Morning in Brief ・ 28.08.2026

Morning in Brief, 28. August 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Driss Schmid und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Neue Aufträge stärken Erholung der Industrie. In der Einkaufsmanager-Befragung der UniCredit Bank Austria zeichnet sich eine Beschleunigung des Industrieaufschwungs ab. Der Index kletterte im August um 2,9 Punkte auf 54,4 Zähler – der höchste Wert seit Frühjahr 2022 und wieder deutlich über der Wachstumsschwelle. „Rückenwind kam dabei vor allem von der kräftigen Erholung der deutschen Industrie und der steigenden Nachfrage im Rest der Eurozone“, so Chefökonom Stefan Bruckbauer. Sowohl Neuaufträge als auch Exportaufträge wurden stark ausgeweitet, der Produktionsindex stieg auf 56,0 Punkte. Nach mehr als 3 Jahren weiteten die Unternehmen im August erstmals auch wieder ihren Personalstand aus. Der Index für die Einkaufspreise lag im August bei 68,8 Punkten und signalisiert weiterhin kräftig steigende Kosten für Rohstoffe und Vorleistungen. Gleichzeitig konnten die Unternehmen die Kosten aber auch besser weitergeben als zuletzt. [Quelle: Bank Austria – EMI, Presseaussendung; Bruckbauer auf LinkedIn]

Kommentar: Österreich überfördert und unterfordert
von Laura Raggl

Anderswo funktioniert Auslese bei jungen, innovativen Unternehmen einfach. Man hat eine Idee, sucht Kapital oder finanziert sich aus dem Umsatz. Findet man nichts, ist es vorbei. Schnell, billig, ohne Drama. Man lernt daraus und probiert das Nächste. Der Markt entscheidet früh, und er entscheidet für alle sichtbar. In Österreich ist dieser Mechanismus schwach, weil das Finanzierungsökosystem noch nicht reif genug ist, um ihn allein zu tragen. Deshalb ist Förderung richtig. Die Frage ist nicht ob, sondern wie und wann.

💡 Vier Bereiche dominieren die öffentliche Beschaffung. Eine neue Studie des ASCII-Instituts im Auftrag des BMWET wertet erstmals systematisch aus, wer in Österreich wie viel öffentlich beschafft und liefert damit die Grundlage für die „Made in Europe“-Initiative der Regierung. Im Zeitraum 2023 bis 2025 wurden Vergaben im Wert von 93,6 Mrd. Euro erfasst. Allein 4 Tätigkeitsbereiche – Allgemeine Verwaltung, Bahn, Wirtschaft und Soziales – vereinen davon 63,6 Mrd. Euro bzw. rund 68 %. Auffällig ist dabei, dass die Bahn mit 17,3 Mrd. Euro auf Platz 2 liegt, zugleich aber mit im Schnitt nur 2 Bietern pro Vergabe den geringsten Wettbewerb unter den volumenstärksten Bereichen aufweist. [Quellen: ASCII, BMWET | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Österreichs Gasreserven decken 87 % des Jahresverbrauchs. Österreich ist nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer besser für den Winter gerüstet als viele andere europäische Länder. Er bezieht sich dabei auf den Stichtag 23. August 2026, an dem die heimischen Gasspeicher mit 65,4 TWh gefüllt waren, was 65,24 % der Speicherkapazität entspricht. Am selben Stichtag 2025 lag der Füllstand mit 80,35 % rund 15 Prozentpunkte höher. Bezogen auf den Jahresverbrauch von 75 bis 80 TWh waren zum diesjährigen Stichtag rund 87 % eingespeichert, womit der Füllstand über dem europäischen Durchschnitt von 62 % lag. In Deutschland erschweren dagegen doppelt so hohe Gaspreise wie vor einem Jahr die Befüllung, nach Angaben des BMWET sind dort erst 14 % des Jahresverbrauchs eingespeichert.. [Quelle: BMWET, AGGM, AGSI]

🇦🇹 WKÖ hofft weiter auf Stop-the-Clock bei EU-Verpackungsverordnung. Die Wirtschaftskammer drängt die EU-Kommission erneut zu einer „praxisgerechten“ Überarbeitung der seit 12. August geltenden Verpackungsverordnung (PPWR) und fordert ein Stop-the-Clock bei den Anwendungsfristen. WKÖ-Experte Jürgen Streitner zeigte sich in einem Pressegespräch optimistisch, dass es noch zu Änderungen komme. [Quelle: Kurier]

🇦🇹 Seniorenverbände fordern Ende des Zugriffs auf Vermögenserträge in der Pflege. SPÖ-Pensionistenverband, ÖVP-Seniorenbund und ÖGB fordern eine bundeseinheitliche Regelung, wonach Zinsen und Dividenden nicht mehr zur Finanzierung der stationären Pflege herangezogen werden. Seit 2018 ist der Zugriff auf das Vermögen zwar bundesweit abgeschafft, auf laufende Einkünfte wie Pension, Pflegegeld und Vermögenserträge kann aber weiterhin zugegriffen werden. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Regelungen: In Tirol dürfen etwa 25 Euro jährlich an Zinserträgen behalten werden, in Wien werden solche Erträge erst ab einem Vermögen von 100.000 Euro einbezogen. Sozialministerin Korinna Schumann kündigte an, das Thema in der nächsten Pflegeentwicklungskommission zu diskutieren, eine Lösung sei aber nur durch eine Einigung aller 9 Bundesländer möglich. [Quelle: Ö1-Morgenjournal | Reaktionen: Pensionistenverband, Die Grünen]

🇦🇹 Zu wenig Wind: Weiterhin kein Windrad für Vorarlberg. Ein Jahr lang wurde das Windkraft-Potenzial auf der Alpe Rauz in Vorarlberg gemessen und nun hat es sich als zu gering herausgestellt. Der Energieversorger illwerke vkw wird dort doch keinen Windpark errichten – er wäre nicht wirtschaftlich. Nun ruht die Hoffnung auf dem Standort Klaratsberg in Egg, wo die Prüfung ab Herbst läuft. „Wir bekennen uns weiterhin zur Windkraft – aber dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen und Projekte ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich vertretbar sind. Deshalb bauen wir unser Windkraft-Portfolio vor allem an geeigneten Standorten in Deutschland weiter aus. Vorarlberg bleibt aufgrund seiner natürlichen Voraussetzungen in erster Linie ein Land der Wasserkraft und der Photovoltaik“, so CEO Christof Germann. [Quelle: illwerke vkw | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]

🇦🇹 ÖVP Burgenland fordert 10.000 Euro Startkapital fürs erste Eigenheim.
Die ÖVP Burgenland plädierte für eine Landesförderung von 10.000 Euro Startkapital beim Bau des ersten Eigenheims. Klubobmann Bernd Strobl kritisierte, dass dem Land durch das Angebot zur vorzeitigen, vergünstigten Rückzahlung von Wohnbaudarlehen rund 200 Mio. Euro entgangen seien, womit sich 20.000 Eigenheime hätten fördern lassen. Zusätzlich will die ÖVP eine Eigenkapital-Garantie des Landes prüfen, die greifen soll, wenn eine leistbare Finanzierung ausschließlich am fehlenden Eigenkapital scheitert. Die SPÖ wies die Kritik zurück, durch die vorzeitige Rückzahlung seien fast 12.700 Menschen um rund 85 Mio. Euro entlastet worden, so Wohnbausprecher Kilian Brandstätter. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 🇪🇺 EU-Nettozahler fordern Kürzung des EU-Budget. Christian Stocker bekräftigte bei seinem Besuch beim deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz gemeinsam mit den Regierungschefs Dänemarks und Finnlands die Forderung nach drastischen Kürzungen beim neuen EU-Finanzrahmen. Zwischen dem aktuellen Budget und dem geplanten lägen „mehr als 600 oder 700 Mrd. Euro“, so Stocker. Die Erhöhung auf knapp 2 Bio. Euro lasse sich „auch mit neuen Aufgaben nicht erklären“. Kritik übte er zudem an den geplanten 2.500 zusätzlichen Posten in der EU-Verwaltung: „Die Nettozahler sind nicht der Bankomat der EU.“ Die Gruppe, inklusive den Niederlanden und Schweden, stelle 40 % des gesamten EU-Finanzvolumens. Stocker will vor allem eine deutliche Reduktion des Gesamtvolumens sowie klare Priorisierungen erreichen – ein rascher Abschluss bis Jahresende ist ihm dabei zweitrangig. Zugleich pocht er darauf, dass die Mittel für die heimische Landwirtschaft nicht sinken dürfen, sollte das Gesamtvolumen doch steigen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält indes dagegen, dass gerade das große Budget nötig sei, um Europas Unabhängigkeit von China, den USA und fossilen Importen zu finanzieren. [Quellen: Deutsche Bundesregierung, APA via Medienberichte, Politico, österr. Bundeskanzleramt]

🇪🇺 Geldmenge im Euroraum wächst. Die breit gefasste Geldmenge (M3) ist den 3. Monat in Folge gewachsen und erreichte damit das höchste Niveau seit Juli 2025. Das Wachstum gilt als ein Signal für expansive Kreditvergabe. Im Jahresvergleich stieg die Geldmenge M3 im Juli auf 3,4 %, um 0,1 Prozentpunkte mehr als im Juni 2026 (3,3 %). Getrieben wurde das M3-Wachstum vor allem von der Kreditvergabe an Unternehmen (+4,4 %), während die Kreditvergabe an private Haushalte 3,1 % betrug. Gleichzeitig verschoben sich Ersparnisse von Girokonten in kurzfristig gebundene Einlagen. Die Bargeldmenge und die Einlagen auf Girokonten (M1) sanken von 3,5 % im Juni auf 3,1 % im Juli. Bei den Einlagen nach Sektoren wuchsen jene von Unternehmen mit 5,3 %, jene von Haushalten mit 2,6 %. [Quelle: EZB]

🇩🇪 Deutsche Firmen bauen weniger Stellen ab. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im August auf 94,8 Punkte, nach 93 im Juli, und erreichte damit den höchsten Wert seit Mai 2025. In der Industrie erreichte das Barometer den höchsten Stand seit März 2024, die meisten Branchen sind aber weiter auf Kürzungen ausgerichtet. Im Groß- und Einzelhandel überwiegen trotz einer Verbesserung die Abbaupläne, bei Dienstleistern und im Bau soll die Beschäftigung konstant bleiben. Bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen sowie in der Nahrungsmittelindustrie soll die Beschäftigtenzahl steigen. [Quelle: Ifo-Institut]

🇩🇪 Kauflaune unter den Deutschen hellt sich auf. Das Konsumklima in Deutschland verbesserte sich zum September auf minus 26,6 Punkte, nach minus 29,4 im Vormonat. Der Anstieg ist neben der gesunkenen Sparneigung vorrangig auf die höheren Einkommenserwartungen zurückzuführen. Diese erreichten mit einem Anstieg von 16,2 Zählern den höchsten Wert seit 6 Monaten. Auch die Konjunkturerwartungen legten zum 4. Mal in Folge zu und stiegen auf minus 3,9 Punkte. Die Anschaffungsneigung blieb dagegen mit minus 9,8 Punkten nahezu unverändert und verharrt seit rund 4 Jahren auf niedrigem Niveau. [Quelle: NIM]

🇺🇸 Trump erklärt nationalen Strom-Notstand. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete eine „Executive Order“, welche den Einbau bestimmter, im Ausland hergestellter Komponenten für das Stromübertragungsnetz verbietet. Grund dafür sei die „außergewöhnliche Bedrohung“ der USA durch ausländische Komponenten, über die sich Akteure Zugriff auf das Stromnetz verschaffen könnten. Betroffen sind Bauteile samt Software, die ein „unangemessenes“ Risiko für die nationale Sicherheit bergen. Weiters soll die bestehende Infrastruktur auf bereits eingebaute Komponenten überprüft werden. [Quelle: White House]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Erzeugerpreisindex für den Produzierenden Bereich im Juli 2026 (vorläufig) und Juni 2026 (endgültig)

10:00 Uhr, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht die deutschen Arbeitsmarktdaten für August

11:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission veröffentlicht Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone für August

14:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht monatlichen Konjunkturtest

16:00 Uhr, Ann Arbor, Michigan: Bekanntgabe des US-Verbrauchervertrauens im August

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Benjamin Frormann ist neuer Bundesgeschäftsführer der Jungen Industrie. Die oe24 Media Group holt Oliver Böhm als Chief Commercial Officer und Geschäftsführer Sales für TV und Radio an Bord. Thomas Pototschnig verstärkt Complex Pharmaceuticals als Head of Finance. Neu im Vorstand von Mayr-Melnhof: Andreas Koppitz, für die Division Pharma & Healthcare Packaging verantwortlich, und Alexander Loimayr für den Bereich Board und Paper. Die Wiener Austria hat den auslaufenden Vertrag mit Wirtschaftsvorstand Harald Zagiczek um zwei Jahre verlängert.

Geburtstage: Wir gratulieren Michael Strugl und Peter Assmann zum Geburtstag. Am Samstag haben Valerie Hackl, Karl Markovics, Irene Josefa Dyk-Ploss und Helena Ramsbacher. Am Sonntag feiern Niko Alm und Andrea-Michaela Schartel.

Sehen & gesehen werden:

Spotted: Beim Sommerfest der Österreichischen Marketing-Gesellschaft (ÖMG) wurden am Mittwoch im Crudo del Monte Ofelio neben den Gastgebern Alexander Oswald und Viktoria Zischka u. a. gesehen: Martin Brezovich, Michaela Buttazzoni, Roland Grafl, Manuela Hofbauer-Paganotta, Thomas Parger, Eva Mandl, Markus Inzinger, Lukas Hetzendorfer, Jürgen Hofer, Hannes Harborth, Gerhard Günther, Marion Stelzer-Zöchbauer, Nicola Dietrich, Barbara Rauchwarter, uvm.

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