, 27. August 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Driss Schmid und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Made in Europe: Neue Regeln für die öffentliche Beschaffung bis Jahresende. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will die öffentliche Beschaffung strategisch ausrichten. Die 67 Mrd. Euro des jährlichen Beschaffungsvolumens sollen in strategisch wichtigen Feldern stärker europäischen und österreichischen Unternehmen zugutekommen. Welcher Anteil der öffentlichen Beschaffungsgelder derzeit in Drittstaaten wie die USA oder China fließt, kann aufgrund der Datenlage nicht beantwortet werden, sagte Klaus Friesenbichler vom Lieferketten-Institut ASCII, das für das Wirtschaftsministerium eine Studie zur öffentlichen Beschaffung durchgeführt hat. Etwa ein Achtel der Aufträge würde derzeit nicht an österreichische Unternehmen gehen, wobei internationale Unternehmen oft mit einer heimischen Repräsentanz auftreten würden. Friesenbichler denkt, dass der heimische Anteil in Bereichen wie dem Bau hoch ist, aber in Schlüsseltechnologien wie IT, Batteriespeichern oder Wechselrichtern niedrig. Genau hier will Hattmannsdorfer ansetzen. In einem ersten Schritt soll „local content“ als Leitprinzip bei staatsnahen Unternehmen verankert werden, durch eine „Made-in-Europe-Deklaration“. Bis Jahresende soll es einen Aktionsplan für die öffentliche Beschaffung und für das Förderwesen mit politischen Zielvorgaben geben. Bei den Förderungen zielt das z. B. auf die Forschungsförderung oder Twin-Transition ab. Bei Beschaffungen im Bereich von Schlüsseltechnologien soll es auch eine Abkehr vom Billigstbieterprinzip geben – hin zu einer Betrachtung der gesamten Lebenszykluskosten, in die man auch die CO2-Kosten einpreisen könnte, so Friesenbichler. Großaufträge könnten künftig in kleinere Lose aufgeteilt werden, damit KMU bessere Chancen haben. Hattmannsdorfer will sich zudem dafür einsetzen, dass die Schlüsseltechnologien im Public-Procurement-Act der EU verankert werden. [Quelle: BMWET – Pressekonferenz, Aussendung | Reaktionen: IV, WB, ÖGB, Tierschutz Austria, FPÖ/Kolm, PRO-GE]

„Kinderbetreuung in Indien leistet nicht unbedingt einen Beitrag zur zivilen Landesverteidigung in Österreich“
Interview mit Claudia Bauer

Für die Verlängerung des Zivildienstes benötigen die Koalitionsparteien die Zustimmung einer Oppositionspartei, um die nötige Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Die Grünen fordern für ihre Zustimmung als „Grundvoraussetzung“ eine Erhöhung der Zivildiener-Grundvergütung. Zivildienstministerin Claudia Bauer zeigt sich dem nicht abgeneigt: „Wenn die finanziellen Ressourcen vorhanden sind, bin ich selbstverständlich die Letzte, die sich dagegen wehrt, die Entlohnung für Zivildiener zu erhöhen“, so Bauer im Selektiv-Interview. Den „Wildwuchs“ beim Zivildienstersatz, etwa Friedens- oder Sozialdienste auf anderen Kontinenten, will Bauer aber eindämmen. „Wir brauchen die Zivildiener hier in Österreich“, so die Ministerin.

💡 Sehschwäche und Angststörungen nehmen bei Stellungspflichtigen zu. Zwischen den Geburtsjahrgängen 1990 und 2006 haben sich die häufigsten Diagnosen bei der Stellung deutlich verschoben. So stieg der Anteil der Sehschwäche-Diagnosen von 7,5 % auf 20,8 %, jener der Angststörungen von 5,7 % auf 10,1 %. Auch Gelenkbeschwerden (von 12,1 % auf 22,2 %), Nervenkrankheiten und Depression legten spürbar zu. Dagegen sind Adipositas (10,8 % auf 9,7 %) und Bluthochdruck (3,4 % auf 1,7 %) leicht rückläufig. Relevant ist das auch für die aktuelle Debatte um eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst. Der Pool an Stellungspflichtigen ist von rund 44.900 im Jahrgang 1990 auf rund 36.700 im Jahrgang 2006 ohnehin geschrumpft. Ein wachsender Anteil davon bringt Diagnosen mit, die potenziell die Tauglichkeit beeinflussen. Wie viele davon am Ende tatsächlich untauglich gestellt werden, zeigt die Statistik allerdings nicht direkt. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 „Sozialhilfe Neu“ soll Dauerbezug von Sozialhilfe verhindern. Integrationsministerin Claudia Bauer sieht in der Sozialhilfe nur eine „Überbrückungsleistung“ – die Reform der Sozialhilfe müsse „unmissverständlich“ klarstellen, dass es „keinen Dauerbezug von Sozialhilfe geben kann“. Sie begrüßt die „Kurskorrektur“ jener Bundesländer, die die Sozialhilfe jüngst eingeschränkt haben. Auch das Rahmengesetz auf Bundesebene müsse den „Unterschied zwischen Erwerbstätigkeit und Leben aus Sozialleistungen deutlich“ machen. Bauer betont im Selektiv-Interview, dass mit dem Integrationspflichtengesetz ihr Teil der Sozialhilfereform bereits seit Monaten fertig sei. Sie fordert Sozialministerin Korinna Schumann erneut auf, einen Gesetzesentwurf zur „Sozialhilfe Neu“ vorzulegen, damit die Reform mit Jahreswechsel in Kraft treten kann: „Das Sozialministerium muss das jetzt auch endlich zur Umsetzung bringen.“ [Quelle: Selektiv]

🇦🇹 Kleine Bauernverbände fordern Umbau des Dürre-Hilfspakets. Die Bauernverbände IG Milch, Agrargemeinschaft Österreich und Bündnis Zukunft Landwirtschaft riefen in einem offenen Brief an die Bundesregierung „Alarmstufe rot“ aus und forderten eine Umgestaltung des Dürre-Hilfspakets. Die 240 Mio. Euro müssten zielgerichtet und unmittelbar bei den Betrieben ankommen. Statt einer Abwicklung über die Sozialversicherungsbeiträge sollten die Mittel als Inflationsausgleich in die GAP- und ÖPUL-Zahlungen fließen, zudem wird ein Vorziehen der Direktzahlungen auf September gefordert. Die Landwirtschaftskammer wies unterdessen den Vorwurf zurück, das Hilfspaket werde durch Bauerngelder finanziert. Mit 140 Mio. Euro an Bundesmitteln würden zwei Monats-Eigenbeiträge der bäuerlichen Sozialversicherung übernommen, im Gegenzug werde der Bundeszuschuss 5 Jahre lang um jeweils 50 Mio. Euro reduziert, so LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger. [Quellen: AGÖ, LKÖ]

🇦🇹 Ausgaben zu Schulstart steigen. Die geplanten Ausgaben zum Schulstart sind im Vergleich zum Vorjahr von 126 Euro auf 181 Euro gestiegen, ein Plus von 43 %. Dabei planen die Österreicher 105 Euro im stationären Handel auszugeben (+31,3 %) und 76 Euro (+65,2 %) online. Am höchsten ist die Ausgabenbereitschaft mit 210 Euro in Salzburg und in Oberösterreich, am niedrigsten mit 161 Euro in Wien. Der österreichische Einzelhandel erwartet aufgrund des Anstiegs einen Mehrumsatz von 350 Mio. Euro. [Quelle: Handelsverband]

🇪🇺 EZB-Direktorin drängt auf weitere Zinserhöhungen. Die Leitzinsen im Euroraum müssen laut EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel weiter steigen. Beim aktuellen Zinsniveau von 2,25 % werde die Inflation mittelfristig kaum zum Zielwert zurückkehren, weshalb eine weitere Straffung nötig sei, so Schnabel in einem Bloomberg-Interview. Als Gründe nannte sie den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und die starke Konjunktur im Euroraum, die die Inflation nach oben treiben könnte. Die Teuerung dürfte wegen der hohen Energiekosten für einen „längeren Zeitraum“ über 2 % liegen. Erst zu handeln, wenn sich dies in den Löhnen niederschlage, würde die Notenbank ins Hintertreffen bringen. Die EZB hatte die Zinsen im Juni erstmals seit knapp 3 Jahren angehoben. [Quellen: Bloomberg, Reuters]

🇩🇪 Deutsche Exporterwartungen steigen auf 4,5-Jahres-Hoch. Die Exporterwartungen der deutschen Industrie sind im August auf 9,6 Punkte gestiegen, nach minus 2,8 Punkten im Juli. Das entspricht dem höchsten Wert seit Februar 2022 und dem stärksten Anstieg seit Juni 2020. Getragen wird die Entwicklung vor allem von Ausfuhren in die EU. Optimistisch zeigen sich die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen sowie von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen. Auch die Automobilindustrie blickt zuversichtlicher auf ihre Ausfuhren. Das Papiergewerbe und die Metallerzeugung und -bearbeitung rechnen dagegen mit rückläufigen Exporten. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 Sinkender Wohnbau bremst Wirtschaftswachstum. Der Wohnungsbau in Deutschland ist von 2023 bis 2025 um 30 % zurückgegangen, 2025 wurden ~84.600 Wohnungen weniger gebaut als 2 Jahre zuvor. Bundesweit fehlen der Studie zufolge inzwischen 1,35 Mio. Wohnungen, am stärksten betroffen sind Bayern (–18.753) und Baden-Württemberg (–12.274). Das kostete die Baubranche laut einer Studie des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) einen Netto-Umsatzverlust von ~26,9 Mrd. Euro und drückte das BIP-Wachstum um 0,6 Prozentpunkte. Weiters entgingen dem Staat ~7 Mrd. Euro an Steuereinnahmen. [Quelle: Pestel-Institut – BAU MONITOR 2026]

🇩🇪 F&E-Budgets der Chemieindustrie steigen. Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie investierte 2025 laut dem Verband der Chemischen Industrie knapp 16 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung (F&E). Das sind 0,2 % mehr als 2024 und ~6 Mrd. Euro mehr als 2015. Drei Viertel der Unternehmen entwickelten neue Produkte, ~7 % des Umsatzes fließen in FuE. Für 2026 ist jedoch mit sinkenden F&E-Ausgaben zu rechnen. Jedes 5. Unternehmen plant höhere F&E-Etats in Deutschland, während 41 % im Ausland investieren wollen. Der deutsche Anteil an den weltweiten F&E-Ausgaben der Branche sank bereits von 6,5 % (2010) auf 4,2 % (2025). Besonders China hole mit einer klaren Innovationsstrategie auf und liege bei Patentanmeldungen in Chemie/Pharma inzwischen hinter den USA auf Platz 2. [Quelle: Verband der Chemischen Industrie]

🇨🇭 Geschäftsklima für Schweizer KMU verbessert sich. Der Swiss-Mechanic-Geschäftsklimaindex der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie stieg im 2. Quartal 2026 auf rund -20 Punkte, den besten Wert seit Frühjahr 2024. Die Exporte wuchsen das 4. Quartal in Folge. Dennoch beurteilen weiterhin etwa zwei Drittel der Unternehmen ihre Lage als „ungünstig“. Zugleich gewinnt der Fachkräftemangel wieder an Bedeutung: Bereits jedes 3. Unternehmen zählt ihn zu den größten Herausforderungen. Trotz einer Ausbildungsquote von rund zwei Dritteln wird die Rekrutierung geeigneter Lernender zunehmend schwieriger. [Quelle: Swiss Mechanic-Geschäftsklimaindex]

🇺🇸 US-Wirtschaft und Einkommen wachsen. Im 2. Quartal 2026 wuchs die US-Wirtschaft um 1,5 % und damit um 0,6 Prozentpunkte weniger als im 1. Quartal. Ausschlaggebend waren der steigende Konsum, die Exporte und die Investitionen. Dämpfend wirkten sinkende Staatsausgaben und zunehmende Importe. Die Bestellungen langlebiger Güter nahmen im Juli den 5. Monat in Folge zu. Sie stiegen um 1,1 % auf 339,3 Mrd. Dollar (290,8 Mrd. Euro). Ebenso sind die Einkommen im Juli um 0,4 % gegenüber Juni gestiegen. Das verfügbare Einkommen stieg um 0,5 %, die privaten Konsumausgaben um 0,2 %. Die Ersparnisse betrugen 712,0 Mrd. Dollar (~610,2 Mrd. Euro), und die Sparquote lag bei 3,0 %. [Quellen: Bureau of Economic Analysis –  BIP, Einkommen, Census Bureau]

🌐 IWF warnt vor wachsenden Schuldenrisiken. IWF-Chefin Kristalina Georgieva wies vor dem G20-Finanztreffen auf wachsende Schuldenrisiken in einigen Ländern hin. Alle Länder müssten ihre Haushaltsprobleme angehen und glaubwürdige Pläne für tragfähige Schulden und Defizite vorlegen, so Georgieva. Ihre Aussagen folgten auf einen Sprung der US-Renditen für 30-jährige Anleihen auf ein 19-Jahres-Hoch. Zudem befinde sich die Weltwirtschaft in einem „Tauziehen“ zwischen den Folgen der Energiekrise und dem Rückenwind durch den KI-Investitionsboom. Den Energieschock durch den Irankrieg habe die Weltwirtschaft besser verkraftet als befürchtet, u. a. durch den Rückgriff auf Öl- und Gasreserven sowie den Ausbau erneuerbarer Energien – überwunden sei er aber nicht. Ein erneuter Anstieg der Ölpreise könnte die Inflation anheizen und die Notenbanken zu einer weiter straffen Geldpolitik zwingen. [Quelle: Reuters]

Selektive Agenda:

Heute, Berlin: Bundeskanzler Stocker trifft Bundeskanzler Merz bei einem Treffen von EU-Nettozahlern u. a. mit Ministerpräsident der Niederlande, Jetten, dänischer Ministerpräsidentin Frederiksen, finnischem Ministerpräsidenten Orpo

10:00 Uhr, Wien: Bank Austria veröffentlicht den Einkaufsmanagerindex für August

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Lukas Rendl folgt ab 1. September 2026 auf Sabine Ortner an der Spitze des Exklusiv-Vertriebs der Generali Versicherung.

Geburtstage: Wir gratulieren Gerhard Berger, Sarah Wiener und Sebastian Kurz zum Geburtstag.

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