Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern, Stanislaus Ruhaltinger und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Wehrpflicht: ÖVP plädiert für „8+2“-Modell und fordert Neos-Zustimmung. Wenn es nach der ÖVP geht, soll das von der Wehrdienstkommission empfohlene „8+2“-Modell umgesetzt werden, so der ÖVP-Wehrsprecher Friedrich Ofenauer. Auch Thomas Starlinger, Verteidigungsminister a. D. und Mitglied der Wehrdienstkommission, sprach sich gestern im Ö1-Morgenjournal für die Empfehlung der Kommission aus und nannte die zuletzt diskutierten Kompromisse „6+2“ oder „6+3“ einen „ganz schlechten“ und „höchst verantwortungslosen“ Kompromiss. Es brauche die Verlängerung der Wehrpflicht von 6 auf 8 Monate sowie 60 Tage Milizübungen, damit die Soldaten neben der militärischen, v. a. auch die zivile und wirtschaftliche Landesverteidigung entsprechend gut ausführen können. Starlinger ist überzeugt, dass eine Abstimmung im Nationalrat ohne Klubzwang das „8+2“-Modell zum Ergebnis hätte. Nach den Ausführungen Starlingers, der von den Neos für die Kommission nominiert wurde, fordert Ofenauer die Neos auf, sich dem „8+2“-Modell anzuschließen. Auch der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner spricht sich für das „8+2“-Modell aus und zeigt kein Verständnis für den langwierigen Entscheidungsprozess. [Quellen: ÖVP, Ö1-Morgenjournal 14.7., APA via Medienberichte | Service: Bericht der Wehrdienstkommission, Art. 9a B-VG]
Kommentar: Der hohe Preis der Lohnstückkosten-Party
von Sara Grasel
Bei einer Umfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich sind die hohen Personalkosten auf Platz 1 der Liste der Standort-Grauen gelandet, während die Suche nach Arbeitskräften in der Prioritätenliste weit nach unten gerutscht ist. Fast wie ein Hohn wirkt da die Rechnung des ÖGB, dass höhere Löhne schließlich auch mehr Steuereinnahmen und Sozialabgaben bringen. Ja eh, aber diese Party muss auch jemand bezahlen. Die Rechnung ist einfach: Steigen die Lohnstückkosten und die Preissteigerungen lassen sich nicht weitergeben, dann wird halt irgendwann weniger produziert. Dann sind wir ein Boutique-Standort – klingt putzig, kommt aber auch mit weniger Arbeitsplätzen aus.
💡 Europas Geburtenrate erholt sich langsam. Laut Eurostat soll Österreichs Geburtenrate von 1,29 Kindern pro Frau im Jahr 2025 auf 1,53 im Jahr 2100 steigen. Das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 wird damit nicht erreicht. Österreich liegt unter dem Niveau fast aller Nachbarländer, lediglich Tschechien weist einen niedrigeren Wert auf. Bulgarien und Frankreich verzeichnen die höchsten Werte, wobei Bulgarien im Jahr 2100 als einziges Land eine Rate von über 1,7 erreicht. Laut dem aktuellen EU-Demografiebericht der Kommission lag die Gesamtfertilitätsrate EU-weit zuletzt bei 1,34. Die Gesamtbevölkerung soll bereits 2029 ihren Höchststand erreichen und danach schrumpfen, trotz anhaltender Zuwanderung. [Quelle: Eurostat, EU-Demografiebericht 2026 | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 🇪🇺 Österreichische Banken bei EZB-Pilot zum digitalen Euro. Die EZB hat 36 Zahlungsdienstleister für das Pilotprojekt zum digitalen Euro ausgewählt, aus über 50 Bewerbungen. Aus Österreich sind RBI und Bawag dabei, international u. a. Deutsche Bank und UniCredit. Der Pilot startet in der zweiten Jahreshälfte 2027 für zwölf Monate bei der EZB und 19 nationalen Zentralbanken und testet eine Beta-Version ohne Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Eine offizielle Einführung ist frühestens 2029 zu erwarten. [Quelle: EZB]
🇦🇹 WKÖ-Wirtschaftsbarometer: Erwartungsindikatoren zeigen vorsichtige Erholung. Laut dem WKÖ-Wirtschaftsbarometer Sommer 2026, bei dem 4.300 Unternehmen befragt wurden, deuten die Erwartungsindikatoren zu Auftragslage, Umsatz und Auslastung auf eine vorsichtige Erholung hin. Der Erwartungssaldo zur Auftragslage verbessert sich von -3 auf -2 und bleibt damit nur noch knapp im negativen Bereich, jener zum Gesamtumsatz liegt mit +15 Punkten im positiven Bereich, wobei mehr als ein Drittel der Unternehmen in den kommenden 12 Monaten mit steigenden Umsätzen rechnet. Bei der Kapazitätsauslastung dreht der Saldo von -4 auf +2 und liegt damit erstmals seit der Wirtschaftsbarometer-Befragung im Winter 2021 wieder im positiven Bereich. Die stärkste Trendwende zeigt sich bei der Beschäftigung, wo sich der Saldo von -11 auf -2 verbessert und sich damit der Nulllinie annähert. Einzig bei den Investitionen bleibt der Saldo mit -12 unverändert. Getragen wird die Stimmungsaufhellung v. a. von Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten, während das Baugewerbe über alle Indikatoren hinweg weiterhin im negativen Bereich verharrt. [Quelle: WKÖ]
🇦🇹 1.000 schwere E-Lkw in Österreich zugelassen. Mit Juni 2026 sind erstmals 1.000 Elektro-Lkw (Klassen N2, N3, Sattelzüge) in Österreich zugelassen, nach 47 Anfang 2021, 314 Ende 2024 und 705 Ende 2025. [Quelle: BMIMI]
🇦🇹 Tarifreform soll niedrigere Netzkosten für 3 von 4 Haushalten bringen. Ab 1. Jänner 2027 zahlen laut E-Control 75 % der Stromkunden weniger fürs Netz. Kleine Haushalte sparen bis zu 31 %, Haushalte mit Wärmepumpen-Heizung bis zu 12,4 %. Für E-Auto-Besitzer, die ihr Fahrzeug zuhause mit voller Leistung aus dem öffentlichen Netz laden, wird es bis zu 21 % teurer. Hintergrund ist die Einführung des sogenannten Leistungspreises: Dabei richten sich die Netzkosten stärker danach, wie viel Strom ein Haushalt auf einmal bezieht und nicht mehr nach der verbrauchten Gesamtmenge. „Gewinner ist, wer einen konstanten Verbrauch hat. Mehrkosten entstehen bei Spitzen relativ zum Verbrauch“, so E-Control-Vorstand Michael Strebl. [Quelle: E-Control]
E-Control zu Stromspeichern: „Anfragen übersteigen den Bedarf massiv“
Interview mit Alfons Haber
Der starke Ausbau kleinerer PV-Anlagen hat das Stromnetz in Bedrängnis gebracht. Bei Batteriespeichern ist man daher vorsichtiger. Die E-Control setzt die Kriterien für ein Aussetzen der Netzgebühren für Speicher sehr eng und erntet damit Kritik. Die Einschränkungen seien „technisch gut begründbar“, sagt E-Control-Vorstand Alfons Haber.
🇦🇹 Neue Lehrpläne für AHS-Oberstufen in Begutachtung. Das Bildungsministerium hat die neuen Lehrpläne für die AHS-Oberstufe gestern in Begutachtung geschickt. Kern ist das neue Pflichtfach „Medien und Demokratie“ mit 2 Wochenstunden. Das Fach Informatik wird um Künstliche Intelligenz erweitert und wird von 2 auf 3 Wochenstunden aufgestockt. Im Gegenzug fallen 2 Wochenstunden Latein sowie 1 Stunde für ein Wahlpflichtfach weg. Schulautonom sind andere Gestaltungsmöglichkeiten erlaubt. Die neuen Lehrpläne treten gestaffelt ab 1. September 2027 in Kraft. Laut Krone soll ab dem Schuljahr 2027/28 außerdem die Gewichtung der Finanzbildung im Geografieunterricht angehoben werden. [Quellen: BMB, Krone]
🇦🇹 Pharmafirmen blicken pessimistischer auf wirtschaftliche Lage. 44 % der österreichischen Pharmaunternehmen bewerten ihre wirtschaftliche Lage als „gut“, nach 52 % (2025) und 58 % (2024). Für die nächsten 6 Monate erwarten 40 % eine ungünstige Entwicklung, fast doppelt so viele wie in den beiden Vorjahren (2024: 22 %, 2025: 23 %). Der Anteil jener, die ihre derzeitige Lage als „schlecht“ bewerten, hat sich seit 2024 (2 %) mit 6 % dieses Jahr verdreifacht. Sorge bereitet die US-Preispolitik „Most-Favored-Nation“, die US-Arzneimittelpreise an den niedrigsten Preisen vergleichbarer Industrieländer ausrichten soll. 91 % der Befragten befürchten als Konsequenz u. a. längere Erstattungs- und Finanzierungsprozesse auf Medikamentenebene. [Quelle: Pharmig]
🇪🇺 EU verfehlt Ziel bei kritischen Rohstoffen. Die EU droht ihr Ziel zu verfehlen, bei kritischen Rohstoffen unabhängiger zu werden. Von 27 in einer Ifo-Studie untersuchten Rohstoffen kommt sie bei 4 auf mehr als 5 % der weltweiten Förderung, bei 9 liegt ihr Anteil bei null. Gerade in Zukunftsfeldern wie Batterien, Halbleitern, erneuerbaren Energien und Verteidigung ist Europa fast vollständig von Importen abhängig. Statt bei Absichtserklärungen zu bleiben, müsse die EU ihre Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern rasch „durch konkrete Projekte und Finanzierungszusagen unterlegen“, so Ifo-Forscherin Isabella Gourevich. Die Studie deutet zudem auf ungenutztes Potenzial hin: Europa verfüge über zahlreiche unerschlossene Vorkommen, deren Wirtschaftlichkeit aber dringend geprüft werden müsse. [Quelle: Ifo-Institut]
🇪🇺 🇲🇽 Handelsabkommen: EU-Institutionen geben grünes Licht, warten auf Mexiko. Der Handelsteil des überarbeiteten EU-Mexiko-Gesamtabkommens wurde vom Rat der EU final beschlossen. Die neuen Handelsvereinbarungen treten am ersten Tag des zweiten Monats in Kraft, nachdem beide Vertragsparteien ihre internen Gesetzgebungsprozesse abgeschlossen haben. Mexiko dürfte diesen Prozess voraussichtlich erst nach dem Sommer beenden, weshalb der erleichterte Marktzugang für Unternehmen wahrscheinlich erst ab Herbst wirksam wird: vorgesehen sind die Abschaffung der Mehrheit der Zölle sowie u. a. der Schutz von Herkunftsbezeichnungen europäischer Produkte und Zugang zu kritischen Rohstoffen. [Quelle: Rat der EU]
🇩🇪 43 % des Beschäftigungswachstums seit 2014 durch Drittstaatsangehörige. Seit Juni 2014 entfielen rund 43 % des deutschen Beschäftigungswachstums auf Drittstaatsangehörige, 26 % auf Arbeitnehmer aus dem Europäischen Wirtschaftsraum und 32 % auf deutsche Staatsangehörige. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter mit Drittstaatsangehörigkeit um 3,4 Mio. Menschen, während die Anzahl der Deutschen um 3,9 Mio. zurückging. Deutsche Beschäftigte verzeichnen Zuwächse v. a. in hochqualifizierten Tätigkeiten, Rückgänge dagegen in Produktion, einfachen Dienstleistungen und v. a. im Verarbeitenden Gewerbe. Dort werden die Rückgänge durch Zuwächse bei ausländischen Beschäftigten nicht mehr ausgeglichen. Bei Helfer- und Fachkrafttätigkeiten gleichen ausländische Beschäftigte die deutschen Rückgänge aus, in den Dienstleistungsbranchen tragen beide Gruppen zum Beschäftigungsaufbau bei. [Quelle: Dt. Arbeitsagentur – Pressemitteilung, Bericht]
🇺🇸 USA erstatten Unternehmen 81 Mrd. US-Dollar an Zollgebühren. Im laufenden Steuerjahr (Beginn Oktober 2025) zahlte die US-Regierung 81 Mrd. US-Dollar an Zollgebühren an Unternehmen zurück, nach 5 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Der Großteil geht auf ein Urteil des Supreme Court im Februar zurück, wonach Präsident Donald Trump mit einem Teil der verhängten Zölle seine Kompetenzen überschritten hatte. Das zuvor durch die Zolleinnahmen gesunkene US-Haushaltsdefizit wächst dadurch wieder. In den ersten 9 Monaten dieses Haushaltsjahres stieg es um 2 % auf 1,367 Bio. US-Dollar. [Quelle: US Treasury]
🇺🇸 US-Inflationsrate sinkt auf erhöhtem Niveau – Anzeichen für Zinsanhebung. Im Juni betrug die Inflationsrate in den USA 3,5 %. Im Mai verzeichnete der Verbraucherpreisindex einen Anstieg von 4,2 %. Im Monatsvergleich sanken die Preise um 0,4 %, nachdem sie von April auf Mai noch um 0,5 % gestiegen sind. Die Kerninflation lag im Juni bei 2,6 %. Das Inflationsziel der US-Notenbank Fed beträgt 2 %. Christopher Waller, Direktor der Fed, wies darauf hin, dass bei einer anhaltend erhöhten Inflation eine straffere Geldpolitik in Anbetracht gezogen werden müsse. [Quellen: Bureau of Labor Statistics, Fed]
🇨🇳 2. Quartal: Chinas BIP steigt um 4,3 %. Nach einem BIP-Wachstum von 5 % im 1. Quartal betrug der Anstieg zwischen März und Juli nach chinesischen Angaben 4,3 %. Der kumulierte Handelsüberschuss Chinas liegt seit Jahresbeginn bei 575,98 Mrd. US-Dollar, nach 585,96 Mrd. im Vorjahreszeitraum, da die Importe seit mehreren Monaten stärker wachsen als die Exporte. Im Juni stiegen Chinas Exporte um 27 % gegenüber dem Vorjahr, nach einem Plus von 19,4 % im Mai. Die Importe legten um 36 % zu, nach 27,4 % im Mai, der stärkste Anstieg seit fünf Jahren. Der monatliche Handelsüberschuss stieg auf 125,6 Mrd. US-Dollar, nach 105,4 Mrd. im Mai. [Quellen: Reuters – BIP, Außenhandel]
🇦🇪 🌐 Neuer Hafen in VAE soll Straße von Hormus umgehen. Der globale Hafenbetreiber DP World plant laut einem Bericht der Financial Times den Bau eines neuen Hafens in Fujairah am Golf von Oman, an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Der neue Hafen soll eine Ausweichmöglichkeit zur Durchfahrt der Straße von Hormus auf dem Weg zum Hafen Jebel Ali vor Dubai schaffen. Durch die Sperrung der Straße von Hormus ist die Aktivität in Jebel Ali um 90 bis 95 % zurückgegangen. DP World wollte gegenüber der Financial Times keine Einzelheiten zum Projekt bestätigen, erklärte aber, man arbeite an Plänen zur Diversifizierung, um die Auswirkungen der aktuellen Störungen abzufedern. [Quelle: Financial Times]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: UniCredit Bank Austria veröffentlicht den „Konjunkturindikator Juli“
Heute, Washington: Europaministerin Claudia Bauer in den USA (bis 16.7.)
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Regionale Außenhandelsdaten nach Bundesländern 2025“ und den „Baukostenindex Juni“
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht „Eurozone Industrieproduktion Mai“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Martina Gruber, Mario Schlächter und Martin Knobloch sind neue Partner bei PwC Österreich. Gerald Loacker wurde mit einer Mehrheit von 16 zu 13 Stimmen nach dem öffentlichen Hearing im Haushaltskontrollausschuss des EU-Parlaments als österreichisches Mitglied für den Europäischen Rechnungshof (ERH) in Luxemburg bestätigt.
Geburtstage: Wir gratulieren Monika Forstinger, Rosemarie Bauer und Hartwig Löger zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Die Albertina lädt zum Afterwork „Albert & Tina“ auf die Albertina-Terrasse
20:00 Uhr, St. Margarethen: Premiere „Tosca“ in der Oper im Steinbruch [Info]