Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stanislaus Ruhaltinger, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Länder-Gesundheitsreferenten: Einigung auf Position zum Gesundheitssystem. Die Gesundheitsreferenten der Bundesländer haben sich auf eine „gemeinsame Position zur Zukunft des Gesundheitssystems“ geeinigt. Diese sei die Grundlage für die kommende Landeshauptleutekonferenz, um in der Folge in die Verhandlungen mit dem Bund und den Sozialversicherungen zu gehen. Die Einigung umfasst u. a. die Forderung nach einer Zusammenführung von Finanzierung und Verantwortung, einer Zuständigkeitsverschiebung mit Fachärzten bei den Ländern und Hausärzten bei der ÖGK sowie einem nationalen Innovationsfonds zur Finanzierung von Hochpreismedikamenten und Krebstherapien. Künftige bundesweite Leistungsversprechen sollen nur noch gemeinsam mit gesicherter Finanzierung, realistischer Personalplanung und klaren Zuständigkeiten beschlossen werden dürfen. Tirols Landeshauptmann Anton Mattle, der den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz innehat, will neben einer gemeinsamen Position im Gesundheitsbereich auch in den Bereichen Energie, Bildung, Verwaltung und Verfassung eine einheitliche Länderposition erreichen. Die Konferenz tagt am Donnerstag und Freitag. [Quelle: APA via Medienberichte – Gesundheitsreferenten, Mattle]
Kommentar: Österreich kann plötzlich Startup – aber wer hält es am Laufen?
von Laura Raggl
Allein im ersten Quartal 2026 floss mit rund einer Viertelmilliarde Euro fast so viel Risikokapital in heimische Startups wie im gesamten Jahr 2025. Doch das eigentlich Bemerkenswerte ist nicht die Höhe der Summen. Es ist das Tempo. Es ist in Österreich strukturell möglich, aus dem Nichts in kürzester Zeit Unternehmen von internationalem Rang zu bauen. Aber während wir die Exits und Finanzierungen von heute feiern, versiegt im Stillen der Nachschub.
💡Österreichs Lohnstückkosten steigen stärker als in Vergleichsländern. Von 2017 bis 2025 haben sich die nominellen Lohnstückkosten in Österreich um 37,3 % erhöht. Das ist mehr als in Deutschland (+34,5 %), im Euroraum-Schnitt (+27,0 %) und in Frankreich (+18,2 %). Die Schweiz verzeichnet mit +6,2 % den geringsten Anstieg, hier stammen die letzten Daten allerdings aus 2024. Lohnstückkosten steigen, wenn Löhne schneller wachsen als die Produktivität. Das war in Österreich der Fall: Die reale Arbeitsproduktivität legte im selben Zeitraum lediglich um 4 % zu. Für heimische Unternehmen bedeutet das einen wachsenden Kostennachteil im internationalen Wettbewerb. [Quelle: EcoAustria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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🇦🇹 Neue Tourismus-Strategie für Österreich. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat gestern eine Tourismusstrategie vorgestellt. Die Ziele bis 2035: Die reale Wertschöpfung soll um 10 % auf über 25 Mrd. Euro steigen, die Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr sollen auf über 36 Mrd. Euro steigen (+10 Mrd.), die Eigenkapitalquote der Qualitätshotellerie soll sich von 18 auf 20 % erhöhen und die Zahl der Ganzjahresbeschäftigten in Beherbergung und Gastro soll von 134.600 auf 160.000 steigen. Auch die Gästezufriedenheit soll steigen und die Nächtigungen in der Nebensaison nach oben gehen. Die Maßnahmen umfassen u. a.: Eine KI-Strategie für das Tourismusmarketing entwickeln, Finanzierungen durch die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) steigern und privates Kapital mobilisieren. [Quelle: BMWET | Reaktionen: ÖVP, Stadt Wien, Land OÖ, WKÖ]
🇦🇹 Hersteller von Papier- und Kartonprodukten verlieren Marktanteile. Die Hersteller von Papier- und Kartonverpackungen verzeichneten 2025 erneut eine leicht rückläufige Entwicklung. Der Wert der Produktion sank um 3 % auf 2,23 Mrd. Euro, die produzierte Menge um 1,2 % auf 1,01 Mio. Tonnen. Propak-Fachverbandsobmann Marko Bill Schuster verwies gestern v. a. auf gestiegene Arbeitskosten und eine vergleichsweise verhaltene Entwicklung der Produktivität. Seit 2017 sind die Lohnstückkosten in Österreich um 37,3 % gestiegen, im Euroraum nur um 27 % (siehe Grafik). Die Produktivität ist seit 2017 um 4 % gestiegen, während sie in Osteuropa stark angezogen hat, etwa in Polen um 25 %. Dadurch verlor Österreich bei Papier- und Kartonverpackungen in 12 der 15 wichtigsten Exportmärkte an Marktanteilen. Polen, China, Italien und Spanien haben in diesen Märkten hingegen zugelegt, wie aus einer EcoAustria-Studie hervorgeht. [Quelle: Propak – Aussendung, Präsentation]
🇦🇹 Baukosten im Mai wieder „deutlich“ gestiegen. Die Kosten für den Wohnhaus- und Siedlungsbau sind im Jahresabstand laut vorläufigen Daten von Statistik Austria „deutlich“ um 5,6 % gestiegen. Bereits im April lagen die Kosten 4,3 % höher als im Vorjahr. Im Mai stiegen die Kosten für den Straßenbau (+8,9 %), den Siedlungswasserbau (+7,0 %) und Brückenbau (+6,9 %) im Vergleich zum Vorjahresmonat noch stärker. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,804 Euro für Diesel und 1,718 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August lag heute Früh bei 82,97 US-Dollar, ein Minus von 0,38 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Dienstagfrüh bei 43,035 Euro pro MWh – ein Rückgang um 2,88 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 UniCredit Bank Austria: Stagnation im 2. Quartal erwartet. Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator fiel im Quartalsdurchschnitt von minus 0,8 Punkten im 1. Quartal auf minus 1,6 Punkte im bisherigen 2. Quartal. Dies signalisiere eine mögliche Stagnation der Wirtschaftsentwicklung. Nach dem Rahmenabkommen zum Irankrieg rechnet die Bank ab dem 2. Halbjahr mit moderaten Wachstumsraten. Für 2026 wird ein unverändertes BIP-Wachstum von 0,8 % erwartet, für 2027 von 1,2 %. Die Inflationsprognose wurde für 2026 von 3 auf 3,4 % angehoben. Zudem wird eine weitere Anhebung der EZB-Leitzinsen im September erwartet. [Quelle: UniCredit Bank Austria]
🇦🇹 Frauenbudget steigt 2027 um 21,2 Mio. Euro. Das Frauenressort erhält im Doppelbudget 2027/28 mehr Mittel. 2027 stehen 55,3 Mio. Euro zur Verfügung, 2028 rund 55,4 Mio. Euro. Über 10 Mio. Euro des Zuwachses fließen 2027 in den Ausbau der Frauen- und Mädchenberatungsstellen, weitere rund 9 Mio. Euro in die Bündelung von Gleichbehandlungsanwaltschaft und Gleichbehandlungskommission. Zusätzlich erhalten u. a. Gewaltschutzzentren 1,75 Mio. Euro, das Projekt „StOP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ 150.000 Euro aus dem Frauenbudget. Auch in Westösterreich sollen Gewaltambulanzen eröffnet werden. Bis 2028 ist ein neuer Frauenbericht in Auftrag gegeben. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktion: Die Grünen]
🇪🇺 EU-Parlament stimmt heute über EU-US-Zollvereinbarung ab. Heute stimmt das EU-Parlament über das im Juli 2025 geschlossene „Turnberry Agreement“ ab. Damals einigten sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump auf einen US-Zollsatz von 15 % auf den Großteil der EU-Exporte in die USA. Die EU senkt im Gegenzug Zölle auf US-Industriegüter und gewährt ausgewählten US-Agrar- und Meeresfrüchteprodukten verbesserten Marktzugang. Im Trilog mit Rat und Kommission konnte das Parlament Nachschärfungen durchsetzen: Die zwei heute zur Abstimmung stehenden Gesetze enthalten u. a. eine Sunset-Klausel, wonach die Zollpräferenzen am 31. Dezember 2029 auslaufen, sowie Schutzmechanismen für den Industrie- und Agrarsektor. Die Umsetzung auf EU-Seite verzögerte sich durch Grönland-Drohungen des US-Präsidenten sowie US-Gerichtsverfahren zur Rechtmäßigkeit der von Trump verhängten Zölle. Nach einer möglichen Verabschiedung im Plenum muss der Rat die zwei Gesetze noch förmlich annehmen. [Quellen: EU-Kommission, EU-Parlament]
🇪🇺 Industrieproduktion der Eurozone steigt leicht. Die saisonbereinigte Industrieproduktion der Eurozone ist im April 2026 gegenüber dem Vormonat um 0,1 % gestiegen, nach einem Anstieg von 0,4 % im März. Im Vorjahresvergleich legte die Produktion um 0,3 % zu. In der EU insgesamt betrug das Vorjahresplus 0,9 %, in Österreich 0,3 %. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 Eurozonen-Warenhandel: Binnenhandel wächst, Exporte rückläufig. Zwischen Januar und April sind die Exporte der Eurozonen-Länder in Drittstaaten im Vorjahresvergleich um 3,6 % zurückgegangen. Die Importe stiegen um 1,5 %. Gleichzeitig nahm der Handel innerhalb der Eurozone um 3,1 % zu. Der Handelsüberschuss mit Drittstaaten betrug 12,9 Mrd. Euro, in der Vorjahresperiode lag dieser noch bei 63,7 Mrd. Euro. [Quelle: Eurostat]
🇩🇪 USA-Iran-Abkommen kann deutsches Wirtschaftswachstum erhöhen. Sinkende Ölpreise infolge der Einigung zwischen den USA und dem Iran könnten das deutsche Wirtschaftswachstum laut einer Simulation des IW Köln erhöhen. Fällt der Ölpreis ab dem 3. Quartal 2026 auf 60 US-Dollar pro Barrel, könnte das deutsche BIP 2026 um 0,1 % und 2027 um bis zu 0,8 % höher ausfallen als im Szenario eines anhaltenden Konflikts. Für die EU erwartet das IW unter denselben Annahmen 2027 ein Wachstumsplus von 0,7 %. [Quelle: IW Köln]
🇺🇸 US-Industrieproduktion im Mai unter Erwartungen. Die US-Industrieproduktion legte im Mai nur um 0,1 % zu, Ökonomen hatten 0,3 % erwartet. Der April-Wert wurde auf +0,9 % nach oben revidiert. Die Kapazitätsauslastung der Unternehmen lag bei 76,2 %. [Quelle: Fed]
🇯🇵 Japans Notenbank erhöht Leitzins auf 31-Jahres-Hoch. Die Bank of Japan hat den kurzfristigen Leitzins um 25 Basispunkte von 0,75 auf 1 % angehoben, der höchste Stand seit 1995. Es ist die erste Zinsanhebung seit Dezember. Begründet wird der Schritt mit den Inflationsrisiken durch den Energiepreisschock infolge des Irankriegs. Die Großhandelspreise stiegen im Mai um 6,3 % und damit auf den höchsten Wert seit 3 Jahren. [Quellen: Bank of Japan, Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, Straßburg: Plenarsitzung des EU-Parlaments, u. a. Abstimmung über Zollabkommen zwischen den USA und der EU (bis 18.6.) [Info]
Heute, Straßburg: Justizministerin Sporrer bei der Justizministerkonferenz des Europarats zu Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
Heute, Luxemburg: Europaministerin Bauer beim EU-Ministerrat „Allgemeine Angelegenheiten“ [Info]
Heute, Luxemburg: Gesundheitsministerin Schumann beim EU-Ministerrat „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ [Info]
Heute, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Arbeitskostenindex 1. Quartal 2026“
11:00 Uhr, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlicht die „Konjunkturerwartung Juni“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Michael Baminger ist neuer Präsident von Oesterreichs Energie. Julia Gaulhofer hat die Beratungsagentur Niche Communications gegründet. Maximilian Weinzierl wurde als Bundesobmann der Freiheitlichen Jugend Österreich wiedergewählt. Karin Baier wurde als zweite Landesgeschäftsführerin der SPÖ NÖ bestellt. Sie hat den Posten neben Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander inne.
Sehen & gesehen werden:
8:30 Uhr, Wien: Inspire Energy Talk des Verbunds zum Thema „Industriestrategie – Standort unter Strom?“ u. a. mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Michael Strugl, Anton Burger und Christa Schlager
9:30 Uhr, Wien: 10. Austrian World Summit in der Hofburg u. a. mit Christian Stocker, Alexander Van der Bellen, Norbert Totschnig, Kamala Harris, Arnold Schwarzenegger, António Guterres und Dan Jørgensen [Info]
18:00 Uhr, Wien: Österreichisches Institut für Internationale Politik (oiip) Diskussion „Waiting for Europe: EU Enlargement in an Era of Uncertainty“ u. a. mit Ulrike Hartmann, Hannes Swoboda und Donika Emini [Info]
18:00 Uhr, Wien: Die Fachgruppe Werbung Wien lädt zum „Reden in der Eden“ mit Historikerin Emily Kate Genatowski in die Eden Bar [invite only]