Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Driss Schmid und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Koalition einigt sich auf Medienpaket. Die Regierungsparteien haben sich laut Standard bereits gestern auf ein neues Medienförderpaket im Umfang von rund 55 Mio. Euro geeinigt. Die Verhandlungsergebnisse präsentieren Medienminister Andreas Babler, ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl und Neos-Abgeordnete Henrike Brandstötter heute um 10:30 Uhr im Medienministerium. Nach Informationen des Standards beinhaltet das Paket u. a. eine ab 2027 laufende Zustellförderung von 25 Mio. Euro für Tages- und Wochenzeitungen, eine mit je 20 Mio. Euro für 2026 und 2027 dotierte Digitaltransformationsförderung sowie eine mit 10 Mio. Euro budgetierte Förderung für Medienkompetenz und Jugendangebote. Ein von der ÖVP geforderter eigener Fördertopf für Gratiszeitungen sei laut Regierungskreisen nicht Teil des Pakets. [Quellen: BMWKKMS, Der Standard]
Kommentar: Digitaler Euro – Europas Problem heißt nicht Visa
von Heike Lehner
Der digitale Euro zeigt die Schwäche der EU so deutlich wie kaum ein anderes Projekt. Er steht sinnbildlich dafür, dass der Staat einspringt, wo der Markt liefern könnte. Man kann eine Zentralbank bauen lassen, was der Markt nicht liefert. Man kann sich aber auch fragen, warum er es nicht liefert. Dort, wo digitales Zentralbankgeld für alle bereits existiert, wird es in den meisten Fällen kaum verwendet. In einem Währungsraum, in dem fast jeder ein Konto und eine Karte hat, dürfte es dem digitalen Euro kaum anders ergehen.
💡 Inflation in Österreich sinkt, bleibt aber über Euro-Schnitt. Laut den am Freitag von Eurostat veröffentlichten finalen Inflationsdaten sank Österreichs Teuerung im Juni 2026 auf 3,2 % (Mai: 3,7 %) und lag damit weiterhin über dem Euroraum-Schnitt von 2,8 % sowie über dem EZB-Ziel von 2,0 %. Da Österreich in den vergangenen Jahren mehrheitlich über dem Euro-Schnitt lag, hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Handelspartnern kumuliert verschlechtert. Angeführt wird das Feld von Litauen (5,4 %) und Kroatien (4,2 %). Die niedrigsten Inflationsraten verzeichneten Estland, Frankreich und Malta mit je 2,0 %, Deutschland kam auf 2,4 %. [Quelle: Eurostat | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Personalabbau in Österreich bis 2030 erwartet. Österreichische Unternehmen planen bis 2030 mit einem Personalabbau am Heimatmarkt und verlagern ihre Wertschöpfung zunehmend in Niedriglohnstandorte wie Osteuropa, während gleichzeitig in Wachstumsmärkten wie den USA, China und Indien Personal aufgebaut wird. Das zeigt die CxO-Priorities-Studie der Managementberatung Horváth, für die rund 100 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder österreichischer Großunternehmen befragt wurden. Top-Priorität der Manager ist die Verbesserung von Kosten- und Profitabilitätsstrukturen, gefolgt von KI-Transformation, Digitalisierung und Cyber Security. Nachhaltigkeit fällt im Ranking auf Rang 12 von 13 zurück. [Quelle: Horváth – Aussendung, Studie]
🇦🇹 Fast jede zweite mittelständische Firma braucht Nachfolger bis 2030. 45 % der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Österreich müssen bis 2030 eine Nachfolgelösung finden, wie eine Umfrage von Creditreform und CH Consult unter rund 1.400 Betrieben zeigt. Vor allem in Oberösterreich und Salzburg ist der Bedarf hoch, wo bereits über die Hälfte der Betriebe vor einer Übergabe steht. 40 % der Unternehmen planen eine familienexterne Lösung, etwa den Verkauf an Investoren oder die Übernahme durch das Management. Zugleich wächst die Zahl der potenziellen Käufer: 34 % der befragten Unternehmer könnten sich vorstellen, im Rahmen einer Nachfolge einen Betrieb zu übernehmen. Laut KMU Forschung Austria und WKÖ benötigen bis 2029 rund 51.000 Arbeitgeberbetriebe eine Nachfolge, von denen rund 692.000 Arbeitsplätze abhängen. [Quelle: Creditreform]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update – Ölpreis über 90 Dollar. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,919 Euro für Diesel und 1,794 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag heute Früh bei 90,22 Dollar, ein Plus von 2,4 % seit Freitagabend. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Montagfrüh bei 60,25 Euro pro MWh – ein Anstieg um 5 %. Am Wochenende passierten laut Daten des Finanzdatenanbieters LSEG wieder weniger Schiffe die Straße von Hormuz – am Samstag 4 und am Sonntag 8 Schiffe. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, Reuters]
🇦🇹 Wirtschaftsministerium lässt Wasserkraft-Potenziale prüfen. Das Wirtschaftsministerium gibt eine Studie in Auftrag, die prüfen soll, wo neue Wasserkraft- und Pumpspeicherkraftwerke gebaut werden können, wie bestehende Anlagen effizienter genutzt werden können und was sich ändern muss, damit Genehmigungsverfahren schneller und mit mehr Rechtssicherheit abgeschlossen werden. Hintergrund ist das Ziel, die Stromerzeugung aus Wasserkraft bis 2030 im Vergleich zu 2020 um 5 TWh zu erhöhen. Die Ergebnisse sollen bis Ende 2026 vorliegen. Mit der Studie beginne zugleich die Umsetzung der Maßnahme „Modernisierung des Energiesystems für Versorgungssicherheit“ aus der Industriestrategie. [Quellen: BMWET, Industriestrategiebarometer]
🇦🇹 47 % der Haushalte aus ausgewählten Fluchtherkunftsländern nicht selbsterhaltungsfähig. Rund 47 % der knapp 103.000 österreichischen Haushalte mit mindestens einer Person mit Flüchtlingsstatus, subsidiärem Schutz oder laufendem Asylverfahren aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Tschetschenien (Russische Föderation) oder Somalia gelten als nicht selbsterhaltungsfähig, in Wien liegt der Anteil bei rund 75 %. Das geht aus einer Auswertung von Statistik Austria im Auftrag des Integrationsministeriums hervor, die der Krone vorliegt. Selbsterhaltungsfähig ist ein Haushalt, wenn sein Einkommen aus Erwerbsarbeit, Kranken-, Wochen- oder Arbeitslosengeld sowie Pensionen über dem gesetzlichen Existenzminimum liegt. Bei Haushalten ohne zugewanderte Personen aus einem der 6 genannten Herkunftsländer liegt die Selbsterhaltungsfähigkeit je nach Bundesland zwischen 90 und 93 %, in Wien bei rund 86 %. Die Familienbeihilfe wurde nicht berücksichtigt. [Quellen: Kronen Zeitung, Statistik Austria – Selbsterhaltungsfähigkeit]
🇦🇹 Privatkonkurs dauert wieder 5 statt 3 Jahre. Seit dem 18. Juli gilt für die Entschuldung im Privatkonkurs wieder eine Frist von 5 Jahren, nachdem eine 2021 befristet eingeführte 3-Jahres-Regelung ausgelaufen ist. Für Unternehmer bleibt die 3-jährige Entschuldungsdauer bestehen. [Quelle: ASB Schuldnerberatungen | Reaktion: Die Grünen]
🇪🇺 EU-Emissionshandel: Reduktionspfad gestreckt, Gratiszertifikate verlängert. Die EU-Kommission senkt den jährlichen Reduktionsfaktor für Emissionszertifikate auf 3,7 % für 2031–2035 und 1,7 % für 2036–2040. Ab 2036 dürfen zusätzlich bis zu 2 % internationale Klimazertifikate zur Erfüllung angerechnet werden. Die Gratiszuteilung von Zertifikaten für Unternehmen soll über 2030 hinaus bestehen bleiben und an Dekarbonisierungsinvestitionen gekoppelt werden, für Sektoren mit CO2-Grenzausgleich wird das Auslaufen der Gratiszuteilung bis 2038 verlängert. Parallel entsteht ein mit 100 Mrd. Euro dotierter Investitionsfonds für die Dekarbonisierung der Industrie, dessen erste Phase bereits vor 2030 verfügbar sein soll. Mitgliedstaaten müssen künftig 50 % ihrer nationalen Einnahmen aus dem Emissionshandel in die Dekarbonisierung der betroffenen Sektoren investieren. [Quellen: EU-Kommission – Übersicht, Q&A, Factsheet | Reaktionen: BMWET, SPÖ, FPÖ, Die Grünen, IV, WKÖ, Wb, FCIO]
🇪🇺 EU-Emissionshandel erstmals auch für internationale Flüge. Die EU-Kommission hat einen Vorschlag zur ETS-Reform vorgelegt, wonach ab 2029 erstmals auch internationale Abflüge aus der EU in den Emissionshandel einbezogen werden, sofern das Zielland nicht weiter als 5.000 km von einem zentralen Messpunkt in Europa entfernt liegt. Bisher gilt der Emissionshandel für die Luftfahrt nur innerhalb Europas. Damit wären laut Kommission etwa Flüge nach Dubai, Doha oder Istanbul erfasst, Flüge in die USA oder nach China hingegen nicht. Der bestehende „Stop the Clock“-Mechanismus, der die volle Ausweitung auf alle Abflüge aussetzt, bleibt bestehen, eine Überprüfung ist für 2032 vorgesehen. Inlandsflüge in Gebieten in äußerster Randlage, etwa auf den Kanarischen Inseln, bleiben weiterhin ausgenommen. [Quellen: EU-Kommission – Pressemeldung, Hintergrundgespräch]
🇪🇺 EU-Kommission: 46 % Elektrifizierung bis 2040 als Richtwert. Vor dem Hintergrund geopolitischer Veränderungen, vergleichsweise hohen Energiekosten und dem Ziel, unabhängiger von Energieimporten zu werden, formuliert die EU-Kommission nun das Ziel, bis 2040 den Anteil der Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Gebäuden auf 46 % zu erhöhen. Derzeit liegt der Anteil von Strom am Gesamtendverbrauch in der EU bei 23 %. Durch die Erhöhung soll der Strompreis künftig sinken, ab 2040 sollen zudem jährlich 260 Mrd. Euro an Importkosten für fossile Energieträger eingespart werden. Bis 2030 soll das Preisverhältnis zwischen Strom und Gas für Haushalte auf höchstens das 2,5-fache und für die Industrie auf das 2-fache sinken. [Quellen: EU-Kommission – Q&A, Factsheet | Reaktionen: BMWET, WKÖ]
🇪🇺 EU-Kommission legt Pläne zur Stärkung des Bankensektors vor. Die Kommission hat ein Strategiepapier zur Wettbewerbsfähigkeit des EU-Bankensektors vorgelegt. Bankengruppen sollen Kapital und Liquidität EU-weit dorthin verschieben können, wo sie produktiver eingesetzt werden können, ohne die Finanzierung vor Ort zu schwächen. Ein neuer, gemeinsamer Einlagensicherungsmechanismus in der Bankenunion soll Ersparnisse künftig besser absichern. Zudem will die Kommission prüfen, ob die EU bei der Umsetzung internationaler Eigenkapitalvorschriften (Basel III) die Kreditvergabe von Banken unnötig einschränkt. Weitere Punkte sind vereinfachte Regeln für Eigenkapital und Abwicklungsverfahren, auch für kleinere Institute. Die Kommission will im 1. Quartal 2027 ein Gesetzespaket vorlegen. [Quelle: EU-Kommission | Reaktion: SPÖ]
🇩🇪 Auftragsbestand der deutschen Industrie auf Rekordhoch. Der reale Auftragsbestand im deutschen verarbeitenden Gewerbe stieg im Mai 2026 gegenüber dem Vormonat um 1,7 % und im Vorjahresvergleich um 9,5 %, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit war der Auftragsbestand seit Beginn der Datenerhebung 2015 nie höher, die Reichweite stieg auf 8,9 Monate. Getragen wurde der Anstieg vom Maschinenbau (+3,3 %) und der Elektronik- und Optikbranche (+3 %), während der Auftragsbestand in der Automobilindustrie um 0,8 % sank. Die Auslandsaufträge legten mit 2 % stärker zu als die inländischen (+0,9 %). [Quellen: Statistisches Bundesamt]
🇮🇶 🌐 Irak plant neue Ölpipelines wegen Hormuz-Blockade. Der Irak treibt laut Ölminister Bassim Khudair den Bau einer Pipeline von Basra und Kirkuk zu den Mittelmeerhäfen Ceyhan (Türkei) und Baniyas (Syrien) voran, eine Machbarkeitsstudie läuft. Hintergrund ist die anhaltende Blockade der Straße von Hormuz im Zuge des Irankriegs, während der Ölexport normal mehr als 90 % der irakischen Staatseinnahmen ausmacht. Eine zweite Pipeline in die Türkei außerhalb der kurdischen Autonomieregion im Nordirak soll in den kommenden Tagen den Betrieb aufnehmen. Irak und Syrien unterzeichneten zudem eine Absichtserklärung zur Reaktivierung einer seit 2003 stillgelegten Pipeline mit 700.000 Barrel Tageskapazität, geleitet von einem Chevron-Konsortium. [Quelle: APA/dpa via Medienberichte]
Wochenvorschau
Am Montag präsentieren Andreas Babler, Ernst Gödl und Henrike Brandstötter die Verhandlungsergebnisse zum Medienpaket. In Brüssel beginnt der EU-Ministerrat zum Thema Forschung und Innovation.
Am Dienstag nimmt die Forschungsministerin Eva-Maria Holzleitner am EU-Ministerrat „Forschung und Wissenschaft“ teil. Außerdem veröffentlicht die Industriellenvereinigung ihre Konjunkturumfrage für das 2. Quartal 2026.
Am Mittwoch findet das Welcome Gala Dinner des Salzburg Summits im Hangar 7 statt. In Bregenz eröffnet Bundespräsident Alexander Van der Bellen zusammen mit Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler die 80. Bregenzer Festspiele.
Am Donnerstag beginnt der Salzburg Summit mit Beiträgen von u. a. Georg Knill, Wolfgang Hattmannsdorfer, Claudia Bauer, Karl Nehammer, Antony J. Blinken, Magnus Brunner uvm. Aus Frankfurt berichtet die Europäische Zentralbank am Nachmittag über ihren Zinsentscheid. Zudem veröffentlicht die EU-Kommission ihre Schnellschätzung zum „Verbrauchervertrauen Eurozone Juli“.
Am Freitag findet der zweite Tag des Salzburg Summits statt. Unter anderem mit Justin Trudeau, Michael Höllerer, Monika Köppl-Turyna, Markus J. Beyrer, Eva-Maria Holzleitner und Alexander Pröll. In Wien veröffentlicht die Statistik Austria die Tourismuszahlen aus dem Juni.
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Budesregierung präsentiert das Medienpaket
Heute, Dublin: Informeller EU-Ministerrat „Wettbewerbsfähigkeit“ u. a. mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (bis 21.7.) [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Ingrid Halamka ist die neue Präsidentin des Biosimilarsverband Österreich (BiVÖ).
Geburtstage: Wir gratulieren Gerhard Zeiler, Markus Wallner und Christian Ankowitsch zum Geburtstag.