Morning in Brief ・ 14.07.2026

Morning in Brief, 14. Juli 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern, Stanislaus Ruhaltinger und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Rechtsrahmen für Gegengeschäfte soll bis Jahresende stehen. Um 1,5 Mrd. Euro kauft Österreich bei dem italienischen Hersteller Leonardo Jets für das Bundesheer. Über „industrielle Kooperationen“ sollen bei dem Deal bis 2040 rund 400 Mio. Euro zurück an die heimische Industrie fließen. Solche Gegengeschäfte waren in der Vergangenheit heikel und deshalb will die Regierung diesmal einen sicheren Rechtsrahmen dafür schaffen – und zwar noch bis Jahresende, da bereits 2027 die ersten Geschäfte mit Leonardo und heimischen Industriebetrieben unter Dach und Fach gebracht werden sollen. „Wir sind im Plan“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer gestern. Konkret soll bis Jahresende eine unabhängige staatliche Stelle nach dem Vorbild Dänemarks, wo diese Aufgabe die Standortagentur übernimmt, eingerichtet werden. Außerdem wird es für künftige Beschaffungen Musterverträge geben, die transparent und öffentlich zugänglich sind. Derzeit laufe eine erste Vorerhebung, welche Unternehmen an einer Kooperation im Zuge des Leonardo-Deals Interesse hätten – dazu gab es vor zwei Wochen einen Termin mit Leonardo und Unternehmen in der WKÖ. Zum Zug kommen schließlich Unternehmen, deren Produkte auch tatsächlich in die Lieferketten und zum Bedarf von Leonardo passen. Hattmannsdorfer glaubt, dass das vor allem in Weltraum- und Luftfahrttechnologien der Fall sein wird. [Quelle: Pressegespräch Bmwet]

🇦🇹 Forschungsrat empfiehlt mehr Verbindlichkeit im Studium. Der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (Forwit) empfiehlt die Einführung eines Teilzeitstudiums und einen größeren Bezugskreis für Studienbeihilfen. Im Gegenzug sollen die Mindeststudienleistungen für Vollzeitstudierende erhöht werden. Wer Vollzeit in der Regelstudienzeit studiere, solle deutlich stärker gefördert werden als bisher. Beihilfen für Teilzeitstudierende hält Forwit-Vorsitzender Thomas Henzinger dagegen für nicht begründbar. Ziel sei, mehr Menschen zu einem tertiären Abschluss zu bringen, besonders aus Nicht-Akademiker-Familien. Hintergrund des Vorschlags: Es fehle in Österreich, anders als in anderen Staaten, an Verbindlichkeit. „Wenn man in Österreich ein Studium an einer Uni beginnt, weiß man nicht, wann man fertig wird“, so Henzinger. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner habe den Vorschlag bereits aufgegriffen. [Quelle: APA via Medienberichte]

Kommentar: Das Problem der Liberalen heißt nicht Dengler
von Georg Renner

Das große Problem der Neos heißt nicht Veit Dengler samt seinen internen Befindlichkeiten, ob die zutreffen mögen oder nicht. Viel schwerer wiegt, dass anderthalb Jahre nach Antritt der schwarz-rot-pinken Koalition von der pinken Handschrift in der Regierungsarbeit erstaunlich wenig zu sehen ist.

💡USA dominieren Österreichs Rüstungsexporte. Die USA sind mit 1,4 Mrd. Euro Antragsvolumen 2025 mit Abstand größtes Zielland für heimische Verteidigungsgüter-Exporte, mehr als das 5-Fache der übrigen Top-5-Länder zusammen (256 Mio. Euro). Schweiz (95 Mio.), Singapur (60 Mio.), Australien (51 Mio.) und Brasilien (50 Mio.) folgen mit jeweils zweistelligem Millionenbetrag. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer kündigte zuletzt an, dass bis Jahresende ein Rechtsrahmen für Gegengeschäfte stehen soll, konkret im Zusammenhang mit dem 1,5-Mrd.-Euro-Kauf von Leonardo-Jets fürs Bundesheer. Nicht erfasst in den Exportzahlen ist Kriegsmaterial im engeren Sinn, dafür ist das Innenministerium zuständig. [Quelle: BMWET | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Elektrotechnik-Branche fordert Neustart der PV-Förderung. Die WKÖ-Bundesinnung der Elektrotechniker fordert einen grundlegenden Wechsel des Fördersystems. Der Grund: Beim jüngsten Photovoltaik-Fördercall des Wirtschaftsministeriums waren alle Mittel bereits nach 33 Sekunden vergeben. „Eine Förderung, die nach 33 Sekunden beendet ist, ist keine Förderung – sondern eine Lotterie“, kritisiert WKÖ-Bundesinnungsmeister Christian Bräuer. Statt kurzfristiger Fördercalls brauche es ein langfristig planbares Fördersystem, das v. a. die Kombination von PV-Anlagen und Speichern unterstützt. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hatte zuletzt angekündigt, die maximale Förderintensität wegen günstigerer Marktpreise von 30 % auf 20 % zu senken. [Quelle: WKÖ | Reaktion: FPÖ, WKÖ, PV Austria]

🇦🇹 ÖVP fordert schnellere Umsetzung im Bildungsbereich. ÖVP-Lehrlingssprecher Klaus Mair nennt die Einführung einer verpflichtenden Mittleren Reife am Ende der Schulpflicht sowie einer Bildungspflicht als zentrale bildungspolitische Reformvorhaben der laufenden Legislaturperiode. Angesichts sinkender Geburtenzahlen und wachsenden Fachkräftemangels fordert er deren rasche Umsetzung. Dazu zählen u. a. auch die Umstellung der Lehrpläne an Polytechnischen Schulen sowie an Berufsschulen auf ein modulares System, ein stärkerer Fokus auf digitale Ausbildung sowie ein erleichterter Umstieg von Schülern ohne Abschluss aus höherbildenden Schulen in die Lehre. [ÖVP]

🇦🇹 🇱🇺 Österreich vertieft militärische Zusammenarbeit mit Luxemburg. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und ihre luxemburgische Amtskollegin Yuriko Backes haben eine Absichtserklärung zur bilateralen Kooperation in den Bereichen Cyber, Weltraum, militärische Ausbildung, Sanitätswesen sowie internationale Friedens- und humanitäre Einsätze unterzeichnet. Zudem ist eine österreichische Beteiligung am Luxemburger Satellitenkommunikationsprojekt GovSat-2 geplant, die noch durch eine gesonderte Vereinbarung formalisiert werden soll. [Quelle: APA via Medienberichte]

🌐 Energiepreis-Update. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag heute Früh bei 84,62 Dollar, ein Anstieg von rund 11,3 %. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Montagfrüh bei 52,49 Euro pro MWh – ein Anstieg um 7,9 %. In der Straße von Hormus kam es in der Nach laut Medienberichten erneut zu Angriffen. Der Iran beschoss Öltanker, die USA griffen iranische Ziele an. US-Präsident Trump kündigte eine Übernahme der Straße von Hormus an und forderte dafür 20 % des Frachtwerts jedes durchfahrenden Schiffs. Teherans oberstes Militärkommando wies das zurück; der Iran hatte zuvor US-Einrichtungen am Persischen Golf angegriffen und die Meerenge erneut für geschlossen erklärt, nachdem die USA sie für offen erklärt hatten. [Quellen: Ölpreis, Gaspreis, Der Standard]

🇪🇺 Rat beschließt Agrarhilfen wegen gestiegener Düngerpreise. Da die Auswirkungen des Irankriegs die Düngerpreise steigen ließen, dürfen EU-Staaten betroffenen Landwirten künftig bis zu 50 % der Mehrkosten für Dünger ersetzen, bis zu 80 % für Betriebe, die bereits weniger düngen. Die konkrete Höhe pro Betrieb legen die Mitgliedstaaten selbst fest, finanziert wird das neue Instrument von bis zu 65 % durch die EU, dazu kommt die Möglichkeit, dieses national um bis zu 200 % aufzustocken. Zusätzlich können Direktzahlungen früher und mit einem höheren Vorschuss ausgezahlt werden. Staaten dürfen zudem ihre Direktzahlungs-Budgets für 2027 anpassen. Mit der Ratsentscheidung ist das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen, die Verordnung tritt einen Tag nach Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft. [Quelle: Rat der EU – Übersicht, Verordnung]

🇪🇺 EU-Zölle bremsen China-Produktion, chinesische Marken wachsen weiter. Die EU-Zölle auf E-Autos aus China haben den Anteil der aus China importierten Batteriefahrzeuge am EU-Markt von 22 % (2024) auf 17 % im ersten Quartal 2026 gesenkt. Der Hauptgrund: Westliche Marken wie Tesla, BMW und Volvo verlagerten große Teile ihrer Produktion nach Europa. Das geht aus einer Analyse des europäischen Verkehrsverbands T&E hervor. Auf chinesische Marken entfällt inzwischen mehr als die Hälfte der aus China importierten Elektroautos, deren Einfuhren von den Zöllen kaum gebremst wurden. Unter anderem steigerte BYD (Zollsatz 17 %) seine Importe reiner Elektroautos um mehr als das Doppelte, während sie bei SAIC (35 %) fast auf die Hälfte sanken. Zudem fordert T&E Zölle auf chinesische Batterien, deren nahezu zollfreie Einfuhren sich zwischen 2020 und 2025 versiebenfacht haben. [Quelle: T&E]

🇪🇺 🇧🇭 EU und Bahrain starten Verhandlungen zu strategischer Partnerschaft. Die EU-Kommission hat sich mit der Regierung Bahrains auf den Verhandlungsbeginn zu einer strategischen Partnerschaft geeinigt. Ziel ist es, u. a. die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Kooperation in den Bereichen Energie, Sicherheit und Innovation zu vertiefen. Damit setzt die Kommission ihr Bestreben fort, die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu den sechs Golfstaaten auszubauen – ein Ziel, das 2022 in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten und beim ersten EU-Golfstaaten-Gipfel 2024 erweitert wurde. 2025 hatte die EU mit 16,4 % den größten Anteil an Bahrains Gesamtimporten und war mit ebenfalls 16,4 % zweitgrößter Abnehmer bahrainischer Exporte. [Quellen: EU-Kommission – Übersicht, Factsheet, EEAS, Dubravka Šuica auf X | Service: A strategic partnership with the Gulf (2022)]

🇩🇪 Erzeugerpreise für Agrarprodukte in Deutschland deutlich gesunken. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im Mai 2026 um 13,9 % unter dem Vorjahresniveau, nach -12,3 % im April und -8,8 % im März. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Preise um 1,5 %. Die Preise für pflanzliche Erzeugnisse fielen binnen Jahresfrist um 10,4 %, jene für Tiere und tierische Erzeugnisse um 15,9 %.  [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇩🇪 Geschäftsklima im deutschen Wohnungsbau weiter gesunken. Laut Ifo-Institut sank der Index im Juni von -29,5 auf -31,0 Punkte, die Erwartungen fielen auf den niedrigsten Stand seit März 2025. Der Anteil der Unternehmen mit zu wenigen Aufträgen stieg von 42,2 % auf 43,7 %, zudem meldeten 9,7 % der Betriebe Engpässe bei wichtigen Vorprodukten. Die Hoffnung auf eine schrittweise Erholung habe damit einen weiteren Dämpfer erhalten, so Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe. [Quelle: Ifo-Institut]

🇨🇭 🇬🇧 Schweiz und UK modernisieren Freihandelsabkommen. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin und der britische Handelsminister Peter Kyle gaben gestern den Abschluss der seit 2023 laufenden Verhandlungen über ein modernisiertes Freihandelsabkommen bekannt. Das Abkommen erweitert den bilateralen Rechtsrahmen v. a. für Dienstleistungen, Investitionen und digitalen Handel, die bestehenden Präferenzen im Warenhandel bleiben erhalten. Die Unterzeichnung soll noch 2026 erfolgen, gefolgt von den innerstaatlichen Genehmigungsverfahren. [Quellen: WBF, Reuters]

Selektive Agenda:

Heute, Brüssel: EU-Ministerrat „Allgemeine Angelegenheiten“ [Info]

Heute, Brüssel: EU-Ministerrat „Landwirtschaft und Fischerei“ [Info] (letzter Tag)

Heute, Washington: Europaministerin Claudia Bauer in den USA (bis 16.7.)

9:00, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Kfz-Gebrauchtzuslassungen 1. Halbjahr“

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Katarzyna Krzyzanowska-Mittermayer leitet seit Mai die Medizinfakultät der SFU.

Geburtstage: Wir gratulieren Andreas Khol und Thomas Aigner zum Geburtstag.

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