Weekender ・ 29.08.2026

Weekender, 29. August 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und David Schima – wir melden uns aus Wien.

Editor’s Note: Aufschwung? Bitte nicht.
von Stanislaus Ruhaltinger

In den letzten Jahren war man wirtschaftliche Negativschlagzeilen aus Österreich gewohnt. Öffnet man jetzt die Zeitungen, findet man plötzlich sogar ein paar positive Nachrichten: Die Konjunktur zieht an, mit leichtem BIP-Wachstum und einem Industrieaufschwung, der auch vom Einkaufsmanagerindex der Bank Austria bestätigt wird. Selbst der Budgetvollzug läuft den Halbjahresdaten zufolge besser als geplant. Und die Inflation liegt erstmals seit langem unter dem Euro-Schnitt. 

Grafik: Inflation in Österreich fällt unter Euroraum-Schnitt

Gewiss, alles kommt von einem sehr bescheidenen Niveau. Aber es wäre eine Basis, auf der sich arbeiten und Optimismus verbreiten ließe. Kein schlechter Zeitpunkt also für eine Regierung, das Momentum zu nutzen und einen Herbst der Reformen einzuläuten. Doch was tut sie stattdessen? Das Gegenteil: Sie arbeitet hart daran, dieses zarte Pflänzchen des Aufschwungs im Keim zu ersticken. Und bevor bei dieser heterogenen Dreierkoalition wieder jemand mit dem Finger auf die anderen zeigt: Jeder der drei Parteien trägt ihren Anteil an dieser Situation.

Beginnen wir mit jenem Player, der hier in der Vergangenheit – zu Recht – am häufigsten gescholten wurde: der SPÖ. Sie lässt sich auch diesmal nicht lumpen. Angesichts desaströser Umfragewerte hielt es Parteivorsitzender und Vizekanzler Andreas Babler für eine geniale Idee, die Debatte mit einer Brise verstaubten Klassenkampfs zu veredeln. Anders lässt sich der plumpe Vorschlag nicht lesen, den Prikraf – jenen Fonds, der dafür sorgt, dass Versicherungsleistungen in Privatspitälern bezuschusst werden – abzuschaffen. Dass er das faktenfrei damit begründete, damit würden „die Schönheitsoperationen der Reichen“ finanziert, passt ins Bild. Die einzige Folge dieses unausgegorenen Vorschlags wäre eine zusätzliche Verlagerung der Nachfrage ins öffentliche Netz, inklusive Überlastung und längerer Wartezeiten für alle. 

Grafik: Ein Viertel der Gesundheitsversorgung ist privat finanziert

Aber auch die selbsternannte wirtschaftsliberale Reformkraft dieser Regierung macht bei diesem Spiel munter mit. Die Neos argumentieren mit Verve, es sei absolut notwendig, Klimaneutralität 2040 im Klimaschutzgesetz zu verankern. Gewiss, die Folgen des Klimawandels sind mittlerweile unübersehbar, Maßnahmen dringend notwendig. Nur gehört zur Wahrheit auch: Die EU hat sich 2050 als Zieljahr für Klimaneutralität gesetzt. Solange das so ist, führt ein nationales Vorziehen der Ziele nicht dazu, dass eine einzige Tonne CO2 eingespart wird – sondern nur dazu, dass andere europäische Länder bis 2050 mehr emittieren können. Plakativ formuliert: Wir geißeln uns selbst, damit Polen seine Kohlekraftwerke länger laufen lassen kann. Darauf angesprochen, verweist die Regierung darauf, dass ohnehin einige Sektoren erst 2050 klimaneutral sein müssten und keine Sanktionen angedacht seien. Heureka, welch Eingeständnis! Dann kann man das Ziel auch gleich beim europäischen Original belassen. 

Grafik: CO2-Neutralität: Der Preis des Alleingans

Und dann gibt es noch einen dritten Partner in der Regierung, die Kanzlerpartei ÖVP. Sie hat ein neues Hobby für sich entdeckt: Ungezielt Geld auszugeben. Zugegeben, ganz neu ist das auch wieder nicht. Aber während man in der Vergangenheit zumindest noch versuchte, den Anschein zu wahren und im Vergleich zur Sozialdemokratie vernünftig aufzutreten, überholt man diese nun gleich links. Im Agrarsektor gibt es keine Subvention, die der Volkspartei zu hoch sein könnte. Dass ausgerechnet der nicht unbedingt im Verdacht übertriebener Sparsamkeit stehende Finanzminister hier als Stimme der Vernunft auftritt und auf die Bremse steigt, ist vielsagend. Aber auch in der „sozialistischen Volksrepublik Burgenland“ schickt sich die ÖVP an, Landeshauptmann Doskozil beim Geldausgeben zu überholen: Sie fordert 10.000 Euro Startkapital für das erste Eigenheim und vergisst dabei, dass wahllose Förderung mit der Gießkanne uns erst in diese Budgetmisere gebracht hat.

Der Sommer hat gezeigt, dass gute Ideen vorhanden wären, als etwa über Behaltefrist und Pensionsreformen diskutiert wurde. Im Herbst dürfen diese Ideen gerne in die Umsetzung kommen. Ansonsten droht das zarte Pflänzchen Aufschwung auch schon wieder vernichtet zu werden.

News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:

🇦🇹 Stocker bringt Staatsfonds für Pensionen ins Spiel. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) schlug in mehreren Interviews vor, Gewinne aus Staatsbeteiligungen künftig in einem Fonds zur Absicherung des staatlichen Pensionssystems zu veranlagen. Gegenüber Heute bezifferte er das mögliche Volumen auf rund 700 Mio. Euro pro Jahr, orientiert an skandinavischen Modellen. [Quellen: Heute, OE24, Krone]

🇦🇹 Öffentliche Aufträge sollen strategisch vergeben werden. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will die öffentliche Beschaffung bis Jahresende strategisch ausrichten. Die 67 Mrd. Euro des jährlichen Beschaffungsvolumens sollen in strategisch wichtigen Feldern stärker europäischen und österreichischen Unternehmen zugutekommen. Welcher Anteil der öffentlichen Beschaffungsgelder derzeit in Drittstaaten wie die USA oder China fließt, kann aufgrund der Datenlage nicht beantwortet werden, sagte Klaus Friesenbichler vom Lieferketten-Institut ASCII, das für das Wirtschaftsministerium eine Studie zur öffentlichen Beschaffung durchgeführt hat. Etwa ein Achtel der Aufträge würde derzeit nicht an österreichische Unternehmen gehen, wobei der heimische Anteil in Bereichen wie dem Bau hoch sein dürfte, aber in Schlüsseltechnologien wie IT, Batteriespeichern oder Wechselrichtern niedrig. In einem ersten Schritt soll „local content“ als Leitprinzip bei staatsnahen Unternehmen verankert werden, durch eine „Made-in-Europe-Deklaration“ im Herbst. Bis Jahresende soll es einen Aktionsplan für die öffentliche Beschaffung und für das Förderwesen mit politischen Zielvorgaben geben. Bei Beschaffungen im Bereich von Schlüsseltechnologien soll es auch eine Abkehr vom Billigstbieterprinzip geben – hin zu einer Betrachtung der gesamten Lebenszykluskosten, in die man auch die CO2-Kosten einpreisen könnte, so Friesenbichler. Großaufträge könnten künftig in kleinere Lose aufgeteilt werden, damit KMU bessere Chancen haben. [Quelle: BMWET – Pressekonferenz, Aussendung | Reaktionen: IV, WB, ÖGB, Tierschutz Austria, FPÖ/Kolm, PRO-GE]

💡 Vier Bereiche dominieren die öffentliche Beschaffung. Eine neue Studie des ASCII-Instituts im Auftrag des BMWET wertet erstmals systematisch aus, wer in Österreich wie viel öffentlich beschafft und liefert damit die Grundlage für die „Made in Europe“-Initiative der Regierung. Im Zeitraum 2023 bis 2025 wurden Vergaben im Wert von 93,6 Mrd. Euro erfasst. Allein 4 Tätigkeitsbereiche – Allgemeine Verwaltung, Bahn, Wirtschaft und Soziales – vereinen davon 63,6 Mrd. Euro bzw. rund 68 %. Auffällig ist dabei, dass die Bahn mit 17,3 Mrd. Euro auf Platz 2 liegt, zugleich aber mit im Schnitt nur 2 Bietern pro Vergabe den geringsten Wettbewerb unter den volumenstärksten Bereichen aufweist. [Quellen: ASCIIBMWET | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

🇦🇹 Irankrieg verteuert Öl- und Gasimporte um 1,2 Mrd. Euro. Die Österreichische Energieagentur beziffert die kriegsbedingten Mehrkosten der vergangenen 6 Monate: rund 680 Mio. Euro beim importierten Rohöl, rund 500 Mio. Euro bei Gas – zusätzlich zu den 9 bis 10 Mrd. Euro, die Österreich jährlich für fossile Importe zahlt. Bei Diesel gaben Verbraucher rund 1,1 Mrd. Euro netto mehr aus. Der TTF-Gaspreis liegt mit rund 66 Euro je MWh doppelt so hoch wie vor Kriegsbeginn, Brent-Rohöl bei knapp 90 Dollar nach Spitzen über 120 Dollar. „Wir zahlen den Preis für Konflikte, auf die wir keinen Einfluss haben“, so Energieagentur-Geschäftsführer Franz Angerer, der den Umstieg auf heimische Energie und Effizienztechnologien wie Wärmepumpen als Ausweg nennt. [Quelle: Österreichische Energieagentur]

🇦🇹 Erholung der Industrie beschleunigt sich. In der Einkaufsmanager-Befragung der UniCredit Bank Austria zeichnet sich eine Beschleunigung des Industrieaufschwungs ab. Der Index kletterte im August um 2,9 Punkte auf 54,4 Zähler – der höchste Wert seit Frühjahr 2022 und wieder deutlich über der Wachstumsschwelle. „Rückenwind kam dabei vor allem von der kräftigen Erholung der deutschen Industrie und der steigenden Nachfrage im Rest der Eurozone“, so Chefökonom Stefan Bruckbauer. Sowohl Neuaufträge als auch Exportaufträge wurden stark ausgeweitet, der Produktionsindex stieg auf 56,0 Punkte. Nach mehr als 3 Jahren weiteten die Unternehmen im August erstmals auch wieder ihren Personalstand aus. Der Index für die Einkaufspreise lag im August bei 68,8 Punkten und signalisiert weiterhin kräftig steigende Kosten für Rohstoffe und Vorleistungen. Gleichzeitig konnten die Unternehmen die Kosten aber auch besser weitergeben als zuletzt. Die deutsche Industrie rechnet im August laut Ifo-Institut wieder mit mehr Exportaufträgen – der Optimismus ist auf den höchsten Wert seit Februar 2022 gestiegen. [Quelle: Bank Austria – EMI, Presseaussendung; Bruckbauer auf LinkedIn; Ifo-Institut | Reaktion: BMWET]

🇦🇹 Verlängerung der Spritpreisbremse offen. Auch am Freitag blieb unklar, ob die Spritpreisbremse in Form einer Steuersenkung auch im September fortgeführt wird. Zuletzt betrug die Vergünstigung bei 1,9 Cent pro Liter. Während sich Finanzminister Markus Marterbauer eine Rückkehr der Margenbegrenzung wünscht, erteilte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer diesem Preiseingriff eine Absage. Die Spritpreisbremse ohne Margenbeschränkung fortzuführen, sieht Marterbauer „skeptisch“. Marterbauer setzt sich zudem für eine Gewinnsteuer für Mineralölunternehmen auf EU-Ebene ein. Laut einem Brief an den irischen Finanzminister, den Marterbauer gemeinsam mit Ministern aus Deutschland, Polen, Spanien, Portugal und Italien unterzeichnete, soll das Thema auf die Tagesordnung des Treffens der EU-Wirtschafts- und Finanzminister Mitte September in Dublin gesetzt werden. Hattmannsdorfer lehnt eine EU-Gewinnsteuer ab. [Quellen: Marterbauer zu Ö1, BMF zu Selektiv, BMWET zu Selektiv, Der Spiegel, Marterbauer auf Bluesky | Reaktionen: WKÖ, FPÖ, ÖAMTC, ÖGB, ARBÖ | Grafik: Rohöl- und Treibstoffpreise entkoppeln sich]

🇦🇹 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,014 Euro für Diesel (-1,47 % seit Montag) und 1,793 Euro für Benzin (+0,5 % seit Montag). Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Oktober lag gestern Abend bei 89,37 Dollar, ein Rückgang von rund 3,99 % seit Wochenanfang. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag am Freitagabend bei 66,59 Euro pro MWh – ein Anstieg um rund 1,05 % seit Montag. Die österreichischen Gasspeicher waren am 27. August mit rund 65,87 TWh befüllt, das entspricht 65,69 % der Gesamtspeicherkapazität. In der EU betrug der Füllstand 63,80 %, in Deutschland 51,64 %. Nach EU-Vorgaben müssen die Füllstände zwischen dem 1. Oktober und 1. Dezember 90 % erreichen. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, AGSI – Österreich, Übersicht; EU-Kommission]

🇦🇹 Bablers Idee der Prikraf-Auflösung stößt auf Widerstand. Vizekanzler Andreas Babler will den Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds (Prikraf) auflösen und mit den dadurch freiwerdenden 200 Mio. Euro „das öffentliche System stärken“. In den Privatkrankenanstalten würden die „Schönheits-OPs der Superreichen“ finanziert werden, die „Auswüchse der Zwei-Klassen-Medizin“ müssen daher bekämpft werden, so Babler im ORF-Sommergespräch am Montag. ÖVP und Neos lehnen den Vorstoß ab. Für den Verband der Privatkrankenanstalten entbehrt der Babler-Vorschlag „jeglicher gesundheitspolitischen Grundlage“. Verbandspräsident Josef Macher betont: „Wir sind ein systemrelevanter, kooperativer Partner in der Versorgung der österreichischen Bevölkerung.“ 2025 wurden in Österreich 61,3 Mrd. Euro für Gesundheit ausgegeben. 14,9 Mrd. Euro davon kamen von privater Seite, also von Haushalten, Unternehmen und freiwilligen Versicherungen. Der Anteil liegt seit Jahren bei 24 bis 25 %. Beim Blick auf die Versorgungsstruktur zeigt sich, dass die Zahl der Kassenvertragsstellen laut Wifo-Studie über das vergangene Jahrzehnt weitgehend konstant blieb, während jene der Wahlärzte deutlich stieg. Damit ist die zusätzliche Versorgungskapazität vor allem privat entstanden. [Quellen: ORF I, ORF II, Neos, Statistik Austria, Wifo | Reaktionen: FPÖ, Verband der Privatkrankenanstalten, WKÖ, FPÖ/Kaniak, FPÖ/Schnedlitz, SPÖ/Silvan, SPÖ/Seltenheim, Grüne | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

🇦🇹 Klimagesetz: Industrie trotz Ausnahme betroffen. Ob Industrieunternehmen, die dem europäischen Emissionshandel unterliegen, nun 2040 klimaneutral sein müssen oder weiterhin dem EU-Ziel 2050 unterliegen, dürfte weiterhin unklar sein. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte diese Woche, dass für jene Unternehmen weiterhin das 2050er-Ziel gelte, klar ist das aber erst, wenn der Gesetzesentwurf vorliegt. Selbst, wenn ETS-Unternehmen ausgenommen sind, sei die Industrie von dem strengen Klimaziel Österreichs betroffen, so EcoAustria. Es handle sich „nur“ um rund 100 Unternehmen und die wären auch indirekt betroffen, da sie Vorleistungen von Non-ETS-Unternehmen zu entsprechend höheren Preisen beziehen. EcoAustria rechnet auch durch Kosten- und Preissteigerungen in Bereichen außerhalb des ETS, die nicht starkem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, mit negativen Effekten – das hätten schon der Ukrainekrieg mit der Energiepreiskrise gezeigt, die in weiterer Folge die Inflation und dann die Löhne getrieben haben. Neos-Klubobmann Yannick Shetty bezeichnete das neue Klimagesetz gestern als Durchbruch nach 5 Jahren „ideologischem Kleinkrieg zwischen ÖVP und Grünen“. Die ÖVP habe in der letzten Regierung „klargemacht, dass Klimaschutz standortfeindlich ist“ und die Grünen hätten Klimaschutz ohne die Wirtschaft gedacht. Beides sei falsch, Unternehmen würden sich mehr Klimaschutz und Planungssicherheit wünschen. Als nächste Schritte nannte er die Bildung eines „Klimakabinetts“ aus zuständigen Ministerien und dem Vorsitzenden der Landeshauptleute-Konferenz. Und dann gelte es, den Klimafahrplan zu erarbeiten – als „Blaupause“ wünschen sich die Neos den Klimafahrplan Wiens, der gerade in der zweiten Auflage erarbeitet wird. [Quellen: EcoAustria zu Selektiv, APA via Medienberichte, Pressekonferenz Neos | Reaktionen: IV Wien, FPÖ | Interviews: „Diese politische Kraftmeierei der SPÖ ist schlechter Stil“, „Wir werden die Klimaneutralität 2040 sicher nicht erreichen“ | Grafik: CO2-Neutralität 2040: Der Preis des Alleingangs]

🇦🇹 Zu wenig Wind: Weiterhin kein Windrad für Vorarlberg. Ein Jahr lang wurde das Windkraft-Potenzial auf der Alpe Rauz in Vorarlberg gemessen und nun hat es sich als zu gering herausgestellt. Der Energieversorger illwerke vkw wird dort doch keinen Windpark errichten – er wäre nicht wirtschaftlich. Nun ruht die Hoffnung auf dem Standort Klaratsberg in Egg, wo die Prüfung ab Herbst läuft. „Wir bekennen uns weiterhin zur Windkraft – aber dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen und Projekte ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich vertretbar sind. Deshalb bauen wir unser Windkraft-Portfolio vor allem an geeigneten Standorten in Deutschland weiter aus. Vorarlberg bleibt aufgrund seiner natürlichen Voraussetzungen in erster Linie ein Land der Wasserkraft und der Photovoltaik“, so CEO Christof Germann. [Quelle: illwerke vkw | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]

🇳🇴 Norwegen plant Öl- und Gasförderung in der Arktis. Norwegens Energieminister Terje Aasland hält entgegen der Bedenken von Umweltschützern und der EU an den Plänen zur Erschließung von Öl- und Gasreserven in der Barentssee fest. Weitere Öl- und Gasförderung in der Arktis sei angesichts der geopolitischen Lage im norwegischen und europäischen Interesse, so Aasland. Der norwegische Energieminister will auch keine tiefere Integration mit dem europäischen Stromnetz anstreben: Die Idee, dass Norwegen die „Grüne Batterie“ Europas werden soll, sei „fehlgeleitet“ gewesen. [Quelle: Reuters]

🇺🇸 Fed-Chef Warsh signalisiert mögliche Zinserhöhung im September. Bei seiner ersten großen Rede als Fed-Chef in Jackson Hole bereitete Kevin Warsh am gestrigen Freitag den Boden für eine Leitzinserhöhung: Die Inflation liege über dem Ziel von 2 %, der Arbeitsmarkt zeige Vollbeschäftigung, so der seit Mai amtierende Notenbankchef. Laut CME FedWatch Tool halten Marktteilnehmer eine Zinserhöhung im September inzwischen für wahrscheinlicher als eine Nichterhöhung. US-Finanzminister Scott Bessent hatte zuletzt mit ungewöhnlichen Eingriffen versucht, den Anstieg der Anleiherenditen zu bremsen, der auch Sorgen über US-Haushaltsdefizite und die Kreditaufnahme der KI-Branche widerspiegelt. Eine Zinserhöhung dürfte auf Kritik von Präsident Donald Trump stoßen, der sich Warsh gegenüber bislang aber wohlwollender zeigte als gegenüber dessen Vorgänger Jerome Powell. [Quellen: Rede von Warsh, Politico]

🇺🇸 🇻🇪 USA sichern sich Fünftel von Venezuelas Ölreserven. Laut Präsident Donald Trump erhalten die USA Kontrolle über mehr als 65 Mrd. Barrel nachgewiesener venezolanischer Ölreserven – rund ein Fünftel der geschätzten Vorkommen. Venezuelas De-facto-Präsidentin Delcy Rodríguez bestätigte den Deal, der dem Land über 100 Mrd. Dollar an Investitionen bringen soll. Trump verspricht dadurch sinkende US-Spritpreise. [Quellen: Trump auf Truth Social, Rodríguez auf Telegram via La Patilla]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

Neue Daten und Fakten:

🇦🇹 Im Juli 2026 wurde in Österreich aufgrund der Trockenheit um 46 % weniger Strom aus Wasserkraft produziert als im Juli 2025. Windkraft: -6,4 %, Photovoltaik: +54 %. [Quelle: APG]

🇦🇹 Der Strompreisindex steigt von August auf September um 26,02 % auf 147,17 Euro pro Megawattstunde. Der Gaspreisindex steigt im September um 16,6 % auf 61,29 Euro pro Megawattstunde. [Quelle: Austrian Energy Agency]

🇦🇹 Von Mai bis Juli 2026 wurden in Österreich mit 41,87 Mio. Nächtigungen um 3,2 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnet. Das ist ein neuer historischer Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnungen 1973. [Quelle: Statistik Austria]

🇩🇪 Das deutsche BIP wuchs im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 % und damit unter dem EU-Schnitt von 0,5 %. Zugleich stieg das staatliche Finanzierungsdefizit im 1. Halbjahr 2026 auf 71,3 Mrd. Euro, die Defizitquote liegt damit bei 3,1 % und knapp über dem Maastricht-Referenzwert von 3 %. Die Arbeitslosenquote in Deutschland stieg im August auf 6,5 %. [Quellen: Statistisches Bundesamt – Wirtschaftsleistung, Staatsdefizit; Bundesagentur für Arbeit]

🇪🇺 Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich leicht verbessert. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg im August um 1,3 Zähler auf 98,4 Punkte, bleibt damit aber unter dem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten. [Quelle: EU-Kommission]

Wochenendprogramm:

Meistgelesener Kommentar der Woche. Rainer Nowak: „Brandmauer, welche Brandmauer?“ [Hier lesen]

Meistgelesenes Interview der Woche. Walter Boltz: „Wir werden die Klimaneutralität 2040 sicher nicht erreichen“ [Hier lesen]

Long Read I. Eine neue Studie zeigt, warum Mindestlöhne die Armut nicht senken. [Hier lesen]

Long Read II. Das System der staatlichen Versorgung arbeitsloser Menschen in Deutschland ist in der jetzigen Form für Missbrauch anfällig, dysfunktional und überdimensioniert, urteilt der Ex-Bundesagentur-Vorstand Heinrich Alt im Cicero und macht Vorschläge für strukturelle Reformen. [Hier lesen]

Journal zu Gast. Mit dem Präsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Wolfgang Katzian [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]

Nächste Woche auf der Agenda:

Politik Österreich. Am Montag präsentiert Arbeitsministerin Schumann neue arbeitsmarktpolitische Ziele. Am Montagabend ist Bundeskanzler Stocker im ORF-Sommergespräch. In Alpbach findet die gesamte Woche das Europäische Forum Alpbach mit breiter Präsenz der Bundesregierung statt – am Mittwoch gastiert dort auch Bundespräsident Van der Bellen mit Erbprinz Alois von Liechtenstein, dem belgischen König Philippe, dem deutschen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Guillaume, Großherzog von Luxemburg, und dem amtierenden Bundespräsidenten der Schweiz, Guy Parmelin.

Politik international. Am Montag treffen sich die Finanzminister und Zentralbankgouverneure der G20-Staaten in Asheville (North Carolina, USA), um über globale Finanzfragen zu beraten. Frauenministerin Holzleitner ist von Montag bis Dienstag beim Treffen der deutschsprachigen Gleichstellungsminister in Liechtenstein. Außenministerin Meinl-Reisinger trifft kommende Woche vier ihrer Amtskollegen: Neben dem Treffen mit dem albanischen Minister Hoxha Anfang der Woche in Alpbach empfängt sie am Dienstagabend in Wien ihren japanischen Amtskollegen Motegi Toshimitsu, am Mittwoch den Außenminister von Bosnien-Herzegowina, Elmedin Konaković, und am Donnerstag den Jordanier Ayman Safadi. Nach der Sommerpause auf EU-Ebene kommen nächste Woche die Verteidigungsministerinnen und -minister, die Außenminister sowie die Minister für Allgemeine Angelegenheiten zu informellen Treffen in Irland zusammen. Die Ministerinnen Tanner und Bauer nehmen teil.

Daten und Fakten. Am Montag veröffentlicht die Statistik Austria Daten zur Kinder- und Jugendhilfe 2025 sowie die Konjunkturstatistik (Industrie und Bau) für Mai 2026. Am Dienstag kommt die neue Inflations-Schnellschätzung für August. Eurostat legt gleichzeitig Vorabschätzungen zur Eurozone-Inflation und Arbeitsmarktdaten für die EU vor. Am Mittwochabend veröffentlicht die US-Notenbank Fed den Konjunkturbericht „Beige Book“. Am Donnerstag folgen BIP-Entwicklung für das 2. Quartal sowie Zahlen zum Arbeitsmarkt im 2. Quartal von Statistik Austria. In Deutschland gibt das Ifo-Institut eine aktualisierte Konjunkturprognose heraus.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Bundesminister Peter Hanke hat Philipp Piber als Geschäftsführer der Austro Control GmbH (ACG) wiederbestellt. Benjamin Frormann ist neuer Bundesgeschäftsführer der Jungen Industrie. Die oe24 Media Group holt Oliver Böhm als Chief Commercial Officer und Geschäftsführer Sales für TV und Radio an Bord. Thomas Pototschnig verstärkt Complex Pharmaceuticals als Head of Finance. Neu im Vorstand von Mayr-Melnhof: Andreas Koppitz, für die Division Pharma & Healthcare Packaging verantwortlich, und Alexander Loimayr für den Bereich Board und Paper. Kurt Gollowitzer verstärkt mit 1. September 2026 das Führungsteam der Superfund Holding AG. Barbara Plattner wird im Juni 2027 neue Geschäftsführerin der Tirol Werbung. Johannes Zink ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Burgenland Energie AG.

Am Programm. In Wien finden am Wochenende die Stammersdorfer Weintage und am heutigen Samstag die Schwimmparade am Donaukanal (Herrmannpark) statt.

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