Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern, David Schima und Stanislaus Ruhaltinger – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 🇪🇺 EU genehmigt Stromkostenausgleich für Industrie. Mitte April hat das Wirtschaftsministerium für energieintensive Unternehmen die Antragstellung zum Stromkostenausgleich (SAG) geöffnet – gestern hat die EU-Kommission dafür auch die Genehmigung erteilt. Gemäß der Kommission dürfte Österreich bis 2030 900 Mio. Euro an indirekten CO2-Kosten an Unternehmen rückerstatten. Ausgeschöpft wird dieser Rahmen nicht, die Regierung hat sich auf 75 Mio. Euro jeweils für 2025 und 2026 geeinigt. 80 % der Mittel müssen von Unternehmen in Energieeffizienz und Dekarbonisierung investiert werden. Die Industriellenvereinigung fordert, den genehmigten Rahmen vollumfänglich zu nutzen und die Strompreiskompensation unbürokratisch umzusetzen. [Quelle: EU-Kommission | Reaktion: IV]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei
2,034 Euro für Diesel und 1,854 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute Morgen bei 107,850 Dollar, ein Rückgang um 4,7 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag Mittwochfrüh bei 46,24 Euro pro MWh, ein Rückgang um 3,8 %. US-Präsident Donald Trump kündigte in der Nacht an, die am Montag gestartete US-Operation zur Eskortierung von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus vorerst auszusetzen, um Raum für eine mögliche Einigung mit dem Iran zu schaffen. Die US-Blockade iranischer Häfen bleibt bestehen. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, Trump auf Truth Social]
Kommentar: Drill and Chill: Gute Gründe für Heimat-Gas
von Christian Tesch
Klar müssen wir langfristig weg vom Gas. Aber das Tempo muss sich an der technologischen und wirtschaftlichen Realität orientieren, nicht an der moralischen Utopie. 89 Prozent der Österreicher sind für Gas aus Österreich. Wir haben Gasvorräte im eigenen Land. Ausreichend für zwanzig Jahre. Und zwar für den gesamten Gasverbrauch, Importe wären nicht mehr notwendig.
💡 Österreichs Banken: Ein mühsamer Weg zurück. Österreichs Banken verzeichneten in den letzten Jahren wieder steigende Eigenkapitalrenditen. Der Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zeigt jedoch eine lange Schwächephase: Nach der Finanzkrise 2008 belasteten neue Regulierungsanforderungen (Basel III), Abschreibungen und die jahrelange Nullzinsphase die Profitabilität. Zudem müssen österreichische Banken seit 2011 eine jährliche Bankenabgabe zahlen – bis 2025 machte diese kumuliert 5,8 Mrd. Euro aus. [Quellen: Österreichischer Sparkassenverband, Statistik Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Gasspeicherstand seit Anfang April um 27 % gestiegen. Der österreichische Gasspeicherstand ist zwischen dem 1. April und dem 4. Mai um rund 27 % gestiegen und liegt derzeit bei 40,3 % des Gesamtfüllstandes – im EU-Schnitt sind es 33,8 %. Damit verlaufe die Einspeicherung besser als prognostiziert, so das Krisenkoordinationsgremium der Bundesregierung. Im Vorjahr lag der Speicherstand zum selben Zeitpunkt bei 48,8 %. Nach EU-Vorgaben muss der Füllstand in den Mitgliedstaaten frühestens am 1. Oktober und spätestens am 1. Dezember 90 % erreichen. [Quellen: Aggm, Energie-Infoportal, Agsi, Rat der EU, Koordinationsgremium]
🇦🇹 Syrer größte Gruppe unter Österreichs neuen Staatsbürgern. Im 1. Quartal 2026 wurde 4.686 Menschen mit Wohnsitz in Österreich die Staatsbürgerschaft verliehen. 23,7 % davon hatten zuvor die syrische, 10,6 % die türkische und 9 % die afghanische Staatsangehörigkeit. Insgesamt wurden im 1. Quartal 6.641 Personen eingebürgert – um 21,2 % mehr als im Vorjahresquartal. Unter anderem erfolgten 40,8 % der Einbürgerungen aufgrund eines mehr als sechsjährigen Wohnsitzes in Österreich, rund 24 % entfielen auf Ehepartner und Kinder österreichischer Staatsbürger. Fast die Hälfte aller Einbürgerungen entfiel auf Frauen. Im vergangenen Jahr wurde die österreichische Staatsbürgerschaft insgesamt an 25.095 Personen verliehen. [Quellen: Statistik Austria – 1. Quartal 2026, 2025]
🇦🇹 WKÖ kritisiert Steuerpläne der Regierung bei E-Autos. Die WKÖ-Bundessparte Information und Consulting kritisiert die geplante Abschaffung der steuerlichen Begünstigung für privat genutzte Firmen-E-Autos im Zuge der Budgetsanierung. „Wer Unternehmen zuerst in Richtung E-Mobilität lenkt und dann die Spielregeln ändert, beschädigt das Vertrauen in den Standort“, so Spartenobmann Markus Roth. Bei langfristigen Investitionen brauche es Planbarkeit und keine rückwirkenden Eingriffe. Eine Besteuerung der Privatnutzung von elektrisch betriebenen Firmenautos soll zwar deutliche Mehreinnahmen für das Budget bringen, gleichzeitig aber auch zu mehr Belastungen für Unternehmen führen. Für ein Unternehmen mit 25 Firmen-E-Autos entstehen trotz der geplanten Senkung der Lohnnebenkosten jährlich rund 40.000 Euro an Mehrkosten, so Roth. [Quelle: WKÖ]
🇦🇹 Bisher keine Einigung auf KV für Papierindustrie. Auch in der 5. Verhandlungsrunde konnten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht auf einen neuen Kollektivvertrag für die Papierindustrie einigen. Die Arbeitgeber boten Lohnerhöhungen zwischen 1,8 und 2,0 % sowie eine Einmalzahlung an. Die Gewerkschaften lehnten das Angebot ab und fordern einen Ausgleich der rollierenden Inflation von 3,35 %. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 21. Mai statt. [Quellen: Austropapier, ÖGB]
🇦🇹 Landwirte rechnen mit Ernteausfällen bei anhaltender Trockenheit. Wenn in den kommenden 2 Wochen kein ausgiebiger Regen falle, drohen den österreichischen Landwirten „deutliche Ertragseinbußen“, sagte Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger gegenüber der APA. Erste Schäden würden bereits gemeldet. Laut Greenpeace lagen Ende April 70 % der 227 Grundwasser-Messstellen in Österreich auf niedrigem oder sehr niedrigem Niveau, also mindestens 25 % unter dem langjährigen Mittelwert. Seit 1858 gab es nur viermal einen trockeneren April. Auch die Wetterprognose lässt keine Entspannung erwarten: Laut GeoSphere Austria ist in den kommenden Tagen kein flächendeckender Regen vorhergesagt, bis Sonntag überwiegt der Sonnenschein, lediglich einzelne Schauer und Gewitter sind möglich. [Quelle: APA via Medienberichte, Greenpeace, BMLFUW, Geosphere – Aussicht, April]
🇦🇹 🇪🇺 Marterbauer: „Übergewinnsteuer“ auf EU-Ebene „noch nicht beerdigt“. Finanzminister Markus Marterbauer rechnet trotz der ablehnenden Haltung der EU-Kommission weiter mit der Einführung einer EU-weiten Sonderabgabe auf Gewinne von Energieunternehmen. Die Forderung Marterbauers und seiner 4 Amtskollegen aus Deutschland, Italien, Spanien und Portugal wurde von der Kommission bislang nicht aufgegriffen. Da es sich um 4 „starke und wichtige“ Mitgliedstaaten handle, sieht Marterbauer dennoch Chancen auf eine Umsetzung. Weitere Prioritäten Marterbauers beim gestrigen Treffen der EU-Finanzminister waren der Ausstieg aus fossilen Energien, mehr Investitionen in erneuerbare Energien sowie die Bekämpfung von Steuerbetrug. [Quelle: Doorstep Marterbauer, APA via Medienberichte, Politico – Brief der Finanzminister]
🇦🇹 🇪🇺 Haushaltsstrompreise im 2. Halbjahr 2025 um 34,3 % gestiegen. Österreichische Privathaushalte mussten in der zweiten Jahreshälfte 2025 um 34,3 % mehr für Strom ausgeben als ein Jahr zuvor – nach Rumänien (+58,6 %) der zweitgrößte Anstieg unter allen EU-Mitgliedern. Auf einer von Eurostat berechneten Vergleichsbasis, die die unterschiedliche Kaufkraft in den EU-Ländern berücksichtigt, lagen Österreichs Stromkosten bei 28,5 Einheiten pro 100 kWh – knapp unter dem EU-Schnitt von rund 29. Am höchsten waren die kaufkraftbereinigten Stromkosten in Rumänien (49,52), am niedrigsten in Malta (14,09). Auch beim Gas lag Österreich kaufkraftbereinigt mit 10,63 Einheiten unter dem EU-Schnitt von 11,96. Am teuersten war Gas in Schweden (17,16), am günstigsten in Ungarn (4,67). [Quellen: Eurostat – Strom, Gas]
🇦🇹 🇰🇿 Meinl-Reisinger und Karner auf Wirtschaftsmission in Kasachstan. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Innenminister Gerhard Karner führen seit Dienstag eine Wirtschaftsdelegation in Astana an, der u. a. Vertreter der WKÖ, der IV sowie Manager österreichischer Unternehmen wie Andritz, Rosenbauer und dem Flughafen Wien angehören. Ziel ist die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen – das bilaterale Handelsvolumen lag 2025 bei 2,8 Mrd. Euro, rund 400 österreichische Firmen sind in Kasachstan aktiv. Besonders im Fokus: Energie. Kasachstan liefert fast 60 % des nach Österreich importierten Erdöls und gewinnt durch den Irankrieg als Lieferant weiter an Bedeutung. Auch ein Direktflug nach Astana soll geprüft werden. Zuletzt war 2010 ein österreichischer Außenminister in Kasachstan. [Quelle: Die Presse]
🇪🇺 Insolvenzen in Westeuropa auf höchstem Stand seit über 20 Jahren. Vor dem Hintergrund des schwachen Welthandels und geopolitischer Spannungen verzeichnete Westeuropa 2025 die höchste Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 2002. In den 14 EU-Staaten sowie Norwegen, Schweiz und Großbritannien gab es insgesamt 197.610 Firmenpleiten – ein Plus von 4,8 % gegenüber dem Vorjahr. Am stärksten stiegen die Insolvenzen in der Schweiz (+35,3 %), in Griechenland (+24,4 %), Finnland (+12,1 %) und Deutschland (+8,8 %). Rückläufig waren die Zahlen etwa in den Niederlanden (-14,7 %), in Irland (-7,2 %) und Norwegen (-5,2 %). Österreich lag mit einem Anstieg um 4,3 % auf 6.982 Firmenpleiten 2025 im Mittelfeld. [Quelle: Creditreform]
🇩🇪 🇮🇷 Irankrieg trifft Nahost-Geschäft deutscher Unternehmen. Die Folgen des Krieges im Iran spüren international tätige Unternehmen aus Deutschland vorwiegend bei ihren Aktivitäten in der Golf-Region. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 4.500 deutschen Firmen erwarten im nächsten Jahr nur 21 % eine bessere konjunkturelle Entwicklung an ihren ausländischen Standorten, 32 % gehen von einer Verschlechterung aus. Für 46 % stellen die hohen Energiepreise ein zentrales Geschäftsrisiko dar – das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Herbst. Weitere zentrale Geschäftsrisiken sind Lieferkettenstörungen (40 %) und steigende Rohstoffpreise (37 %). [Quelle: DIHK]
🇩🇪 Deutscher Tankrabatt kommt bisher nicht zur Gänze bei Endkunden an. Seit dem 1. Mai sind in Deutschland die Steuern auf Diesel und Benzin um 17 Cent pro Liter niedriger. An den Tankstellen macht sich dies bisher jedoch noch nicht in vollem Umfang bemerkbar, wie das Ifo-Institut berichtet. Bei Diesel beläuft sich die Weitergabe der Steuersenkung bislang auf 4 Cent pro Liter, bei Benzin auf 12 Cent. Mit einem eigens erstellten Tankrabatt-Tracker bietet das Ifo-Institut einen tagesaktuellen Überblick über die Treibstoffpreise. Generell kritisiert das Ifo-Institut die Maßnahme aus mehreren Gründen: Durch die Steuersenkung auf Diesel und Benzin würden keine Anreize zu einem geringeren Treibstoffverbrauch gesetzt. Zudem profitieren einkommensstarke Haushalte stärker vom Tankrabatt als einkommensschwache. Auch stehe der Tankrabatt im Konflikt mit Deutschlands umweltpolitischen Zielen. Die entfallenden Steuereinnahmen beziffert das Ifo-Institut auf 1,6 Mrd. Euro. [Quelle: Ifo-Institut – Übersicht, Tankrabatt-Tracker]
🇺🇸 US-Handelsdefizit im März im Jahresvergleich um 55 % gesunken. Das US-Handelsdefizit ist im Zeitraum Januar bis März 2026 um 211,2 Mrd. US-Dollar bzw. 55 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 gesunken. Die Exporte legten um 12 % zu, die Importe gingen um 9,1 % zurück. Im Einzelmonat März stieg das Defizit allerdings auf 60,3 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 4,4 % gegenüber Februar. [Quelle: Bureau of Economic Analysis]
🇦🇺 Australische Zentralbank hebt Zinsen erneut an. Die australische Notenbank hob ihren Leitzinssatz aufgrund der gestiegenen Inflation infolge des Irankriegs von 4,10 auf 4,35 %. Es ist bereits die 3. Anhebung im laufenden Jahr. Die Treibstoffpreise seien bereits jetzt auf einem hohen Niveau und könnten sich zusätzlich über Zweitrundeneffekte auf die Preise für Waren und Dienstleistungen durchschlagen, so die Sorge der Zentralbank. Bleibt die Straße von Hormus über längere Zeit geschlossen, stehen weitere Zinsanhebungen im Raum. [Quelle: Australische Zentralbank]
Selektive Agenda:
Heute, Abu Dhabi: Bundeskanzler Christian Stocker in den Vereinigten Arabischen Emiraten (bis 9.5.)
Heute, Astana, Kasachstan und Taschkent, Usbekistan: Außenministerin Meinl-Reisinger und Innenminister Karner in Kasachstan und Usbekistan (bis 7.5.)
9:00 Uhr, Wien: Ministerrat mit anschließendem Pressefoyer
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Offene Stellen 1. Quartal“
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die EU-Erzeugerpreise März
11:00 Uhr, London: Veröffentlichung der S&P Global Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen aus dem April
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Ernst Gödl wurde einstimmig zum neuen Klubobmann der ÖVP gewählt. Melisa Saldic hat Anfang April die Regionalleitung Kärnten bei Aon Austria übernommen. Gabriele Blach ist die neue Head of Business Operations der Heute Zeitung. Bernadette Arnoldner ist die neue Geschäftsführerin von Iventa. Florian Thaler ist neuer Geschäftsstellenleiter bei CANCOM Austria in Tirol. Andris Nelsons ist neues Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker.
Geburtstage: Wir gratulieren Georg Willi und Magnus Brunner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Austrian Standards Podiumsdiskussion „Security, Productivity, Influence: Wie kritische Infrastrukturen Europas Zukunft entscheiden“ u. a. mit Valerie Höllinger, Barbara Novak und Martin Graf [Info]
18:00 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion der Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein zu „Souverän oder ausgeliefert: Wie kann Europa die digitale Kontrolle zurückgewinnen?“ u. a. mit Danilo Bargen, Johann Weidlinger, Verena Dorner und Marc Degen [Anmeldung]