Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Driss Schmid, Maximilian Kern und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Landwirtschafts-Hilfspaket: Einigung bis Wochenende erwartet. Das Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass bis Ende der Woche eine Einigung auf ein Hilfspaket steht. Seit Dienstag laufen die Verhandlungen mit dem Finanzministerium. Das Landwirtschaftsministerium fordert, dass auch unversicherte Betriebe finanziell unterstützt werden sollen. Die dafür benötigten Mittel können nicht aus dem Budget des Ministeriums gedeckt werden, weshalb Verhandlungen über eine Bezuschussung mit dem Finanzministerium laufen. Dieses sieht wenig budgetären Spielraum dafür. Auch die Neos sehen die Bereitstellung kurzfristiger Liquidität kritisch und fordern Prävention, statt „Symptombekämpfung“. [Quellen: Selektiv, APA via Medienberichte | Reaktionen: Diözese St. Pölten, Grüne, Grüne OÖ]
„Wir brauchen zusätzliches Geld“
Interview mit Norbert Totschnig
Der Landwirtschaftsminister fordert für ein Dürre-Hilfepaket weiterhin zusätzliche Geldmittel vom Finanzminister ein. Nach vier Sparpaketen gebe es im Landwirtschaftsministerium kein Potential mehr, durch Umschichtungen Gelder freizumachen: „Unsere Einsparungsmöglichkeiten wurden genutzt – deswegen brauchen wir hier zusätzliches Geld“, so der Minister. Totschnig blickt bei der Herbsternte „sehr pessimistisch“ in die Zukunft, bei Kartoffeln und Zuckerrüben erwartet er „sehr große Ertragseinbußen“. Beim Grünland ist die Lage aufgrund der Dürre gar „katastrophal“.
💡 Österreichs Forschungsbudget liegt im EU-Spitzenfeld. Mit 527 Euro pro Kopf gibt Österreich 2025 fast doppelt so viel aus wie der EU-Schnitt von 289 Euro, damit belegt man in der EU Platz 4 hinter Luxemburg, Dänemark und Deutschland. Seit 2015 wuchs das Budget um rund 65 % und damit stärker als der EU-Schnitt mit knapp 58 %. Am dynamischsten legte Slowenien zu, das sein Budget von 78 auf 304 Euro nahezu vervierfachte. Ungarn und Polen bilden mit 57 beziehungsweise 119 Euro weiterhin die Schlusslichter. Der hohe Input schlägt sich allerdings nicht eins zu eins im Output nieder: Laut Innovationsindikatoren wie dem European Innovation Scoreboard zählt Österreich trotz überdurchschnittlicher Forschungsausgaben nur zu den „Strong Innovators“, nicht zu den „Innovation Leaders“, bei Patentanmeldungen und Start-up-Gründungen hinkt das Land vergleichbaren Ländern hinterher. [Quelle: Eurostat | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Dürre könnte zu steigenden Versicherungsprämien und Lebensmittelpreisen führen. Wifo-Ökonom Thomas Url rechnet im Gespräch mit der APA mittelfristig mit höheren Tarifen für die Dürreversicherung. Trockenheit verursacht breitere Schäden als andere Risiken wie Hagel und führt dadurch zu höheren Kosten bei den Versicherern. Eine Versicherungspflicht lehnt Url dennoch ab, da sie falsche Anreize gegen Klimaanpassung setzen würde. Wifo-Ökonom Josef Baumgartner rechnet durch Dürre und Irankrieg mit einem Lebensmittelpreisanstieg von über 2 % ab Herbst. IHS-Ökonom Sebastian Koch erwartet daneben punktuelle Preisbewegungen in beide Richtungen. So führe die dürrebedingte Futtermittelknappheit etwa zu mehr Rinderschlachtungen und sinkenden Rindfleischpreisen. [Quelle: APA via Medienberichte, ORF]
🇦🇹 Start-up-Dachfonds soll Anfang 2027 operativ starten. Im 1. Quartal 2027 soll der geplante öffentlich-private Risikokapital-Dachfonds für Start-ups und Scale-ups operativ starten. Im Herbst dieses Jahres finde die Ausschreibung für das Fondsmanagement statt, so Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Das Fondsvolumen soll insgesamt 500 Mio. Euro umfassen. 100 Mio. Euro kommen von der öffentlichen Hand, 400 Mio. Euro sollen von privaten Institutionen wie etwa Versicherungen, Pensionskassen oder Banken eingesammelt werden. Investiert werden soll in Risikokapital- und Wachstumsfonds in den Bereichen der Schlüsseltechnologien der Industriestrategie. Der Fonds wird bei der staatlichen Förderbank Aws eingerichtet, das Management erfolgt extern. Bei der Präsentation der Dachfonds-Studie im Herbst 2025 hatte Zehetner noch angekündigt, dass bis Ende 2025 Entscheidungen über die Management-Ausschreibung und die finale Investitionshöhe vorliegen sollten und erste Investitionen 2026 getätigt würden. [Quellen: APA via Medienberichte, Brutkasten]
🇦🇹 Gasspeicher aktuell zu 62,25 % gefüllt. Die österreichischen Gasspeicher sind aktuell mit rund 62,42 TWh befüllt, das entspricht 62,25 % der Gesamtspeicherkapazität. Seit dem 1. April stieg der Füllstand um rund 28,4 TWh bzw. 28,3 Prozentpunkte. In der EU beträgt der derzeitige Füllstand 59,33 %, in Deutschland 48,1 %. Nach EU-Vorgaben müssen die Füllstände zwischen dem 1. Oktober und 1. Dezember 90 % erreichen. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag am Donnerstagmorgen bei 60,54 Euro pro MWh. [Quellen: AGSI – Österreich, Übersicht; EU-Kommission, Gaspreis]
🇦🇹 34 % mehr Einbürgerungen im 1. Halbjahr. Im 1. Halbjahr 2026 wurden 9.750 in Österreich lebende Personen eingebürgert – 34 % mehr als im 1. Halbjahr 2025 (7.296 Personen) und 41,3 % mehr als im 1. Halbjahr 2024 (6.899 Personen). 53 % der Eingebürgerten stammen aus Syrien (24 %), Türkei (11 %), Afghanistan (10 %), Iran (4 %) sowie Bosnien und Herzegowina (4 %). Am stärksten stiegen die Einbürgerungen in Wien (3.333 bzw. +60 %), den einzigen Rückgang gab es in Oberösterreich (1.028 bzw. -16 %). [Quelle: Statistik Austria | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 Fernkälte-Ausbau bis 2035 mit 193,2 Mio. Euro geplant. Die heimische Fernwärmewirtschaft will bis 2035 insgesamt 193,2 Mio. Euro in Fernkälte investieren und damit rund 200 Megawatt zusätzliche Leistung errichten. Die installierte Fernkälteleistung stieg zuletzt von 186 auf 211 Megawatt. Das Netz war Ende 2025 mehr als 45 Kilometer lang. Gegenüber herkömmlichen Klimageräten lassen sich laut Fachverband Gas Wärme (FGW) rund 50 % der CO2-Emissionen einsparen. Zudem gibt Fernkälte keine Abwärme an die Umgebung ab. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 ID Austria ermöglicht Anmeldung im Namen von Unternehmen. Die neue Schnittstelle zwischen dem Unternehmensserviceportal (USP) und der ID Austria erlaubt es, sich bei öffentlichen Online-Services im Namen eines Unternehmens anzumelden. Die dafür nötigen Vollmachten der vertretungsbefugten Person stammen aus dem USP, das bislang über 150 Services der öffentlichen Verwaltung als Zugang für Unternehmen nutzen. Vorerst ist die Anmeldung nur bei ausgewählten Behörden möglich, die die Funktion freigeschaltet haben, eine Erweiterung auf privatwirtschaftliche Anbieter wird geprüft. [Quelle: BKA]
🇩🇪 🇭🇺 Bayern will Donau ausbaggern, Ungarn will sie anheben. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter sprach sich angesichts der Trockenheit für einen raschen weiteren Ausbau der Donau zur Verbesserung der Abladetiefe aus. Nach dem bereits 311 Mio. Euro teuren Abschnitt Deggendorf–Straubing soll nun der Bereich bis Vilshofen folgen, Bayern trägt ein Drittel der Kosten nach EU-Förderung. Ungarn will hingegen den Pegel der Donau anheben. Um die Kühlung des wegen Niedrigwassers nur noch zu rund 25 % ausgelasteten Atomkraftwerks Paks zu sichern, kündigte Ministerpräsident Peter Magyar den Bau einer „Sohlschwelle“ an, die den Pegel um bis zu einen Meter anheben soll. [Quellen: Bernreiter, Magyar auf Facebook]
🇩🇪 Umweltminister will für Klimaanlagen Grundgesetz ändern. Der deutsche Umweltminister Carsten Schneider will ermöglichen, dass sich der Bund finanziell an Maßnahmen für mehr Klimaschutz oder zur Klimaanpassung beteiligen kann. Dazu zählen u. a. Klimaanlagen oder Verschattung. Gelingen soll das über eine Verankerung von Klimaschutz und -Anpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz. Schneider will zeitnah einen Vorschlag vorlegen. [Quelle: Handelsblatt]
🇩🇪 🌐 Sinkende Löhne für Berufseinsteiger durch KI. Rund die Hälfte der deutschen Unternehmen, die KI einsetzen, rechnet in den kommenden 5 Jahren mit sinkenden Löhnen für Beschäftigte mit weniger als 5 Jahren Berufserfahrung. Bei jenen mit längerer Erfahrung gehen rund 40 % der Unternehmen von Lohnkürzungen aus. Für Hochschulabsolventen mit mehrjähriger Praxis halten dagegen 26 % steigende Löhne für möglich, bei Niedrigqualifizierten mit weniger Erfahrung sind es 5,9 %. Dienstleister gehen am häufigsten von sinkenden Löhnen aus, Bauunternehmen am seltensten. Parallel dazu stieg die weltweite Jugendarbeitslosigkeit auf 12,4 % – am stärksten in einkommensstarken Ländern. In Nord-, Süd- und Westeuropa lag die Quote 2025 bei 15 %. [Quellen: Ifo-Institut, ILO]
🇨🇭 Knapp 55 % mehr Firmenkonkurse in der Schweiz. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Schweiz stieg im 1. Halbjahr 2026 um knapp 55 % auf 7.496 Fälle und erreichte damit den höchsten Stand seit 1994. Bei anhaltendem Tempo wären im Gesamtjahr rund 15.000 Insolvenzen möglich, nach knapp 11.900 im Vorjahr. Seit Anfang 2025 müssen öffentliche Gläubiger wie Steuer- und Sozialversicherungsbehörden offene Forderungen konsequenter eintreiben, weshalb Fälle sichtbar werden, die unter den früheren Regeln nicht betroffen wären. Wirtschaftliche Faktoren waren hohe Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage in Teilen des Bau-, Handels- und Gastgewerbes. Die meisten Insolvenzen entfielen auf das Handwerk (1.053), das Gastgewerbe (770) und den Einzelhandel (626). [Quelle: APA via Medienberichte]
🇺🇸 🌐 US-Energiebehörde EIA rechnet mit höheren Ölpreisen. Für das 3. Quartal 2026 hat die EIA ihre Brent-Preisprognose durch die Blockade der Straße von Hormus von rund 74 auf rund 85 Dollar je Barrel angehoben. Im Vergleich mit dem 2. Quartal 2026 sinken die Preise jedoch. Damals lag der Preis bei rund 103 Dollar. Auch der Lagerabbau bleibt hoch. Im 3. Quartal sollen die globalen Ölvorräte um 3,83 Mio. Barrel pro Tag sinken, weniger als im 2. Quartal mit 4,21 Mio. Barrel. Ab September rechnet die EIA mit einer schrittweisen Erholung. Für 2027 erwartet die Behörde eine Entlastung: Sobald stillgelegte Förderkapazitäten wieder laufen, soll der Brent-Preis auf durchschnittlich 69,39 Dollar fallen. [Quelle: EIA Short-Term Energy Outlook, EIA Oil Market Report]
Selektive Agenda:
Heute, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht „Eurozone Industrieproduktion Juni“
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Krankenstände 2025“ und „Pensionen der geminderten Arbeitsfähigkeit/Erwerbsunfähigkeit 2025“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Elisabeth Strasser ist neu im Team bei REICHLUNDPARTNER Public Relations. Gerhard Valeskini scheidet Ende September aus der Geschäftsführung der Krone und der Mediaprint aus, sein Nachfolger wird Clemens Schwaiger.
Geburtstage: Wir gratulieren Kira Grünberg und Heinz Faßmann zum Geburtstag.