Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Driss Schmid, Maximilian Kern, Yannic Haimeder und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Eibinger-Miedl will sich für Behaltefrist einsetzen. Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl sieht im Gespräch mit der APA eine Stärkung der privaten Vorsorge als „nächsten logischen Schritt“. Sie will sich für eine Steuerbegünstigung wzB. einer Behaltefrist einsetzen. Finanzminister Markus Marterbauer hatte sich in Interviews wiederholt skeptisch zu einer Behaltefrist geäußert, im Regierungsprogramm steht sie nicht, im Wahlprogramm der ÖVP schon. Bis 2011 gab es eine 1-jährige Behaltefrist, nach der Kursgewinne von Wertpapieren steuerfrei waren, seither werden sie mit 27,5 % KESt. besteuert. [Quellen: APA via Medienberichte, Marterbauer im trend, Regierungsprogramm, Wiener Börse]
„Dieses Niveau der Lohnkosten ist nicht durchhaltbar“
Interview mit Lars Feld
Lars P. Feld war Vorsitzender des deutschen Sachverständigenrats und Wirtschaftsberater unter Finanzminister Christian Lindner, heute leitet er das Walter Eucken Institut in Freiburg. Im Selektiv-Interview zieht er eine gemischte Bilanz der jüngsten Reformwelle der deutschen Bundesregierung: Bei Rente, Steuern und Gesundheit würden Unternehmen in Summe stärker belastet, statt den Standort zu stärken. „Eine klare weitere Verschlechterung des Standorts Deutschland“, so Feld. Mit Blick auf Österreich, wo mittlerweile rund ein Viertel der Bundesausgaben in den Pensionszuschuss fließt, sieht er „eine klare finanzielle Schieflage, bei der bislang nichts passiert ist“ und erklärt, warum weder Berlin noch Wien den Mut zu echten Pensionsreformen aufbringen, solange sich „die älteren Wählerinnen und Wähler egoistisch zu Lasten der Jüngeren durchsetzen“.
💡 Abgaben in Österreich auf Rekordniveau. Die öffentlichen Abgaben des Bundes steigen 2026 auf 122,1 Mrd. Euro brutto, ein Plus von 87 % seit 2010, als es noch 65,5 Mrd. waren. 2020 brach die Summe coronabedingt auf 81,8 Mrd. ein, seither legte sie um mehr als 40 Mrd. zu. Größte Einzelposten sind Lohnsteuer und Umsatzsteuer mit 38,9 beziehungsweise 41,8 Mrd. Euro, zusammen fast zwei Drittel des Aufkommens. Einkommens- und Vermögensteuern liegen mit 62 Mrd. insgesamt noch vor den Verbrauchs- und Verkehrssteuern mit 57 Mrd., der Abstand schmilzt aber seit 2010 spürbar. Nach Abzug der Länder-, Gemeinde- und EU-Anteile bleiben dem Bund netto 74,3 Mrd. Euro. [Quelle: BMF, via OeNB | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Rüstung: Heuer bereits 2 Mrd. Euro an Exportanträgen. Das Wirtschaftsministerium hat neue Zahen zu Rüstungsexporten für das 1. Halbjahr 2026 veröffentlicht. Demnach gab es 1.041 Exportanträge mit einem möglichen Auftragswert von 2 Mrd. Euro – rund 1,5 Mrd. Euro davon sind bereits genehmigt, der Rest ist noch offen. Verteidigungsgüter wie Pistolen machen 649 Anträge (1,7 Mrd. Euro) aus, Dual-Use-Güter wie Sensoren oder Laser, die zivil und militärisch nutzbar sind, 392 Anträge (308 Mio. Euro). Die Vergleichzahlen des 1. Halbjahres 2025 liegen auf Nachfrage nicht vor. Im Gesamtjahr 2025 wurden Verteidigungsexporte im Umfang von 3,9 Mrd. Euro genehmigt. Das Ministerium will die Ausfuhrregeln für Verteidigungs- und Dual-Use-Güter vereinfachen – die Gesetzesänderung wird derzeit in der Koalition abgestimmt. [Quelle: BMWET | Grafik: USA dominieren Österreichs Rüstungsexporte]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,927 Euro für Diesel und 1,809 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag heute Früh bei 84,61 Dollar, stabil im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Donnerstagfrüh bei 54,78 Euro pro MWh – ein Anstieg um 3,4 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 UniCredit Bank Austria senkt Inflationsprognose für 2026 und 2027. Die UniCredit Bank Austria hat ihre Inflationsprognose für 2026 aufgrund einer „Entspannung“ bei den Rohstoffpreisen von 3,4 % auf 3,2 % gesenkt. Für die 2. Jahreshälfte 2027 wird mit einer Inflationsrate von knapp 2 % gerechnet. [Quelle: UniCredit Bank Austria – Übersicht, Bericht]
🇦🇹 Exporte der Bundesländer 2025 leicht rückläufig, Importe gestiegen. 2025 lagen die Ausfuhren in 5 Bundesländern unter dem Vorjahresniveau, während 7 Länder höhere Importe verzeichneten. Österreichweit gingen die Exporte auf 190,14 Mrd. Euro (-0,5 %) zurück, die Importe stiegen auf 196,72 Mrd. Euro (+4,1 %). Den stärksten Exportrückgang verzeichnete das Burgenland (-6,7 %). Zulegen konnten vor allem Tirol (+5,7 %) und Kärnten (+5,1 %). Auf der Importseite verbuchte Tirol den stärksten Anstieg (+14,7 %). Rückläufig waren die Einfuhren nur im Burgenland (-1,1 %) und in Oberösterreich (-0,7 %). Mit knapp einem Viertel der österreichischen Warenexporte blieb Oberösterreich (24,9 %) das exportstärkste Bundesland mit dem höchsten Handelsbilanzüberschuss, während Wien den höchsten Importanteil (26,2 %) und das größte Handelsbilanzdefizit aufwies. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Veranlagungen der privaten Pensionskassen drehen in positiven Bereich. Nachdem das veranlagte Kapital der privaten Pensionskassen im 1. Quartal 2026 um 0,99 % gesunken war, erzielten sie im 2. Quartal ein Wachstum von 4,78 %. Der Eskalation im Nahen Osten infolge des Irankriegs konnten sich die Kapitalmärkte „trotz professionellem Asset-Management“ der Pensionskassen im 1. Quartal nicht gänzlich entziehen, so der Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen. Durch die Stabilisierung der Kapitalmärkte im Frühjahr wurde im 2. Quartal mit 4,78 % ein Ergebnis nahe dem langjährigen Durchschnitt von 5,01 % seit 1991 erzielt. [Quelle: WKÖ – 2. Quartal, 1. Quartal]
🇦🇹 LH Wallner: „Noch ein weiter Weg“ zu Ergebnissen der Reformpartnerschaft. Bis zur Umsetzung der präsentierten Ergebnisse der Reformpartnerschaft sei „noch eine weite Wegstrecke zu gehen“, so der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz Markus Wallner auf Ö1. Vor allem die Finanzierung der geplanten Reformen müsse nun „schnellstens“ geklärt und über den Sommer fixiert werden. Auch bei der Umsetzung auf gesetzlicher Ebene sei es noch ein weiter Weg. [Quelle: Ö1-Mittagsjournal 15.7.]
🇦🇹 Immo-Investments im 1. Halbjahr eingebrochen. Österreichische Immobilien-Investments erreichten im 1. Halbjahr laut CBRE ein Transaktionsvolumen von rund 1 Mrd. Euro, ein Rückgang von 31 % gegenüber dem Vorjahr und 27 % unter dem Fünfjahresschnitt. Internationale Investoren trugen 53 % des Volumens (Vorjahr: 35 %) und dominierten vor allem größere Deals. Das Wohnsegment brach um rund 80 % ein, da Renditeerwartungen nicht erfüllbar sind. Im 2. Quartal führten Retail (32 %) und Hotels (31 %) den Markt an. „Wir sehen aber eine gut gefüllte Pipeline größerer Transaktionen. Die Kombination aus steigender internationaler Nachfrage und einer zunehmenden Marktaktivität stimmt uns für die zweite Jahreshälfte optimistisch“, so Manuel Bugl, Head of Capital Markets bei CBRE Österreich. [Quelle: CBRE]
🇦🇹 9 von 10 Betreiben finden schwer Personal. Für 88 % der österreichischen Unternehmen ist die Personalsuche im Jahresvergleich weiterhin schwierig bzw. schwieriger geworden, wie eine Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 zeigt. Zentraler Knackpunkt ist der „Mismatch“ zwischen gesuchter fachlicher Qualifikation und verfügbaren Arbeitskräften. Für jeden vierten Betrieb (23 %) zählt der Fachkräftemangel zu den größten Herausforderungen. Beim Personalstand wollen heuer 57 % der Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl halten, 12 % planen einen Abbau und 13 % einen Zuwachs. Angesichts knapper finanzieller Spielräume besetzen zudem 3 von 4 der Betriebe (74 %) offene Stellen nicht vollständig nach, fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. [Quelle: KSV1870]
🇪🇺 🇩🇪 Studie: Emissionshandel braucht mehr Flexibilität für Industrie. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Öko-Instituts fordert eine flexiblere Ausgestaltung des EU-Emissionshandels (EU-ETS), um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu erhalten. Konkret schlagen die Autoren vor, die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten länger zu gewähren und die jährliche Reduktion der Zertifikatsmenge langsamer zu gestalten, solange der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) keinen ausreichenden Schutz vor internationalen Wettbewerbsnachteilen bietet. Zusätzlich zum CO₂-Preis seien flankierende Maßnahmen notwendig: Investitionsförderungen, ein beschleunigter Ausbau von Stromnetzen und Wasserstoffinfrastruktur sowie ein entschlossenes handelspolitisches Vorgehen der EU gegen US-Zölle und chinesische Subventionen. Auch Standortnachteile wie lange Genehmigungsverfahren und hohe Bürokratie müssten abgebaut werden. [Quelle: IW]
🇪🇺 🇮🇳 EU: Indien soll Teil von Horizon Europe werden. Die EU-Kommission und die indische Regierung haben Gespräche gestartet, um die Teilnahme Indiens an dem Förderprogramm für Forschung und Innovation „Horizon Europe“ zu vollziehen. Über die Assoziierung zahlen Nicht-EU-Länder in den Haushalt von „Horizon Europe“ ein. Im Gegenzug können ihre Forscher unter ähnlichen Bedingungen teilnehmen wie Forscher aus EU-Mitgliedstaaten. Außerdem hat die EU mit Indien eine Startup-Partnerschaft vereinbart. [Quellen: Ekaterina Zaharieva auf X, EU-Kommission]
🇩🇪 2025 baute deutsche Industrie 177.000 Stellen ab. Im vergangenen Jahr wurden in der deutschen Industrie 177.000 Arbeitsplätze gestrichen. Damit waren zu Jahresende insgesamt 6,5 Mio. Menschen in der Industrie beschäftigt. Im Gesamtbild sank die Anzahl der Arbeitsplätze um 108.00. Wachsende Branchen konnten den Abbau in der Industrie nicht ausgleichen. [Quelle: Dt. Arbeitsagentur]
🇮🇹 Italien plant Verkauf staatlicher Bankbeteiligungen. Der italienische Finanzminister Giancarlo Giorgetti kündigte bei der Jahresversammlung des Bankenverbandes ABI ein Ende der Rolle des Staates als Bankaktionär an und verwies dabei auf die verbesserte finanzielle Stabilität der italienischen Banken. Einen Ausstieg aus der Beteiligung an der Großbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) sprach er nicht explizit an, dieser gilt jedoch als wahrscheinlich. [Quelle: Il Sole 24 Ore]
🇺🇸 US-Erzeugerpreise gesunken, Fed-Chef Warsh sieht Preisstabilität noch nicht erreicht. Die US-Erzeugerpreise sanken im Juni im Vormonatsvergleich um 0,3 %, nachdem Ökonomen zuletzt eine Stabilisierung erwartet hatten. Im Mai war noch ein Plus von 0,6 % verzeichnet worden. Im Jahresvergleich verlangsamte sich der Anstieg auf 5,5 %, während die Jahresinflation insgesamt bei 3,5 % lag. US-Notenbankchef Kevin Warsh erklärte im Kongress, der Rückgang reiche noch nicht aus. Um die Preisstabilität zu sichern, werde man mit „richtiger Geldpolitik“ gegensteuern. Die Fed hatte den Leitzins im Juni bei 3,50 bis 3,75 % belassen, Marktbeobachter rechnen mit einer Straffung im September. Gestern veröffentlichte die Fed außerdem ihre Konjunkturprognose im „Beige Book“. Sie sieht eine leichte Belebung in den letzten Wochen, die Inflation habe sich möglicherweise abgeschwächt. Unsicherheiten gebe es vor allem durch die Treibstoffkosten. [Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics, Fed Beige Book]
Selektive Agenda:
Heute, Washington: Europaministerin Claudia Bauer in den USA (letzter Tag)
Heute, Dublin: Informelle Tagung der EU-Justiz- und Innenminister u. a. mit Innenminister Gerhard Karner (bis 17.7.) [Info]
10:00 Uhr, Wien: Das IHS veröffentlicht seine mittelfristige Konjunkturprognose für 2026-2030
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die „EU-Handelsbilanz Mai“
17:00 Uhr, Tulln: Auftakt der Sommertour durch Österreich von Bundeskanzler Christian Stocker [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Ernst Kernmayer übernimmt mit dem 1. August die Leitung des ORF-Büros in Paris. Gerhard Dafert verlässt das Vorstandsteam der NÖ Landesgesundheitsagentur. Seine Agenden übernehmen Elisabeth Bräutigam und Bernhard Kadlec. Claudia Memminger ist neue Geschäftsführerin von Emmi Österreich.
Geburtstage: Wir gratulieren Ulrike Baumgartner-Gabitzer und Andrea Wolfmayr zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
19:00 Uhr, Graz: Styriarte-Konzert „Mahlers Zweite“ in der Helmut List Halle [Info]
20:00 Uhr, Linz: Konzert Klassik am Dom „Havana Nocturna“ am Domplatz Linz [Info]