Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Stromerzeugung aus Wasserkraft 28 % unter Durchschnitt. Die Laufkraftwerke des Verbund produzieren im laufenden Jahr 28 % weniger Strom als im langjährigen Durchschnitt, teilte der Stromkonzern der APA mit. Grund dafür sind die bisher trockenen Monate 2026 und geringere Schneemengen im Winter. Bei den Pumpspeicherkraftwerken seien die Füllstände im Normalbereich. Laut aktuellem Monatsbericht „Wasserhaushalt Österreich“ gab es im April mit rund 24 mm nur etwa ein Drittel des langjährigen mittleren Monatsniederschlags und von Februar bis April ergab sich ein Defizit von 32 %. An rund 75 % der Pegelmessstellen der heimischen Oberflächengewässer lagen die Werte im April niedrigen bis sehr niedrigen Bereich. Eine längere Niederschlagsphase zeichne sich derzeit nicht ab. [Quelle: APA via Medienberichte, BMLUK – Wasserhaushalt Österreich April, Aussendung | Grafik: Österreich im Winter von Strom-Importen abhängig]
Kommentar: China rüstet sein Arsenal zur Wirtschaftskriegsführung auf
von Bernhard Seyringer
Indem Peking ausländische Unternehmen unter Druck setzt und Regierungen mit Handels- und Investitionsgegenmaßnahmen droht, hofft es, den Appetit auf neue Anti-China-Sanktionen zu dämpfen. RISCS ist Chinas erste spezielle Verordnung zur Sicherheit von Supply Chains und gibt dem Staat die rechtliche Handhabe, ausländische Akteure für die Störung dieser zu bestrafen. Zudem verschärft sie die Kontrolle über Untersuchungen zu chinesischen Lieferketten und erschwert damit multinationalen Unternehmen die Erfassung und das Management ihrer Beschaffungsrisiken.
💡 Österreichs Strompreise stiegen so stark wie kaum sonst in der EU. Österreichs Strompreise stiegen so stark wie kaum sonst in der EU. Im 2. Halbjahr 2025 lagen die Strompreise für österreichische Haushalte um 34,3 % über dem Vorjahresniveau – der zweithöchste Anstieg unter allen EU-Mitgliedern nach Rumänien. Der Wert bezieht sich auf einen mittleren Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500 bis 4.999 kWh. Im EU-27-Schnitt betrug die Veränderung lediglich 0,3 %. Während in zahlreichen Ländern wie Frankreich (−12,5 %), Dänemark (−12,0 %) und Zypern (−14,7 %) die Strompreise sogar sanken, gehört Österreich damit zu den größten Ausreißern nach oben. [Quelle: Eurostat, eigene Berechnungen | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
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🇦🇹 Spritpreise steigen nach Mitte-April-„Tief“ wieder an. Die Treibstoffpreise in Österreich sind nach einem Rückgang Mitte April wieder gestiegen. Den höchsten Stand im bisherigen Jahresverlauf verzeichneten die Preise am 30. März mit 2,245 Euro (Diesel) und 1,910 Euro (Benzin). Die niedrigsten Werte im betrachteten Zeitraum wurden am 21. April beim Diesel mit 1,843 Euro und am 18. April beim Benzin mit 1,658 Euro erreicht. Im Monatsdurchschnitt April lagen die Preise bei 2,009 Euro für Diesel und 1,719 Euro für Benzin. Die österreichische Spritpreisbremse beträgt derzeit 7 Cent pro Liter netto. Ab Mitte Mai soll sie auf 4,5 Cent sinken. Der ÖAMTC spricht sich für eine Senkung der Steuern und Abgaben auf Treibstoffe aus, die u. a. über eine europäische Sondersteuer auf Gewinne von Energieunternehmen gegenfinanziert werden soll. Die FPÖ hält die Spritpreisbremse weiterhin für unzureichend und fordert die Umsetzung ihres Modells einer Halbierung der Mineralölsteuer sowie der Abschaffung der CO₂-Bepreisung. Laut FPÖ-Verkehrssprecher Christian Hafenecker würde dies den Preis für Benzin um 44 Cent und für Diesel um 40 Cent senken. [Quellen: E-Control, ÖAMTC, APA via Medienberichte, FPÖ]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,034 Euro für Diesel und 1,859 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute Morgen bei 101,860 Dollar, ein Rückgang um 5,6 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag Donnerstagfrüh bei 44,415 Euro pro MWh, ein Rückgang um 3,9 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Offene Stellen erstmals seit 2 Jahren wieder gestiegen. Die Zahl der offenen Stellen in Österreich ist im Quartalsvergleich zum ersten Mal seit 2 Jahren gestiegen. Nach 119.600 offenen Stellen im 4. Quartal 2025 waren zwischen Jänner und März durchschnittlich 133.100 Stellen offen, davon 81,4 % Vollzeitstellen. Im Vorjahresvergleich ging die Zahl jedoch um 13,6 % zurück. Der Jahresdurchschnitt stieg von 2014 bis 2019 kontinuierlich, sank während der Corona-Pandemie und stieg 2022 auf 230.400 offene Stellen. Seither geht der Wert wieder zurück. 2025 lag er mit 139.900 knapp unter dem Niveau von 2019. [Quelle: Statistik Austria – Quartalsbericht, Übersicht]
🇦🇹 Nachfrage nach Forschungsförderung übersteigt Budget. Der Wissenschaftsfonds FWF hat 2025 rund 340 Mio. Euro in 749 neue Forschungsprojekte investiert und finanziert aktuell 5.311 Forschende – beides Höchststände. Die Bewilligungssummen in allen Programmen außerhalb der Exzellenzinitiative stiegen im Schnitt um 9 %. Gleichzeitig erreichten die Förderanträge mit rund 3.100 Einreichungen und über 1,5 Mrd. Euro Volumen ebenfalls einen Rekordwert. Die Bewilligungsquote sank auf 24 %; jährlich müssen exzellente Projekte im Umfang von rund 60 Mio. Euro trotz positiver Begutachtung abgelehnt werden. [Quelle: FWF]
🇦🇹 Milizverband drängt auf neues Wehrpflichtmodell. Der Österreichische Milizverband fordert die „unverzügliche parlamentarische Umsetzung“ des Wehrdienstmodells „Österreich Plus 8+2″. Das Modell wurde im Jänner von der Wehrdienstkommission als am besten geeignet vorgeschlagen. Vorgesehen ist eine Verlängerung des Grundwehrdienstes auf 8 Monate sowie 2 Monate Milizübung, bei gleichzeitiger Verlängerung des Zivildienstes auf 12 Monate. Die Umsetzung ist ab Anfang 2027 geplant, zuvor steht jedoch die politische Einigung aus, auch eine Volksbefragung ist im Raum. Generalstabschef Rudolf Striedinger erklärte bereits Ende April in der Presse, dass das Bundesheer nach einer politischen Grundsatzentscheidung eine Vorlaufzeit von 9 Monaten benötige, diese Frist sei mittlerweile abgelaufen. [Quellen: Milizverband, Die Presse | Reaktion: ÖVP]
🇦🇹 🇪🇺 Österreichs Industrie-Erzeugerpreise weiterhin unter Vorjahresniveau. Die Erzeugerpreise in der österreichischen Industrie lagen im März 2026 um 1,1 % unter dem Vorjahreswert. Damit ist Österreich eines von wenigen EU-Ländern mit weiterhin rückläufigen Erzeugerpreisen, während die Eurozone (+2,1 %) und die EU (+2,0 %) im Jahresvergleich erstmals wieder im Plus liegen. Im Monatsvergleich stiegen die österreichischen Erzeugerpreise um 1,8 % und damit schwächer als in der Eurozone (+3,4 %) oder in der EU (+3,2 %). Die höchsten Monatsanstiege verzeichneten Litauen (+6,9 %), Spanien (+6,5 %) und Italien (+5,9 %), die stärksten Rückgänge Estland (−12,3 %), Finnland (−5,3 %) und Bulgarien (−2,5 %). [Quelle: Eurostat]
🇦🇹 Geplante Erhöhung der Spirituosensteuer stößt auf Kritik. Die Bundesregierung plant zur Budgetsanierung u. a. eine Erhöhung der Alkoholsteuer um 30 %, die z.B. Spirituosen, Liköre und Ethylalkohol erfasst. Bier und Wein sind nicht betroffen. Der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie kritisiert das Vorhaben. Spirituosen seien mit 12 Euro je Liter reinen Alkohols bereits jetzt überproportional besteuert und trügen rund 45 % des Steueraufkommens aus alkoholischen Getränken bei einem Konsumanteil von 14 %, so Geschäftsführerin Katharina Koßdorff. Die Alkoholsteuereinnahmen lagen 2025 bei 145 Mio. Euro. [Quelle: WKÖ | Service: Alkoholsteuer]
🇪🇺 Eurozonen-Löhne dürften heuer um 2,6 % steigen, weniger stark als 2025. Der gestern veröffentlichte EZB Wage Tracker – basierend auf KV-Daten bis Mitte April – zeigt stabile Lohnentwicklung: Kollektivvertraglich vereinbarte Löhne dürften 2026 in der Eurozone im Schnitt um 2,6 % steigen, unverändert gegenüber der März-Prognose. Nach 3,0 % im Jahr 2025 signalisiert das eine weitere Normalisierung. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, man werde die Lohnabschlüsse sehr genau beobachten. Die Daten dämpfen vorerst Sorgen vor einer Lohn-Preis-Spirale – allerdings warnt die EZB, dass bei Eskalation des Irankriegs das Lohnwachstum bis 2027 auf bis zu 5,8 % steigen könnte. Die nächste EZB-Ratssitzung findet im Juni statt; die meisten Marktbeobachter erwarten dann eine erste Zinserhöhung. [Quelle: EZB Wage Tracker, WSJ]
🇪🇺 🇺🇸 EU-Institutionen finden noch keine Position zur EU-US-Zollvereinbarung. In der Nacht konnten sich Vertreter der EU-Kommission, des Rates und des Europaparlaments in der 2. Verhandlungsrunde noch nicht auf eine finale Position zum „Turnberry Agreement“ mit den USA einigen. Zwar seien laut dem Verhandlungsführer des Parlaments, Bernd Lange, u. a. Fortschritte bei den geplanten Schutzmechanismen erzielt worden, doch stehe ein abschließender Konsens über die Ausgestaltung der Zollvereinbarung noch aus. Zuletzt hatte der US-Präsident der EU vorgeworfen, die Vereinbarung nicht fristgerecht umzusetzen, und Zölle in Höhe von 25 % auf europäische Kraftfahrzeuge angekündigt. Die nächste Verhandlungsrunde im EU-Trilog ist für den 19. Mai angesetzt. [Quellen: EU-Parlament, Trump auf Truth Social]
🇩🇪 Chemieindustrie: Geschäftserwartungen sinken im April deutlich. Die Erwartungen der deutschen Chemieunternehmen für die kommenden Monate fielen im April von -18,6 auf -30,9 Punkte. In der Folge sank der Ifo-Geschäftsklimaindex der Branche von -25,1 Punkten im März auf -29 Punkte, den tiefsten Stand seit 3 Jahren. Die aktuelle Lage wurde zwar besser bewertet, dies sei laut Ifo jedoch nur temporär. Aufgrund globaler Lieferkettenstörungen weichen Kunden kurzfristig auf Inlandsprodukte aus, was die Aufträge steigen ließ. Gleichzeitig meldet jedes dritte Unternehmen Materialengpässe, zudem ziehen die Chemikalienpreise weiter an. Für die kommenden Monate rechnet die Branche mit einer rückläufigen Produktion und anhaltender Zurückhaltung bei den Beschäftigungsplänen. [Quelle: Ifo-Institut]
🌐 Rohstoffpreise erreichen im März fast Rekordniveau. Der Rohstoffpreisindex der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (Vbw) erreichte im März 193,9 Punkte und lag damit nur 1,2 % unter dem historischen Höchststand von Anfang 2022. Im gesamten 1. Quartal 2026 stieg der Index um 14,3 % im Vergleich zum 4. Quartal 2025, nachdem er dort bereits um 8,4 % zugelegt hatte. Bei den einzelnen Rohstoffklassen verzeichneten Edelmetalle im Quartalsvergleich ein Plus von 34,2 %, gefolgt von Seltenen Erden mit 29,3 % und Rohöl mit 18,9 %. Der Subindex für Industriemetalle wie u. a. Kupfer, Aluminium und Wolfram stieg im Jahresvergleich um 25,3 %. [Quelle: Vbw]
Selektive Agenda:
Heute, Abu Dhabi: Bundeskanzler Christian Stocker in den Vereinigten Arabischen Emiraten (bis 9.5.), u. a. Treffen mit Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan und Besuch der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) mit Industrieminister und ADNOC-CEO Sultan Al Jaber
Heute, Astana, Kasachstan und Taschkent, Usbekistan: Außenministerin Meinl-Reisinger und Innenminister Karner in Kasachstan und Usbekistan (letzter Tag)
9:00 Uhr, Wien: Bundesrat, Aktuelle Stunde mit Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die „Großhandelspreise April“, den „Einzelhandel-Umsatzindex März“ und den „Außenhandel Februar“
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht „EU-Einzelhandelsumsatz März“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Gerald Loacker wurde als österreichisches Mitglied für den Europäischen Rechnungshof (EuRH) nominiert. Thomas Priglhuber ist neuer Kassier beim Zukunftsforum SHL. Walter Semlitsch wurde zum neuen Obmann der Pendlerinitiative Österreich gewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren Elisabeth Gürtler, Andreas Ottenschläger und Tanja Graf zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
13:00 Uhr, Salzburg: Expertenforum Luftfahrt der Aviation Industry Austria anl. „Ein Flughafen als Schnittstelle von Kultur, Sport und Wirtschaft – seit 100 Jahren“ am Flughafen Salzburg u. a. mit Elisabeth Zehetner, Julian Jäger, Bettina Ganghofer, Lukas Crepaz, Edi Wolfensberger, Stephan Erler, Klaus Grabler [Info]