Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Driss Schmid, Maximilian Kern, Stanislaus Ruhaltinger und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Bauwirtschaft erreicht 2026 Tiefpunkt, Wohnungsneubau bleibt schwach. Österreichs Bauwirtschaft dürfte 2026 mit einem Volumen von voraussichtlich 51,7 Mrd. Euro ihren Tiefpunkt erreichen, ein kräftiger Aufschwung ist laut der EY-Parthenon-Bauprognose aber nicht in Sicht. Seit 2021 (58,7 Mrd. Euro) hat der Markt real knapp 12 % an Volumen verloren. Bis 2028 wird ein Anstieg auf 52 Mrd. Euro erwartet. Im Neubau ging das reale Bauvolumen EY zufolge zwischen 2021 und 2025 um durchschnittlich 5,8 % pro Jahr zurück, besonders im Wohnungsneubau. Dort scheitern viele Projekte nicht an fehlender Nachfrage, sondern an ihrer Wirtschaftlichkeit. Zudem verzögern hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie unsichere Erlöse Investitionsentscheidungen. Die Zahl der Baubewilligungen im Wohnbau lag 2025 bei rund 11.000, nach 23.000 im Jahr 2021. [Quellen: EY]
Kommentar: Die Diskussion über das österreichische Gesundheitssystem einmal anders
von Markus Hengstschläger
Aktuell vergeht kaum ein Tag, an dem das österreichische Gesundheitssystem nicht Schlagzeilen macht, manchmal gelobt, oft aber angeprangert oder sogar grundsätzlich in Frage gestellt wird. Es ist zu teuer, zu wenig effizient und am Ende sind die Österreicherinnen und Österreicher gar nicht so (lange) gesund – so der kolportierte „Befund.“ Die Strukturen, Zuständigkeiten und Finanzierungsmechanismen müssen Kooperation begünstigen und Abschottung, Parallelstrukturen und sektorales Denken verhindern, schreibt Dr. Michael Heinisch in seinem Buch über das Gesundheitssystem.
💡 Spritpreise ziehen wieder an. Der Diesel-Median liegt aktuell bei 1,92 Euro pro Liter, Super bei 1,79 Euro (Stand: 19. Juli), nach dem Tief am 28. Juni bei 1,67 bzw. 1,61 Euro. Grund ist der Rohölpreis: Brent fiel nach dem US-Iran-Abkommen vom 18. Juni bis Anfang Juli unter 70 Dollar je Barrel, stieg seither durch die neue Eskalation im Iran-Krieg aber wieder auf rund 88 Dollar. Damit bleiben die heimischen Preise weiterhin deutlich unter dem Hoch von Ende März und Anfang April, als die Sperre der Straße von Hormus Brent zeitweise über 120 Dollar trieb und der Diesel-Median auf über 2,20 Euro stieg. [Quelle: E-Control | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Wehrpflicht: Milizverband fordert „8+2“-Modell, Kärntner LH gegen SPÖ-Zivildienst-Idee. Der Milizverband Österreich (MVÖ) erwartet von der Bundesregierung im bevorstehenden Sommerministerrat am 27. Juli eine sachlich fundierte Entscheidung aufgrund der Expertise der Wehrdienstkommission und keinen „untauglichen und fragwürdigen politischen Kompromiss“. Der MVÖ spricht sich damit für das von der Kommission erarbeitete Modell „Österreich Plus“ (8+2) aus, das 8 Monate Basisausbildung und 2 Monate Milizdienst vorsieht. Bezüglich der Idee der SPÖ, die Dauer des Zivildienstes bei 9 Monaten zu belassen und um 2 Monate verpflichtende Übungen wie Krisenschutzübungen zu verlängern, sieht Kärntens LH Daniel Fellner keine Sinnhaftigkeit. Beim Wehrdienst selbst hält er eine Einigung zwischen ÖVP und SPÖ auf eine „gut funktionierende Ausgestaltung“ für möglich. [Quellen: MVÖ, Ö1-Morgenjournal 20.7., SPÖ]
🇦🇹 Regierung subventioniert den heimischen Medienmarkt mit 55 Mio. Euro. Für 2027 und 2028 plant die Bundesregierung Medien in Österreich mit insgesamt 55 Mio. Euro zu subventionieren. Konkret plant die Regierung die Zeitungszustellung mit 22,5 Mio. pro Jahr zu bezuschussen, genau so viel ist für den Ausbau digitaler Angebote vorgesehen. Zudem wurde in diesem Bereich die Höhe der Mindestprojektkosten um eine Förderung in Anspruch zu nehmen von 300.000 auf 100.000 Euro gesenkt. Für den Auf- und Ausbau von „Medienkompetenzmaßnahmen“ und der Subvention „innovativer, journalistischer Jugendformate“ wird die Förderhöhe ab 2027 von 700.000 Euro auf 10 Mio. Euro pro Jahr erhöht. Laut Medienminister Babler sollen die Subventionen „die langfristige Unabhängigkeit“ der Medien von der Politik „garantieren“. Ab 2028 sollen alle vorhandenen Mediensubventionen an die kommende „Journalismusförderung“ angepasst werden. Die neue Gestaltung des Subventionsrahmens soll die bestehenden Förderstrukturen harmonisieren, Qualitätskriterien implementieren und die Förderung für mehr Marktteilnehmer öffnen.[Quellen: BMWKKMS, RTR – bisherige Richtlinie | Reaktionen: SPÖ, Die Grünen, FPÖ, VÖZ, VÖP]
🇦🇹 WKÖ-Chefin rückt scharf von Ruck ab. WKÖ-Chefin Martha Schultz distanzierte sich deutlich von Wiens Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck: Dessen in vertraulichen Gesprächsprotokollen kolportierte Aussagen – u. a. zu Postenschacher und abwertend über Frauen – entsprächen „in keiner Weise“ dem Weltbild der Kammer, so Schultz; sie gehe davon aus, dass Ruck „die richtigen Schritte setzen wird“. Auch Kanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker forderte Aufklärung. Wiener Kammervize Margarete Kriz-Zwittkovits stellte sich hingegen hinter Ruck und bezeichnete die Tonaufnahme als „potenziell illegal“. Für Ruck ist auch die Wiener Vorsitzende der WKÖ-Organisation „Frau in der Wirtschaft“, Verena Wiesinger, ausgerückt: Ruck habe „in vergangenen Jahren Frauen motiviert und gefördert“. Die Krone hat derweil neue Details aus den Protokollen veröffentlicht, so soll sich Ruck abschätzig über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und WKÖ-Industrievertreter Sigi Menz geäußert haben. Ein Ruck-Sprecher sagte der Krone, dass man die Arbeit des Ministers schätze. [Quellen: Krone – Protokolle, Reaktionen, ORF, Kriz-Zwittkovits, | Reaktionen: Frau in der Wirtschaft, Neos]
🇦🇹 Gewerkschaftsbund fordert Wiedereinführung der Margeneingriffe. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hält die Wiedereinführung von Eingriffen in die Margen der Energieunternehmen für den richtigen Ansatz, um die wieder steigenden Sprit- und Heizölpreise zu senken. Hintergrund ist eine weitere Wendung im Irankrieg: Die Kampfhandlungen haben wieder zugenommen und die Durchfahrt der Straße von Hormus ist beeinträchtigt, wodurch der globale Ölpreis steigt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag gestern Abend bei 88,13 Dollar, ein Anstieg um 11,3 % seit letzter Woche Montag. [Quellen: ÖGB, Ölpreis]
🇦🇹 Vorarlberg will Raumplanungsgesetz entbürokratisieren. Eine Novelle des Vorarlberger Raumplanungsgesetzes (RPG) soll Verfahren beschleunigen und den bürokratischen Aufwand verringern. Kern ist der Entfall des räumlichen Entwicklungsplans als Verordnung, der künftig durch räumliche Entwicklungskonzepte ersetzt werden soll. Zudem sollen Genehmigungen von Flächenwidmungsplänen automatisch als erteilt gelten, wenn binnen 6 Monaten kein Bescheid ergeht. „Weniger Vorschriften, weniger aufsichtsbehördliche Genehmigungen durch das Land, mehr Eigenverantwortung für die Gemeinden“, so Landeshauptmann Markus Wallner gestern. Im Herbst 2026 soll die Novelle in den Gesetzesbegutachtungsprozess gehen. [Quelle: Land Vorarlberg]
🇦🇹 Bundesverwaltung erhält KI-Anwendung „GovGPT“. GovGPT soll öffentliche Bedienstete beim Verfassen und Zusammenfassen von Texten sowie beim Aufbau eigener Wissensbibliotheken unterstützen. Ziel ist, mehr als 180.000 Bundesbedienstete mit sicheren KI-Anwendungen auszustatten. KI soll die Verwaltung angesichts einer Pensionierungswelle entlasten. Laut Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll wird nur jede zweite frei werdende Stelle nachbesetzt. Die Anwendung basiert auf der KI des französischen Anbieters Mistral AI, der aber keinen Zugang zu den Daten der Verwaltung erhalten wird. Die Implementierung startet im Bundeskanzleramt, ab 21. Juli folgt das Finanzministerium, weitere Ressorts sind bis August vorgesehen. [Quellen: BKA]
🇪🇺 EU-Kommission möchte Methanverordnung umsetzen. Die EU-Kommission hat zwei Empfehlungen zur EU-Methanverordnung vorgelegt, eine zu Compliance-Lösungen für Importeure, eine zweite zu Sanktionen: Für 2027 bis 2029 sollen Strafen bei Nichteinhaltung ausgesetzt werden, während die Pflichten selbst bestehen bleiben. Hintergrund sei die durch die Blockade der Straße von Hormus angespannte Lage auf den globalen Energiemärkten, die rund 20 % des weltweiten LNG-Handels und Ölverbrauchs betreffe. Österreichs Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner kritisierte den Vorschlag als unzureichend: Leitlinien seien kein Ersatz für eine verbindliche Verschiebung der Importpflichten, unterschiedliche nationale Auslegungen drohten einen „Fleckerlteppich“ bei den Sanktionen zu schaffen. Österreich hat sich gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten für eine verbindliche dreijährige Verschiebung der Importpflichten ausgesprochen. [Quellen: EU-Kommission, BMWET]
🇪🇺 Bauproduktion steigt im Mai um 1,2 % im Euroraum. Die saisonbereinigte Produktion im Baugewerbe stieg im Mai 2026 gegenüber April 2026 um 0,4 % im Euroraum und um 0,3 % in der EU. Im Vergleich zum Mai 2025 stieg die Bauproduktion um 1,2 % im Euroraum und um 1,8 % in der EU. Im April 2026 ist die Bauproduktion gegenüber dem Vormonat um 0,1 % im Euroraum und um 0,5 % in der EU gestiegen. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 Firmen sehen Inflation weiter über EZB-Ziel. Laut einer EZB-Umfrage unter mehr als 5.000 Unternehmen liegt die erwartete Inflationsrate im Median wie bereits im Frühjahr bei 3 %. Die aktuelle Teuerung liegt bei 2,8 % und damit über der EZB-Zielmarke von 2,0 %. Die Umfrage dient auch als Orientierungshilfe für die Zinsentscheidung am Donnerstag: Nachdem der Leitzins im Juni auf 2,25 % angehoben wurde, rechnen Fachleute aktuell mit einer Pause. Sollte sich die durch den Nahost-Krieg und höhere Energiekosten angeheizte Inflation nicht rasch abschwächen, ist im September eine weitere Erhöhung möglich. [Quelle: EZB]
🇩🇪 Deutsche Erzeugerpreise steigen im Juni um 1,8 %. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen im Juni 2026 um 1,8 % über dem Vorjahresmonat, gegenüber Mai sanken sie um 0,3 %. Treiber war v. a. der Anstieg bei Vorleistungsgütern (+5,1 %), die Energiepreise stiegen um 0,4 %. Ohne Energie betrug der Anstieg 2,4 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇩🇪 Deutsche Importe aus China steigen um 6,2 %. Die deutschen Importe aus China beliefen sich von Januar bis Mai 2026 auf 72,4 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg von 6,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. China blieb damit Deutschlands größter Importpartner. Im Mai stiegen die Importe gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,1 % auf 14 Mrd. Euro. Die Exporte nach China gingen im selben Zeitraum hingegen um 14,5 % auf 29,6 Mrd. Euro zurück. Dadurch erhöhte sich das deutsche Handelsdefizit mit China auf 42,8 Mrd. Euro, nach 33,5 Mrd. Euro im Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2025 lag der Importüberschuss bei 89,9 Mrd. Euro. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
Selektive Agenda:
Heute, Dublin: Informeller EU-Ministerrat „Wettbewerbsfähigkeit“ u. a. mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (letzter Tag) [Info]
10:00 Uhr, Wien: Die Industriellenvereinigung veröffentlich ihre Konjunkturumfrage für das 2. Quartal 2026
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Johannes Schmuckenschlager übergibt sein Amt als Präsident der Landwirtschaftskammer mit Dezember 2026 an Lorenz Mayr. Frédéric Nalis wird ab 15. September der neue CEO der Vorarlberger Käserei Rupp. Daniela Urban wurde als Vizepräsidentin des Bundesverwaltungsgerichts nominiert.
Geburtstage: Wir gratulieren Ralph Janik, Karl Öllinger und Peter Gröbner zum Geburtstag.