Morning in Brief ・ 30.06.2026

Morning in Brief, 30. Juni 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, David Schima und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Wasserkraft im Mai auf 25-Jahres-Tief. Laut APG erreichte die Laufwasserkraftproduktion in Österreich im Mai 2026 den niedrigsten Stand seit 25 Jahren, als Folge von wenig Niederschlag und ausgeprägter Trockenheit seit März. Die PV-Einspeisung stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 55 %, die Windkraft um rund 31 %, sodass die erneuerbare Gesamterzeugung nur um 2,5 % zurückging. Per saldo wurde im Mai ein Importüberhang von 64 GWh verzeichnet. Wie der Verbund als größter Wasserkraft-Erzeuger Österreichs auf Selektiv-Nachfrage mitteilte, liegt die eigene Wasserkrafterzeugung aktuell 30 % unter dem langjährigen Durchschnitt. [Quelle: APG, Verbund auf Selektiv-Nachfrage]

Kommentar: Pekings neue Weltordnung
von Bernhard Seyringer

Bernhard Seyringer Illustration

Während die Aufmerksamkeit der Welt auf die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine gerichtet ist, hat Peking Anfang Juni erneut die Chance genützt, um seine Vorstellungen von einer neuen Weltordnung zu veröffentlichen. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der G-7-Prinzipien. Ein PR-Coup in einem diplomatisch besonders wichtigen Jahr. China ist daran interessiert, seine diplomatischen Initiativen einer globalen Zuhörerschaft zu präsentieren. Vordergründig soll es sich an den „Globalen Süden“ wenden, doch in Wahrheit will China wohl eher die Herzen globaler Linker erwärmen. 

💡 Pensionen: Eigenes Ziel kaum zu halten. Die Pensionsausgaben zählen zu den dynamischsten Posten im Bundesbudget: Ihr Anteil an den Bundesausgaben steigt laut aktueller Planung bis 2031 auf knapp 31 %. Die aktuelle Regierung hat per Gesetz einen verbindlichen Zielpfad für die gesetzliche Pensionsversicherung festgeschrieben. Wird er kumuliert um mehr als 0,5 % überschritten, müssen automatisch Reformen umgesetzt werden, etwa eine Anhebung der Versicherungsjahre für die Korridorpension oder Anpassungen bei Beitragssatz und Pensionshöhe. Konkret steigen die Bundesausgaben für die Pensionsversicherung laut Budgetentwurf von rund 20,3 Mrd. € im Jahr 2026 auf 25,4 Mrd. € bis 2030, während der gesetzliche Zielpfad nur 24,8 Mrd. € vorsieht. Die kumulierte Abweichung beläuft sich auf 1,19 Mrd. €, mehr als doppelt so viel wie die Toleranzgrenze von 559 Mio. € zulassen würde. [Quelle: Budgetdienst  | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Strengere Geschlechterquote für Aufsichtsräte börsenotierter Unternehmen. Mit dem heute in Kraft tretenden Gesellschaftsrechtlichen Leitungspositionengesetz steigt die Mindestquote für Frauen und Männer in Aufsichtsräten börsenotierter Unternehmen von 30 auf je 40 %. Die Regelung gilt unabhängig von der Unternehmensgröße für alle börsennotierten AGs und SEs. Anzuwenden ist sie auf Wahlen und Entsendungen nach dem 31.12.2026. Wird die Quote nicht eingehalten, ist die Wahl des betreffenden Aufsichtsratsmitglieds nichtig und der Sitz bleibt unbesetzt. Für nicht börsenotierte Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern bleibt die bestehende 30-%-Quote unverändert. Ergänzend müssen betroffene Unternehmen ab dem Geschäftsjahr, das nach dem 29.6.2026 beginnt, im Corporate-Governance-Bericht über Fortschritte bei der Geschlechterverteilung in Leitungsorganen berichten. Eine gesetzliche Quote für Vorstände gibt es in Österreich nicht. [Quellen: Parlament, FWP | Service: Gesetz]

🇦🇹 Wirtschaftsstimmung in heimischen Unternehmen weiterhin zurückhaltend. Der Wifo-Konjunkturtest im Juni zeigt, dass die heimischen Unternehmen die aktuelle Lage schlechter einschätzen als im Vormonat und die Aussichten etwas besser, jedoch insgesamt weiterhin skeptisch. Insgesamt sank der Wifo-Konjunkturklimaindex im Vergleich zu Mai um minus 0,1 Punkt auf insgesamt minus 5 Punkte. Die Lagebeurteilung liegt bei minus 3,8 Punkten, die Geschäftserwartungen bei minus 6,3 Punkten. Unter anderem dämpft der Irankrieg über Preiseffekte und Unsicherheiten v. a. die Stimmung in der Sachgütererzeugung und im Einzelhandel. Im Dienstleistungssektor überwiegt trotz leicht verbesserter Erwartungen Skepsis, in der Bauwirtschaft trübt sich die Lagebeurteilung ein. [Quelle: Wifo]

🇦🇹 Österreichs Bevölkerung wächst nur durch Zuwanderung. Österreichs Bevölkerung ist 2025 um 0,2 % auf rund 9,22 Mio. gestiegen, das niedrigste Wachstum seit 2009. Der Zuwachs ist laut Manuela Lenk, Generaldirektorin der Statistik Austria, „ausschließlich auf internationale Zuwanderung“ zurückzuführen: 2025 zogen rund 162.000 Menschen nach Österreich, rund 131.000 wanderten ab. Die Geburtenbilanz fiel zum 6. Mal in Folge negativ aus. Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger stieg auf 20,4 % (Vorjahr: 20,2 %), das entspricht knapp 1,9 Mio. Personen. Die Netto-Zuwanderung kam zu zwei Dritteln aus Drittstaaten, mit den höchsten Salden bei ukrainischen (+6.484), chinesischen (+1.531) und afghanischen (+1.238) Staatsangehörigen. Dabei waren 58 % der immigrierten Personen weiblich und mit 25.913 Personen die Mehrheit zwischen 15 bis 29 Jahre alt. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Geburtenrate auf Allzeit-Tief gesunken. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei 1,30 und erreichte damit ein neues historisches Tief (2024: 1,31). Im Vorjahr wurden in Österreich 76.067 Kinder lebend geboren (-1,5 % zu 2024), 87.902 Personen sind gestorben (-0,7 %). Es gab somit 11.835 mehr Sterbefälle als Geborene, die Geburtenbilanz war das 6. Jahr in Folge negativ. Nur Wien (+2.563) und Vorarlberg (+199) verzeichneten eine positive Geburtenbilanz. In den anderen Bundesländern war die Bilanz negativ, insbesondere in Niederösterreich (-5.469). In ihrer jüngsten Bevölkerungsprognose erwartet Statistik Austria erstmals einen Rückgang der österreichischen Bevölkerung ab den 2040er-Jahren. Für eine Stabilisierung der Bevölkerung müssten durchschnittlich 2,1 Kinder pro Frau zur Welt kommen („Reproduktionsniveau“). [Quellen: Statistik Austria – Endgültige Ergebnisse 2025, Gesamtfertilitätsrate, Bevölkerungsprognose 2025 | Interview: „Der Babyboom kam nicht von ungefähr“ | Grafik: Kinderzahl pro Frau erreicht Allzeit-Tief]

🇦🇹 Regierung liberalisiert Online-Glücksspielmarkt. Die Bundesregierung hat sich auf ein neues Glücksspielgesetz geeinigt. Bisher hatten lediglich die Österreichischen Lotterien die notwendige Lizenz. Künftig soll jeder Anbieter, der die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, eine Online-Konzession erhalten, auch jene, die bisher ohne österreichische Lizenz aktiv waren. Von 1. Jänner bis zur Lizenzvergabe müssen diese Betreiber allerdings eine „Cooling-Off-Phase“ durchmachen und ihre illegalen Online-Aktivitäten einstellen. Zusätzlich müssen alle offenen Schulden beim Staat sowie nicht bezahlte Ansprüche aus Spielerschutzklagen beglichen werden. Die Neuregelung sieht auch ein Sperrregister für alle Spielarten außer Lotto vor, um „besonders gefährdete Spieler“ zu schützen. Die Zahl der Casinos soll laut Gesetzesentwurf von 12 auf 13 steigen, ursprünglich waren 15 vorgesehen. [Quelle: Aussendung]

🇦🇹 Endgültiges Aus für Oecolution. Mit dem heutigen Tag stellt die Klima-NGO Oecolution seine Tätigkeit ein. Nach fast 4 Jahren zog sich die WKÖ als größter Geldgeber im Frühjahr zurück. Oecolution wurde zu Beginn von der heutigen Staatssekretärin Elisabeth Zehetner geleitet, mit ihrem Wechsel in die Regierung übernahm Christian Tesch die Geschäftsführung bis zuletzt. Zunächst hieß es noch, dass laufende Projekte noch beendet werden und die Plattform im zweiten Halbjahr abgewickelt werden soll. [Quelle: Selektiv]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,699 Euro für Diesel und 1,648 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August lag heute Früh bei 72,74 Dollar, ein Plus von 1,0 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Dienstagfrüh bei 42,61 Euro pro MWh – ein Anstieg um 4,5 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

🇦🇹 Wirtschaftsbund verteidigt Gegenfinanzierung der LNK-Senkung. Der Wirtschaftsbund rechnet durch die Lohnnebenkosten-Senkung 2028 mit einer Entlastung von 800 Mio. Euro für Unternehmen. Die Summe von 2 Mrd. Euro werde durch KöSt-Erhöhung, FLAF-Pflicht für Über-60-Jährige, Bankenabgabe und Einschränkungen des Gewinnfreibetrags geschmälert. Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl hielt zu dieser Rechnung aber fest, dass die Belastungen ja nicht alle Unternehmen treffen würden. Durch die Befristung einiger Maßnahmen würde der Effekt durch die LNK-Senkung mit den Jahren zudem größer. Unternehmen würden sich die Senkung folglich nicht selbst finanzieren, wie Kritiker meinen, so Eibinger-Miedl. Laut Wirtschaftsbund spart sich ein Unternehmen mit 20 Beschäftigten rund 7.600 Euro im Jahr und mit 100 Beschäftigten sind es 38.000 Euro jährlich. [Quelle: Wirtschaftsbund via APA]

🇪🇺 EU beschließt Kreislaufwirtschafts-Verordnung für Fahrzeuge. Das EU-Parlament und der Rat haben eine Verordnung zur kreislauforientierten Konstruktion von Fahrzeugen und zur Entsorgung von Altfahrzeugen verabschiedet. Neue Fahrzeuge müssen so konzipiert werden, dass Teile leicht ausgebaut und wiederverwertet werden können. Zudem müssen sie binnen 6 Jahren zu mindestens 15 %, binnen 10 Jahren zu mindestens 25 % aus recyceltem Kunststoff bestehen. Hersteller tragen künftig die Kosten für die Sammlung und Entsorgung von Altfahrzeugen. Der Export von Fahrzeugen, die als Altfahrzeuge eingestuft werden, wird verboten. Die Verordnung gilt ab 2028. [Quelle: Rat der EU]

🇪🇺 EU-Energieversorgung 2025: Erdgas und Erneuerbare legen zu, Kohle weiter rückläufig. Die Erdgasversorgung in der EU stieg 2025 um 2,3 % auf 13,1 Mio. Terajoule und wuchs damit zum zweiten Mal in Folge, nachdem sie 2023 stark zurückgegangen ist. Erneuerbare Energien legten um 1,4 % auf 11,5 Mio. Terajoule zu und deckten 47,2 % der EU-Stromproduktion ab. Die Braunkohleversorgung sank um 7,7 %, die Steinkohleversorgung um 3,2 %, jeweils auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Datenreihe 1990. Mineralölprodukte gingen um 2,8 % auf 448.656 Tsd. Tonnen zurück. [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 Kreditvergabe an Firmen im Euroraum steigt weiter. Im Mai vergaben die Banken in der Eurozone um 4,0 % mehr Darlehen an Unternehmen als im Vorjahresmonat, nach einem Plus von 3,4 % im April. Gleichzeitig zog die Kreditvergabe an private Haushalte um 3,1 % an. Einen Anstieg von 3,2 % verzeichnete die für die Zinspolitik der EZB maßgebliche Geldmenge M3. Diese umfasst Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Wertpapiere und Schuldverschreibungen. Zuletzt hatte die EZB den Leitzins vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Inflation im Euroraum aufgrund des Irankriegs um 25 Basispunkte angehoben. Die nächste EZB-Sitzung findet am 23. Juli statt. [Quelle: EZB]

🇩🇪 Deutsche Staatsinvestitionen 2025 mit stärkstem Anstieg seit 2000. Die staatlichen Bruttoinvestitionen Deutschlands beliefen sich 2025 auf 147,5 Mrd. Euro, ein Plus von 12,3 % gegenüber 2024 und der stärkste Anstieg seit 2000. Haupttreiber war der Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um 47,7 %, zu denen auch Rüstungsgüter wie militärische Waffensysteme zählen. Bruttoinvestitionen umfassen Anlageinvestitionen in Bauten, Ausrüstungen und sonstige Anlagen wie Forschung und Software sowie Vorratsveränderungen. Ihr Anteil an den gesamten Staatsausgaben stieg 2025 auf 6,5 %, nach 6,1 % im Jahr 2024. Am BIP gemessen lag die Investitionsquote bei 3,3 % und damit unter dem EU-Schnitt von 3,9 % sowie dem Euroraum-Schnitt von 3,7 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Treffen der Steuerungsgruppe der Reformpartnerschaft zu Verhandlungen in Wien

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die Konjunkturstatistik für Industrie und Bau aus dem März 2026, den „Erzeugerpreisindex Produzierender Bereich Mai“, Daten zum Außenhandel 2025, Unternehmensdemografie 2024 und die Frühschätzung zu Industrie und Bau im Mai

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Andreas G. Weiß ist der neue Vorsitzende des Forums Katholischer Erwachsenenbildung. Sylvia Prandl ist Head of Human Resources bei Coface in Österreich. Johannes Stipsits übernimmt mit dem 1. Juli die Geschäftsführung der WAB Beteiligungen und Risikomanagement GmbH. Martin Hönlinger ist der neue Präsident der Zahnärztekammer. Marcus Presich wurde zum neuen Geschäftsführer der gemdat Niederösterreich bestellt. Clemens Schwaiger wird Teil der Geschäftsführung der „Kronen Zeitung“. Michael David-Fox wird ab dem 1. August der Rektor des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. 

Geburtstage: Wir gratulieren Andrea-Michaela Schartel und Lothar Höbelt zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Heute, Wien: Political Assembly der Europäischen Volkspartei (EVP) in den Sofiensälen u. a. mit Bundeskanzler Christian Stocker, EVP-Parteivorsitzenden Manfred Weber und Vize EVP-Parteivorsitzendem Magnus Brunner (letzter Tag)

16:30 Uhr, Wien: Die Leitbetriebe Austria laden zum Sommerfest zu Schlumberger [invite only]

18:30 Uhr, Innsbruck: Podiumsdiskussion „Die Ukraine und die euro­pä­i­sche Sicher­heits­ar­chi­tektur“ im Lesesaal des Tiroler Landesarchivs u. a. mit Wassyl Chymynez, Christian Grønbech-Jensen und Olga Bolibok [Info]

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