Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Verlängerung der Spritpreisbremse offen. Auch am Wochenende blieb unklar, ob die Spritpreisbremse in Form einer Steuersenkung auch im September fortgeführt wird. Zuletzt betrug die Vergünstigung 1,9 Cent pro Liter. ÖGB-Chef Wolfgang Katzian forderte am Samstag auf Ö1 eine Verlängerung und Rückkehr der Margenbegrenzung. Während sich auch Finanzminister Markus Marterbauer eine Rückkehr der Margenbegrenzung wünscht, erteilte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer diesem Preiseingriff vergangene Woche eine Absage. Die Spritpreisbremse ohne Margenbeschränkung fortzuführen, sieht Marterbauer „skeptisch“. Marterbauer setzt sich zudem für eine Gewinnsteuer für Mineralölunternehmen auf EU-Ebene ein. [Quellen: Katzian im Ö1-„Journal zu Gast“, Marterbauer zu Ö1, BMF zu Selektiv, BMWET zu Selektiv, Der Spiegel, Marterbauer auf Bluesky | Reaktionen: FPÖ, WB, WKÖ, ÖAMTC, ÖGB, ARBÖ | Grafik: Rohöl- und Treibstoffpreise entkoppeln sich]
Kommentar: Ein paar unbequeme Wahrheiten über die ÖVP
von Georg Renner
Die Unsitte, das Aussprechen von Selbstverständlichkeiten als etwas zu framen, das besonderen Mutes bedürfte, ist einer der vielen unappetitlichen Nebeneffekte der Internet-Kulturkämpfe, in denen sogar Aussagen wie, was weiß ich, „Katzen sind nett“ oder „Kinder zu haben ist gut“ für Erregung sorgen. Eh unterhaltsam, wenn man sonst nichts zu tun hat, aber von einem Bundeskanzler würde man sich dann doch Antworten auf ein bisschen komplexere Fragen erwarten, wenn er sich schon per Video an die Öffentlichkeit richtet.
💡 Die „2-1-0-Formel“ wackelt. Gemäß Prognosen von OeNB und Eurosystem bleibt die heimische Konjunktur bis 2028 hinter dem Währungsraum zurück. Das Wirtschaftswachstum liegt 2026 bei lediglich 0,6 % (Euroraum: 0,8 %), während die Inflation durchgehend über dem Schnitt verharrt. Die im Herbst 2025 von Bundeskanzler Christian Stocker definierte „2-1-0-Formel“ wird heuer klar verfehlt: Weder das Mindestwachstum von 1 % noch die Teuerungsmarke von unter 2 % werden 2026 erreicht. Erst gegen 2028 rücken beide Zielwerte mit prognostizierten 1,2 % BIP-Wachstum und rund 2,1 % Inflation wieder in greifbare Nähe. [Quellen: OeNB, Eurosystem/EZB, Statistik Austria, Eurostat | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Stocker bringt Staatsfonds für Pensionen ins Spiel. Bundeskanzler Christian Stocker schlug in mehreren Interviews vor, Gewinne aus Staatsbeteiligungen künftig in einem Fonds zur Absicherung des staatlichen Pensionssystems zu veranlagen. Gegenüber Heute bezifferte er das mögliche Volumen auf rund 700 Mio. Euro pro Jahr, orientiert an skandinavischen Modellen. Unterstützung erhält der Kanzler aus Oberösterreich, Landeshauptmann Thomas Stelzer findet den Vorschlag „grundsätzlich gut“. [Quellen: Heute, Oe24, Krone, OÖN | Reaktionen: Neos, FPÖ, IV, Junge Industrie, JVP, PVÖ]
🇦🇹 Katzian gegen pauschale Krisenabschlüsse bei Herbstlohnrunde. ÖGB-Chef Wolfgang Katzian erteilte pauschalen Krisenabschlüssen bei der nahenden Herbstlohnrunde im Ö1-„Journal zu Gast“ am Samstag eine Absage. „Die Krise ist offensichtlich durchschritten“, so Katzian. Ausschlaggebend sei weiterhin die rollierende Inflation, denn: „Wenn die Inflation sinkt, heißt das nicht, dass irgendwas billiger wird, sondern es wird nicht mehr in der gleichen Höhe teuer wie vorher.“ Wenn es einer spezifischen Branche schlecht gehe, seien Krisenabschlüsse aber weiterhin möglich. Man werde sich jede Branche genau anschauen. [Quelle: Katzian im Ö1-„Journal zu Gast“]
🇦🇹 45 von 113 Entbürokratisierungspunkten sind erledigt. Staatssekretär Josef Schellhorn zieht Bilanz zum im Dezember vorgestellten Entbürokratisierungspaket: Von den 113 Maßnahmen seien mittlerweile 45 umgesetzt, bei 24 sei die Umsetzung weit fortgeschritten, bei weiteren 40 gebe es Vorbereitungen und einen Zeitplan. Offen seien nur noch rund 3,5 % – Vorhaben im Finanz- und im Sozialministerium, wo bei den Arbeitsberichtspflichten laut Schellhorn „noch nichts passiert“ sei. Zugleich forderte er mehr Einsatz von den Bundesländern, etwa bei Baurecht und Bauordnungen, und kritisierte, dass viele vom Bund ausgehende Reformen bei den Ländern stecken blieben. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Irankrieg verteuert Öl- und Gasimporte um 1,2 Mrd. Euro. Die Österreichische Energieagentur beziffert die kriegsbedingten Mehrkosten der vergangenen 6 Monate: rund 680 Mio. Euro beim importierten Rohöl, rund 500 Mio. Euro bei Gas – zusätzlich zu den 9 bis 10 Mrd. Euro, die Österreich jährlich für fossile Importe zahlt. Bei Diesel gaben Verbraucher rund 1,1 Mrd. Euro netto mehr aus. Der TTF-Gaspreis liegt mit rund 66 Euro je MWh doppelt so hoch wie vor Kriegsbeginn, Brent-Rohöl bei knapp 90 Dollar nach Spitzen über 120 Dollar. „Wir zahlen den Preis für Konflikte, auf die wir keinen Einfluss haben“, so Energieagentur-Geschäftsführer Franz Angerer, der den Umstieg auf heimische Energie und Effizienztechnologien wie Wärmepumpen als Ausweg nennt. Im Juli sanken die Strompreise im Vorjahresvergleich um 10,4 % und im Vergleich zum Juni um 0,8 %. Der Gaspreis lag im Vorjahresvergleich 4,6 % höher, ging jedoch gegenüber dem Juni um 0,6 % zurück. Der Preis für Heizöl stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 26,9 %. [Quelle: Österreichische Energieagentur, APA via Medienberichte]
🇦🇹 Erzeugerpreise im Juli um 3,3 % gestiegen. Der Erzeugerpreisindex für den produzierenden Bereich lag im Juli 2026 bei 119,8 Punkten (Basis 2021), 3,3 % über dem Vorjahreswert und 0,3 % über dem Vormonat. Haupttreiber waren Vorleistungsgüter (+6,6 %), v. a. durch stark gestiegene Preise für Nichteisenmetalle (+48,6 %). Erzeugerpreise gelten als Frühindikator für die Konsumenteninflation. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Erste Dürre-Hilfen geflossen, hohe Klimawandelschäden in den Wäldern. Die Hagelversicherung hat im Zuge der Dürreversicherung bereits einen zweistelligen Millionenbetrag an Landwirte ausbezahlt, wie die Krone berichtet. Die Gelder für unversicherte Bauern sollen auch bald fließen – der notwendige Erlass werde „zeitnah“ fertig sein, wie es aus dem BMLUK zur Krone hieß. Dazu gehören Betriebsmittelkredite und die Stundung laufender Agrarinvestitionen – insgesamt ein Volumen von 100 Mio. Euro. Im Jänner 2027 folgt die 140 Mio. Euro schwere Reduktion der SV-Beiträge. Die Bundesforste berichten indes, dass die Schadholzmenge heuer bisher im Jahresvergleich nicht auffällig sei. Der Klimawandel sorge dennoch insgesamt für hohe Schäden, sagte ÖBf-Vorstandssprecher Georg Schöppl der APA: „Vor zehn, fünfzehn Jahren war es der Normfall, dass Schäden im Durchschnitt 14, 15 Millionen Euro ausgemacht haben. Jetzt liegt die neue Normalität beim Doppelten und mehr: Im vergangenen Jahr waren es über 30 Millionen Euro, im Jahr davor waren es fast 50 Millionen Euro. Das heißt, wir spüren das sehr stark.“ [Quellen: Krone, APA via Medienberichte]
🇦🇹 Industrie wehrt sich gegen Kritik an Wassergebrauch. Nachdem Greenpeace vergangene Woche eine Abgabe von 10 Cent pro Kubikmeter auf den industriellen Grundwassergebrauch gefordert hatte, wehrt sich die Industrie. Der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung weist in der Krone darauf hin, dass 80 % der Wasserentnahmen in den Kreislauf zurückfließen würden und: „Das hält den Fakten nicht stand. Wir zahlen bereits heute – über hohe Umweltauflagen, Grundwasserschutz, Infrastruktur und Messkosten.“ [Quelle: Krone am Samstag, Greenpeace]
🇪🇺 Wirtschaftsstimmung in der Eurozone auf Jahreshoch. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) der EU-Kommission deutet auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung hin. Der Eurozonen-Wert ist im August den vierten Monat in Folge gestiegen, um 1,3 Punkte auf 98,4 – ein Jahreshoch. In der EU legte der Wert um 1,0 Punkte auf 98,2 zu. Auch der Employment Expectations Indicator (EEI) zog an, in der Eurozone um 1,5 Punkte auf 98,9, in der EU um 1,2 Punkte auf 99,0. Beide Indikatoren nähern sich damit ihrem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten. [Quelle: EU-Kommission]
🇩🇪 In Deutschland steigt die Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen ist im August um 54.000 auf 3,061 Mio. gestiegen. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5 %. Saisonbereinigt waren 4.000 Menschen mehr arbeitslos als im Vormonat. Im Vorjahresvergleich stieg die Zahl um 36.000. Grund für den Anstieg ist die weiterhin vergleichsweise schwache Konjunktur. Im August waren 656.000 Arbeitsstellen gemeldet, 25.000 mehr als vor einem Jahr. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt dennoch schwach, so die Bundesagentur für Arbeit. Rund 1,13 Mio. Personen erhielten Arbeitslosengeld. Das waren 109.000 mehr als vor einem Jahr. [Quelle: Bundesagentur für Arbeit]
🇫🇷 🇪🇸 Frankreich und Spanien kämpfen mit Inflation. Wegen steigender Ölpreise beschleunigte sich die Inflation in Frankreich im August auf 2,4 % im Jahresvergleich (Juli: 2,1 %). Der HVPI stieg auf 2,7 % und liegt damit wieder klar über der EZB-Zielmarke von 2 %. Haupttreiber war die Energie mit +16,7 %. Auch in Spanien trieben die Energiepreise die Inflation auf ein Rekordniveau: Der HVPI kletterte im August auf 4,5 %, den höchsten Stand seit Anfang 2023. Im Juli lag er noch bei 3,9 %. [Quellen: Insee, INE]
🇺🇸 USA sichern sich Fünftel von Venezuelas Ölreserven. Laut Präsident Donald Trump erhalten die USA Kontrolle über mehr als 65 Mrd. Barrel nachgewiesener venezolanischer Ölreserven – rund ein Fünftel der geschätzten Vorkommen. Venezuelas De-facto-Präsidentin Delcy Rodríguez bestätigte den Deal, der dem Land über 100 Mrd. Dollar an Investitionen bringen soll. Trump verspricht dadurch sinkende US-Spritpreise. [Quellen: Trump auf Truth Social, Rodríguez auf Telegram via La Patilla]
Wochenvorschau:
Am Montag präsentiert Arbeitsministerin Schumann neue arbeitsmarktpolitische Ziele. Die Statistik Austria veröffentlicht Daten zur Kinder- und Jugendhilfe 2025 sowie die Konjunkturstatistik (Industrie und Bau) für Mai 2026. Am Montagabend ist Bundeskanzler Stocker im ORF-Sommergespräch. In den USA treffen sich am Montag die Finanzminister und Zentralbankgouverneure der G20-Staaten in Asheville (North Carolina, USA), um über globale Finanzfragen zu beraten.
Frauenministerin Holzleitner ist von Montag bis Dienstag beim Treffen der deutschsprachigen Gleichstellungsminister in Liechtenstein. Europaministerin Claudia Bauer trifft ebenso am Dienstag ihre Amtskollegen aus Irland, Thomas Byrne, Frankreich, Benjamin Haddad, den britischen Minister für europäische Beziehungen, Hamish Falconer, sowie den polnischen Europastaatssekretär Ignacy Niemczycki. Außenministerin Meinl-Reisinger trifft kommende Woche 4 ihrer Amtskollegen: Neben dem Treffen mit dem albanischen Minister Hoxha Anfang der Woche in Alpbach empfängt sie am Dienstagabend in Wien ihren japanischen Amtskollegen Motegi Toshimitsu, am Mittwoch den Außenminister von Bosnien-Herzegowina, Elmedin Konaković, und am Donnerstag den Jordanier Ayman Safadi.
Am Dienstag kommt die neue Inflations-Schnellschätzung für August. Eurostat legt gleichzeitig Vorabschätzungen zur Eurozone-Inflation und Arbeitsmarktdaten für die EU vor. Weiters liefert die US-Notenbank Fed die aktuellen Konjunkturdaten für die USA.
In Alpbach findet die gesamte Woche das Europäische Forum Alpbach mit breiter Präsenz der Bundesregierung statt – am Mittwoch gastiert dort auch Bundespräsident Van der Bellen mit Erbprinz Alois von Liechtenstein, dem belgischen König Philippe, dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Guillaume, Großherzog von Luxemburg, und dem amtierenden Bundespräsidenten der Schweiz, Guy Parmelin. Am Mittwochabend veröffentlicht die US-Notenbank Fed den Konjunkturbericht „Beige Book“.
Nach der Sommerpause auf EU-Ebene kommen nächste Woche die Verteidigungsministerinnen und -minister, die Außenminister sowie die Minister für Allgemeine Angelegenheiten zu informellen Treffen in Irland zusammen. Die Ministerinnen Tanner und Bauer nehmen teil.
Am Donnerstag folgen BIP-Entwicklung für das 2. Quartal sowie Zahlen zum Arbeitsmarkt im 2. Quartal von Statistik Austria. In Deutschland gibt das Ifo-Institut eine aktualisierte Konjunkturprognose heraus.
Am Freitag gibt Eurostat die Einzelhandelsumsätze der Eurozone bekannt.
Selektive Agenda:
Heute, Asheville: Treffen der G-20 Finanzminister und Präsidenten der Zentralbanken (bis 1.9)
Heute, Wicklow: Informelle Tagung der EU-Verteidigungsminister (bis 1.9) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Konjunkturstatistik (Industrie und Bau) Mai 2026“ sowie „Frühschätzungen zu Industrie und Bau Juli 2026“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Bundesminister Peter Hanke hat Philipp Piber als Geschäftsführer der Austro Control GmbH (ACG) wiederbestellt. Vanessa Joan Müller übernimmt die Sammlungsleitung am Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Wiener-Privatbank-Vorstandsmitglied Michael Munterl scheidet per 28. August aus dem Gremium aus. Seine Aufgaben werden auf die verbleibenden Vorstandsmitglieder aufgeteilt.
Geburtstage: Wir gratulieren Marie Ringler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Alpbach: Erste European Night 2026 [Invite only]